Stilblüte, banal, jodeln #abc.etüden

Egal wie banal der Streit um manche Dinge auch war, eines war sicher: Wurde Harri lauter, flitzte Siggi und schloss sämtliche Fenster des Hauses:
»Die Nachbarn.«
»Mich interessieren die Nachbarn nicht, mich interessiert, wieso das Konto schon wieder überzogen ist!«
»Das weiß ich doch nicht«, pampte sie zurück und überlegte, ob Harri die zwei neuen Blusen im Schrank gefunden hatte. Deren Etiketten hatte sie vorsichtshalber direkt in der Mülltonne versenkt und den Müllbeutel aus der Küche noch obenauf gepackt.
Harri wedelte mit der Heizölrechnung: »Der Kühlschrank ist leer und die Rechnung muss bezahlt werden. Wenn du in den nächsten zwei Wochen nicht von trocken Brot und Finkensirup leben willst, solltest du mal deinen alten Herrn um Geld bitten.«
»Das kann ich nicht«, wehrte sie ab.
»Du kannst dich selbstverständlich auch in die Fußgängerzone stellen und jodeln«, schlug Harri vor, »Stilblüte hin oder her. Dann ist dein Jodeldiplom wenigstens zu etwas nütze.«

Verbunden mit:Christiane und den abc.etüden.

Es gilt, die drei Worte „Stilblüte, banal und jodeln“ in maximal zehn Sätzen unterzubringen.

Alle Tassen im Schrank #Frapalymo

Wenn du morgens
die Tasse aus dem Schrank nimmst,
wählst du die eine,
die mit dem Sprung,
die nicht mehr klingt,
wenn du sie auf der Untertasse
abstellst.
Ist der Kaffee getrunken
spülst du sie mit der Hand,
reibst die Kaffeekrümel aus,
trocknest sie und
räumst sie zurück.

Verbunden mit: Frau Paulchen und dem #Frapalymo, Frau Paulchens Lyrikmonat.

Alles für die Katz #68

Löwenkopf als Türzieher

 

Ein Löwenkopf dient schon seit der Antike als Wächter, sollte Diebe und freche Eindringlinge schrecken. Ob die sich dann tatsächlich von Tempeln und Grabstätten fernhielten?

Bis heute kann man viele dieser Großkatzengesichter auf Portalen finden. Das liegt nicht nur daran, dass die Türen seit dem Mittelalter sämtliche Zeit unbeschadet überstanden haben, sondern auch daran, dass Löwenköpfe irgendwann einmal wieder sehr modern waren. Zu welcher Spezies dieser gehört, kann ich nicht sagen: Die Helligkeiten auf dem Holz können jedoch darauf hinweisen, dass er wohl nicht mehr ganz gerade hängt.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen.

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

12 Bilder vom 12. November

Regennasse Fliesen auf dem Balkon

Der Morgen fängt schon nass an: Es regnet und leise gurgelnd rinnt das Wasser über die Ziegeln, in die Regenrinne und bis nach unten.

Nein, ich will nicht raus.

Selbst die Katz entscheidet sich für ein gemütliches Morgenschläfchen auf meiner Zeitung und hält sich die Augen zu. So muss sie nichts sehen. Klappert allerdings der Futternapf, springt sie sofort hellwach auf.

Der Ofen mit Stein wird langsam heiß.

Da heute die Lieblingshausziege zurückkommt, braucht sie morgen was zu essen. Es gibt Pizza: Die kann sie sich mit an die Arbeit nehmen und dort aufwärmen.

Unterwegs. Zwei Gänse auf dem Feld.

Ich muss los, auch wenn das Wetter wenig schön ist. Zwei Gänse landen auf dem Feld und wundern sich ebenfalls über die weiße Pracht.

Das Gras ist noch grün.

Auch das Gras hat noch nicht mit Schnee gerechnet: Alles ist noch ganz grün.

Baum noch mit Blättern.

Das Bäumchen hält die letzten Blätter ganz fest. Aber ich fürchte, nicht mehr lange.

Viel wächst nicht mehr. Aber das Zeug könnte auch in einer Vase eine gute Figur machen.

Blumen gibt es in dieser Zeit nicht mehr.

Die Vogelscheuche friert. Oder?

Die Vogelscheuche guckt, als wäre ihr so richtig kalt. Ja, dann geh doch dorthin, wo es warm ist.

Eine Rose ist noch im Vorgarten.

Im Vorgarten ist noch eine letzte Rose.

 

Ein heißer Tee,

drei echte Elisen-Lebkuchen

Feuer im Kamin

und prasselndes Feuer im Kamin. So endet der Tag.

 

Die freundliche Nachbarin, bei der es draußen immer Kännchen gibt, sammelt alle Bilder von diesem Tag – dort gibt es noch viel mehr davon zu sehen.

16 Uhr 22 #Frapalymo

Das Holz knackt leise im Ofen,
längsgestreckt liegt die Katz davor.
Draußen dämmerts. Wir hoffen,
der Vorrat reicht. Bevor

Der Winter recht beginnt, fällt leise
Rieselnd Schnee aufs Gras.
Deckt blanke Erde weise
Zu. Wir sehn durchs Glas,

wie die vertraute Welt versinkt,
wie Stürme rund ums Erdenrund
Wirbeln – wer mag, trinkt
Glühwein heiß und bleibt – gesund.

Feuer im Ofen.

Verbunden mit: Frau Paulchen und dem #Frapalymo, Frau Paulchens Lyrikmonat.

Der Impuls für heute lautete: 16 Uhr 22.

Chinareise, krabbeln, Ahornblatt #abc.etüden

Seit Siggi wusste, dass Harri mit seinen Kollegen eine Chinareise gebucht hatte, litt sie unter Herzrasen, sobald ihr Mann nicht in Hör- oder Rufweite war. Dass er morgens zur Arbeit gehen musste, machte es für sie nicht einfacher. Verließ er das Haus, drückte sie den Kindern fünf Euro in die Hand: »Kauft euch was zum Frühstück!« und legte sich erschöpft von der durchwachten Nacht eine Stunde lang in die Badewanne.
Mittags holte sie abwechselnd Döner, Hamburger und Bratwürstchen. Waren die Kinder in ihren Zimmern verschwunden und – Computer sei dank – für die nächsten Stunden beschäftigt, jammerte sie ihrer Mutter die Ohren voll: »Ich weiß nicht, was ich machen soll«.
»Das hast du dir selbst eingebrockt«, entgegnete ihre Mutter ungerührt: »Aber du wolltest ja nicht hören«.
Siggi schluckte den Widerspruch hinunter, er hätte nichts bewirkt. Vor ihrer eigenen Tür angekommen, stampfte sie wütend mit dem Fuß auf: Harri war noch nicht zurück. Sie rutschte auf dem gelben Ahornblatt aus, das der Wind vor die Schwelle gelegt hatte und die zwei Stufen der Treppe nach unten und blieb platt wie ein Käfer auf dem Rücken liegen. Selbst der Versuch zu krabbeln misslang.

Verbunden mit: Christiane und den abc.etüden. In dieser Woche waren Chinareise, Ahornblatt und krabbeln die drei Worte, die zu einer zehn-Satz-Geschichte verwoben werden wollten.