Anatewka oder der Fiedler auf dem Dach

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Sondershausen, Schlosshof

Gestern waren wir, eingeladen von den Eltern, in Sondershausen und haben im Schlosshof „Anatevka“ geguckt. Wettertechnisch war viel Glück dabei: In Sondershausen angekommen, gingen wir vor der Vorstellung Essen, währenddessen regnete es in Strömen. Das Musical über blieb alles trocken, kaum waren aber die letzten Töne verklungen, fing es wieder an zu tröpfeln und regnen.

Das Lied „Wenn ich einmal reich wär“, das der Milchmann Tevje ziemlich zu Beginn singt, ist wohl jedem bekannt. Ursprünglich heißt das Stück ja „The Fiddler on the Roof“, das war auch der Grund dafür, dass die Mutter, als sie sich vor der Aufführung im Opernführer über die Handlung informieren wollte, das Stück nicht fand. Sie hatte unter „Anatevka“ gesucht. Anatevka ist übrigens der Name des kleinen Schtetls, in dem der Fiedler auf dem Dach und der Milchmann Tevje wohnen.

„Ein Fiedler auf dem Dach. Klingt verrückt, oder? Aber hier in unserem kleinen Schtetl Anatevka ist eigentlich jeder ein ‚Fiedler auf dem Dach’. Jeder versucht, eine schlichte und schöne Melodie zu spielen, ohne sich dabei das Genick zu brechen.“ so sagt Tevje. Der Titel wurde durch die Bilder von Marc Chagall inspiriert, bei dem oft ein Geiger auf dem Dach herumsitzt oder steht. Der Fiedler erscheint immer dann, wenn es eine Wendung gibt, in diesem Stück, das eigentlich nicht gut endet.

Tevje will sich an die Tradition halten, will bestimmen, wen seine Töchter heiraten. Doch die haben ihren eigenen Kopf – und setzen ihn auf pfiffige Weise durch. Und Tevje unterstützt sie, jedenfalls die beiden älteren Mädchen. Nur die dritte, die einen Russen und keinen Juden heiratet, die wird von ihm verstoßen. Es ist ein Kaleidoskop aus Festen, Hoffnung, Pogrom und Verzweiflung, bitterem Ernst und jüdischen Witz, eine Gratwanderung zwischen der Armut im Alltag und dem Druck der Obrigkeit.

Der Dorfgendarm verkündet am Ende leutselig den Räumungsbefehl, Tevje will Widerstand leisten, doch der Vertreter des Staates winkt ab: „Gegen unsere Armee – das würde ich dir nicht empfehlen“.

Bis dahin aber versucht der Milchmann Tevje seine drei Töchter standes- und glaubensgemäß zu verheiraten und er findet mit Vaterliebe und Humor einen Weg, ihre eigene Wahl zu akzeptieren. Bis auf die Wahl der dritten, hier kann er nicht mehr über seinen Schatten springen, in seinem Monolog, wenn alles stillhält und er überlegt: Einerseits – Andererseits.

Das Stück spielt ganz am Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Zaren noch in Russland herrschten und das Leben der osteuropäischen Juden arm war – und sie immer wieder von Pogromen und Übergriffen der russischen Bevölkerung betroffen waren. Nach der Revolution von 1905 verschärfte sich alles noch einmal mehr.

Als Tevje seiner ältesten Tochter gestattet hat, den armen Schneider und nicht den reichen, aber alten Schlachter zu heiraten, will auch die zweitälteste Tochter den heiraten, den sie liebt. Und Tevja sitzt auf einmal mit seiner Frau Golde da, auf einer Bank und fragt sie, ob sie ihn liebe: „Ist es Liebe?“ https://www.youtube.com/watch?v=W9FZPQE_3zc, immerhin hatten sie auf Wunsch der Eltern geheiratet – ohne sich zu kennen.

Es hat sich gelohnt.

 

gehängt zur ewigen Ruhe

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Neulich waren wir in Cham, besuchten das dortige Redemptoristenkloster und bekamen von einem Pater auch eine Führung durchs Städtchen. An der Klostermauer hingen zwei Glockenklöppel. Jedem der beiden war sein jahrhundertelanger Dienst deutlich anzusehen, diesem hier, den ich fotografiert habe, noch ein bisschen mehr als dem anderen. Sie wurden geradezu platt geschlagen im Lauf der Zeit. Da gilt mal nicht: Steter Tropfen höhlt den Stein, sondern steter Schlag plättet den Klöppel…

Damit läute ich dieses Wochenende ein, ganz im Sinne von Frau Tonari.  Wer auf den Link klickt, kommt zu ganz vielen Klingeln, Rasseln und anderen Dingen, die das Wochenende mehr oder weniger stilvoll einläuten.

Alles für die Katz #36

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Katz und Technik

Das kleine Kätzchen unter dem großen Auto – hier findet es Schutz und ein Dach über sich, doch wenn es nicht acht gibt und im entscheidenden Moment schnell zur Seite springt, wird es zur Plattkatz.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist.

Wolkenspiele am Himmel

Manchmal spannt sich der Himmel so unauffällig wie ein ausgewaschenes Laken über uns auf, manchmal türmt er aber auch die Wolken zu riesigen Bergen, schiebt ganze Landschaften zusammen oder lässt Fabeltiere über das Firmament wandern. Schon als Kind konnte ich den Wolken stundenlang zuschauen, bot doch die Schule ausreichend Zeit und weniger Abwechslung als das Wolkenspiel.

Auf den Wolkenbildern ist in Schwarz-Weiß zwar nicht mehr zu sehen, ob der Abendhimmel tiefrot glühte und wie blau sich die Tiefe des Himmels hinter den Wolken bis ins All dehnt, doch ich schicke sie zur netten Nachbarin, der Frauke, die wöchentlich Bilder in Schwarz-Weiß versammelt.

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12 Bilder vom 12. Juni

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Rose im Garten.

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Sonnig. Weiße Wolken.

Heute ist Sonntag – und wer auch immer behauptet hat, dass es heute nur regnen würde – nun, der hatte unrecht. Vor drei Tagen bekam die Rose einen Rosenbogen, jetzt kann sie sich recken und strecken. Der Bruder des Mitbewohners erzählte von den zwei Rosen, die er auf seinem Grundstück gepflanzt hat und die nicht so richtig wachsen wollen. Er will jetzt auch einen Rosenbogen kaufen.

Die Wolken sind weiß und immer wieder ist es sonnig. Wie schön. Da im August die mittlere Tochter ihre kirchliche Hochzeit feiert, fahren wir mal nach Weinfranken, Wein kaufen.

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Störche auf der Wiese.

Die Jungstörche sind schon wieder groß genug, um mit den Alten auf den Wiesen nach was auch immer zu suchen. Kurz hinter Uehlfeld stakst jedenfalls eine ganze Anzahl von ihnen über eine Wiese. Neulich sah ich einen Trecker, der das Gras auf der Wiese mähte. Hinter diesem storchte eine erkleckliche Anzahl an Störchen ebenfalls durch das gemähte Gras, und suchten ihr Futter.

Wir bogen von der Hauptstraße

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Einersheim: Wirtshaus zum Roten Ross.

ab und fahren nach Einersheim. Im dortigen Wirtshaus zum Roten Ross haben wir schon öfter Wein gekauft, so auch heute, obwohl es bereits drei Uhr war und das Wirtshaus schon geschlossen hatte. Weinverkauf geht immer. Diesmal kommen Rotling, Bachus und Domina in den Kofferraum. Die Wirtin erinnerte sich sogar an uns und daran, dass ich mein Geld mit Schreiben verdiene.

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Alte Ziegeln an der Wand.

Im Hof des Wirtshauses steht eine alte Weinkelter von achtzehnhundertirgendwann und die alten Ziegeln schmücken die Hofwand.

Demnächst müssen wir endlich mal hierher fahren und wandern und mit dem Fahrrad fahren, echtjetzmal.

Wir holen noch zwei andere Weinsorten beim Weingut Gamm in Einersheim, fahren dann weiter.

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Eingangstor nach Iphofen.

Für einen Abstecher ins zwei Kilometer entfernte Iphofen ist trotzdem Zeit.

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Überall Weingüter, auch in Iphofen.

Wir parken das Auto ganz vorbildlich auf dem Parkplatz vor den Stadttoren. Bis jetzt schien die Sonne, da wird es doch wohl so bleiben. Nein, blieb es nicht. Es fing an zu schütten, wir stellten uns unter, allerdings war die Mitbewohner ungeduldig genug, so dass wir das Ende des Regens nicht abwarteten, sondern lieber schnell zum Cafe flitzten.

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Noch ein Stadttor von Iphofen.

Auch in Iphofen gibt es eine Menge Weingüter, doch hier kosten die Weine gleich etwas mehr. Dabei liegen zwischen Einersheim und Iphofen gerade einmal zwei Kilometer – und geschmacklich kann ich keinen Unterschied finden. Aber vielleicht bin ich ja nicht Kenner genug, mir soll der Wein ja auch einfach nur schmecken.

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Im großen Tor ist ein kleines Türchen.

Rund um Iphofen gibt es immer noch einige Stadttore. Die haben 1524 wohl vor den Bauern geschützt. Damit die Schweden die Häuser der Stadt stehen ließen, statt sie wie anderswo niederzubrennen, zahlten die Iphofener 10.000 Gulden. Danach quartierten sich die Schweden sogar in der Ortschaft ein.

Im großen Stadttor ist ein kleines Türchen eingelassen. Ich müsste mich ziemlich bücken, falls ich überhaupt durchpassen sollte.

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Eine Wirtschaft mit Linde.

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Noch ein Stadttor von Iphofen.

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Wir trödeln noch etwas, bevor es zurück geht: Immer noch bei Sonnenschein und hohen Wolkenbergen drumherum.

 

Das ist mein Beitrag zu: 12 Bilder vom 12. Juni, bei Draußen nur Kännchen gibt es die vielen Bilder der anderen Teilnehmer.

Die Gläser klingeln zum Feierabend

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Glasspieler

Heute waren wir unterwegs, der Mitbewohner und ich. Früh am Morgen fuhren wir mit dem Zug nach München, besuchten eine Ausstellung, schlenderten ein wenig herum und ließen uns in den Feierabend von jenem Glasspieler einläuten. Ungarischer Tanz von Dvorak, Musik aus dem Ballett Nußknacker von Tschaikowski.

Jetzt sind wir gerade wieder daheim, gönnen uns noch ein Hefeweizen und lassen den Tag ausklingen. Schön wars.

Die Gläser klingen dann noch bei Frau Tonari, im Freitags-Klingel-Konzert.

Elf Fragen, von Frau Brüllen gestellt

Frau Brüllen stellte elf Fragen und warf das Stöckchen in die Runde, auf dass es von allen gefangen werden könne, die Lust haben. Ich fand die Fragen nett, also, warum nicht:

1. Wie hättest Du geheissen, wenn Du mit dem anderen Geschlecht zur Welt gekommen wärst?

Ich weiß es nicht. Ehrlich. Auch wenn ich noch zu der Generation gehöre, die ihre Eltern damit überrascht hat, ob sie als Mädchen oder Jungen das Licht der Welt erblicken.Da gab es keinen Ultraschall, mit dem das Geschlecht des Kindes vorher bestimmt werden konnte. Ich wollte die Eltern zwar anrufen und fragen, welchen Jungennamen sie sich überlegt hatten, aber auf der anderen Seite redete nur die Stimme meines Bruders, der einst den Anrufbeantworter besprochen hatte. Den kann ich aber nicht fragen.

2. Gibt es was, was Du Dir als Kind selber zurecht gelegt hast als Erklärung für irgendwas, was so überhaupt nicht mit der Realität übereinstimmt?

Ich habe als Kind manchmal Dinge erlebt – und wenn ich hinterher nachgefragt habe, wurde mir gesagt: Das war so gar nicht, das hast du dir nur ausgedacht, du mit deiner blühenden Fantasie. Ich habe lieber irgendwann das Fragen gelassen.

3. Wer hat dich seinerzeit zum Bloggen gebracht/motiviert/inspiriert? 
Der Blog von Frau Zappadong: Klick auf den Link. den ich immer noch – mehr oder minder regelmäßig mitlese, auch wenn ich nicht in der Schweiz wohne.
4. Wenn Du den Rest Deines Lebens nur noch ein Outfit tragen dürftest, was wäre das?
Blau. Vermutlich. Lieber Kleid, als Hose.
5. Gibt es einen Punkt in Deinem Leben, von dem Du sagen kannst: Hätte ich mich da anders entschieden, wäre ich 5 Minuten später gekommen, in die andere Richtung gegangen, mein Leben wäre total anders verlaufen? Wenn ja, welchen?
Nein, den gab es nicht, vielmehr: Den konnte ich ohnehin nicht beeinflussen, wie beispielsweise den Moment, als einer meiner Kommilitonen in mein Zimmer kam und erzählte, dass jetzt in Berlin die Mauer offen ist.
6. Wie wäre es denn verlaufen?
Ja, keine Ahnung. Was wäre gewesen, wenn es die Wende nicht gegeben hätte? Dann wäre ich sicherlich nicht diejenige, die ich heute bin. Soviel ist sicher. Ich hatte gerade den Horror davor, dass ich bald nach dem Studium arbeiten würde – in einer Firma, in der ich bis zum Ende meines Arbeitslebens stecken würde. Ich habe noch überlegt, wie ich da die Kurve kriegen und was anderes machen könnte – da kam glücklicherweise die Wende und vieles wurde möglich, an das vorher gar nicht zu denken war.
7. An welchen Bewegungen, Haltungen, Gesichtsausdrücken erkennt man Dich?
Das müsste ich jetzt die anderen um mich herum fragen. Ich muss mich ja schließlich nicht erkennen.
8. Was ist Dein Lieblingsverkehrsmittel?
Meine Füße. Leider reichen sie nicht für jede Entfernung aus. Oder die Zeit ist zu kurz, in der ich die Entfernung zurücklegen muss.
9. Was ist Dein skurrilster Essenstick?
Bei jedem Essen mit der Nase in der Zeitung stecken. Ok, skurril ist das nicht. Ich bin dann einfach wenig gesprächig und oft genug beschweren sich dann meine Mitbewohner über die fehlende Aufmerksamkeit. Aber da ich mal gelernt habe, dass ich beim Essen nicht sprechen soll, war das Lesen eine willkommene Ablenkung.
10. Morgens oder abends duschen?
Je nachdem, wann ich Zeit habe und der Meinung bin, dass es nötig ist.
11. Lässt Du Dich zu Mutproben anstiften? Was war die blödste?
Ähm. Nein. Lieber nicht. Für mich ist es schon eine Mutprobe, wenn ich einen Stoff zuschneide – immer mit der Möglichkeit, mich gründlich zu verschneiden. Da das schon passiert ist, weiß ich, wovon ich rede.
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Meine kürzlich genähte Bluse. Wie immer fehlt noch eine Kleinigkeit, aber wenn sie fertig ist, kann ich sie auch präsentieren. Später.

Der Duft der Weite

Wie schön wäre es, wenn Bilder mit Düften versehen werden könnten. Dann könnte jeder den warmen Duft nach frischer Pfefferminze riechen, die hier auf den weiten Feldern rund um Vestenbergsgreuth wächst.

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Pfefferminzfeld.

Jeder Schritt unter der glutheißen Sonne wirbelt winzige Staubkörnchen auf, die sich wie ein leichter Pelz auf die Zunge legen und erinnert an die Kindheit, die Märsche in der Sonne bis zum Schwimmbad, die so endlos schienen und die doch irgendwann mit einem Sprung in das nach Chlor riechende Wasser endeten, mit viel Gekreisch, spritzendem Wasser und den verzweifelten Versuchen, das Wasser wieder aus den Ohren zu kriegen.

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Himmelsblau. Endlos.

Der blaue Himmel spannt sich weit bis zum Horizont, nur ein paar flusige Wolken halten sich noch. Die Lerchen steigen hoch, bis sie nur noch als kleine, flatternde Pünktchen über den Feldern hängen und mit ihrem Zwitschern an die schrillen Töne erinnern, die das Röhrenradio beim Suchen der fernen Sender von sich gab: Wo liegen eigentlich solch magische Orte wie Hilversum, Stavanger oder Limoges, die so weit weg waren, dass sie sich nur als fernes Rauschen bemerkbar machten? Die Kalksteinschotterwege werden von immer neuen Glutwellen geflutet, bis sich die Kühle der Bäume im Wald über den Wanderer neigt.

Unter den Bäumen duftet es nach Tannenharz, nach grünem Latschenkiefernbad und mittendrin liegt ein Stein am Weg, gefleckt mitsieben blanken Schildern aus nichtrostendem Aluminium. Auf jedem Schild ein Name, ein Alter, eine Funktion: Hier stürzte eine getroffene Halifax zwischen die Bäume, nachdem sie in der Nacht vom 27. auf den 28. August 1943 in Nürnberg getroffen wurde. In dieser Nacht transportierten die Flieger von England aus insgesamt 850 Tonnen Sprengbomben und 850 Tonnen Brandbomben nach Nürnberg und entluden sie über der Stadt und Umgebung.

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Gedenkstein.

Warum warteten die sieben jungen Menschen, bis ihr Flugzeug am Boden zerschellte? Ein Mann aus dem nahe gelegenen Fetzelshofen, der sich darum kümmerte, dass hier jetzt ein Denkmal mahnt, erinnerte sich daran, dass die Maschine dicht über den Bäumen langsam flog. Vielleicht war es trotzdem besser so: Schließlich gibt es auch Berichte, nach denen die überlebenden Piloten und Flugzeuginsassen nach dem Absturz nicht versorgt und gerettet, sondern gelyncht wurden. Sie waren ja Feinde.

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Hier ist nichts mehr, aber hier war mal eine Siedlung.

12 502Ein großer Baum steht in der Sonne, mitten im hohen Gras, zwischen mehreren Weihern in denen – wie in anderen Weihern auch – das Fröschequaken zu Hause ist. Hier, irgendwo, standen einst Häuser und sogar ein Schloss. Davon ist nichts mehr zu sehen. Eine Tafel erinnert noch daran, erzählt, wie die Gebäude verkauft und anschließend Stein für Stein abgebrochen wurden. Damals, als Bauschutt noch kein Sondermüll war, sondern als willkommenes Baumaterial für den Bau neuer Häuser verwendet wurde. Schließlich waren die Steine bereits fertig behauen und konnten wieder aufeinander geschichtet als Fundament dienen.

 

Ich verlinke den Beitrag mit dem Schwarzweißblick bei der netten Frauke nebenan  

und bei Black & White bei Czoczo.

 

Tagebuchbloggen am 5. Juni

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag, kurz: WmdedgT, fragt die nette Frau Brüllen an jedem 5. des Monats. Heute war Sonntag. der richtige Tag, um einen Ausflug zu unternehmen. Bis vor gar nicht allzu langer Zeit gab es in Forchheim ein Kloster der Redemptoristen. Die Kirche gibt es noch, das Kloster selbst ist verkauft und inzwischen zu vielen edlen Eigentumswohnungen mutiert, die inzwischen alle verkauft, aber noch nicht alle vermietet sind. Das liegt möglicherweise an der Höhe der Miete, die dafür gezahlt werden soll.

Weil sich viele Menschen in Forchheim dem Kloster und den Redemptoristen sehr verbunden fühlen, wurde ein Klosterverein gegründet. Die Mitglieder des Vereins sorgen beispielsweise dafür, dass in der Kirche noch Gottesdienste stattfinden, zu denen auch ab und an zu den Hochfesten die Redemptoristen kommen. An diesem Sonntag unternahm der Klosterverein einen Ausflug nach Cham, zum dortigen Redemptoristenkloster, und, was soll ich sagen, wir waren dabei.

Im Bus ist Anschnallpflicht, mahnt der Fahrer. Wenn kontrolliert würde, müsse jeder 60 Euro zahlen, der nicht angeschnallt sei. Brav greifen die älteren Damen und Herren nach dem Gurt und schnallen sich am Bussitz fest. Aber: Wer soll hier kontrollieren? Von außen ist nicht zu sehen, ob der Bauchgurt nun befestigt ist, oder nicht. Hält der Bus an, weil ein Kontrolleur einsteigen will, dann steht dieser und fährt nicht. Im stehenden Bus brauche ich nicht angeschnallt zu sein.

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Cham und der Regen.

Die Kirche wurde im „Historismus“ gebaut, aus jeder Epoche wurde das eingebaut, was gefallen hat: Gebaut im Stil einer frühchristlichen Basilika mit großem Schiff, niedrigeren Seitenschiffen und großer Apsis, Seitenaltäre im Stil der Neoromanik und eine gotische Rosette über dem Eingang. Innen ist die ganze Kirche im Nazarenerstil wie ein Bilderbuch bemalt. Als Maria-Hilf-Kirche sind rings unter den Lichtgaden Bilder aus dem Leben Mariens, daneben die bayerischen Bistumsgründer, an der Decke ein Sternenmantel – da ist quasi kein Stück Wand, das nicht bemalt wurde.

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Klosterkirche in Cham.

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Die Apsis ist innen bemalt.

Es gab Mittagessen, Kaffee und Kuchen, einen Stadtrundgang, eine Kirchenführung – und die ganze Zeit strahlte in Cham die Sonne vom Himmel, während ringsum dicke Wolken drohten.

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Das gemeinsame Wohnzimmer der Mönche.

Wir durften sogar einen Blick in die Klausur der Mönche werfen, sahen den gemeinsamen Speisesaal, das Wohnzimmer und das Sprechzimmer.

Spät am Nachmittag stiegen alle Mitreisenden wieder in den Bus ein, der Rückfahrt wegen. Doch der Bus wollte nicht anspringen.

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Stadttor von Cham

Also ging es noch einmal zurück zum Kloster, so ein Bus lässt sich nun einmal nicht einfach anschieben. Eine Stunde später brummte der Motor, alle stiegen ein, der Bus fuhr los und der Regen begann.