12 Bilder vom 12. April

Da ich gelegentlich am Wochenende arbeite, nehme ich mir auch mitten in der Woche frei. Ist das Wetter schön, kann ich es so nutzen und muss nicht warten, bis der nächste Regen die geplante Wanderung zur Schlammschlacht werden lässt. Wir fuhren nach Kasendorf, das nicht weit von Kulmbach und Bayreuth entfernt liegt und schöne Aussichten verspricht.

Vor der Gastwirtschaft „Goldener Anker“ begrüßt uns ein Herkules auf dem österlich geschmückten Brunnen.

Herkules auf dem Osterbrunnen in Kasendorf

Was macht der hier? Ich frage ihn, doch er schaut nur stumm über mich hinweg und antwortet nicht. Bevor er mir jedoch seine Keule über den Kopf ziehen kann, gehen wir lieber weiter.

Herkules in Franken. Mit Löwenfell und Keule.

Bis zum Ortsausgang müssen wir der Hauptstraße folgen. Soll etwa der ganze Wanderweg an dieser entlang führen? Nein, wir biegen links ab. Von einem alten Haus ist nur noch der Keller zu sehen, auf den Mauerresten hat sich ein Baum eingenistet. Wird die Natur nicht gestört, wächst sie einfach wild und überall. Ab hier geht es steil bergauf. Wir überholen ein junges Paar mit kleinem Kind, das sich hier im Spazierenstehen übt.

Auf dem Berg war eine Wallanlage, vom Tor ist nichts mehr vorhanden. Eine Tafel klärt auf, dass der Weg schon damals im Uhrzeigersinn auf den Berg führte: Da Rechtshänder ihren Schild links trugen und rechts das Schwert, blieben sie so ungeschützter und waren von oben leichter mit Pfeilen zu treffen.

Der Magnusturm. Auf dem Rest einer alten Zufluchts- und Wehranlage erbauter Signalturm.

Bald sind wir oben: Hier steht der Magnusturm, der 1498 als Wart- und Signalturm auf den Ruinen eines früheren Turmes errichtet wurde und damals Signale an die Plassenburg und Burg Zwernitz gab. Die Plassenburg können wir deutlich in der Ferne erkennen, nur von Burg Zwernitz ist nichts zu sehen. Vielleicht suchen wir ja auch in der falschen Richtung, wer weiß.

Jetzt, so hier oben, würde ich auch Kaffee und Kuchen genießen. Aber außer der Aussicht wird nichts geboten.

Oben auf dem Magnusturm.

Die Buchen sind noch unbelaubt, unter ihnen grünt und blüht es: weiße und gelbe Buschwindröschen, Himmelsschlüssel, Scharbockskraut und Lerchensporn, der ein wenig wie kleine Akeleien aussehen. Gelegentlich fliegt eine dicke Hummel des Wegs, Zitronen- und andere Falter flattern.

Lila Lerchensporn.

Wenn wir auf dem Weg zurück nicht so eifrig geschwätzt und währenddessen einfach geradeaus gelaufen wären, wäre uns vielleicht aufgefallen, dass der richtige Weg nach rechts abbog.

Also: Wieder zurück, steil nach oben stiefeln und den richtigen Abzweig nehmen. Wer auf der falschen Bergseite absteigt, muss andernfalls unten einen viel längeren Umweg laufen. Zurück in Kasendorf überqueren wir die Hauptstraße und steigen auf der anderen Seite den nächsten Berg hoch. Ein Weg soll nach rechts zum Sonnentempel führen, doch welcher mag das sein? Der erste führt zu einer Art Müllhalde. Wer ein Handwaschbecken braucht, an dem selbst die chromblitzende Armatur noch vorhanden ist, bitte sehr. Hier werden Sie fündig.

Erst ganz oben steht der Wegweiser und zeigt auf einen schmalen Pfad. Dieser führt um eine Bank und zwischen Wald und Feld entlang zunächst durch den Wald, dann bis zum Sonnentempel. Wir gehen näher und setzen uns. Die Farbe riecht noch ganz frisch, der Mitwanderer muss zweimal niesen, aber sie ist völlig trocken.

So schön es hier oben auch ist, die Vögel geben sich wirklich die allergrößte Mühe, doch der Verkehr dröhnt. Während jedoch die Autos immer leiser unterwegs sind, scheint für Motorräder das Gegenteil zu gelten. Sie dröhnen immer lauter.

Wandermarkierung in Blau-Weiß. In Franken!

Wir gehen weiter nach rechts und übersehen fast den schmalen Pfad, der rechts in den Wald hineinführt. Die blau-weiße Markierung schimmert jedoch schon von weitem und führt uns zum Felsentor.

Felsentor bei Kasendorf

Wir gehen hindurch, passen aber immer gut auf, wo wir hintreten. Fränkische Steine und Wege sind schließlich keine ebene Fußgängerzone.

Das Felsentor bei Kasendorf von der anderen Seite.

Da wir jetzt auf der anderen Seite von Kasendorf unterwegs sind, haben wir immer mal einen schönen Blick auf das Dorf und den Magnusturm. Als der Weg an einer kleinen Schlucht entlang führt, sind die hellen Felsen gut zu sehen. Noch ist nichts belaubt. Hier ist auch der Endpunkt eines Geologischen Lehrpfades. Auf Tafeln wird erklärt, wie die Steine hier entstanden, die wir so schnöde mit Füßen treten.

Geologischer Lehrpfad. Hier wird alles erklärt.

Tafel mit Aussicht.

Das Bienenhäuschen erkennen wir nicht sofort als solches, die Bretter vor den Fluglöchern wirkten wie gemütliche Bänke. Da hätten wir aber bestimmt nicht lange gesessen. Durch einen Hohlweg geht es zurück nach Kasendorf.

Aussicht: Auf dem gegenüberliegenden Hügel ist der Magnusturm.

Das sind meine 12 Bilder vom 12. April, die anderen sind bei der freundlichen Nachbarin zu sehen, bei der es Draußen nur Kännchen gibt.

Verbunden mit: Daily prompt. 

Ein Gedanke zu „12 Bilder vom 12. April

  1. Hallo Jaelle,
    das war ja eine schöne Berg- und Talwanderung.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass Du den Mitwanderer so anregend unterhältst,
    dass Ihr glatt das Abbiegen verpaßt. Es ist schön, wenn man einen Beruf hat, der es erlaubt, mal spontan einen Tag Urlaub zu nehmen.
    Frohe Feiertage wünsche ich Dir mit etwas angenehmeren Temperaturen.
    Liebe Grüße
    Edith

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