Die Seifenschachtel in meiner Tasche

Nichts ist schlimmer, als wenn Mutter ein Taschentuch erst bespuckt und es gleich darauf mit den Worten: „Da klebt noch Schokoeis“ quer durch das Gesicht reibt und rubbelt.

 

 

Da trage ich doch lieber ein Stück Seife in meiner Tasche, rot und herzchenförmig, in einer Blechdose, blau mit roten Herzchen drauf.

Man kann ja nie wissen, wer einem so begegnet, der sich eine gründliche Kopfwäsche mehr als verdient hat. Praktisch ist das schon: Nimmt ein Gegenüber schmutzige Wörter in den Mund, Worte von Dingen, die ich noch nicht einmal in die Hand nehmen würde, kann ich flugs die Seife auspacken und anbieten: „Soll ich dir jetzt den Mund auswaschen?“

Nein, ich leide nicht an Waschzwang. Eher stören mich die unsauberen Mitmenschen, welche ihre schmutzigen Phantasien fast schon öffentlich lesbar auf der Stirn tragen. Für die allgemeine Ordnung und Sauberkeit bin ich nicht so zuständig, wie’s Annchen im Kaufunger Rathaus: http://www.amazon.de/Mich-frochd-kinner-Gedanggen-nordhessischen/dp/3935663056/ref=sr_1_2?s=books&ie=UTF8&qid=1363354187&sr=1-2

Aber es gibt so Tage, da kommt es mir vor, als hießen alle Brüderle. Besonders, als noch Faschingszeit war und die wenigen grauen Zellen mancher Zeitgenossen, welche im Normalfall heftig „Einspruch“ oder „Vorsicht“ rufen würden, waren mit Alkohol gründlich außer Gefecht gesetzt worden.

Notfalltropfenmäßig, quasi.

Fastenzeit

Mit einem Apfel waren meine Fastentage beendet: Zehn Tage lang gab es nichts zu essen, außer Wasser, Brühe und Tee. Weniger Konsum geht nicht.

Was bringt mir das, wenn ich jedes Jahr zur Fastenzeit faste?

Klar, ich werde ein paar Kilo leichter. Ich friere während dieser Zeit meistens, habe manchmal Kopfschmerzen, bin manchmal müde und manchmal auch viel wacher, als sonst. Auf einmal habe ich viel Zeit, die sonst für das Zubereiten des Essens und das Essen als solches gebraucht wird. Nach einiger Zeit fühlen sich die Zähne ein wenig pelzig an, egal wie oft ich die Zähne putze. Und ich habe ständig einen trockenen Mund, egal wie viel ich trinke. Am unangenehmsten ist jedes Mal der Beginn des Fastens: Das Abführen. Das große Glas mit Glaubersalz-Lösung schmeckt nicht, deswegen stelle ich mir einen großen Becher Tee dazu. Ist das Salzwasser geschluckt, gibt es den für einen besseren Geschmack im Mund.

Jedesmal, wenn ich faste, wird meine Nase sensibler. Ich könnte mit geschlossenen Augen sagen, vor welchem Regal im Supermarkt ich stehe. Besonders vor dem Regal mit den Waschmitteln fällt mir auf, wie stark diese parfümiert sind.

Viele Gedanken drehen sich während dieser Zeit – logisch – um Essen, aber weniger um die Fülle des Tellers, sondern was es alles an Leckereien gibt, die ich hinterher wieder bewusst genießen kann. Ein paar Tage lang nichts zu essen, das klingt zwar erst einmal wie harter Verzicht, kann aber pures Glück bedeuten, wenn man sich darauf einlassen mag. Das Kind freut sich ebenfalls: Es ist ganz allein für sein Essen verantwortlich, darf sich machen, was es will. Was sich zunächst nach Pfannekuchen und Grießbreiorgie anhört, doch in diesem Jahr war Couscous-Salat mit Tomaten und anderem Gemüse angesagt.

Viele Menschen fasten zum ersten Mal, wenn für sie eine Zeit des Auf- und Umbruches ansteht, in der Mitte des Lebens oder wenn die Kinder aus dem Haus sind: Jetzt ist es Zeit, über sich selbst, die eigenen Ziele und den Weg dorthin nachzudenken. Ein Fastentagebuch hält die Gedanken fest und ordnet sie: So kann ich auch hinterher, wenn mich der Alltag wieder hat, einige Ideen retten und verwirklichen.