Frauenpower

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Die genderspezifische Arbeitsteilung funktioniert im Tierreich ebenso: Da trägt die Krötenfrau den Krötenmann, während sie mit der Last mühevoll den Weg zum Teich sucht. Zu dem Teich, in dem sie selbst zur Welt gekommen ist – Kröten sind da eher konservativ. Ob er sie wenigstens gefragt hat, bevor er sie so als sein persönliches Krötentaxi bestieg? Oder bedankt er sich in irgendeiner Weise? Vielleicht revanchiert sich ja der Krötenmann, und lädt die Krötenfrau zum Essen ein, wenn sie beide glücklich und gesund im Teich angekommen sind, spendiert ihr eine dicke Fliege.

Jetzt, wo wieder die große Wanderung der Kröten beginnt, sind an manchen Stellen die Straßen von deren Leichen übersät. Denn die Tiere werden aus Erfahrung nun einmal nicht klug, sondern platt. Deswegen hat der Mensch an vielen Stellen Planen aus Plastik gespannt und Gräben gezogen, an deren Enden Eimer stehen. Die Kröten plumpsen in ebendiese Eimer und werden täglich über die Straße getragen, so wie man auch kleinen Kindern oder alten Menschen über die Straße hilft.

Quaken die Kröten hinterher, dann danken sie nicht etwa ihren besorgten Rettern, sondern suchen eben jene Krötenfrau, die sie trägt.

Ein Schelm, der Übles dabei denkt, wenn er den tierischen Vergleich aufs Menschliche bezieht?

Was bekommt man, wenn man einen Frosch an die Wand wirft?

Nein. Keinen Prinzen. Einen platten Frosch.

Frühling, genderspezifisch

Genderspezifische Arbeitsteilung funktioniert auch, wenn es Frühjahr ist: Der Mann bietet den sicheren Stand, hält lässig mit einer Hand die Leiter, während er aufpasst, dass er auch jedem PKW-Fahrer, den er persönlich kennt, mit der freien Hand zuwinkt.

Frau dagegen balanciert oben auf derselben, kämpft mit Putzlappen und Wassereimer gegen den hartnäckig-klebrigen Winterdreck auf den Fensterrahmen. Keine Zeit zum Grüßen.

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Kaum ist endlich der Frühling ausgebrochen und das Gras sprießt munter, wird es geköpft und die Vogelzwitscherruhe vom Rasenmäherknattern übertönt. Keine Zeit, nirgends, selbst Muße und Ruhe werden gecoacht, damit maximaler Ertrag erreicht wird. Effizienz ist die neue Achtsamkeit und weil Ideen so wenig ohne Begießen sprießen – ganz wie Blumen auch – gönne ich mir einen Schluck aus der großen Nuckelwasserflasche, an der so viele hängen, seitdem zwei Liter mindestens – wenn nicht noch mehr – des besseren Hirnumsatzes wegen durch den Körper fließen sollen.

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Frühlingsversprechen, Aufbruchszeit, selbst in den Pflasterritzen sprießt es grün – und egal wie lang und kalt der Winter war: Die Plagegeister sirren bereits, lauern auf nackte Wade fürs erste blutrünstige Mahl.


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Gute Vorsätze

 

Ich kann mir einen Satz ausdenken und dazu einen Satz davor, einen Vorsatz. Vorsätze fassen ist piepeinfach: Ich denke mir etwas aus, nein, das brauche ich noch nicht einmal. Ich erinnere mich einfach daran, wie ich gerne wäre, was ich gerne wäre – wenn ich nicht so bequem und überhaupt mehr Zeit haben würde. Weil der innere Schweinehund ganz schön fett und feist ist und sich nicht bewegen will, ist das mit dem Vorsatz auch so schwierig. Der Schweinehund liegt nur da, den Kopf auf die Pfoten gelegt, zieht nur gelegentlich eine Augenbraue hoch, wenn ich ihn hochjagen will und weiß doch ganz genau: So schnell passiert nichts.

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Gewohnheiten sind stark, sind stärker, sind gewöhnlich, ich wohne in ihnen und mit ihnen. Aus den Gewohnheiten herauszutreten, wie aus bequemen und ausgelatschten Schuhen, mit bloßen Sohlen durch das Gras hüpfen (nur nicht heute, wo doch noch der Reif auf dem Rasen liegt, morgen aber ganz bestimmt, wenn es warm genug ist), auf pieksigen Steinen laufen, bis die Füße untendrunter eine Schwiele gebildet haben – oder auch in neue Schuhe schlüpfen, die hier noch reiben und dort noch drücken, durchzuhalten, bis diese bequem und eingelaufen sind – das erfordert Geduld und Muße.

Manchmal fehlen diese.

Und manchmal schleichen sich neue Gewohnheiten einfach ein, ich erkenne: Gute Vorsätze gibt es nicht nur zu Neujahr, sondern mittendrin. Und manchmal gelingen diese sogar.

Denn: Ich kaufe immer noch nichts, was ich nicht unbedingt brauche. Ich freue mich an den Dingen, die in Schaufenstern gepriesen werden und wundere mich, was es alles so gibt. Wofür Menschen ihr Geld ausgeben. Und auf das Glück hoffen, das sie so kaufen. Oder auch nicht. (Meistens wollen diese Dinge ja bedient werden und ich mag nicht mehr der Diener meiner Dinge sein).