Was hat das Bloggen mit der Gesundheit zu tun?

für facebook 0301Der Reflex war schneller, als ich denken konnte. Und so war ich fast schon an der Tastatur und wollte auf die Frage vom Internetblogger, ob Bloggen ungesund sei und wie denn der Blogger auf seine Gesundheit achte, wortreich erklären, wie gesund ich mich doch ernähren würde: Klar ernähre ich mich gesund. Was denn sonst.
Glücklicherweise musste ich erst einen anderen Text schreiben, Essen kochen, die Lieblingshausziege zum Schwimmtraining fahren und einkaufen. Mir blieb also genügend Zeit, um über diesen schnellen Reflex nachzudenken, in dem ich eifrig beteuern wollte, wie gesund ich doch morgens, mittags und abends esse und lebe. Aber was zum Kuckuck hat eigentlich Bloggen mit gesundem oder ungesundem Leben zu tun?
Nichts, möchte ich nach meinem zweiten, etwas nachdenklicheren Blick meinen. Bloggen hat mit dem persönlichen Lebensstil so viel zu tun, wie zu viel Lesen mit schlechten Augen oder zu viel Selbstbefriedigung mit…
Ich habe den Verdacht, Bloggen macht einfach zu viel Spaß. Und alles, was zu viel Spaß macht, ist per se verdächtig, es könnte ungesund sein. Spaß haben und gesund sein, das geht nicht. Wer Spaß hat, der muss sich zur Strafe anderweitig kasteien, damit der Spaß nicht überhand nimmt.
Die protestantische Arbeitsethik ist allerdings skeptisch, wenn es darum geht, dass Zeit für Spaß vertrödelt wird. Das geht doch nicht. Mit dieser Zeit ließe sich sicherlich etwas sinnvolleres, nützlicheres, produktiveres anstellen, als ausgerechnet einen Blog zu schreiben. Echtjetzmal. Doch wer wie Bronnie Ware Menschen befragt, die am Ende ihres Lebens angekommen sind, der stellt fest, dass diese bedauern, dass sie nicht mehr Zeit vertrödelt haben:

1. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir im Leben stets treu zu sein und nicht das Leben zu führen, das andere von mir erwarten.
Das gilt – zurück zum Thema – auch für die Gesundheit. Ein gesundes Maß an Unvernunft ist immer gut. Wenn ich abends Appetit auf eine Packung Schaumküsse habe, statt an Möhren zu knabbern, dann mache ich das. So oft kommt das nicht vor (und das soll keine Entschuldigung dafür sein), denn dann ist der Appetit auf diesen Süßkram gestillt und gibt erst einmal Ruhe. Falls ich kein Geld für neue Klamotten ausgeben möchte, weil ich in die Hosen nicht mehr hineinpasse, werde ich schon darauf achten, dass es nicht ständig vorkommt. Und wenn doch? Dann verdient eben die Kleidungsindustrie.
2. Ich wünschte, ich hätte nicht soviel gearbeitet.
Dann bin ich ja beim Bloggen genau richtig. Es macht einfach Vergnügen. Sonst könnte ich es ja auch lassen.
3. Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.
Deswegen war es gut, dass zwischen dem ersten Impuls (jadoch, klar, ich ernähre mich totaaal gesund) und dem tatsächlich geschriebenen Text etwas Zeit lag. Reflexion ist hier das Zauberwort: Ich höre auf mich selbst, denke nach, spüre nach, was Dinge und auch manchmal Menschen mit mir machen wollen. Und lehne ab, wenn’s nicht zu mir passt. Oder ich sage freudig zu. Hurra! Das wollte ich schon immer machen!
4. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit mit meinen Freunden verbracht.
Gut. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, kann ich nicht bloggen. Wenn ich wandern gehe, kann ich auch nicht bloggen. Beides mache ich sehr gerne. Aber ich blogge auf meinem Blog 111 Sachen in Franken machen über das Wandern, über das Unterwegs-sein und lasse auf diese Weise viele daran teilhaben, die gerade nicht mit mir wandern kommen konnten. Entweder, weil sie keine Zeit hatten oder weil sie zu weit weg wohnen.
5. Ich wünschte, ich hätte es zugelassen, glücklich zu sein.
Den Satz von Andre Gide: „Wie gut ginge es mir ohne all die Leute, die mir weismachen wollen, es gehe mir schlecht!“hat mir mal mein Onkel ins Poesiealbum geschrieben. Er hatte Recht. Ich brauche niemanden um Erlaubnis zu fragen, ob ich es mir gut gehen lassen darf. Ich brauche auch niemanden, der mir erlaubt, dass es mir gut geht. Mir geht es gut und ich genieße es. Ich liebe den Moment, den Spatz, der sich draußen in das Vogelhäuschen setzt und nachguckt, ob er etwas findet. Ich liebe es, einfach in Franken durch die Täler zu streifen, diese zu entdecken und dabei Zeit zu vertrödeln und zu verlieren.
Wenn Du es eilig hast – mach einen Umweg.
Deswegen ist jetzt dieser Blogbeitrag zur Gesundheit des Bloggens anders geworden, als ich zuerst gedacht habe. Was meint Ihr dazu?

Webmasterfriday: Die drei wichtigsten Bücher in meinem Leben

„Was sind die drei bewegendsten Bücher in Deinem Leben“ fragt der Webmasterfriday.
Wolfgang Ullrich: „Haben wollen“
Haynes: „Scheidung ohne Verlierer“
Viktor Klemperer: „LTI“
Nun, so wie sich das Leben wandelt, so wandeln sich auch die Vorlieben für bestimmte Bücher. Es ändern sich nicht nur die Ansichten, sondern auch die Interessen: Mit 18 las ich alles, was mir zwischen die Finger und vor die Nase kam – und vergaß manchmal vor lauter Lesen alles um mich herum. Denn es gab so unglaublich viele interessante Bücher, dass ich befürchtete, ich würde es bis zu meinem Lebensende nicht schaffen, alle zu lesen.
Irgendwann erkannte ich, dass ich doch nicht jedes Buch lesen muss, erst recht nicht, wenn ich es langweilig finde. Mag sein, dass mir dabei einige Bücher entgehen, die sogar zur Weltliteratur zählen, doch das ist mir inzwischen egal. Es gibt immer noch genug, was sich zu lesen lohnt.
Haben wollen“ von Wolfgang Ullrich ist so ein Buch. Erschienen ist das Buch 2006, es ist noch keine zehn Jahre alt.
Es ist bewegend, es ist intensiv und es hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich hatte zwar schon immer den Verdacht, dass alle Werbung mich nur dazu verführen will, dass ich mir Dinge kaufe, die ich eigentlich und bei Licht betrachtet überhaupt nicht brauche, doch über die subtilen Mechanismen war ich mir nicht ganz klar.
Ullrich sucht den Grund für den Konsumwahn, warum wir bereit sind, Geld für Dinge auszugeben, die keinerlei Substanz besitzen. Dinge, die einfach nur unsere Stimmung ansprechen, gekauft werden und im Prinzip fast sofort wieder vergessen sind.
K…auft
O…hne
N…achzudenken
S…chnell
U…nseren
M…ist
So haben wir als Jugendliche Konsum definiert, ganz so, wie eben Mazda als: Mein Auto zerstört deutsche Arbeitsplätze, oder Opel: Ohne Power ewig Letzter.
Ullrich nähert sich in vier Schritten einem Phänomen, welches für moderne Menschen bestimmend ist, die sich nicht über Kultur oder Bildung definieren, sondern über ihren Konsum. Die Entwicklung der Konsumkultur erfolgte schrittweise, bis aus dem Menschen, der sich ein Ding kauft, weil er es einfach braucht, ein Mensch wurde, der sich ein Ding kauft, damit er sich besser fühlt. So gestalten die Firmen das Design ihrer Produkte immer mehr als Projektionsfläche. Schön fand ich das Beispiel mit den Hausgeräten wie Staubsauger und Mixer, die im Lauf der Zeit immer rundlichere Formen bekamen, bis sie immer mehr einem niedlichen, doch muskelbepackten Haustier ähneln. Inzwischen könnte man wahrscheinlich aufgrund der Produktwahl jedem Menschen an der Kasse auf dem Bon neben dem zu zahlenden Preis und der Mehrwertsteuer ein Psychogramm drucken, welches seine Vorlieben und geheimen Wünsche enthält, die er mit eben diesem Produkt befriedigt.
Der Text ist verständlich geschrieben, so dass ihn jeder lesen kann, auch wenn er sonst keine Ahnung von Werbung und Marketing hat. Für mich war es ein Buch, das mich bis heute darüber nachdenken lässt, ob ich etwas wirklich brauche – oder ob das, was ich gerade dringend haben möchte, nur ein Ersatz ist, ein Ersatz für etwas, das ich sowieso nie kaufen kann.
Scheidung ohne Verlierer“ von Haynes und anderen Autoren ist ein weiteres Buch, das mich bewegt hat und welches ich unglaublich wichtig finde. Während bereits die Kommunikation zwischen Männern und Frauen ein weites Minenfeld sein kann, kann es im Fall einer Scheidung zu einer zerstörerischen Angelegenheit werden, welche in ihren psychischen Auswirkungen mit einer Atombombe vergleichen lässt: Hinterher ist nichts mehr heil. Doch es geht anders. Weniger zerstörerisch für sich selbst, damit auch weniger zerstörerisch für den ehemaligen Partner. Das Zauberwort ist Mediation. Ich habe das Buch im Rahmen meiner eigenen Ausbildung zur Mediatorin kennen gelernt, und war von Anfang an begeistert. Denn die Konflikte bei einer Trennung oder einer Scheidung lassen sich besser und für alle Seiten verträglicher und selbstverständlich auch kostengünstiger regeln, als das bei einem Kampf der Anwälte vor Gericht der Fall ist. Weil das (ehemalige) Paar mit Hilfe der Mediation selbst nach einer Lösung sucht, die fair für beide Seiten ist. Und fair für die Kinder.
LTI“ von Viktor Klemperer. LTI heißt einfach: Lingua Tertii Imperii, die Sprache des Dritten Reiches. In seinem Tagebuch notierte Klemperer, der dank des Berufsverbotes der Nazis viel Zeit hatte, sprachkritische Notizen. In seinen Tagebüchern, die ebenfalls in meinem Bücherregal stehen, notierte der Romanist: „Auch die Studie über die Sprache des Dritten Reiches bewegt mich immer mehr. Literarisch auszubauen, etwa ,Mein Kampf‘ lesen, wo dann die (teilweise) Herkunft aus der Kriegssprache deutlich werden muss.“ Sieben Jahre später, am 8. Juli 1941, schrieb er dazu: „Die Sprache des Dritten Reiches ist immer um mich und lässt mich keinen Augenblick los. Bei der Zeitungslektüre beim Essen, auf der Tram, mit ihr lebe ich, für sie sammle und registriere ich absichtslos.“ Denn die gesprochene Sprache verrät den Sprecher, sie macht neben den Vorurteilen auch den sorgsam versteckten Hass und die Gedankenlosigkeit offenbar. Und die Sprache des dritten Reiches, die Sprache der nationalsozialistischen Ideologie, wirkte und wirkt immer noch. Sie hat sich so tief in die deutsche Sprache eingeätzt, dass sie dauerhaft geworden ist. Beispiele dafür gibt es viele: „Hundertprozentig“ ist eines dieser Worte, „organisieren“ ein anderes. Wer sich mit Sprache und deren tiefen Bedeutungen auseinandersetzt, kommt eigentlich um den Klemperer nicht herum. Es ist ein spannendes Buch, und es hat mich auf die Wirkung, die gesprochene Worte haben, aufmerksam gemacht. Gelesen habe ich „LTI“, da war ich vielleicht 18 Jahre alt. Doch ich blättere immer wieder gerne darin herum.

Valentinstag – eine Blogparade

hna 2280Eigentlich.
Eigentlich ist es wirklich sehr nett, wenn der Mann daran denkt, und seiner Liebsten, also mir, etwas schenkt.
Eigentlich braucht der Mann dafür auch keinen Valentins- und sonstigen Tag.
Doch weil Menschen Rituale so nötig brauchen, wie den Kaffee am Morgen, kann der Valentinstag – der Werbung aller Blumenhändler zum Trotz – doch eine gute Gelegenheit sein, an den Liebsten zu denken. Denn Menschen brauchen diese kleinen Inseln, auf denen sie spüren können, dass sie für den anderen wichtig sind, und dass sie geliebt werden. Leider geht im Trott des Alltags oft vieles unter, auch die Liebe. Oder vielmehr: Sie wandelt sich. Sie wird zu etwas, was selbstverständlich ist und nicht mehr beachtet werden muss. Oder? Es ist selbstverständlich, dass da jemand die Hemden bügelt, das Essen kocht und den Müll rausbringt. Dass dabei etwas Wichtiges zu kurz kommt, merken manche Männer erst dann, wenn die Frau auf und davon ist. Weil sie sich in einen anderen verliebt hat. Bei dem sie spürt: Hier bin ich wichtig.
Nun kann ich nicht für andere Frauen sprechen, sondern für mich.
Aber vielleicht hilft es ja trotzdem.
Immerhin geht es ja bei dieser Blogparade um Geschenkideen für Männer.
Aaaalso.
Es sind für mich weniger die großen Dinge, mit denen ein Mann mich beeindrucken kann, so à la: Mein superschnelles Auto, meine Rolex, mein fettes Bankkonto. Da habe ich eher den Verdacht, dass ich gerade gekauft oder bezahlt werden soll. Es sind eher die unscheinbaren Kleinigkeiten, die für mich wichtig sind. Ich liebe Blumen, ja. Auch wenn es nervt, dass alle Blumenhändler für den Valentinstag Werbung machen, als gäbe es nur diesen einen Tag. Trotzdem liebe ich diese orangefarbenen Tulpen, welche zusammen mit violetten Anemonen einfach fabelhaft aussehen. Oder solche weißen Tulpen mit ihrem leichten Grünstich.
Blumen sind lebendig und haben für mich einen weiteren Vorteil: Sie verblühen.
Dann dürfen sie hinaus auf den Kompost und es ist wieder Platz.
Für einen neuen Blumenstrauß.
Allerdings hätte ich jetzt noch eine Frage.
Woher kommen eigentlich die roten Rosen im Februar, pünktlich zum Valentinstag?
Die meisten Blumen, die als Schnittblumen in den Blumenläden auf die Käufer warten, kommen aus Südamerika oder aus Afrika, haben also eine ganz schön lange Reise mit dem Flugzeug hinter sich. Also dürfte die Ökobilanz dieser Blumen schon allein des Transportes wegen katastrophal sein. Doch das ist es nicht alleine. Die Blumen wachsen beispielsweise in Kenia in Gewächshäusern und brauchen immens viel Wasser. Und das in einer Gegend, in denen es eigentlich wenig Wasser gibt Erschwerend kommt noch dazu, dass die Blumen gespritzt werden, bis nicht sie, aber die Menschen, die dort arbeiten, fast umfallen.
Greenpeace schreibt dazu etwas: Hochgiftige Pestizide.
Der BUND schreibt, was die Pestizide alles anrichten können: Hier.
Gibt es überhaupt Blumen, die ohne Gift und Galle wachsen durften? Sicher, ich will die Blumen nicht essen, sondern sie nur in eine Vase stellen und mich über sie freuen. Trotzdem habe ich etwas dagegen, wenn durch diese Blumen andere Menschen krank werden.
Blumen mit dem Fairtrade-Logo sollen besser sein, verspricht die Seite. Fairtrade bietet bessere Arbeitsbedingungen, einen höheren Gesundheitsschutz und die Arbeiter bekommen auch mehr Lohn. Dafür kosten die Blumen etwas mehr, das ist bei der fair gehandelten Schokolade und dem Kaffee ganz genau so.
Wie steht es denn mit den Blumen, die in den einheimischen Gärtnereien heran gezogen werden? Das sind im Februar immerhin auch eine ganze Menge, wie Osterglocken, Primeltöpfchen und Hyazinthen. Weil aber Blumen weder Lebensmittel, noch Bedarfsgegenstände wie Tabak oder Kosmetik sind, gibt es in Deutschland keinerlei Richtwerte für die zulässigen Höchstmengen an Herbiziden und Pestiziden. Hier ist das Bundesministerium für Ernährung, Verbraucherschutz und Landwirtschaft nicht zuständig. Auch das Umweltbundesamt interessiert sich nicht so sehr dafür, denn Rückstände von Pflanzenschutzmitteln seien doch ein Gesundheitsthema. Dafür sei das Bundesinstitut für Risikobewertung zuständig.
Muss ich also mal im Blumenladen nachfragen.
Also lieber doch keine Blumen für mich.
Und keine Schokolade: Damit die Hose später nicht kneift.
Vielleicht ein Buch?
Liebe Männer. Kümmert euch einfach das ganze Jahr lang um eure Liebste. Dann wisst ihr auch genau, über was sie sich riesig freuen würde. Eigentlich verraten Frauen immer wieder, was sie gerne hätten. Sie verpacken es zwar manchmal etwas umständlich, aber ihr seid doch Meister im Lösen von kniffligen Aufgaben.