Fotos aus Ghana in Hamburg: Von einer der größten Mülldeponien für Elektroschrott

Die Versuchung, mir einen neuen Laptop zu kaufen, grinst mich immer mal an, aber ich bleibe standhaft. Seit gut anderthalb Jahren steht der Desktop im Schrank, dafür läuft nur noch der Laptop. Das reicht. Ich brauche ihn ja im Prinzip nur als elektronische Schreibmaschine.

Zwar ist er manchmal doch ein bisschen langsam, trödelt, bis er alles auf dem Bildschirm ordentlich sortiert hat, aber hej, das bisschen Zeit habe ich. Währenddessen fange ich mir noch einen Kaffee ein, setze einen Tee auf, popele in der Nase, was auch immer.

Wenn ich daran denke – das hört sich jetzt zwar fast an, als erzähle Oppa vom letzten Krieg – aber wenn ich die heutige Geschwindigkeit des Laptops mit der von früher vergleiche, so aus der Steinzeit der Rechenknechte, wie wir sie damals genannt haben, dann funktioniert selbst dieser langsame Laptop wie ein geölter Blitz. Damals wurde das entsprechende Programm erst per Floppy Disk eingelesen, das dauerte. Das dauerte so lange, dass genügend Zeit war, dass ich aus dem Rechnerraum raus in den Flur ging, um dort eine zu rauchen. Ab davon, dass ich jetzt die Rauchpause schon allein deswegen nicht mehr brauche, weil ich seit über 14 Jahren nicht mehr rauche, aber so lange braucht der Laptop nun wirklich nicht.

Sinn der langen Vorrede, die nur symptomatisch für die gefühlt lange Trödelei des Laptops stehen soll, sind die Fotos des Fotografen Kevin McElvaney, die für zwei Tage, nämlich am 6. und 7. Juni in Hamburg gezeigt werden. In Ghana, in Agbogbloshie, ist eine der größten Mülldeponie für Elektroschrott auf dieser Welt. Wenn ich mir die Bilder anschaue, dann weiß ich, dass ich meinen Laptop noch so lange benutzen will, wie er funktioniert.

Von Katzen und Mäusen

Mäuse haben Angst vor Katzen, durchaus zu Recht. Forscher fanden heraus, dass Mäuse diese Angst nicht erst lernen, sondern dass sie ihnen angeboren ist: Riechen Mäuse eine Katze, dann haben sie selbst dann Angst vor ihr, wenn sie noch nie in ihrem Leben Kontakt mit einer Katze hatten. Infiziert sich dagegen die Maus mit dem findigen Einzeller Toxoplasma gondii, dann schaltet dieser im Mäusehirn die Angst vor Katzen aus. Jetzt lassen sich die Mäuse quasi widerstandslos von der Katze fressen – und genau das möchte der Einzeller auch. Denn erst, wenn die Katze die Maus – und mit dieser auch Toxoplasma gondii – frisst, dann kann sich der Einzeller weiter entwickeln. In den Darmzellen der Miez richtet er sich kuschelig ein und pflanzt sich dort fort.

So weit so gut. Oder vielmehr: so schlecht für die Maus, wenn ein Toxoplasma die Hirnsteuerung übernimmt. miep 1111

Mit dem Einzeller können allerdings sich auch Menschen infizieren. Schwangere wissen davon, ihnen wird geraten, während der Schwangerschaft kein rohes Fleisch zu essen und keine Katzen zu streicheln. Alles nur, weil die Toxoplasmose, wie die Infektion mit Toxoplasma gondii heißt, das Ungeborene schädigen kann. Wenn ein Mensch hingegen nicht schwanger ist, dann merkt er im Prinzip überhaupt nichts von der Infektion, denn diese geht meistens ohne Symptome und Beschwerden vorüber.

Doch der Erreger erregt auch bei den Menschen etwas, vielmehr: er schaltet und waltet in deren Gehirn. Mit Toxoplasma infizierte Menschen ändern ihr Verhalten: Zwar lassen sich die Menschen gewöhnlich nicht von Katzen fressen, doch sie werden risikofreudiger und langsamer. Jeder Säbelzahntiger würde sich freuen, wenn es ihn noch gäbe. Leider steigt nur die Unfallhäufigkeit der Menschen an, die infiziert sind. Hier hat Toxoplasma gondii zwar glücklicherweise keinen Erfolg mit seiner Fortpflanzung, trotzdem wäre ich lieber allein bei mir im Häuschen. Oder ich entschuldige mich das nächste Mal einfach damit, dass ich das nicht war. Sondern Toxoplasma.