Nur ein kleines bisschen Unbehagen.

Das Unbehagen schlich sich ganz ohne Vorwarnung an. Es wartete gleich hinter der Autobahnabfahrt. Rechts und links begrenzten Leitplanken die Straße und sollten verhindern, dass ich urplötzlich im Feld oder anderswo weiter fahre. Die Ampel zeigte rot, regierte die Kreuzung, befahl: »Halt an!«, obwohl außer mir niemand hier fuhr. Während ich wartete, dass es grün wurde, nutzte das Unbehagen die gebotene Gelegenheit, hüpfte hinter dem Gebüsch hervor, ins Auto hinein und ließ mich nachdenken.
Alles ist überall sicher, scheint es, ich bin sicher, du bist sicher, sicher eingelullt und überwacht. Alles nur zu meiner und deiner und unser aller Sicherheit. Ich will aber nicht ständig im abgesicherten Modus fahren, auch wenn die Elektronik des Autos meint, das sei besser für mich. Das ist tatsächlich passiert, als mein Auto noch ziemlich neu war: Plötzlich blinkte eine Lampe auf, und egal wie sehr ich auf das Gaspedal trat, das Auto schlich nur noch mit vierzig Kilometern pro Stunde dahin. Zur Werkstatt brauchte ich schon mit normaler Geschwindigkeit eine knappe halbe Stunde – ich spielte also Verkehrshindernis im schönsten Feierabendverkehr. Alles nur, weil die Elektronik vom Auto der Meinung war, hier läge ein Fehler vor. War aber keiner da, in der Werkstatt wurde dem Auto mit Hilfe des Computers gezeigt, dass alles in Ordnung sei. Ich bekam also von meinem Fahrzeug die Erlaubnis, wieder so zu fahren, wie ich es gewohnt war. Die Quintessenz des Erlebten war für mich klar: Ich will diese Fremdbestimmung und das Gepampert-werden zu meiner eigenen Bequemlichkeit und Sicherheit nicht haben. Nein.

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Wächter sind überall.

Manchmal bekomme ich eine unbändige Lust darauf, gegen den Strich zu bürsten, ordentlich unvernünftig zu sein, besonders dann, wenn alles kuschelig und nett eingerichtet ist. Mit ungeputzten Schuhen aus dem Haus gehen, ausprobieren, wie weit sich der Tomatenketchup spritzen lässt oder mit den Fingern auf dem frisch geputzten Fenster lustige Strichmännchen malen – das sind nur einige der Dinge, die ich mir gut vorstellen kann und dann leider doch nicht mache.
Vielleicht hätte ich nicht in den Fragmente-Heften lesen sollen, die vor gut 25 Jahren erschienen und immer noch aktuell sind. Ich hatte gedacht, gut, 25 Jahre sind schon eine lange Zeit, wer weiß, vielleicht können sie ja weg. Vielleicht steht in ihnen nur Zeug, was längst überholt ist. 25 Jahre sind schon eine recht lange Zeit. Doch als ich in ihnen blätterte, las ich mich schnell fest, las über geschriebene Bilder und Balint-Gruppen in Kindergärten, über den Witz und die verschwiegene deutsche Gesellschaft, in der es kaum eine politisch-literarische Öffentlichkeit gab (und bis heute gibt, auch wenn alle schwätzen). Mir erschien beim Lesen der Beiträge und Essays, als sei damals das Denken klarer gewesen, vor der Zeit der großen Zeitvertreib- und Ablenkungsmaschine Internet. Ich weiß auch nicht mehr, wer mal darauf hinwies, dass die Taktik des Vatikans, unliebsame Bücher zu verbieten und in einer Liste zu notieren, eher für das Gegenteil sorgte. So wusste schließlich jeder, was der Kirche missfiel, wurde neugierig und konnte interessante Lektüre entdecken.
Ach, hätten alle Pfaffen die verbotenen Bücher unter Milliarden frommer Pamphlete begraben, wer hätte dann noch gewusst, welche Stecknadel im Heuhaufen die Richtige sei?
So scheint es mir heute: Neben neckischem Katzencontent, Seiten wie »heftig&co.«, Bildchen von glitzernden Pferden und glühenden Sonnenuntergängen werden nur noch kleine Häppchen an Informationen glattgeschmirgelt dargeboten. Überall herrscht das Mausprinzip: Erkläre selbst den kompliziertesten Vorgang so, dass er auch von denen verstanden werden kann, die kein entsprechendes Grundlagenstudium absolviert haben. Im Prinzip finde ich das ja auch gut, aber eben nur im Prinzip. Wenn die Dinge dem Denken keinen Widerstand mehr bieten, dann, ja, was dann? Dann verlernen wir das Denken? Oder es bleibt nur den wenigen Menschen erhalten, die bereit sind, sich diese Mühe zu machen? Müssen wir eigentlich noch denken? Vielleicht tut das ja auch weh, wer weiß.

franken 378

Katzencontent kann ich auch.

Manchmal mag ich es, wenn ich über Dinge nachdenken kann. Manchmal ist es gut, dafür aus dem Haus zu gehen, und mich irgendwo anders hinzusetzen. Deswegen nutzte ich neulich eine Gelegenheit zum Mitfahren. Zwar wollte ich mich eigentlich nicht in die Natur setzen, sondern in ein Café oder so, aber mir blieb nichts als die Bank am Weiher. Ich war nur der Beifahrer. Weil der Fahrer keine Zeit mehr hatte, mich noch ein Stückchen weiter zu bringen, saß ich unbequem auf einer Bank in der Sonne. Vor mir grasten die Gänse, doch der Ärger über die Fremdbestimmung blieb noch eine Weile hängen.
Fremdbestimmung: Diese ist mir schon immer suspekt, auch wenn mir klar ist, dass ich weder unabhängig leben, noch meine Entscheidungen alleine treffen kann. Auch wenn ich das nicht will, ist allein die Auswahl dessen, was ich kaufe, von meinem Umfeld und dem, was ich vorfinde, determiniert.

fränkischer tag 552

Die grasenden Gänse: Einer wacht immer und passt auf die anderen auf.

So weit, so blöd und nicht zu ändern. Ich finde es trotzdem hilfreich, wenn ich ab und an darüber stolpere und den damit verbundenen Ärger spüre. Dann bin ich aufmerksamer dem gegenüber, was ich tatsächlich brauche.
Zurück zu den alten Heften, den Fragmenten, herausgegeben seinerzeit vom wissenschaftlichen Zentrum an der Kasseler Hochschule und den darin enthaltenen mäandernden Gedanken. Dort stellten mehrere Autoren fest, dass sich nach der Psychiatriereform damals eine ganze Industrie der Helfer um jedes noch so kleine vermutete Defizit etablierte: Wird ein Kind geboren, wagt wohl inzwischen niemand mehr zu sagen: Das wächst sich noch aus, lass einfach Raum und Zeit und Liebe und Beschäftigung um den Fratz sein. Vermutlich hätte dieserjener, der heutzutage zum Abwarten riete, eine Unterlassungsklage wegen unterlassener Hilfeleistung oder ähnliches am Hals. Was merkt das Kind? Ich bin so, wie ich bin, nicht in Ordnung. Andere Menschen bestimmen darüber und müssen reparieren, ob Kind will, oder nicht. Die Norm, die zulässige, innerhalb derer wir uns bewegen, wird immer enger. So wie die Straße durch die Leitplanke begrenzt wird, dass der Fahrradfahrer oder Fußgänger im Ernstfall nicht mehr auf das Begleitgrün hüpfen kann, um sich zu retten. Nur damit ich nicht aus Versehen mit dem Auto auf dem Feld herumhoppeln muss und ja, manchmal wird auch Schlimmeres verhindert.
Mein Unbehagen aber bleibt.

Ein Pudel als Therapie- und Behindertenbegleithund

Therapie- und Behindertenbegleithunde

Eigentlich. Eigentlich hatte ich bisher nur mit Katzen Kontakt. Dann lud mich Cordelia Varnholt zu Montys Prüfung ein. Und eigentlich dachte ich bisher auch, dass nur Hunde wie Schäferhunde oder Golden Retriever als Therapiehunde ausgebildet werden können. Das war ein Irrtum meinerseits, denn Monty ist ein Pudel.

fränkischer tag 384

Monty mit Kenndecke: Jetzt ist er ein Therapie- und Behindertenbegleithund

Fähigkeiten

Ursprünglich wurden als Behindertenbegleithunde nur Blindenhunde ausgebildet, die ihren blinden Besitzern die Orientierung erleichtern sollten. Doch die treuen Begleiter des Menschen können noch viel mehr: Sind sie dafür ausgebildet, können sie beispielsweise alarmieren, wenn ihrem Schützling, der an Typ-1-Diabetes leidet, nachts der Blutzuckerspiegel entgleist.

Ausbildung

Die Krankenkassen bezahlen nur die Ausbildung zum Blindenhund, auch wenn es längst erwiesen ist, dass Hunde in vielen Therapiebereichen außerordentlich hilfreich sind und behinderten Menschen besser helfen können, als andere Menschen. Wer seinen Hund ausbilden lassen möchte, sollte sich über die Verbände wie beispielsweise den Deutschen Berufsverband für Therapie- und Behindertenbegleithunde informieren, wo sich anerkannte Ausbildungsstätten befinden.

fränkischer tag 372

Monty muss sich mit Füßen streicheln lassen

Sechs Mädchenhände, die ihn alle auf einmal streichelten und kraulten: Das musste Monty, ein einjähriger Pudelrüde, nicht nur geduldig über sich ergehen lassen, sondern durfte auch keinerlei Anzeichen von Ärger zeigen, weder seine Zähne fletschen, noch knurren. Das war ein Teil von Montys Hundeprüfung, die er erfolgreich absolvieren musste, bevor er die Kenndecke tragen darf, die ihn als Behindertenbegleithund ausweist.

fränkischer tag 375

Monty lässt alle Streicheleinheiten geduldig über sich ergehen.

Die theoretische Prüfung hatte sein Frauchen Cordelia Varnholt aus Hemhofen bereits einige Tage vorher absolviert. Hier ging es in der Hauptsache darum, dass die Hundehalterin ihr Wissen über den Hund und dessen Befindlichkeiten, über die Möglichkeiten zur Ersten Hilfe beim Hund, die korrekte Fütterung und vieles mehr unter Beweis stellte. Montys praktische Prüfung zeigte, dass er unbekannte Situationen mit Bravour meisterte: Ob sein Frauchen angepöbelt wurde, er von einem torkelnden Mann am Hinterbein berührt oder von einer fremden Person durch einen Raum mit vielen unbekannten alten Menschen geführt wurde: Immer benahm sich Monty so, wie es von ihm erwartet wurde.

Die Ausbildung und die Prüfung von Monty erfolgte nach den Richtlinien, die durch den Deutschen Berufsverband für Therapie- und Behindertenbegleithunde erarbeitet und vorgegeben wurden. Ein Hund, der Behinderte begleiten und bei Therapien helfen soll, darf sich weder provozieren lassen, noch zu ängstlich sein. Stattdessen soll der Hund erkennen, was der behinderte Mensch braucht.

fränkischer tag 379

Ahiraque auf der Mauern

Hund löst Verkrampfungen

Sind dessen Hände beispielsweise verkrampft, dann leckt der Hund diese und die Verkrampfung löst sich so schneller, als es durch eine menschliche Berührung geschehen könnte, erzählt Cordelia Varnholt. Ahiraque auf der Mauern, die Hundetrainerin, bei der Monty seine Ausbildung bekam, bestätigt das. Dieses Phänomen wurde zwar bereits korrekt nachgewiesen, aber niemand könne bisher erklären, warum es funktioniere.

Nach bestandener Prüfung bekam Monty seine Kenndecke überreicht. Damit darf der einjährige Rüde überall dorthin mit, wohin auch Cordelia Varnholt geht. Das ist deswegen wichtig, weil die Hemhofenerin eine sogenannte Umweltpatientin ist und stark auf Schadstoffe reagiert, die in Häusern vorkommen können, wie beispielsweise Formaldehyd oder Schimmelpilz.

Was für Außenstehende wie putzige Kunststückchen wirken mag, wie beispielsweise das Bringen der Schuhe oder eines Taschentuches, ist für Cordelia Varnholz eine wirkliche Erleichterung im Leben. Denn neben den Umweltunverträglichkeiten macht ihr eine Fibromyalgie das Leben schwer, und Monty ist sozusagen ihr verlängerter Arm, wenn sie sich vor Schmerzen kaum noch bewegen kann.

Monty darf jetzt überall dorthin mit hinein, wo Hunde üblicherweise draußen bleiben müssen. Seine Ausbildung ist allerdings noch lange nicht beendet: Jetzt muss er lernen, mit seiner feinen Nase die Schadstoffe zu riechen, die sein Frauchen nicht verträgt, einen nach dem anderen.

 

Wie erfreue ich meine Leser?

fragt Martin vom Webmasterfriday.

Es macht Spaß

Ich schreibe meinen Blog, einfach, weil es mir Spaß macht. Ich schreibe über Dinge, die mich bewegen, die ich beobachte und an denen ich andere Menschen teilhaben lassen kann. Wenn es vergnüglich zu lesen ist, dann erfreut es hoffentlich auch die Leser. Oder, um es einfach zu sagen: „Drum, wer uns langweilt oder ledert, verdient, dass man ihn teert und federt!“

Ich möchte etwas erzählen

Es ist wie im richtigen Leben: Es gibt immer etwas zu erzählen. Und neu ist es auch immer. So, wie in jeder Frauenzeitung auch – Überraschung – wieder fürchterlich neue Erkenntnisse über wundersam wirkende Diäten stehen. Noch nie dagewesen, versteht sich. Neudeutsch heißt das, was jetzt irgendwo drin steht, ja auch nicht mehr Inhalt, sondern Content und dieser soll, ja muss sogar – superkategorischer Imparativ – unbedingt einen Mehrwert bieten. Da ich nicht weiß, welches Vorwissen mein Leser hat, muss ich also versuchen, dass ich alles ordentlich erkläre. Kann sein, dass ich den einen langweile, der kennt eben schon alles, was auf Gottes weiter Welt sich abspielt, während der andere mit offenem Mund sitzt und staunt. So what.

Ist das Content?

Nochmal zurück zum Content. Irgendwie klingt für mich ja das Wort: Container mit, ein Behälter, der mit irgendwas gefüllt, dann durch die Gegend reisen soll. Mit einem Inhalt. Auf einer Webseite sollen also Inhalte zu finden sein. Das versteht sich eigentlich von selbst. Gibt es weder Interessantes, noch Informatives, kommen keine Leser, logisch. Das ist bei einer Zeitung, einer Zeitschrift oder einem Buch nichts anderes. Interessiert sich niemand für das, was drinsteht, wird sie nicht gekauft, sondern zurückgeschickt, eingestampft und zu Dämmstoff verarbeitet. Oder so. Nur, warum muss für einen ganz normalen Inhalt, einen Artikel wieder ein neues Wort, Content, verwendet werden?

Nix Content, Schleichwerbung. Ha!

Das ist wie in den Kundenzeitschriften, die es in Apotheke, Reformhaus oder beim Edeka gibt: Da steht zwar Kram drin, der manchmal sogar richtig interessant ist, da werden Studien zitiert und informiert, aber schlussendlich ist es Werbung. Ich soll das lesen, das gut finden und die entsprechenden Produkte kaufen. Wer also Content veröffentlicht, verschweigt dabei, dass er Reklame macht, für was auch immer. Immerhin steht ja am Content nicht dran: Lieber Leser, ich informiere dich zwar, aber eigentlich will ich, dass Du meine Neuigkeiten mitbekommst, mich für den Besten hältst und meinen Kram kaufst. Schleichwerbung nennt sich das. Nun ist das zwar nur ein Blog, in dem ich beispielsweise darüber informiert werden soll, wie Marketing funktioniert und das ultrahippe neue E-Book übers Marketing kaufen soll, aber dennoch.

Was ist der Mehrwert?

Ach, und Mehrwert soll der Content auch noch bieten: Da erschließt sich mir der Sinn noch nicht ganz: Nach Marx ist der Mensch der einzige, der mit seiner Arbeitskraft einen Mehrwert schafft. Das kann schon mal nicht gemeint sein. Dann gibt es noch den Mehrwert, der per Mehrwertsteuer dann wieder versteuert werden muss. Und es gibt eine Mehrwertstrategie, mit der Kunden an das Unternehmen gebunden werden sollen. Damit soll der Kunde nicht mehr so auf den Preis, sondern vor allen Dingen auf die vielen kleinen Vergnüglichkeiten und Nettigkeiten achten, die er noch so nebenbei abkriegt. Wer die Kaffeemaschine kauft, kriegt als Mehrwert sozusagen noch die Sofadecke dazu, ob er sie nun braucht oder nicht. Dann scheint die Kaffeemaschine auch nicht mehr so teuer, es gab ja schließlich etwas gratis.

Hier gibt es nichts. Basta.

Hier im Blog gibt es jedenfalls weder etwas zu kaufen, noch etwas zu klicken oder zu gewinnen. Wer mag, kann einen Kommentar hinterlassen – oder auch nicht.

Die schönsten Sommerurlaubsziele

Urlaub. Endlich. Wer als Jugendlicher endlich froh ist, dass er der Schule entfliehen kann, stellt schnell fest: Zumindestens die Ferien waren schön. Sie waren vor allen Dingen lang, manchmal auch langweilig, aber ganz bestimmt länger, als jeder Urlaub später so ist. Zu kurz: Das scheint überhaupt ein Merkmal des Urlaubs zu sein, und so müssen diese wenigen Tage im Jahr für all das reichen, wofür sonst keine oder kaum Zeit bleibt: Ausschlafen, Chillen, nichts tun… Oder? Doch. Eines ist im Urlaub ganz wichtig: die Urlaubsreise. Die Hälfte der Deutschen verreist, wohin auch immer. Im Urlaub soll alles so sein, wie es im Alltag nicht ist: Eltern, die jeden Tag den Tisch für die Kinder decken, Essen kochen, abräumen, alles in die Spülmaschine räumen, wollen sich einfach an einen schön gedeckten Tisch setzen und aufstehen dürfen, wenn sie fertig sind. Nix abräumen.

Nach Lloret de Mar

Da mein Urlaub schon immer etwas anders war, als bei anderen, hab ich mal den Lieblingsmann gefragt. Der kann sich tatsächlich noch gut an seinen ersten Urlaub erinnern, nach Abschluss seiner Lehrzeit, als es mit den Kumpels nach Lloret de Mar ging. Da wurde weder in Prospekten geblättert, noch auf der Karte geguckt, da hat es gereicht, dass einer gesagt hat: „Dort gibts Gaudi“ – und alle fuhren mit.
Wichtig war für die Jungs: Weil sie noch nicht viel Geld hatten, musste es billig sein, dafür sollte viel los sein und sie wollten Spaß haben, was für sie hieß: BIs in die Puppen unterwegs sein, morgens ewig schlafen und Mädels kennen lernen. Das Hotel war weit vom Strand entfernt und im Hinterhof lag der Müll – egal. Nach den 17 Stunden Busfahrt dürften die älteren Leute, die ebenfalls mitfuhren, mehr als aufgeatmet haben: Die Jugendlichen waren in ihrem Gaudi so versunken, in ihre Aufregung über den ersten eigenen Urlaub, sie plapperten, lärmten, sangen, schäkerten, machten Blödsinn, und merkten nicht, dass sie allen anderen Mitfahrern dabei gründlich auf den Keks gingen.

Im Meer gemerkt: Kann gar nicht schwimmen

Die Taschen wurden nach der Ankunft einfach ins Zimmer geworfen und alle stürmten ans Meer und ins Meer, bewaffnet mit Luftmatratzen und dicken Schwimmreifen oder nur mit Badehose, wie der Lieblingsmann, dem plötzlich einfiel – als er bereits im Wasser war – dass er gar nicht schwimmen kann. Glücklicherweise trug ihn das salzige Wasser, sonst hätte ich ihn später nicht kennengelernt. Der Tagesablauf blieb während seiner Urlaubswoche ziemlich gleich – so wie ja auch ein Arbeitstag immer gleich abläuft: Bis zum Mittag wurde gepennt, dann ging es an den Strand. Dort wurde am Imbiss gegessen, was billig war, frittierte Sprotten, Spareribs mit Pommes, Blödsinn gemacht, so lange, bis es abends zur Party ging. Das dauerte bis morgens, so gegen sechs, zum Abschluss gabs Frühstück und noch ein kurzes Bad im Pool – und ab ins Bett. Bis zum Mittag…

Urlaub – einfach so für zwischendrin

Heute packen wir einen Korb fürs Picknick, überlegen, in welche Richtung es gehen soll und fahren los. Es ist heiß, also suchen wir ein Schattenplätzchen, am liebsten am Weiher und an einer Stelle, zu der wir nicht so weit laufen müssen. Am Waldweg steht kein Verbotsschild, nur an dem Weg, der durch die Felder führt. Wer jetzt meckert, der soll selbst mit einem schweren Korb voll mit Leckereien an der Hand bei 30 Grad im Schatten kilometerweit laufen. Durch den Wald ging es bergab, bis zum Waldrand. Die Weiher, zu denen wir eigentlich wollten, waren hier nicht, aber auf einem Waldweg ist eine Wende mit dem Auto nicht so einfach, auch dann nicht, wenn das Auto klein ist. Eine Bank steht und wartet, ein Weiher glitzert ein kleines Stück hinter dem Feld. In der Ferne blitzen rote Dächer über Hecken, ein Kirchturm wacht.
fränkischer tag 501

Der stille Weiher im Wald.

Dösen am Weiher

Der Waldweg führt um den Weiher herum, das letzte Stück geht es einfach durch die Bäume, ohne Weg, bis zu einem kleinen schattigen Grasfleck. Die Vögel zwitschern, Frösche knarzen, Libellen jagen über dem Wasser, das klar im Weiher schimmert. Es ist nicht tief, wir können bis auf den Grund sehen, trotzdem traue ich mich nicht mit den Füßen hinein, durch den graubraunen Schlick, auf dem einzelne Buchenblätter liegen. Am Ufer ein dürrer Ast, wie eine magere Echse mit Hörnern, die auf Beute lauert. Irgendwo knattert entfernt ein Helikopter, auf dem Weg kommen gelegentlich schwätzende Menschen vorbei, die uns hier aber nicht sehen.
fränkischer tag 504

Auf dem Rücken liegen und den flirrenden Blättern zuschauen.

Ring aus Gras

Grasflecken? Na und. Während ich auf dem Rücken dem Flirren der Blätter zuschaue, flicht der Lieblingsmann einen Ring aus Gras für mich.

Die schönsten Sommerurlaubsziele

Die schönsten Sommerurlaubsziele, die es für mich gibt, sind die, die ich nicht planen kann, weil sie, wie dieser Weiher, dann vorbeikommen, wenn ich eigentlich woanders hinwill. Dann lasse ich mich treiben, nehme das, was mir geboten wird, ohne krampfhaft nach dem zu suchen, was mir in meiner Vorstellung vorschwebte. Und siehe da: dann ist für einen Nachmittag ein ganzer Urlaub.

fränkischer tag 512

Besuch vom Frosch.

Der Link im letzten Absatz, unter: „Die schönsten Sommerurlaubsziele“ führt auf die Seite mit der Blogparade. Wer also noch mitmachen mag 🙂