Corpus-Christi-Kreuz auf dem Staffelstein: für die Rostparade

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Das Corpus-Christi-Kreuz an der Adelgundiskapelle auf dem Staffelberg in Oberfranken.

An der Kapelle auf dem Staffelstein hängt ein Corpus Christi aus rostigem Eisenblech am Kreuz. Es lag vergessen auf dem Dachboden der kleinen Kapelle, die der heiligen Adelgundis gewidmet ist. Erst als diese 2003 – 2004 renoviert wurde, fand man die einzelnen Teile unter dem Dach.

Seit 2006 hängt es außen an der Kapellenwand, die rostige Patina ließ der Restaurator so, wie sie war.

Es wird vermutet, dass dieser Corpus Christi einst an einem der großen Kreuze hing, die auf dem Staffelberg stehen und es soll aus dem 17. Jahrhundert stammen. Damals war Eisen teuer: Für eine Tonne Roheisen wurden vier Tonnen Holzkohle gebraucht. Heute werden für die Herstellung der gleichen Menge Roheisen weniger als eine halbe Tonne Kokskohle verfeuert. Sowohl in der Oberpfalz, als auch in Oberfranken wurde damals Eisenerz gefördert, verhüttet und verarbeitet.

Das ist mein Beitrag für Frau Tonaris Rostparade am letzten Tag des Jahres. Im nächsten Jahr geht es dann – hoffentlich – weiter.

Mein Jahresrückblick

Mein Jahrbuch ist praktisch: Jetzt kann ich bequem zurückblättern und nachlesen, was in den einzelnen Monaten so alles passiert ist und wichtig war:

Januar

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In den Tälern der Fränkischen Schweiz unterwegs.

Eine Waage kam ins Haus. Der Vorsatz dazu lautete: Endlich dem Speck den Kampf ansagen! Das gelang schlussendlich nicht ganz, aber es wurde wenigstens nicht mehr. Das war doch schon mal was. Im Kino kam „12 Years a Slave“. Die Lieblingshausziege hat sich eine Tasche und die erste Bluse genäht. Unterwegs waren wir im Leinleiter-, Ailsbach- und vor allen Dingen im Paradiestal.

Februar

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Weit über das Maintal hinweg reicht der Blick vom Staffelstein. Rechts gegenüber liegt Kloster Banz im Wald.

Ein guter Vorsatz für die Fastenzeit: Kein Alkohol bis Ostern. Wir wanderten über den Staffelberg im Schnee, durch das Kleinziegenfelder Tal, rund um Münchsteinach, den Dechsendorfer Weiher und Marloffstein. Am Geburtstag der ältesten Lieblingshausziege wurde mein ältester Enkel geboren, ab jetzt bin ich Oma. Der Monat war gegen Ende so warm, dass wir bereits am 24. die Frühbeete hergerichtet haben. Am 28. Februar fuhren wir nach München, damit wir am nächsten Morgen rechtzeitig am Flughafen sind.

März

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Februar ist Fastenzeit. Meistens jedenfalls.

Eine Woche Kappadokien. Danach hatte der Zahnarzt was zu tun, das lag aber nicht am Urlaub, sondern daran, dass ich vorher ein wenig nachlässig war. Als Besuch kam, kochten wir türkische Gerichte und guckten uns die Bilder vom Urlaub an. Auf dem Balkon bekam das Geländer eine frische silbrige Farbe und die Blumenkästen Erde und Blumen. In Nürnberg kam „La Traviata“, zu Weihnachten gab es nämlich Karten dafür. Unterwegs in Bad Windsheim.

 

April

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Der Storchenlehrpfad bei Uehlfeld im Aischgrund. Ein Aussichtspunkt war wie ein großes Storchennest gestaltet.

Die Lieblingshausziege bekam Herrenbesuch. Der war ab dann öfter da. Wir pflanzten Himbeeren und Rosen im Garten, vor dem Haus wurde das Holz gesägt. So brauchen wir im kommenden Winter nicht zu frieren. Die Gewächshäuser wurden ebenfalls schon bepflanzt, ab jetzt wuchsen Tomaten, Paprika und Gurken darin. Da die Terrassentreppe nicht mehr sicher war, wurde sie Stufe für Stufe erneuert. Ab jetzt bin ich immer mal für den Fränkischen Tag unterwegs, damit ich auch hier aus dem Haus komme. Gelesen: „Konzentriert Euch“. Unterwegs im Fernwehpark Hof, auf dem Storchenlehrpfad, Burg Greifenstein, Würzburg und am 25. April zum ersten Kellerbesuch in Willersdorf in diesem Jahr.

Mai

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Der Herzog auf dem Marktplatz von Wolfenbüttel.

Die Terrassenstufen wurden fertig verlegt und die Fenster gestrichen. Die Lieblingshausziege bekam ein E-Piano. Das hat gegenüber dem konventionellen Klavier einen eindeutigen Vorteil: Sie setzt die Kopfhörer auf und freut sich, dass ich ihre schiefen Töne nicht hören kann. Die Holunderblüten wurden gesammelt, damit aus ihnen wieder Holunderblütensirup werden konnte, wir fuhren nach Wolfenbüttel in die Bundesakademie, um zu lernen, wie aus Reisen Literatur wird und ich traf mich mit anderen Schreiberlingen vom Wortwerk Erlangen.

Juni

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Das Freibad in Höchstadt: Schön sind hier die Liegewiesen unter den alten Bäumen.

Im Garten wuchsen die Erdbeeren wie irre, es war heiß und Freibadzeit in Höchstadt. Es gab Forellen und frische Kirschen und eine ganze Menge Feiern: Taufe des Enkels, einer der Brüder des Mannes ließ sich kirchlich trauen und im Speyerer Dom waren wir zu einer Priesterweihe eingeladen.

Juli

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Brotzeit auf dem Keller, hier in Voggendorf.

In diesem Monat haben wir gerne unterwegs irgendwo gefuttert, ob Vesper auf der Vexierkapelle, Picknick am Weiher oder Brotzeit auf dem Keller: Unterwegs sein ist schön. Das fanden auch die Eltern und die große Lieblingshausziege, die nacheinander zu Besuch kamen und die Fränkische Schweiz besichtigten. Die süßsauren Gurken kamen in die Einweckgläser, die Balkontür bekam ein Moskitonetz, damit die Mücken hoffentlich draußen bleiben. Endlich Sommerferien.

August

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Straßenszene in Krakau.

Als in Forchheim Annafest war, waren wir beim Griechen essen und hatten hinterher das Vergnügen einer Polizeikontrolle: Der Verbandskasten im Auto hatte sein Verfalldatum überschritten. Soso. Massenweise Tomaten im Gewächshaus: als Sugo eingekocht. Unterwegs: Pirna, Dresden, Bastei, Bautzen, Görlitz, Oppeln, Krakau, Auschwitz und zurück. Eine große Grillparty auf der Terrasse gefeiert, weil der Mann und der Zwilling demnächst Geburtstag haben. Poetenfest in Erlangen: Ich las dort gemeinsam mit den anderen Wortwerkern.

September

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Unsere neue Mitbewohnerin.

Im Kellerwald wuchsen massenhaft Pilze und wir sammelten und futterten. Nach Mühlhausen zu den Eltern gefahren, die Kirmes besucht, den Baumkronenpfad und das Kloster Volkenroda. Von dort aus gibt es einen Pilgerweg bis nach Waldsassen. Die Schule begann und bei uns zog eine kleine Katze ein. Wir fuhren noch einmal nach Mühlhausen, feierten Geburtstag und pflückten Hagebutten. Leider wurde ich krank, als zwei meiner Hausziegen kamen. Auch den Enkel nahm ich mit meinem Husten und Schnupfen lieber nicht auf den Arm.

Oktober

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Für Hagebuttenwein. Wenns was wird.

Die Hagebutten kamen in den großen Weinballon. Ich hoffe ja, dass im Lauf der nächsten Zeit daraus Hagebuttenwein wird. Der Mann wurde auch krank, wir dachten, er hätte sich bei mir angesteckt. Doch das war nicht so: Er hatte sich Salmonellen bei einem auswärtigen Essen eingefangen und durfte erst wieder arbeiten, als er frei von diesen Mitbewohnern war. Für die Teedosen gab es ein neues Regal in der Küche. Unterwegs in Hohenmirsberg und rund um die Maximiliansgrotte. Außerdem drei Tage Oberpfalz: Waldsassen, Waldnaabtal, Zoiglwirtschaften und Flossenbürg.

November

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Das Walberla im Frühnebel, von der Vexierkapelle aus gesehen.

Noch war alles goldig und warm, deswegen wanderten wir in den Weinbergen rund um Bullenheim. Der Hagebuttenwein wurde von der Maische abgezogen. Bis jetzt sieht alles gut aus. Die Treibhäuser im Garten wurden wieder abgebaut und es gab den ersten Glühwein, der erste Lebkuchen buk im Backofen. Die Lieblingshausziege suchte sich ihren Stoff aus, aus dem sie selbst ihr Tanzstundenabschlussballkleid schneidern wollte. Einmal standen wir früh auf, fuhren zum Walberla und erlebten dort den Sonnenaufgang im Nebel.

Dezember

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Die Lieblingshausziege auf dem Abschlussball.

Ab jetzt gingen wir regelmäßig zum Training beim AC Bavaria, damit der Speck weniger wird. Am Anfang des Monats war dann der Abschlussball der Lieblingshausziege. Zwei Wochen vorher war das Wohnzimmer im Ausnahmezustand: Sie nähte ihr Kleid selbst. Sogar die Großeltern kamen extra. Weihnachtsmarkt in Rothenburg o.d.Tauber. Sehr schön. Die Lieblingshausziege feierte ihren 15. Geburtstag und nahm glücklich den Hut in Empfang, den sie sich Anfang September in Bamberg ausgesucht hat. Gesehen: „Labyrinth des Schweigens“. Über Weihnachten fuhren wir wieder ins Kloster, dieses Mal nach Plankstetten.

 

Eierlikör

Ist die Weihnachtszeit gerade vorbei und noch nicht Silvester, ist Zeit, vor allen Dingen dann, wenn es draußen so schneit, wie gerade heute. Zeit, vor dem Ofen zu sitzen, die Katze hinter den Ohren zu kraulen und nichts zu tun, was sich mit „zielgerichtet“ beschreiben ließe. Einfach treiben lassen, hier blättern, dort lesen, zwei Gedanken notieren, einfach trödeln, faul sein, fast nichts tun, außer essen machen und gleich alles aufessen.

Und so, beim Stöbern in den Tiefen des weltweiten Netzes, stolperte ich über den Beitrag über ein selbst gebasteltes Likörchen in den Herzdamengeschichten. Dort wird beschrieben, wie Baileys entsteht, aus Whiskey und diversen Zutaten.

Zu Baileys fällt mir nicht so viel ein, den mochte ich nicht, weder auf Eis, noch ohne. Ein anderes Stichwort sorgte dafür für Erinnerungen: Eierlikör. Den gab es bei der Oma auf dem Lande, selbstgemacht, und im Schokobecherchen. Da hat noch niemand nach Jugendschutzgesetz und Ausweis geguckt, Eierlikör war schließlich kein Schnaps, sondern lecker. Also durfte ich den schon als Kind…

Im Sommer habe ich selbst Eierlikör gebastelt – und mich dabei an die Oma erinnert. Die kleinen Becherchen gibt es übrigens immer noch zu kaufen. Die Lieblingshausziege hat sich darüber gefreut, den Eierlikör geschleckt und die Becherchen geknabbert. Allerdings habe ich statt Primasprit (der bildete irgendwie damals für viele Likörchen die alkoholisierte Grundlage) doch lieber Calvados genommen:

8 Eigelb, ein halbes Pfund Puderzucker, 375 ml Kondensmilch, Vanille und ein Viertelliter Calvados wurden fix vermixt. (Ich hab noch ein paar Krümel Zimt, Kardamom und Koriander untergemischt, das stand zwar nicht im Rezept, war aber trotzdem sehr lecker.)

Wer jetzt einwendet, dass in Primasprit nun einmal mehr Alkohol sei, als im Calvados und der Eierlikör dann haltbarer wäre, dem kann ich sagen: Der wird nicht alt. Jedenfalls nicht hier bei mir.

Und überhaupt: Aufgesetzte Likörchen mit schwarzen Johannisbeeren, Brombeeren oder Schlehen mache ich gelegentlich auch noch, ganz so wie früher. Da kommen die Beeren einfach in die Flasche, werden ein bisschen gewürzt und bekommen Kandiszucker zur Gesellschaft, bevor sie in einem klaren Korn für eine Weile stehen dürfen.

Aber Oma machte nicht nur den weltbesten Eierlikör aller Zeiten, sondern auch meinen Lieblings-Himbeer-Sirup, aus den vielen Himbeeren, die im Garten wuchsen und die wir – egal wie viele wir als Kinder davon futterten – irgendwie nie alle aufessen konnten. Die wuchsen einfach immer wieder nach. Als ich als Schülerin ins Internat zurückfuhr, nahm ich einmal Himbeersirup mit, so als Erinnerung und leckeres Getränk. Da Oma auf ihre Bügelflaschen aufpasste und diese nicht so gerne aus dem Haus gab, bekam ich den Sirup in einer Flasche, in der vorher Eckes Edelkirsch war. Das Etikett stand außen auf der Flasche, sie sah ganz passabel aus, ich stellte sie – ohne mir etwas dabei zu denken – über mein Bett auf das Bücherregal.

Bis die für uns zuständige Erzieherin ins Zimmer kam und die Likörflasche auf dem Regal sah. Anstatt zu zetern, so von wegen: Alkohol und so weiter, schien sie allerdings ganz angetan. Schnappte sich die Flasche, schraubte sie auf und roch daran: Sie duftete nach Eckes Edelkirsch. Bevor ich irgend etwas sagen konnte, hatte sie die Flasche angesetzt und einen Schluck… Ja, doch, so ein purer Himbeersirup ist schon ziemlich klebrig.

Das Weihnachtskind

Die Hebamme richtete sich vor dem Fernseher gemütlich ein und legte eine DVD mit prasselndem Kaminfeuer in den Player, der Grog dampfte. Die Katze ignorierte alles, schloss ihre Augen und legte sich neben das Kissen auf den Sitz. Endlich Weihnachten in ihrem neuen Häuschen.

Bevor sich die Hebamme auf ihrer Katze niederließ, witschte diese weg, erklomm die Sessellehne und spielte Nackenkissen. Die Hebamme kraulte ihr das Kinn und sie begann zu schnurren.

Hatte es geklopft? Die Hebamme schaute prüfend zum Feuer. Funken stoben über den Bildschirm, als das Scheit in sich zusammenfiel. Die Hebamme schüttelte den Kopf. Es klopfte noch einmal. Sie stand auf und öffnete die Tür. Draußen stand ein Mann.

»Du bist die Hebamme?«

franken 10481»Ja, so steht es auf dem Schild, das hier hängt.«

»Maria kriegt ein Kind. Kannst Du kommen?«

»Ja«, seufzte die Hebamme, die so gerne sitzen geblieben wäre. Sie griff nach ihrer Tasche.Der Mann ging vor.

»Wohin gehen wir?«

»Es ist nicht weit.«

Er bog links um die Ecke, noch ein paar Schritte, öffnete eine kleine Tür zu einem Garten.

»Wohnt ihr in einer Laube?«, wunderte sich die Hebamme.

»Ja,«, antwortete der Mann. »Genau genommen ist es sogar ein Stall.«

Müdes Licht funzelte von der Decke. Eine Frau lag auf einem Haufen Stroh. Sie stöhnte. Eine Kuh muhte.

»Bist du Maria?«, die Hebamme hockte sich zu ihr und legte die Hand auf den Bauch der Schwangeren.

»Ja.«

»Alles in Ordnung?«

»Ja«, antwortete Maria. »Die Geburt geht jedes Mal gut.«

»Wie viele Kinder hast du denn?«

»Jedes Jahr eins«, antwortete Maria.

»Willst du nicht mal was dagegen machen?«, wandte die Hebamme ein, doch Maria sagte nichts..»Ich meine«, fing die Hebamme von Neuem an, »das ist doch beschwerlich: Jedes Jahr neun Monate schwanger, ständig auf die Ernährung achten, nichts trinken, nicht rauchen…«

Maria lachte, bis die nächste Wehe kam. Als diese vorüber war, rief sie: »Josef?«

Er nahm die Hebamme bei der Hand, ging mit ihr nach hinten, wo Kühe, Ziegen und Schafe standen. Hinter diesen hing eine Decke an der Wand, die Josef zur Seite zog: »Hier wohnen wir, wenn der Trubel jedes Mal vorbei ist. Kaum ist das Kind da, kommen die Hirten und die Könige zu Besuch. Solange bleiben wir vorne bei den Tieren. Das Gold, das die Könige immer bringen, haben wir genutzt, um das Haus hinter dem Stall zu bauen.«

Josef brachte die Hebamme zu Maria zurück.

»Ich dachte gar nicht, dass es euch wirklich gibt«, staunte die Hebamme. »Wie lange… »

»Uns gibt es so lange, wie noch Menschen an uns glauben«, nickte Maria zu Josef. »Doch es werden weniger. Außer den Kindern, den Hirten und den Königen kommt inzwischen niemand mehr«, ergänzte dieser.

Als die Hebamme am nächsten Tag sich wieder im Sessel gemütlich einrichtete, schüttelte sie den Kopf. Wahrscheinlich hatte sie gestern im Grog zu viel Rum.

Fast schon eine Bilanz für das vergangene Jahr

Der Schreibtisch ist blank, die Wäsche gebügelt, morgen geht es los: Weihnachten verbringen wir nun zum zweiten Mal in einem Kloster. Das erspart den Weihnachtsbaum ebenso, wie das Festessen und sämtliche Treffen mit den Verwandten, die ich auch im restlichen Jahr aus Gründen nicht sehen mag. Und wen ich gerne sehen möchte, den kann ich auch das ganze Jahr hindurch besuchen, und in Ruhe mit ihm oder ihr schwätzen, so ganz ohne Festtagstrubel.

Die Lieblingshausziege ist aushäusig unterwegs, die Katzmatz darf sich allein vergnügen und die Spinnen dürfen drei Tage lang ihre Netze in Ruhe an der Decke befestigen. Im vergangenen Jahr ging es nach in die Abtei Maria Frieden nach Kirchschletten, dieses Jahr in die Benediktinerabtei Plankstetten.

Die Bilanz in diesem Jahr: Eigentlich lief alles sehr gut. Klar, ich hätte für dieses und jenes gerne mehr Zeit gehabt, aber schließlich kann ich nicht alles auf einmal haben. Und nächstes Jahr soll es ja auch noch einige Höhepunkte geben.

Da ich mich hier an der Tastatur zu wenig bewege, habe ich mich im November in einer Muckibude angemeldet. Lustig ist das schon. Da komme ich nämlich nicht nur vom Schreibtisch weg, sondern kann Leute beobachten. Außerdem hängen dort Fernseher herum, hier habe ich ja keinen.

Für übermorgen habe ich noch eine hübsche kleine Geschichte, so viel sei schon einmal verraten.

 

Ein Stöckchen im Advent

urlaub im sommer 467

Das Leben ist wie ein bunter Rahmen, den ich mit vielen Dingen füllen kann.

Du führst ein Tagebuch: Immer mal wieder, ja. Allerdings nicht als Klagebuch, sondern fülle es mit Notizen zum Tag, mit kurzen Texte, Gedanken und Dingen, die ich nicht vergessen möchte. Besonders auf Reisen notiere ich mir vieles, was mir dabei durch den Kopf geht.
Du kochst gerne: Durchaus. Zwar habe ich erst kochen gelernt, als ich bereits aus dem Elternhaus ausgezogen war, dafür macht es aber immer mehr Spaß. Deswegen kochen meine Lieblingshausziegen auch ganz gerne.
Du treibst regelmäßig Sport: Naja. Mit den Fingern auf der Tastatur. Weil das aber nicht reicht, habe ich mich vor einem Monat in einem Fitnessstudio angemeldet und gehe zwei- bis dreimal in der Woche dorthin.
Du kritzelst beim Telefonieren vor dich hin: Dazu fehlt mir die Geduld. Beim Telefonieren laufe ich viel lieber durch die ganze Wohnung. Als das Telefon noch an der Schnur hing, war das gar nicht so leicht.
Du hast im letzen Monat ein Buch gelesen: Sogar mehr als eines. Und fast immer mehr als eines auf einmal. Momentan liegt dort: „Der Zeitdieb“ von Terry Pratchett, „Vineta“ von Ilse Helbich, „Lange Tage“ von Maike Wetzel, „Die Vipern von Montesecco“ von Bernhard Jaumann und „Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt. Je nachdem, auf welches Buch ich abends Lust habe, dort lese ich weiter.
Du ersetzt das Toilettenpapier sofort: Eher nicht. (Zum Ärger meiner Mitbewohner ;-))
Du magst Kreuzworträtsel: Das ist lange her. Jetzt mag ich nur noch die Rätsel, bei denen ich um die Ecke denken muss.
Du warst auf dem Eiffelturm: Noch nie. Und auch noch nicht in Paris.
Du hast ein Geheimnis, das du noch niemanden anvertraut hast: Ja klar. Aber das gibt es hier auch nicht zu lesen.
Du schnarchst: Das behaupten immer nur die anderen. Ich habe noch nichts davon gehört.
Du liest auf der Toilette: Manchmal. Kommt drauf an. Als ich Kind war, gab es bei meinen Großeltern auf dem Dorf noch das Klo auf dem Hof. Da mein Opa das Zeitungspapier zu Klopapier geschnitten hat, gab es immer was zu lesen.
Krank sein ist wie Urlaub: Nein. Nie. Wenn ich krank bin, dann bin ich krank. Das ist alles, aber kein Urlaub.
Du hast oft Besuch: Gelegentlich.
Du magst Amerika: Ich war noch nicht dort. Und habe mir bisher noch keine Gedanken darüber gemacht, ob ich es mag oder nicht.
Du kannst dir Witze merken: Den Witz schon. Aber ich vergesse immer die Pointe.
Du spielst Karten: Nein. Definitiv nicht. Es gibt immer mal Ansätze der Lieblingshausziegen, die mich dazu verführen wollen, aber nach ein oder zwei Runden finde ich das langweilig.
Du faltest deine Unterwäsche: Bin ich irre? Dafür gibt es Kästen, da kommt der Kram rein. Ich kann mir meine Zeit durchaus besser vertreiben. 😉
Du sprichst im Schlaf: Ich glaube nicht. Aber ich träume manchmal wirre Sachen, an die ich mich im Wachwerden noch gut erinnern kann und dann aufschreibe.
Du ißt schnell: Ja klar. Sonst bin ich satt, bevor der Teller leer ist.
Du wanderst gerne: Ja, durchaus. Ich wäre überhaupt wieder gerne viel mehr unterwegs.
Du telefonierst gerne: Das kommt ganz darauf an, wer am anderen Ende der Leitung hängt.
Du stellst deine Uhr ein paar Minuten vor: Ja. Dann fange ich wenigstens rechtzeitig an, meinen Schlüssel zu suchen.
Du kommst immer zu spät: Nein, nicht immer. Ich gebe mir Mühe. Ehrlich.
Du hast oft Kopfschmerzen: Gelegentlich. Leider. Spaß macht das nicht.
Du rauchst: Seit etwas mehr als 15 Jahren nicht mehr. Die letzte Zigarette habe ich auf dem Weg in die Klinik geraucht, quasi am Geburtstag der Lieblingshausziege. Seitdem hatte ich keine Lust mehr darauf. Nie wieder.
Es gibt ein Nacktfoto von dir: Ja, als Baby. Sonst keines.
Du kannst pfeifen: Ja, aber es hört keiner, wenn ich auf zwei Fingern hinter ihm herpfeife. Da kann ich es auch lassen.
Du schreibst regelmäßig Briefe: Sollte ich tatsächlich mal wieder machen.
Du glaubst an Vorbestimmung: Dann würde ich mich zurücklehnen und nichts mehr tun. Nein, glaube ich nicht.
Du putzt dir dreimal täglich die Zähne: Höchstens zweimal.
Es gibt etwas, was du gerne Beichten möchtest: Ähm. Nein. Jedenfalls nicht hier. Oder wolltet Ihr jetzt einen Roman lesen?
Du kaust an den Fingernägeln: Noch nie. Schmeckt einfach nicht.
Du bist Vegetarier: Nein.
Du hast alleine in einem Restaurant gegessen: Ja, durchaus. Aber zu zweit ist es einfach schöner. 🙂
Du bist allein ins Kino gegangen: Das habe ich eine Zeit lang ganz gerne gemacht.
Du bist allein in Urlaub gefahren: Ja. Da habe ich meine Ruhe und kann Dinge in dem Rhythmus machen, der mir gerade in den Kopf kommt.
Du entschuldigst dich, wenn du glaubst, im Unrecht zu sein: Durchaus. Sogar bei den Lieblingshausziegen. Jeder macht schließlich mal einen Fehler oder irrt sich.
Du hebst Briefe und Postkarten auf: Nicht sehr lange. Dabei haben schöne Postkarten noch größere Chancen, dass ich sie eine Weile aufhebe.
Du hast deinen Eltern schon mal Geld gestohlen: Kein Wort ohne meinen Anwalt. 😉
Du hast oft das letze Wort : Mir fällt eben immer noch etwas ein, das ich schnell loswerden muss.
Du gibst Obdachlosen Geld: Selten. Eher nein. Ich würde lieber ein Brötchen kaufen oder eine Tasse Kaffee, aber das will keiner haben.
Du läßt dich gerne fotografieren: Nein. Ich bin diejenige die fotografiert, lasse mich aber nur sehr ungerne selbst fotografieren. Merke ich, dass mich jemand heimlich knipsen will, kann ich durchaus sehr garstig werden.
Das Leben meint es gut mit dir: Das finde ich auch. Ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden.

Das Stöckchen fand ich in den endlosen Tiefen des weltweiten Netzes im Blog von Clara Himmelhoch. Vielen Dank dafür.

https://chh150845.wordpress.com/

Schlaf, Kätzchen, schlaf…

Ein Kätzchen sucht sich seinen Schlafplatz selbst. Der kann manchmal – in unseren Augen – recht seltsam sein.

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Hier liegt die Katzmatz entspannt und dösend auf dem Wäscheständer. Den liebt sie – warum auch immer. Hängt Wäsche drauf, wird durchaus von Katzmatz kontrolliert, ob sie diese mit ihren Zähnen packen und nach unten werfen kann. Das geht bei Socken und anderem Kleinkram wunderbar…

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Und das Bügelbrett. Das steht oft im Weg, weil es ständig beim Nähen im Gebrauch ist. Sollte irgendein Dosenöffner auf die Idee kommen, etwas auf dem Bügelbrett abzulegen, lässt sich das ebenfalls sorgfältig mit der Pfote über den Rand schubsen.

Das ist ein Beitrag zu: Alles für die Katz von Kalle.

12 Bilder vom 12. Dezember

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Heute hat die Lieblingshausziege Geburtstag. Deswegen steht schon auf dem Frühstückstisch ein Lichterkuchen. Das war schon so, als ich noch Kind war, das wird so sein, wenn die Hausziegen Kinder haben. Nehme ich mal an.

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Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen mögen alle Hausziegen Schwarzwälderkirschtorte. Am liebsten zwar ohne Kirschen, aber man kann ja nicht alles haben. Zum Geburtstag werden solche Herzenswünsche auch erfüllt.

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Die Katzmatz hat es heute wirklich schwer: Es duftet so lecker in der Küche, und sie darf nicht naschen. Also fleht sie darum, dass ich sie endlich aus der Tür lasse.

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Zwischendrin kam noch der Postbote für mich. Nur aufmachen darf ich das Päckchen noch nicht.

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Als Nachtisch gab’s Grießflammeri mit Zimtzwetschgen. Das hat richtig gut geschmeckt. Deswegen sind die Schüsseln auch leer…

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Die Schwarzwälderkirschtorte ist fertig. Deko kann ich nicht. Aber das macht nichts.

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Ich hab endlich mal Zeit. Und kann ganz ruhig in der alten „Tempo“ lesen, die mir gestern in die Finger fiel.

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Während ich meine Zeitung auf dem Sofa lese, spielt die Lieblingshausziege mit dem Wachs in den Teelichtern und bastelt sich einen Fingerhut.

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Endlich trocken! (Der Strauß, den die Lieblingshausziege zum Tanzstundenball bekam)

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Das ist der Hut: Geburtstagsgeschenk der Lieblingshausziege. Den hat sie sich in Bamberg ausgesucht.

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Die Feder gab es auch. Ich fand sie auf dem Weihnachtsmarkt in Rothenburg o.d.T., die Lieblingshausziege fand sie toll.

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Erinnert Ihr euch noch an November? Die Amaryllis hat sich bis jetzt wirklich bemüht. Nur eine Blüte ist noch nicht zu sehen.

Das ist mein Beitrag für „12 von 12“, den es bei Draußen nur Kännchen gibt.

 

Webmasterfriday: Gute Mädchen kommen in den Himmel?

Der Tanzstundenabschlussball der Lieblingshausziege ist glücklich vorbei. Sogar der Folgekurs ist bereits vereinbart. Weil wir auch über Erlebtes schwätzen, wie das so bei ihr und damals bei mir war, kamen wir drauf: Zu meiner Zeit gab es gratis zur Tanzstunde auch noch Benimmregeln vom Tanzlehrer. Dieses Vergnügen blieb der Lieblingshausziege erspart.

Daher kam auch meine Frage für den Webmasterfriday: Woher wissen wir eigentlich, wie wir uns offline oder online benehmen sollen? Oder anders gefragt: Gutes Benehmen und Netiquette: Kann man das von alleine oder muss man das lernen?

Zunächst ist der Mensch als solcher ein Nachahmungstäter, und zwar von Anfang an: Er sieht ein Verhalten – und kopiert es. Jeder, der ein eigenes Kind hat, kennt das: Kaum bringt der Fratz die ersten Wörter unfallfrei, spielt er Bushido auf der Rücksitzbank – jedenfalls dann, wenn er vom Fahrersitz die entsprechenden Stichworte geliefert bekommt. Wer hier einen Schreck kriegt, sollte sich selbst einmal zuhören.

Immer geht es um Aufmerksamkeit, wie beispielsweise offline: Lernt Hänschen, dass er von seiner Mutter erst dann beachtet wird, wenn er in den höchsten Tönen kreischt, nimmt er schnell die Abkürzung und spart sich sämtliche Zwischentöne. Auf Spielplätzen lässt sich das manchmal gut beobachten.

Wer online als Trollhans unterwegs ist, will auch gesehen werden. Da er gelernt hat, dass er mit sanften Tönen und verständigen Kommentaren weniger Gehör findet, als mit Provokationen und Beleidigungen, wird erst posten, bevor er denkt – wenn überhaupt. Wobei das schon so eine nicht ganz einfache Sache ist: Gerade das Netz verleitet dazu, direkter auf sein Ziel draufloszuschreiben, als mancher im Gespräch sich jemals wagen würde. Wer sich wundert, wenn die Antwort ausbleibt oder harscher ausfällt, als gedacht, sollte in einer ruhigen Minute mal darüber nachdenken. Vielleicht stellt er sich ja auch im richtigen Leben auf den Marktplatz und brüllt den nächsten Passanten an, dessen Outfit ihm nicht gefällt: „Ey, siehst Du sch… aus, Alder!“ Wenn nicht: Auch im Netz gilt ein einleitender Gruß und eine Verabschiedung als höflich. Trotzdem muss es – wie in einem Gespräch auch – nicht unbedingt bei jedem Post verwendet werden. Es kommt eben darauf an.

So, wie ich mich im richtigen Leben auf einem Tanzparkett anders bewege, als in einer Muckibude, bei einem Bewerbungsgespräch anders rede, als mit den Kumpels in der Kneipe, so unterschiedlich kann der Ton im Internet durchaus sein. Hier hilft: Erst gucken und lesen, dann mitmachen. Lieber zunächst etwas freundlicher als die anderen, so ist der erste Eindruck jedenfalls nicht der Schlechteste.

Dabei bietet das Netz sogar einen unschlagbaren Vorteil: Während ich mich im richtigen Leben während eines Gespräches nicht zurückziehen und erst mal über eine Antwort nachdenken kann, bevor ich mit beiden Beinen mitten in den Fettnapf springe, kann ich das online sehr wohl. Hier brauche ich nicht sofort zu antworten. Hier kann ich mir sogar richtig Zeit lassen. Oder ich antworte überhaupt nicht. Das ist besonders dann hilfreich, wenn mein Blutdruck auf 180 und der Adrenalinspiegel so hoch ist, dass ich lieber draußen Holz hacke, statt eine Antwort in die Tastatur zu hämmern, die beim Gegenüber Zornesadern schwellen lässt und ihn zum Gegenangriff aufruft. Zwar ist der Schlagabtausch online nur verbal, doch oft nicht weniger verletzend, als ein echter Schlag aufs, ja, wohin auch immer.

Doch im Netz ist die Kommunikation auf den schriftlichen Ausdruck beschränkt, weder Mimik, noch Gestik oder Tonfall lassen darauf schließen, ob etwas scherzhaft oder beleidigend gemeint war. Auch im Internet kann eine Beleidigung als Straftat geahndet werden. Zumal: Sie ist gespeichert und wieder abrufbar.

Wozu gibt es Regeln? Sie helfen. Wer sie beherrscht, hat einen Rahmen, in dem er sich sicher bewegen kann. Wer erinnert sich noch an die Stelle aus Pretty Woman, in der sie lernte, wozu dieses ganze Besteck und die Gläser sind. Und die – war es eine Schnecke? – wegflutschte und vom Ober mit der Hand gefangen wurde? Klar, man kann auch mit den Fingern essen. Wer aber das Besteck nur deswegen polternd verschmäht, weil er nicht gelernt hat, es zu benutzen, will vielleicht nur seine eigene Unsicherheit kaschieren. Mag sein. Er benimmt sich trotzdem wie ein Yankee an König Artus Hof.

Da es aber keine Schule für Benimmregeln im Netz gibt, muss jeder selbst probieren, wie er klar kommt: Trial and error, gewissermaßen. Manchmal geht das gut, ein anderes Mal nicht. So wie im richtigen Leben auch: Wer im Bewerbungsgespräch frech wird, kriegt die gewünschte Stelle selten.

Achja. Die anderen Webmasterfreitagsblogger haben sich auch ihre Gedanken darüber gemacht:

Hans

Alex

Henning

Breakpoint

Saphira

Melanie und Thomas

Die Gefahr aus der Dusche

Es gibt Tage, an denen wundere ich mich tatsächlich darüber, dass die Menschheit bis heute überleben konnte. Als zum Beispiel der Ingenieur vor der Versammlung der Gemeindevertreter sprach und über das in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts errichtete Sportlerheim redete, schien es, als sei bereits das Betreten des Gebäudes mehr als lebensgefährlich: Die Duschen ganz ohne Verbrühungsschutz, die Heizkörper hingen als ständige Unfallquelle an den Wänden, durch die Ritzen an den Fenstern könne man spähen.

Ja und? Das ist schließlich kein muckeliges Wohnzimmer, das ist ein Sportlerheim: Mit Umkleidekabinen, Duschen, Räumen in denen Bälle und Trikots aufbewahrt werden, einer Ecke für die Vitrine, in der die Pokale stehen – und gut ist. Da der Sportplatz im Winter nicht bespielt wird, braucht auch im Sportlerheim nur so viel geheizt zu werden, dass die Wasserleitungen gerade nicht einfrieren.

fränkischer tag 269

Ja, in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die Welt noch eine andere.

Doch der Ingenieur ist ein solcher, der Zertifikate für Gebäude ausstellt, in denen er diesen bescheinigt, dass sie sibirische Kälte ohne Probleme überstehen könnten, auch wenn in ihnen lediglich ein Kerzenlicht als Wärmequelle dient. Das kann man Energieeinsparverordnung, kurz: EneV, nennen oder aber Dämmwahnsinn. Für ein solches Zertifikat wird geprüft, wie viel Energie sprichwörtlich zum Fenster hinaus geheizt wird, beziehungsweise wie viel Energie ein Gebäude braucht, damit es innen warm bleibt. Da hat das arme Sportlerheim aber ganz schlechte Karten – die Zahlen auf der Skala lagen weit im tiefrot verschwenderischen Bereich. Schließlich wurde in der Bauzeit auf solches nur wenig geachtet, Öl war billig und über Umweltverschmutzung hat sich noch niemand Gedanken gemacht.

Jetzt soll das Sportlerheim dick eingepackt werden, sich wie eine nackte Schönheit in einen Pelz hüllen. Doch weil ein solcher Pelz nicht nur warm, sondern auch dicht ist, muss anschließend wieder ausreichend gelüftet werden, so dass der Bürgermeister staunte ob des vielen Geldes, das die Gemeinde investieren solle, nur um 5.000 Liter Heizöl im Jahr zu sparen. Toll.

Der Ingenieur wies aber noch auf weitere Gefahren hin, die unerkannt im Inneren des Gebäudes auf ahnungslose Nutzer lauerten: Legionellen! „Unter diese Duschen würde ich mich nicht stellen!“ donnerte er über die Köpfe der Gemeindevertreter hinweg, die reflexhaft zusammenzuckten und kollektiv anfingen, zu hyperventilieren: Hier müsse man dringend was unternehmen! Man könne doch die armen Schulkinder hier nicht mehr hineinlassen! Und überhaupt – schließlich sei die Gemeinde moralisch und überhaupt in der Pflicht, hier Abhilfe zu schaffen.

Der arme Mensch, der als Gemeindeangestellter bis dahin still in seiner Ecke saß, wurde mit seiner Gegendarstellung kaum noch wahrgenommen. Dabei versicherte er hoch und heilig, dass jedes Jahr jede einzelne Sporteinrichtung der Gemeinde amtlicherseits überprüft und noch nienienie seien Legionellen nachgewiesen worden. Können ja auch kaum. Denn die in diesem Gebäude installierte Heizung stammt ebenfalls aus der tiefmittelalterlichen Erbauungszeit und lässt zu, dass sowohl die Heizkörper als auch das Duschwasser im Prinzip kochendheiß bereitet werden können.

Alles in allem: Es verspricht, teuer zu werden. Doch die Gemeinde könne sparen, wies der Ingenieur auf die möglichen Eigenleistungen des Vereins hin. Im Nachbarort habe der dort ansässige Verein ebenfalls das Sportlerheim nach seinen Plänen saniert und eine ganze Menge Geld dank Eigenleistung eingespart. Trotzdem ist dieser Verein jetzt pleite. Woran das wohl liegen mag?