Webmasterfriday: Das lese ich im Moment

Ilse Helbich: Vineta

Was bleibt, wenn jemand stirbt? Im letzten Kapitel beschreibt Ilse Helbich den gelinden Schrecken, der sie wohl befiel, als sie – nach dem Tod der eigenen, sehr betagten Mutter kam, den Nachlass zu ordnen. Da gab es nichts mehr: Weder Alben, noch Briefwechsel. Alles war von der Mutter sorgfältig vernichtet worden. Ilse Helbich schreibt gegen das Vergessen an und erinnert sich in „Vineta“ im Alter von 90 Jahren an ihre längst versunkene Kindheit. Aufmerksam wurde ich durch den Post von Maximilian Buddenbohm, der hier zu lesen ist: Herzdamengeschichten.

Nora Bossong: Gesellschaft mit beschränkter Haftung

Durch einen Zufall bekam ich den Tipp in meiner Facebook-Timeline: Nora Bossong liest in der Bamberger Uni aus ihrem neuen Buch. An dem Abend hatte ich Zeit und Muße genug, also fuhr ich hin. Das Buch wurde dort gepriesen als der „neue Buddenbrook“, als ein Familienroman, der den Niedergang über mehrere Generationen zeichnet. Es geht um ein Familienunternehmen, das – wie Krupp – in Essen beheimatet, weiches Frottee produziert, statt harten Stahl. Der Niedergang wird von Bossong als ermüdender Prozess des Firmenchefs gezeichnet, dem die Kraft fehlt, sich in der Welt durchzusetzen. Seine Tochter Luise beginnt mit 27 Jahren die Firma zu leiten, kämpft gegen den Konkurs, der schon lange in den Büchern schlummert: Aus einer sensiblen jungen Frau wird schnell eine kühl kalkulierende Firmenchefin.

Monika Detering: Nebengleis

Noch einmal Kurzprosa: Knapp, manchmal lakonisch. Kleine Begebenheiten, so, wie sie sich am Rande immer ereignen und selten wahrgenommen werden. Eigentlich wollte ich das Buch verschenken, kann mich aber noch nicht davon trennen, weil ich immer mal wieder eine Geschichte darin lese. Und noch einmal.

Daniel Golemann: Konzentriert euch!

Nur noch kurz die Welt retten, die Mails checken und – alles nebenher, nichts mehr richtig tun. Zwar darf mein Computer keinen Ton von sich geben, trotzdem sind mehrere Fenster gleichzeitig offen: Ich könnte ja etwas verpassen. Doch verpasse ich wirklich etwas, wenn ich nicht mitbekomme, was gerade auf Facebook an mir vorbeiströmt? Verpasse ich nicht viel mehr etwas, wenn ich mich nicht mehr in eine Sache versenken, mich konzentrieren kann? Frederik Weitz hat mich in seinem Blogpost „Würde Heidegger heute noch leben…“ auf das Buch aufmerksam gemacht, ich habe es seit einer Weile und lese immer wieder quer darin herum. Manches wird klarer.

Zoë Beck: Schwarzblende

Islamistischer Terror in Europa: In London wird ein britischer Soldat mitten in einem Park ermordet, von zwei Islamisten, die mit Macheten bewaffnet durch die Stadt laufen. So surrealistisch, wie das Buch beginnt: Das kann doch gar nicht wahr sein, das sind doch Spielzeuge, wie sich der Kameramann Niall, der alles beobachtet, einredet. Bis es keine Ausrede mehr gibt, weil ein Mensch tot ist. Ich mag Krimis eigentlich deswegen, weil sie mit der Möglichkeit spielen, was Menschen alles machen könnten – glücklicherweise aber selten tun. Das, was in Schwarzblende beschrieben wird, ist fürchterlich real. Und ganz nah bei uns, nicht etwa bequem weit weg.

Helmut Lethen: Der Schatten des Fotografen

Zu jeder Fotografie gehört eine Geschichte. Es scheint, als bilde eine Fotografie die objektive Wirklichkeit ab – doch wer genau hinschaut, kann sehen, dass sie nur ein vom Fotograf gewählter Ausschnitt ist, die dessen Sicht auf die Welt zeigt. Da hat Susan Sontag ebenfalls viel Kluges darüber geschrieben, das sich lohnt, zu lesen.

Das sind die Bücher, die sich im Moment rund um mein Bett aufhalten. Auf dem Küchentisch liegen die Zeitungen wie ein Tischteppich, neben dem Klo steht ein Band über die Rosen der Kaiserin Josephine, der Frau Napoleons, und andere Bücher liegen ebenfalls irgendwo herum. Wenn die Bücher nicht liegen, dann stehen sie in drei Bücherregalen. Als ich von Nordhessen nach Franken zog, habe ich einen Teil meiner Bücher verschenkt und einen anderen Teil via Bookcrossing auf Reisen geschickt.

Das ist mein Beitrag für den Webmasterfriday, der wissen wollte, was ich gerade lese.

Ein Gitter über der Maximiliansgrotte: Für die Rostparade

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Ein Gitter über der Maximiliansgrotte

Das Windloch der Maximiliansgrotte. Damit niemand aus Versehen hineinfällt, liegt ein rostiges Gitter aus Eisenstäben über dem Loch.

Ursprünglich war dies der Zugang zur Höhle, der nicht immer freiwillig gewählt wurde:1833 fiel – der Sage nach – eine verwirrte Frau in die Höhle. Fünf Tage lang suchten ihre Verwandten nach ihr, bis sie gesund wieder herauskam. Danach hieß die Maximiliansgrotte „Wundergrotte“. Zwar erzählten die Retter der Frau von gewaltigen Hallen, die sich unter dem Berg befinden sollten, doch erst 1852 wagten es drei Männer: Sie stiegen in das Windloch ein und brachen an der Stelle aus ihr heraus, an der heute der Eingang zur Höhle ist.

Die Höhle wurde sogar als Friedhof benutzt: Als im spanischen Erbfolgekrieg Engländer, Bayern und Österreicher hier kämpften, wurden 28 tote Soldaten einfach durch das Windloch hinabgeworfen.

Das ist mein Beitrag zur Rostparade von Frau Tonari, bei der sich immer viele Teilnehmer viele rostige Dinge zeigen.

Mein erstes Mal: Im Bioladen

Einen Bioladen? In der DDR? Hatten wir nicht: Wir hatten die HO (Handelsorganisation) und den Konsum, dort gab es Milch im Plastikschlauch, Käseecken mit Tomate, Seife, Mehl, Eier, Brot, Zucker, was man eben so zum täglichen Leben braucht. Im Laden für Obst, Gemüse und Speisekartoffeln, mit OGS abgekürzt, lagen neben Rot- und Weißkohl auch Äpfel, Kuba-Orangen und, ja, auch Kartoffeln. In manchen Orten gab es noch ein kleines extra-Lädchen, in dem es Milch, Sahne und manchmal Jogurt in Flaschen gab, der so stichfest war, dass er sich oft nur mit einem langen, schmalen Löffel aus dem Glas kratzen ließ.

An Bio hat da keiner gedacht. Und so viele Gedanken über das Essen habe ich mir auch nicht gemacht. Die Eltern hatten einen Garten, dort wuchsen neben Erdbeeren, Johannisbeeren und Stachelbeeren mit Bohnen und Rosenkohl auch die Sorten an Gemüse, die ich als Kind nicht sehr schätzte.

Der mütterliche Kommentar „Das ist gesund“, mit dem sie darauf hinwies, dass das Essen bitte gegessen werden sollte, wurde für mich zum Synonym für: „Das schmeckt nicht!“ Gegessen wurde mittags entweder in der Schulspeisung oder Mensa, jedenfalls an den Wochentagen. Sonderlich schmackhaft war das Essen nicht, aber es spielte eine deutlich kleinere Rolle, als heutzutage.

Dann kam die Wende.

Von nun an gab es: Bananen. Und Ketchup. Jogurt in kleinen Bechern. Scheiblettenkäse und Babybel. Ansonsten hat sich das tägliche Essen zunächst nicht sehr verändert: Gekauft wurde, was gebraucht wurde und bekannt war. Diskussionen darüber, wo es Gulasch oder Schnitzel billig gab, füllten thematisch ganze Kaffeekränzchen und Geburtstagsnachmittage bei den Verwandten. Aber nirgendwo war ein Ökoladen in Sicht.

Bis ich – für mein zweites Studium – auf die Westseite des neuen gemeinsamen Landes zog. Im Supermarkt, der damals noch nicht Tegut, sondern HaWeGe hieß, entdeckte ich Dinge, die ich noch nicht kannte, wie beispielsweise vegetarischen Brotaufstrich. Da dieser so rötlich war, wie einst die Käseecken mit Tomate, habe ich ihn probiert. Nun ja. Dass nicht alles im Westen schmeckte, wusste ich bereits: Mein bis kurz nach der Wendezeit gerne gegessener Leberkäse hatte sich inzwischen geschmacklich solcherart verändert, dass ich gerne auf ihn – bis heute übrigens – verzichte.

In Kassel kam ich das erste Mal in das Innere eines Reformhauses: Es war so dunkel, dass selbst die brennenden Glühbirnen den letzten Winkel nicht erhellen konnten. Vielleicht lag es auch an der Menge der angebotenen Dinge, verpackt in graubraunes Papier. Vor dem Reformhaus warb ein Schild für „levitiertes Wasser“, im Fenster standen drei leere Weinballons. Diese waren auch der Grund dafür, dass ich den Laden überhaupt betreten habe: Ich suchte einen Weinballon, um selber Apfelwein zu machen. Innen roch es so seltsam muffig und pudrig, dass ich froh war, als ich wieder an der frischen Luft war.

Ich habe studiert und nebenher gearbeitet, damit ich für mich und mein ältestes Kind genügend Geld hatte. Immerhin musste ich die Miete für unsere kleine Wohnung bezahlen, hin und wieder etwas zum Anziehen kaufen und etwas zum Essen. Da wir nicht viel Geld hatten, haben wir lieber weniger Wurst gekauft, diese dafür vom besseren Fleischer geholt, auch wenn sie etwas teurer war. Dafür war sie bedeutend schmackhafter.

Langsam lernte ich, zu kochen. Richtig zu kochen. Nicht nur die Gerichte, die ich von zu Hause kannte, sondern entdeckte – dank der Kochkolumne von Wolfram Siebeck im „Zeitmagazin“ beispielsweise – dass Kochen Spaß machen kann und nicht nur eine notwendige Angelegenheit ist, wenn ich etwas zu essen haben will. Allerdings erzähle ich darüber lieber ein anderes Mal, hier führt das zu weit vom Thema weg. Da Siebeck nicht nur einfach Rezepte schrieb, sondern auch über die Qualität und die Herkunft der dafür nötigen Rohstoffe, fing ich an, diese zu suchen. Zunächst im Supermarkt, dann im Reformhaus, auf dem Markt und endlich im Bioladen, als in Kassel der erste direkt am Bahnhof Wilhelmshöhe eröffnet wurde.

Allerdings muss ich gestehen: Das war für mich quasi am anderen Ende der Stadt. So wirklich oft war ich also nicht im Biomarkt. Außerdem sah dieser ganz normal aus, fast so wie jeder andere Supermarkt auch und die Sachen, die es dort gab, waren mir immer noch zu teuer. Schließlich war ich mit dem Studium noch nicht fertig.

Aber dann, als ich endlich damit fertig war – zog ich in die nordhessische Provinz. Und bekam mein jüngstes Kind. Plötzlich rückte nicht nur gutes und schmackhaftes Essen in den Fokus meiner Aufmerksamkeit, sondern ich achtete auf Schadstoffe, Zusatzstoffe, Farbstoffe, Konservierungsstoffe, alles, was so im Essen mit verarbeitet sein kann, ohne dass es wirklich zur Ernährung beiträgt. Im Reformhaus gab es neben dem Ziegenkäse vom Bauernhof frisches Molkebrot, Müsli aus Amaranth und viele andere leckere Sachen.

Heute kann ich mir kaum noch vorstellen, Lebensmittel zu kaufen, die bereits vorgefertigt sind: Ich backe Pizza, mache meinen Jogurt selber und kriege jeden Donnerstag meine Abo-Kiste mit Gemüse an die Haustür geliefert. Im Bio-Markt kaufe ich ebenfalls: am liebsten Käse.

Ach und: Danke für die Erinnerung. Dank Johannes Korten und seinem Aufruf zur Blogparade habe ich mich an mein erstes Mal erinnert. Im Bioladen.
Hier ist der Link zum Aufruf: Blogparade

I wie Innen: Magic Letters

Innen. Dort, wo es ein Innen gibt, gibt es auch ein Außen. Beide sind durch – in der Regel wahrnehmbare – Grenzen voneinander getrennt. Nähern sich Philosophen dem Innen, dann reden manche von tiefen Gefühlen, mit denen man direkt in das Herz der Natur gelangen könne. Wann ist eigentlich ein Gefühl ein tiefes Gefühl? Können eigentlich alle Gefühle tief sein, oder nur einige? Ich meine, das ist ja nicht wie bei einem Brunnen, in den ich oben hineingucken und staunen kann, wie tief unten sich das Wasser spiegelt.

Aber das sind alles Dinge, die ich nicht fotografieren und bebildern kann. Also suche ich innen – und werde dieses Mal im Archiv fündig.

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Eine kleine Wohnung in einem Koffer.

So eine Wohnung im Koffer wäre schon praktisch: Alles ist dabei, soll es weitergehen, wird einfach zugeklappt.

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Drei kleine Meerschweinchen

Das Kind bekam einst vor vielen Jahren ein Meerschweinchen als Geschenk. Eins! Innendrin waren aber – wie bei einer dieser russischen Puppen, in der auch immer noch eine mehr versteckt ist – noch drei andere Meerschweinchen versteckt. Die kamen eines schönen Tages heraus und waren sogar schon fertig angezogen.

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Innen in einem hohlen Baum

Normalerweise sind Bäume groß und hart und lassen sich liebevoll umarmen. Oder absägen – dann werden sie zu Mobiliar, Brennholz oder Papier verarbeitet. Dieser hier hat seine beste Zeit auch schon hinter sich, trotzdem darf er stehen bleiben. Im Urwald an der Sababurg ist er zu finden, jedenfalls so lange er noch steht. Aber das kann noch viele Jahre sein.

 

 

 

 

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Kurz vor dem Glockenguss.

Kurz bevor die glühende Masse in die vorbereiteten Glockengussformen läuft, wird innen alles mit einer langen Stange noch einmal umgerührt: Diesem Inneren nähert sich keiner ungeschützt.

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Der Glockenguss.

Das glühende Metall läuft in die Gusskanäle – und von dort in die vorbereiteten Glockenformen. Blau entweicht das Gas aus den Hohlräumen.

Das ist mein Beitrag zu Paleicas Projekt: Magic Letters.

Runter vom Sofa und ab zum Sport #6

Es ist wieder Zeit für einen Trainingstermin mit Kerstin. Sie kommt mit ihrem Damengrüppchen am Treffpunkt an, verabredet noch die nächste Trainingszeit, verabschiedet sich – und wir ziehen zu zweit los, wieder durch den Kellerwald.

Das Joggen fällt mir hier deutlich schwerer, als beispielsweise auf der Sportinsel, wo die Strecke eben ist. Ich bin in meinen alten Turn- und Wanderschuhen unterwegs, die sich schon auf so vielen Strecken bewährt haben. Diese sind zum einen wunderbar bequem und gründlich eingelaufen, zum anderen begleiten sie mich wirklich schon eine sehr lange Zeit: Ich lief mit ihnen die zweihundert Kilometer von Eisenach bis nach Marburg auf dem Elisabethpfad (hier beschrieben), ich war mit ihnen im Harz und in den Alpen ebenso unterwegs, wie auf einem still gelegten Eisenbahngleis, das inzwischen einer neuen Autobahn weichen musste.

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Meine alten Turnschuhe.

Doch diese Schuhe, mit denen ich so viele Tage und Kilometer unterwegs war, fangen an, sich langsam zu verabschieden. So ist beispielsweise die Sohle längst nicht mehr so griffig, wie am ersten Tag. Ganz im Gegenteil: Bin ich auf steilen Wegen in der fränkischen Schweiz unterwegs, muss ich aufpassen, dass ich nicht wegrutsche.

Ich frage also Kerstin als Fachfrau fürs Laufen und Sport, worauf ich achten sollte, wenn ich mir neue Schuhe kaufen möchte. Sie erzählt mir, dass es Laufschuhe gibt, mit denen der Fuß gestützt wird. Andere Laufschuhe haben Sohlen, mit denen die Stöße vom Laufen gedämpft werden. Dazu gibt Sportgeschäfte, die eine Laufstilanalyse anbieten. Ich bin ein wenig verwirrt: Schließlich möchte ich weder den ganzen Tag in Sportschuhen laufen, noch den nächsten Marathon in Rekordzeit absolvieren. Nur ein bisschen laufen und wandern – das muss doch auch ohne High-Tech möglich sein. Schließlich war meine Großmutter einst mit einem simplen Damenrad unterwegs und hat damit ihre Einkäufe erledigt. Weder hätte sie bei einem Rennrad gewusst, wo sie ihre Kartoffeln unterbringen soll, noch hätte sie mit einem Mountainbike den Berg hoch zu ihrem Haus bewältigt. Nehme ich mal an.

Mannmannmann. Die Menschheit läuft schon so lange auf ihren Füßen herum, dass ich nicht glaube, dass für Schuhe eine solche Technik nötig ist. Wenn dieses Verfahren so miserabel wäre, wie es mir die Werbung für Laufschuhe weismachen möchte, hätte es sich sicherlich in der Evolution nicht so durchgesetzt. Wie dem auch sei: Kerstin empfiehlt mir, einfach Sportschuhe anzuprobieren, auch im Sportgeschäft damit zu laufen und so zu spüren, ob ich in diesen bequem unterwegs sein kann. Das klingt erst einmal vernünftig. Ich werde mal sehen, ob sich das umsetzen lässt.

Wieder daheim, klemme ich mich hinter den Computer. Ich will wissen, was in Sportkleidung alles an Chemie verarbeitet wird. Hier hilft mir die Zeitschrift Öko-Test weiter: So fanden Labore in Laufhosen beispielsweise Weichmacher, die wie Hormone wirken oder zinnorganische Verbindungen, die sich sowohl auf das Immun-, als auch auf das Hormonsystem des Menschen auswirken können. Manche Textilien werden mit halogenorganischen Verbindungen ausgerüstet, obwohl längst bekannt ist, dass sie Allergien auslösen können und zum Teil unter dem Verdacht stehen, Krebs auszulösen.

Das finde ich weniger erfreulich und beschließe, dass für meine sportlichen Zwecke mein Baumwoll-.T-Shirt reicht, auch wenn es nicht so fesch aussieht, wie manch andere Shirts. Da ich nach dem Sport ohnehin nach Hause fahre, stört es mich nicht, wenn die Klamotten verschwitzt sind. Nach dem Duschen kommen sie in die Wäsche – und gut ist. Insgesamt fühle ich mich von der Fülle der Materialien und Angebote ein wenig erschlagen. Fast sehne ich mich nach der Zeit zurück, in der es nur Sporttrikots aus Baumwolle gab, die sich lediglich durch ihre Farbe voneinander unterschieden. Mal sehen.

Gehört: Die geschenkte Freiheit

Vera Lengsfeld war in der DDR eine einflussreiche Bürgerrechtlerin. In ihrem Buch „1989 – Tagebuch der Friedlichen Revolution“ erinnert sie an das Ende der DDR.

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Vera Lengsfeld erzählt von ihrem Buch: „1989 – Tagebuch einer Friedlichen Revolution“

Als das Jahr 1989 begann, ahnte niemand, dass am Ende des gleichen Jahres eine weitgehend friedliche und unblutige Revolution dafür sorgen würde, dass der Osten Europas frei und demokratisch wird. Vera Lengsfeld, die Menschenrechtlerin, Dissidentin und Politikerin aus der ehemaligen DDR hat ein Buch über jede Zeit geschrieben, in der der Weg der Deutschen und der Europäer zur Einheit und Freiheit geebnet wurde.

Mit den Worten: „Demokratie lebt von Rede und Gegenrede, Demokratie heißt nicht: Denkverbot“, erinnerte Lengsfeld daran, dass auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung die Demokratie nicht ein für allemal gegeben ist, sondern die Mitwirkung aller Menschen erfordert.

Vom Beginn der Montagsdemonstrationen über die ersten freien Wahlen in Polen bis zum 40. Jahrestag der Gründung der DDR – Lengsfeld skizzierte in ihrem Buch nicht nur das entscheidende Jahr des Umbruchs, sondern auch den langen Weg der ostdeutschen Friedensbewegung bis dahin: „Wer weiß denn noch, dass sich Mitte der achtziger Jahre die Blockmächte bis an die Zähne bewaffnet gegenüberstanden und im Fall eines Atomkrieges Deutschland der Boden war, auf dem dieser ausgetragen werden sollte“.

Der Friedensbewegung in der ehemaligen DDR blieb laut Lengsfeld nur ein einziger Freiraum: Die Räume der evangelischen Kirche – wenn denn die entsprechende Kirchengemeinde damit einverstanden war.

„Haben Sie geahnt, dass es so kommen wird?“, fragte einer der Zuhörer, die mit mir gemeinsam dem Vortrag lauschten und Lengsfeld entgegnete, dass mit dieser ganzen Entwicklung niemand gerechnet hatte.

Alexander Schalck-Golodkowski hatte in einem Interview einmal zugegeben, dass die DDR seit 1983 eigentlich pleite war. So wurden für Oppositionelle höhere Strafen verhängt – damit die Freikaufsummen, die der Westen zahlte, ebenfalls höher waren.

Ob das System der DDR ohne diese Zahlungen nicht eher zusammengebrochen wäre, fragte ein anderer Zuhörer. Dann hätte das Regime vermutlich nicht so friedlich abgedankt, mutmaßte Lengsfeld. Immerhin war selbst die Sowjetunion zu dieser Zeit pleite, Ende 1989 bis Mitte 1990 herrschten dort Hungersnöte, von denen kaum jemals etwas bekannt wurde.

Der Vortrag war spannend, die Zuhörer beeindruckt. Leider fiel mir meine Frage zu spät ein, um sie Vera Lengsfeld noch zu stellen: Wie viel sie von dem, was sie schildert, überhaupt selbst erlebt hat. Und: Muss man das selbst erleben, um darüber zu schreiben?

Sie wurde doch 1988 verhaftet, als sie mit einem selbst gemalten Plakat an einer staatlich organisierten Demonstration in Berlin teilnahm. Auf dem Plakat waren die Worte von Artikel 27 der Verfassung der DDR zu lesen: „Jeder Bürger hat das Recht, seine Meinung frei und öffentlich zu äußern“. Lengsfeld wurde ausgebürgert, war seit 1988 in England, in Cambridge, also auch 1989. Erst am 9. November, an dem Tag, als die Mauer fiel, kam sie aus privaten Gründen in die DDR zurück.

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Vera Lengsfeld beim Signieren.

Vielleicht klingt deswegen das Buch für mich doch ein bisschen distanziert: Lengsfeld war schließlich nicht direkt dabei, auch wenn sie die Notizen aus ihrem Tagebuch mit den öffentlichen Pressemeldungen verquickt. Dafür schildert sie die Ereignisse dieses Jahres, wie sie sich zunächst ganz banal ereigneten, bevor es zur eigentlichen Wende kam. Historische Exkurse schaffen dabei einen Rahmen, stellen alles in den entsprechenden Kontext. Schließlich waren die Lebenswelten der Menschen, die in der ehemaligen DDR lebten, oft völlig unterschiedlich, je nachdem, ob es einfache Bürger oder Apparatschiks waren.

 

(Erschienen im Fränkischen Tag)

H wie Hochkant: Magic Letters

Kinoleinwand, Fernseher, Monitor: Alles nutzt das Querformat. Schließlich hat Mensch ja zwei Augen, die nebeneinander angeordnet sind. Seit Oskar Barnack für Leitz das Kleinbildformat erfunden hat, ist dieses das am meisten verwendete Format. Im Gegensatz zum Fernseher/ Monitor/ Kinoleinwand ist die Fotokamera allerdings drehbar – und so können Aufnahmen auch hochkant im Hochformat entstehen.

Die Bilder erinnern mich an eine Zeit, an die ich nur wenig Erinnerung habe: Als ich noch klein war – und überall hochgucken musste. Inzwischen bin ich groß, doch es gibt noch vieles, was größer ist, als ich.

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Der Dom von Breslau

 

Fast 100 Meter sind die Türme hoch, so nah an Gott und dem Himmel gebaut, wie es damals in der Gotik nur irgend ging.

Die großen Fenster mit ihren Spitzbögen ließen so viel Licht, wie möglich in das Kirchenschiff. Strebepfeiler stützten die Wände, so dass diese nicht mehr so wuchtig wirken.

 

 

 

 

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Die Nadel vor der Jahrhunderthalle in Breslau.

Vor der Breslauer Jahrhunderthalle piekt seit 1948 die Nadel „Iglica“ in den Himmel.

Ursprünglich 106 Meter hoch, ist sie inzwischen 10 Meter kürzer.

Aber immer noch imposant.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Lagerzaun in Auschwitz

Nicht weit entfernt von Breslau – und doch wie in einer anderen Welt: Auschwitz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ist mein Beitrag zu: Magic Letters von Paleica. 

Alles für die Katz #8

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist.

Katzen sind keine Vegetarier. Das zeigt Tequila ganz deutlich, wenn sie ein Stück Fleisch bekommt – es wird ebenso gejagt, wie ein Mäuschen. Neulich saß sie auf dem Balkon, als eine dicke Hummel vorbeischwirrte – die sie gerne gefangen hätte.

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Die Katze frisst Fleisch.

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Die Katze spielt mit dem Fleischbröckchen

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Sie Katze jagt und spielt.

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Endlich gefangen.

 

 

 

Platz für Neues schaffen

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Pferdefuhrwerk

Eine Reihe alter Bäume liegt in der Wiese: so alt, dass sie sich in ihrer Jugend bestimmt staunend umgedreht haben, wenn mal ein Auto vorbeifuhr. Schließlich wurde damals noch mit Pferden geackert, wer keine hatte, spannte die Kühe vor den Pflug.

Jetzt sind die Bäume alt, morsch, tragen keine Früchte mehr oder das tote Holz ist wertvoller, als alles, was auf und an ihnen wuchs. So wurden sie gleich mit ihren Wurzeln aus der Wiese gezogen. Das Pferdefuhrwerk erinnert an die Zeit, in der die Bäume jung waren, frisch gepflanzt, noch voller Freude auf künftige und reiche Ernten.

Die Früchte gibt es doch jetzt frisch im Supermarkt, schon gepflückt, gewaschen und eingetütet. Da braucht niemand mehr Hand anzulegen beim Pflücken. Wer will schon für so wenig Geld arbeiten, wie die Früchte dann einbringen?

Das ist ein Beitrag zu: (einfach auf die Grafik klicken)BW2015L-550