Da war eine Schraube locker: Für die Rostparade

Draisinenfahrt

Kanonenbahn Geismar-Leinefelde

Da ich für ein paar Tage meine Eltern besuchte, war es hier ein wenig ruhiger. Wir waren schließlich viel unterwegs und haben Dinge angeguckt, die ich zwar schon lange kenne, aber nichtsdestotrotz ganz gerne habe. Schließlich treffe ich mich ja auch mit Bekannten und Freunden, auch wenn ich diese bereits kenne. Oder vielmehr: Genau dann macht das Wiedersehen Vergnügen und weckt manches Mal auch alte Erinnerungen.

So fuhren wir beispielsweise mit einer Draisine auf der längst stillgelegten Bahnstrecke. Auf dieser fuhren auch einmal Züge, so weit, so logisch. Mit diesen bin ich hier als Kind gefahren, habe an einem Haltepunkt gewartet, von dem heute nichts mehr übrig ist, habe mein Ohr auf die Schiene gelegt, damit ich hören konnte, wann denn der Zug endlich aus dem Tunnel kommt. Oder einen Pfennig: Der Stahlkoloss fuhr einfach über das kleine Geldstück und walzte es völlig platt.

An dem Bahnhof, an dem wir mit der Draisine umkehren und wieder zurückfahren mussten, saßen wir ein wenig herum, unterhielten uns und inspizierten die Umgebung. An einem ungenutzten Nebengleis guckte einer der dicken Schraubenköpfe ein wenig hervor, hier war quasi eine Schraube locker.

Draisinenfahrt

Kanonenbahn Geismar-Leinefelde

„Lass die Schraube in Ruhe“: Mütter verlernen das Zurechtweisen des Nachwuchses wohl nicht, egal wie alt beide sind und werden. Was mich – wie schon als Kind – nie daran gehindert hat, trotzdem nachzugucken, was passiert, wenn… ich in diesem Fall an der Schraube ziehe. Und siehe da, sie ließ sich ganz widerstandslos aus ihrem Loch herausziehen. Ich brauchte gar nicht an ihr zu drehen.

Draisinenfahrt

Kanonenbahn Geismar-Leinefelde

Und jetzt? Ist die Schraube auf mir völlig unerklärliche Weise erst in meine Tasche und dann bis zu mir nach Bayern geraten.

Also: Ich sag’s ja. Ich hab eine Schraube locker. Und nicht mehr alle Tassen im Schrank, denn es steht immer mindestens eine auf dem Küchentisch oder in der Spülmaschine.

Das ist mein Beitrag zur Rostparade von Frau Tonari: (hier klicken) Über die Draisinenfahrt erzähle ich später noch mehr, die war nämlich interessant.

Freitagsfüller #322

1.   Meine Füße  tragen mich durch meinen Tag. Das machen sie relativ klaglos, obwohl ich – ganz wie meine Urgroßmutter und Großmutter auch – einen Hallux valgus habe. Mit anderen Worten: der große Zeh steht schief. Da mich das aber beim Laufen nicht stört, lasse ich daran auch nichts verbessern, jedenfalls nicht chirurgisch.

2.   Nein, ich bin nicht immer gerne gelaufen. Und schon gar nicht, wenn ich als Kind mit den Eltern sonntags spazieren gehen sollte. Meiner Mutter ging es ähnlich, sie erinnert sich an Sonntage mit weißen Kniestrümpfen und roten Schuhen, beides durfte auf gar-keinen-Fall irgendwie dreckig werden. Das hieß: keine Steinchen treten, vorsichtig gehen, nicht hüpfen, nicht rennen und auf gar keinen Fall hinfallen.

3.   Der linke Fuß ist mir genauso lieb, wie der rechte Fuß. Nein, ich habe keine Vorliebe für einen meiner Füße. Ich setze beim Gehen einen vor den anderen, wie ich das seit ziemlich vielen Jahren schon mache. Unter meinem Schreibtisch liegt seit einiger Zeit ein Igelball, mit dem massiere ich mir gelegentlich abwechselnd die Fußsohlen.

4.    Ich benutze ziemlich selten eine Fußcreme. Das mag daran liegen, dass ich morgens die Socken schnell anziehe, wie alles andere auch, damit ich in die Küche zu meinem Kaffee kann. Ab und zu mache ich inzwischen ein Fußbad, einfach weil sich danach die Nägel besser schneiden lassen.

5.   Die aktuellen Lieblingsschuhe sind rot und von Naot, abwechselnd dazu trage ich rote Schuhe von Think, die als Spange eine Sonne und einen Mond haben.

6.   Das älteste Paar Schuhe in meinem Schrank ist ein Paar schwarze italienische Stiefeletten zum Schnüren, bestimmt schon zwanzig Jahre alt und immer noch gut tragbar. Sogar die Lieblingshausziege hat sie sich schon ausgeborgt.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf mein heimisches Sofa, immerhin war ich jetzt eine Woche lang bei meinen Eltern, morgen habe ich eine Kräuterwanderung mit Kräuterkochen geplant und Sonntag möchte ich, ja das weiß ich noch nicht genau. Ist ja schließlich noch ganze zwei Tage bis dahin!

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Noch mehr Freitags-Füller gibt es bei Barbara: Link.

ABC der Technik #K

Vor ungefähr 700 Jahren wurde in Europa die erste Kanone abgefeuert. Plötzlich bot die stärkste Festungsmauer nicht mehr den Schutz – und der Kampf überhaupt, der vorher Mann gegen Mann ausgetragen wurde, veränderte sich. Dank dieser Waffen änderte sich die Kriegstechnik und die Herrschaftsverhältnisse. Die Kosten für Kriege stiegen immens – Kanonen waren teuer, aber notwendig für den Sieg. Eine Burg war nicht länger ein sicherer Ort der Zuflucht, nur durch Aushungern zu bezwingen. Die Rüstungen der Ritter schützten nicht mehr.

Dank der Feuerwaffen waren Europäer den Natur- und anderen Völkern überlegen, konnten mit ihnen wesentliche Teile der Welt unterwerfen, die vorher von Seefahrern entdeckt wurden. Der Donner der Kanonen und das Knallen der Musketen war die Begleitmusik, als Europa einst führender Kontinent wurde. Und jetzt?

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Kanone und Kugeln

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Kanone

Das ist mein Beitrag zum ABC der Technik bei Jutta. Dort sind noch mehr Maschinen versammelt, die alle mit „K“ beginnen. (hier klicken)

 

Freitagsfüller #2

Schon wieder Freitag. Das ist für jemand wie mich, die von zu Hause aus arbeite und auch am Wochenende ab und an unterwegs bin, nicht so sehr bedeutsam. Im Gegensatz dazu freut sich die Lieblingshausziege über zwei freie Tage. Zumal wenn es, wie gerade jetzt, dank der Pfingstferien sogar zwei freie Wochen sind. Ich dagegen muss aufpassen, dass ich rechtzeitig daran denke, wenn wieder ein Feiertag ist und sämtliche Läden geschlossen haben. Sonst muss ich die Tastatur umdrehen, schütteln und die Krümel zusammenfegen, wenn es etwas zu essen geben soll.

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Ein Weiher.

Heute war ich wieder an einem der vielen Weiher: Da gab es Gelbrandkäfer, schwimmende Schnecken, Kaulquappen und ein Eisvogel flog fix vorbei.

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Schnecke im Wasser.

1.   Ich hätte: Das klingt, als müsse ich etwas bedauern. Aber im Moment gibt es das nicht. Gestern kam eine Landkarte mit der Post, darauf ist der europäische Teil von Russland. So kann ich nachgucken, von wo etwa mein Großvater seine Briefe schrieb. Die hätte ich eher bestellen sollen. Und was ich natürlich gerne hätte: Die Tagebücher der Division.

2.  Heute hatte ich das letzte Mal Socken an. Ich hab sie selbstverständlich immer noch an: Es sind ein Paar selbstgestrickte Socken – und vielleicht komme ich in der nächsten Woche dazu, mal wieder welche zu stricken. Wolle für Socken ist jedenfalls genügend da.

3.   Die Wahrheit ist: Gibt es überhaupt eine Wahrheit? Oder sieht die nicht für jeden ein klein wenig anders aus?

4.    Das habe ich tatsächlich noch nie gegessen: Erdnussbutter. Und das wird vermutlich auch so bleiben. Ich wüsste jedenfalls keinen Grund, warum.

5.    Der ESC 2015 interessiert mich ebenso, wie der von 2014 und all die anderen Jahre davor: Überhaupt nicht. Da ich keinen Fernseher habe, besteht noch nicht einmal aus Versehen die Gefahr, dass ich das gucke.

6.     Frau Müller muss weg: Diesen Film habe ich zuletzt im Kino gesehen. Ich gehe ganz gerne ins Kino – wenn etwas kommt, was mich interessiert.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf ein Buch, das ich mir vorgestern gekauft habe. Gleich gehe ich ins Bett, dort wartet es auf mich. Vielleicht schreibe ich darüber noch. Morgen habe ich geplant, dass ich den Schreibtisch mal wieder aufräume und ansonsten? Mal sehen. Sonntag möchte ich mit meinem Liebsten grillen, wir holen morgen frische Makrelen, die kommen dann auf die heiße Glut. Es kommen ein paar liebe Menschen zu Besuch und zum Essen und überhaupt wird dieser Sonntag damit ganz nett. Nehme ich mal an.

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Das sind Impulse, die es bei Barbara gibt – und wo noch viel mehr Menschen beschreiben, was ihnen alles dazu einfällt.

Gelesen: Altes Land von Dörte Hansen.

Es ist schon eine Weile her, dass ich ein Buch so atem- und pausenlos gelesen habe, wie „Altes Land“ von Dörte Hansen. Gestern nachmittag gekauft, heute fertig gelesen. Beim Kaffee trinken, zum Mittag essen – ich hab alleine gegessen, weil alle anderen unterwegs waren, da darf ich das – und immer wieder zwischendrin, quasi in jeder freien Minute wollte ich wissen, wie die Geschichte weitergeht.

Eines vorneweg: Es ist weder ein Krimi noch ein Thriller. Es mutet erst einmal an wie ein kuscheliges Buch über die Geschichte menschlicher Liebe mit all ihren Irrtümern. Die Liebe kommt auch nicht zu kurz, aber es ist immer eine Geschichte des gerade-noch-eben. Gerade noch eben schien die Welt in Ordnung, die Sonne hell, doch weit hinten am Horizont hängen bereits die Gewitterwolken, das nächste Unheil lässt nicht lange auf sich warten.

Die Geschichte beginnt kurz nach dem Krieg, als Vera an der Hand ihrer Mutter im Alten Land ankommt. Sie sind nicht willkommen in diesem Haus, die Flüchtlinge aus Ostpreußen, sie werden Polacken genannt und ihnen wird das Leben so schwer gemacht, wie es nur geht. Doch sie bleiben, beißen sich durch, nehmen sich das, was für sie übrig ist. Und wenn es der Sohn der Hausbesitzerin ist, der zwar aus dem Krieg heimkehrte, jedoch nur noch als Schatten seiner selbst – und von Veras Mutter geheiratet wird.

Veras Mutter entschwindet denn später auch mit einem anderen Mann, bekommt noch eine Tochter. Deren Tochter kommt später mit ihrem Kind zu Vera, auch als Gestrandete. Während jedoch in den weich gezeichneten Filmen, die von dieser schon so lange vergangenen Zeit erzählen, weiße Wäsche an der frischen Luft trocknet, wachsen hier aus dem Reetdach des alten Hauses grüne Moosbrocken und die Fensterläden werden langsam bröselig.

Wie viele Kompromisse muss ein Mensch in seinem Leben eingehen und ertragen, ohne dass er hinterher sein Leben als gescheitert bezeichnet? Der Krieg ist zwar lange vorbei, doch seine Folgen bleiben in den Menschen haften, nicht nur bei Karl, der jede Nacht schreit und sich erst dann beruhigt, wenn er von Vera Groschenromane vorgelesen bekommt.

Das Buch zeigt, dass ein Leben auf dem Land mehr ist, als es die Hochglanzfotos in den Magazinen zeigen: Idyllisch sieht vieles nur aus, wenn man es aus der Ferne betrachtet. Als ich endlich die letzte Seite gelesen hatte, hätte ich mir gewünscht, es gäbe eine Fortsetzung. Oder? Nein, eigentlich nicht. Die Figuren gehen ihren – und zwar wirklich ihren – Weg. Die anderen, die sich nach dem Mainstream und Zeitgeist richten, die sind nicht wirklich wichtig. Es ist ein wunderbares Buch für alle diejenigen, die wissen wollen, warum Menschen manchmal so unverständlich handeln, wie sie es nun einmal tun.

Tierisches.

Haste Viehzeuch, kannste was erleben. So heute morgen: Rechts neben mir ist das Fenster zum Balkon, auf dessen Geländer immer noch das Vogelhäuschen steht. Ob es das gleiche Meisenpärchen war, das erst im Winter den Knödel verschmäht und mit diesem jetzt die Meisenkinder füttert? Jedenfalls sahen sie heute ziemlich zerzaust aus, wie nach einem Bad in der Regentonne, ohne Fön. Sämtliche Brustfedern strubbelten kreuz und quer. Trotzdem pickte Herr oder Frau Blaumeise – ich kann die beiden nicht voneinander unterscheiden – wie immer den Schnabel voll, bevor er wieder entflog.

Kaum war Blaumeise weg, kamen zwei Spatzen, etwa gleich groß. Während der eine ein hübsch glattes Gefieder trug, war der andere noch voller Flaum und sah einem puschelige Knäuel brauner Merinowolle recht ähnlich. Das Knäuel hockte sich auf den Boden des Futterhäuschens, riss den Schnabel auf und schrie. Der andere pickte hektisch Krümel aus dem Meisenknödel und stopfte sie in diesen nimmersatten Schlund.

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Zwischen den Blumentöpfen. Da saß die Katz schon, als sie noch klein war.

Inzwischen hatte Katzmatz ihr Frühstück in der Küche beendet, hupfte wie immer zu mir hoch, sah die Pieps auf dem Balkon und nahm sofort ihre Jagdposition ein. Jaklar, Katze. Denk dran, zwischen dir und der Beute ist eine Fensterscheibe. Der ältere Spatz mit dem glatten Gefieder verschwand denn auch prompt, während das Flaumknäuel noch eine Weile unschlüssig auf dem Balkongeländer herumhupfte, dann aber doch startete.

 

Klagen über die Katz kamen von der Nachbarin: Dort hatte der Strolch – die Balkontür stand schließlich offen – die Küche inspiziert und eine Tasse mit der Pfote gezielt auf den Boden befördert. Das macht sie gelegentlich auch bei uns, seitdem werden sämtliche Tassen entweder in die Spüle gestellt oder gleich in die Spülmaschine geräumt. Außerdem fand Katzmatz heraus, dass der Tetrapack mit Milch nicht immer ordentlich zugedreht ist: Seitdem kippt sie diesen immer um und schaut, ob der Inhalt ausläuft und aufgeleckt werden kann.

Tanzt die Katze auf den Herdplatten herum, piept der Herd: Manchmal lässt sich so noch etwas retten. Manchmal auch nicht. Dann schafft sie es, die Reste aus dem Biomüll zu fischen, die interessant riechen und für Katzmatz lecker sind, Käserinden beispielsweise. Oder Wurstpelle.

In den Regentonnen schwimmen die Mückenlarven. Auf und ab. Mehr gibt es von diesen noch nicht zu vermelden.

Ich bestimme selbst. Über mich.

Lass Dir endlich Deine langen Zottelhaare schneiden, mit einem schönen Bubikopf siehst du doch viel schöner aus!

Nö.

Wollte jemand über mich bestimmen und wusste angeblich, was gut für mich sei, hatte derjenige mit Widerstand zu rechnen: Entweder empörte ich mich lautstark oder machte einfach leise genauso weiter, wie ich angefangen hatte. Wie bereits oben beschrieben:

Haare abschneiden lassen? Nö.

Zimmer aufräumen? Nö.

Mich hübsch und ordentlich anziehen? Nö.

Mit Rauchen aufhören? Nö.

Ich wollte über mich selbst bestimmen und nicht von anderen bestimmt werden. Ich war diejenige, die mich besser kannte, als all die anderen, die es besser wissen wollten. Das hat mir zwar im Leben eine ganze Menge Umwege eingebracht, aber Umwege erhöhen schließlich die Ortskenntnis, heißt es ja so schön.

Viele Dinge habe ich nicht gegessen und noch nicht einmal probiert, weil irgendjemand sagte: Das ist gesund, das musst du essen. Wieso denken eigentlich heutzutage so viele Leute, dass sie genau wissen, was für andere Menschen gut sei – und sie diese gewissermaßen damit zwangsbeglücken. Ob die anderen das nun wollen, oder nicht. Gefragt wird nicht.

Neulich fand ein Charity-Walk statt: Die Teilnehmer an diesem Lauf sollten Geld für eine Gesundheitsinitiative für Kinder spenden. Zwei bekannte Sportler liefen quasi als Zugpferde voran, so dass möglichst viele Menschen kamen, um zu laufen und zu spenden. Das Projekt selbst soll Kinder an Schulen zu mehr Bewegung animieren. Das ist im Prinzip gut gemeint, schließlich tragen viele Kinder bereits in jungen Jahren zu viel an Gewicht mit sich herum. Da muss doch was dagegen gemacht werden! Dringend!

Als Kind war ich rappeldürr. So dünn, dass ein Arzt meinen Eltern empfahl, sie sollten mir dreimal täglich einen Löffel voll Traubenzucker geben. Allerdings war ich kein Freund von viel Bewegung: Ich habe mich, seit ich lesen kann, lieber mit einem Buch in irgendeine ruhige Ecke verzogen und gelesen. Davon bin ich trotzdem nicht dick geworden. Wir hatten so den üblichen Sportunterricht und sind in den Pausen in Grüppchen gemächlich über den Schulhof geschlendert. Hätte ich mich mehr bewegt, wenn eine Lehrerin mich dazu aufgefordert hätte? Vermutlich nicht. Ich nehme an, ich hätte mich nach dem im Sportunterricht sehr bewährten Prinzip bewegt, also nur dann, wenn die Lehrerin guckt. (Mit dieser Haltung war ich übrigens nicht allein, das haben alle so gemacht, also fast alle, nur die Streber haben auch dann etwas gemacht, wenn keiner geguckt hat.)

Sind heutige Kinder anders? Gut, viele sind nicht mehr so rappeldürr. Ob es nur an der fehlenden Bewegung liegt? Wir hatten damals zwar noch keine Computer, aber Bücher, Fernseher, Puzzles und viele Spiele, bei denen wir uns auch nicht zu sehr bewegen mussten.

Mag ja sein, dass sich Kinder mehr bewegen sollten. Was mich an diesen Projekten immer ein wenig stört, ist, dass die Initiative von außen kommt: Irgendjemand kommt und sagt den Kindern: Ihr seid nicht in Ordnung. Ihr seid zu träge, zu faul, zu fett: Ihr müsst einfach unglücklich sein. Ihr müsst euch nur ein wenig zusammenreißen, etwas mehr bewegen, dann werdet ihr richtig glücklich, entwickelt euch richtig und werden ordentlich leistungsfähig. Diese Aussicht hätte mich als Kind so richtig vom Hocker gerissen, nehme ich mal an. Ich hätte mir das nächste spannende Buch geschnappt und mich irgendwohin verzogen, wo ich meine Ruhe habe.

Allerdings gab es – in meiner Kindheit – viele Sachen noch nicht zu essen, die heute täglich verfügbar sind. Wenn ich einkaufen gehe und mir die Liste an Zutaten auf den Packungen angucke, wird mir ganz seltsam: Warum, zum Kuckuck, ist eigentlich in Brot, Schinken, Salami und Frischkäse Zucker, Fructose, Maissirup und anderes drin, genau wie in ganz vielen anderen Lebensmitteln? Nun, irgendwo muss das Zeug ja verarbeitet werden, wie Wiki-How zeigt. (Link)

Ich fürchte, wenn ich solche Sachen als Kind gefuttert hätte, wäre ich auch dicker gewesen – und der Arzt hätte den Eltern nicht Traubenzucker, sondern mehr Bewegung empfohlen. Warum verbietet eigentlich keiner den Herstellern, diesen Zuckerkram überall zu verarbeiten? Ich kann mich noch daran erinnern, wie lange ich gesucht habe, bis ich für die Jüngste einen Zwieback fand, der ohne Zucker war.

TigerKids, Klasse 2000, Fit und Vital, Besser essen – mehr bewegen, Gesund ins Leben, Minifit, Mick: Mädchen kicken mit, Moby Dick, Schwer mobil, Fit kid, Gut drauf, Unterwegs nach tutmirgut, fit4future… Es gibt eine ziemlich lange Liste an unterschiedlichen Projekten, die alle eins wollen: Kinder sollen sich mehr bewegen und besser essen. Klar. Ob es wohl hilft?

Was hilft dabei, wenn jemand raucht und aufhören soll? Übrigens: Mit dem Rauchen habe ich tatsächlich irgendwann aufgehört. Einfach so. Weil mir keiner mehr gesagt hat: Du musst das jetzt dringend lassen, das ist nicht gesund, denk an deine Zukunft… (das wusste ich längst selber, änderte aber nichts)

J wie Jetzt: Magic Letters

Jetzt ist so ein Moment, ein flüchtiger, der kaum wahrnehmbar verstreicht. Guckt man ihn an, bleibt er ein Weilchen, manchmal schlafe ich darüber ein. So wie das Kind, dem ich zum Mittagsschlaf den Wecker in die Hand gab: Zeigt der große Zeiger ganz nach oben, darfst du wieder aufstehen. Wer dem Moment, dem Jetzt, dem Nu zuschaut, dem fallen schnell die Augen zu. Und dann ist er vorbei, einfach so, unwiederruflich, unwiederbringbar. In der Erinnerung bleibt er nur manchmal, als ein Gefühl, das mich anspringt, unvermutet und unverhofft.

Ob wohl eher die glücklichen oder die unglücklichen Momente besser in der Erinnerung bleiben? Das weiß ich nicht: Aber Fotos helfen, das Jetzt einzufrieren, festzuhalten, machen es stets und ständig abrufbar. Die Bilder entstanden an einem Stadtfest und das sichere Befestigen der Kinder dauerte länger, als die eigentliche Fahrt mit dem Karussell, das so herrlich skurril war. Ob sie sich noch an den Moment erinnern können, an das kurze Jetzt, als sich alles drehte, jauchzte, freute?

urlaub im sommer 175 urlaub im sommer 180 urlaub im sommer 178Das ist mein Beitrag zu dem Buchstaben: J der Magic Letters von Paleica. 

und zu: Childhood.

Freitagsfüller

1.   Mit dem Zug war ich schon lange nicht mehr unterwegs. Dabei habe ich sogar gestern den Zug mit der Dampflok gesehen, die Sonn- und Feiertags von Ebermannstadt bis Behringersmühle eine Dreiviertelstunde lang durch das Wiesenttal schnauft. Vielleicht sollte ich mal wieder…

2.   Dann könnte ich einfach aus dem Fenster schauen, wie die Landschaft an mir vorbeizieht. Wenn ich unterwegs bin, sitze ich aber auch gerne auf dem Beifahrersitz und klappe meine Augen einfach ein Weilchen zu.

3.   So ganz ohne Reiseproviant ist eine Zugfahrt nur halb so schön. Wenn früh am Morgen die Eier im Wasser leise mit ihren Schalen gegeneinander klopfen, fange ich mit meiner hektischen Suche im Schrank an: Wo ist bloß dieser ganz winzigkleine Salzstreuer geblieben, den es damals gab, als wir in der Salzmine unterwegs waren? Belegte Brote, Gurke, Apfel – und ein Messer. Irgendwie muss ich doch alles in mundliche Stücke schneiden, damit es richtig ist. Und der Tee in der Thermoskanne schmeckt auch nur unterwegs. Dafür dann aber richtig.

4.    Wenn es um die Schönheit geht, sind bequeme Schuhe nicht die erste Wahl, logisch. Was heißt eigentlich: Bequem? Als ich Kind war, gab es einen Nachbarn, der hatte zwei unterschiedliche Schuhe an. Ein Schuh sah ganz normal aus, der andere war wie für einen Klumpfuß gebaut. War das bequem? Es sah nicht so aus.

5.   Auto, Zug, Bus oder Flugzeug, immer ist die Technik im Spiel, wenn Menschen heutzutage von einem Ort zum nächsten reisen wollen. Kaum noch jemand läuft zu Fuß. Ist ja schließlich viel zu mühsam – und außerdem käme Mensch pro Tag im Schnitt nur etwa zwanzig Kilometer weit. Da ist dann überall Provinz. Aber ist es das nicht ohnehin, egal, wie weit ich reise?

6.   Die  nächste Reise ist immer schon geplant. Oder vielmehr: In den meisten Fällen plane ich ja gar nicht, ich fahre einfach los. Das ist viel spannender. Auch wenn es schwer fällt, die nötige Contenance zu bewahren, wenn es langsam dunkel wird und noch immer keine Unterkunft in Sicht ist. Aber so ein bisschen Risiko gehört schließlich dazu, oder?

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf das Buch, was ich vor dem Einschlafen noch lesen will, morgen habe ich noch gar nichts weiter geplant und Sonntag möchte ich naja, am liebsten nichts tun. Aber das geht nicht ganz, ich habe einen Termin und da wird mir wohl nichts anderes übrigbleiben, als mich den Läufern vom Charity-Walk in den Weg zu werfen, damit das Foto einfach umwerfend wird!

Das war jetzt der:

 

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den es bei Barbara gibt: Hier klicken

 

Alles für die Katz #10

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Die kleine Miep

Das war eines der ersten Bilder damals, von unserer kleinen Miep. Hier saß sie ganz brav auf den Knien der Jüngsten, sie konnte aber auch anders. 🙂 Ich finde es ja erstaunlich, wo sich Katzen allein mit Hilfe ihrer Krallen überall hochhangeln können.

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Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist.