Haste mal ’nen Euro? Für die Rostparade.

Die Festung Rosenberg.

Der Wächter vor der Festung Rosenberg.

Kronach ist eigentlich eine kleine Stadt. Lucas Cranach wurde hier geboren, Bauern und Handwerker arbeiteten und lebten hier. Da die Stadt verkehrsgünstig lag und zum Hochstift Bamberg gehörte, wurde eine alles beherrschende Festung gebaut und immer wieder ausgebaut. Die Festung Rosenberg wurde weder im dreißigjährigen Krieg von den Schweden, noch 1759 von den Preußen erobert. Der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 sorgte dafür, dass das Hochstift Bamberg und somit auch die Festung Rosenberg an Bayern fiel. Noch heute wird bei der Führung darauf hingewiesen, dass die Bayern alles, aber auch wirklich alles aus der Festung ausräumten und nach Schweinfurt und München schafften, als die Stadt Kronach 1888 das Areal der Festung mit den Gebäuden für 32.000 Mark kaufte. Da blieb weder Teller noch Tasse, weder Stuhl noch Tisch im Gemäuer.

Der rostige Wächter vor den mächtigen Mauern hält bittend die Hand auf, so scheint es. Leider fand ich weder beim Besuch der Festung noch beim Stöbern im Netz etwas über diese Figur. Trotzdem ist sie mein heutiger Beitrag zu Frau Tonaris Rostparade. (Klick auf den Link führt zu den anderen rostigen Bildern)

 

Nachfeierblues

Das Wochenende mit Geburtstagsfeier ist überstanden, die Makrelen auf dem Grill am Sonntag Mittag waren ausgezeichnet und die Rückfahrt nach Franken überaus erfolgreich, schließlich waren die Hagebutten am Hainich genau reif und in einer halben Stunde genügend von ihnen zusammengepflückt, dass es für einen Ansatz im großen Weinballon reichen wird.

Auf der Rückfahrt nach Franken ging es am Windmühlenwald vorbei.

Und mir passen die Fragen vom Wortmischer gerade so gut in den Plan, die ich heute bei Frau Novemberregen beantwortet fand, dass ich sie spontan selbst beantworte:

1. – Münchener Oktoberfest? (Unbedingt! / Keinesfalls! / Was ist das?)

Dort war ich noch nie und dort will ich auch nicht hin. Mir reichen die Volksfeste in Franken (Walberla, Bergkirchweih, Annafest) völlig aus, wenn ich Lust auf ein Bad in der Menschenmenge habe. Mehr brauche ich nicht.

2. – Haben Sie Ihren Volkswagen schon abgestoßen?

Einen Volkswagen habe ich tatsächlich nur einmal leihweise gefahren, der hatte ein Automatikgetriebe und gehörte meiner Schwiegermutter. Ich selbst fahre solche Autos, die jeder Autodieb freiwillig stehen lässt: Citroen.
3. – Erinnern Sie sich noch an das erste Musikstück, das Sie sich gekauft haben? (Vinyl, CD, Download?) Hören Sie sich das heute noch gerne an?

Das ist so lange her, da muss ich erst mal nachdenken. Auf alle Fälle war es Vinyl, CD und Download gab es schließlich noch nicht. Eine der ersten Schallplatten, die ich mir selbst gekauft habe, war „Die Moldau“ von Bedrich Smetana. „The best of Manhattan Transfer“ war ebenfalls eine meiner ersten Platten. Die erschien 1984 von Supraphone, einer tschechoslovakischen Plattenfirma, ich habe mir die Platte einfach wegen des Titels gekauft. Schließlich kannte ich das Buch „Manhattan Transfer“ von John Dos Passos, das stand bei meinem Großvater im Bücherregal und ich fand es toll. Also musste Musik mit diesem Namen ebenfalls toll sein. Dachte ich. Sie war es überraschenderweise wirklich und ich höre sie bis heute gerne – aber das Experiment mit dem Unbekannten hätte auch anders ausgehen können.

4. – Spielen Sie ein Musikinstrument? Trauen Sie sich damit vor Zuhörer?

Leider nein. Ich hab zwar als Kind mal was angefangen, aber da niemand darauf geachtet hat, ob ich überhaupt übe, habe ich es schnell wieder gelassen.

5. – Im Preisausschreiben gewinnen Sie eine Penthauswohnung in Berlin, London, Paris, Prag oder Wien. Welche suchen Sie sich aus?

Prag. In Prag würde ich wirklich gerne wohnen und an einem lauen Sommerabend vom Kloster Strahov auf die Stadt schauen, würde warten, bis die Moldau am Abend einen Dunstschleier über die Häuser und Kirchen, Paläste und Brücken legt und das feine Gespinst von den goldenen Kreuzen, Kugeln und Wetterhähnen auf den Türmen und Dächern so lange zerrissen wird, bis die Nebelfrau auch die letzten Löcher gestopft hat. Ich möchte hören, wie der singende Brunnen im Regen klingt und im Kleinseitner Gasthaus „Zu den zwei Sonnen“ die „Kleinseitner Geschichten“ von Jan Neruda lesen. Also: Wo bleibt mein Gewinn?

 6. – Bevor Sie den Löffel abgeben: Welches Ding müssen Sie vorher unbedingt noch gedreht haben?

Eine Bucket-List habe ich nicht. Ich lebe, wie es mir gefällt – und versuche, andere damit nicht zu nerven. Das gelingt zwar nicht immer, aber ich arbeite daran.

7. – Halb acht Uhr abends. Sie kommen völlig gerädert (aus der Arbeit) nach Hause. Was passiert, sobald der Mantel an der Garderobe hängt und die Schuhe in der Ecke stehen?

Das passiert nicht, weil ich zu Hause arbeite. Wenn es halb acht Uhr abends ist, kann ich im Sommer auf den Keller gehen oder im Winter zugucken, wie das Feuer im Ofen brennt.

8. – Kochen Sie selbst? Was kommt auf den Tisch, wenn die leeren Teller schon nach einer Stunde im Geschirrspüler stehen müssen?

Ich koche selbst. Gerichte, die schnell fertig sind, gibt es eine ganze Menge, mal ganz abgesehen von den obligatorischen Nudeln mit Tomatensauce. Da ich Tomatensugo eingefroren und zusätzlich wie Marmelade in Gläser gesperrt habe, geht das wirklich super-schnell.

9. – Golf, Ski, oder Tennis? (Oder doch lieber die TV-Fernbedienung?)

Nichts von allem. Ich gehe lieber wandern – manchmal nur die Runde um den nächsten Weiher, manchmal auch etwas weiter oder etwas weiter weg. Kommt ganz darauf an. Ist das Wetter wirklich mies, gehe ich in die Muckibude. Als Schreibtischtäter brauche ich vor allen Dingen Auslauf, und das möglichst täglich.

10. – Wir schreiben das Jahr 2025. Was ist für Sie die auffälligste Neuerung im Vergleich zu heute?

Ich hoffe mal, das niemand rosa Gras erfindet und den Himmel passend grün färbt. Also hoffe ich auch, dass auch 2025 die wesentlichen Dinge noch so wie heute sind: Gras grün, Bäume wachsen nach oben, Fische schwimmen im Weiher, na, und so weiter. Obwohl: Neulich lag ein großer Karpfen neben dem Waldweg. Wie, zum Kuckuck, kam der dorthin?

11. – Sie packen Ihren eigenen Flüchtlingskoffer. Was muss da rein? (Fünf Dinge braucht der Mensch.)

  • meine Kamera
  • dickes Notizbuch und Stift (zählt als ein Ding)
  • Taschenmesser
  • Feuerzeug
  • Tablet/ Laptop/ Taschentelefon: Ich kann mich nicht für eines entscheiden. Jedenfalls würde ich ein Gerät mitnehmen, mit dem ich mich unterwegs orientieren und mit anderen in Verbindung bleiben kann.

Jetzt soll ich mir noch elf Fragen ausdenken. Also:

  1. Wo bist du jetzt und: Wolltest du dahin?
  2. Was ist Glück für dich?
  3. Schreibst du Tagebuch?
  4. Wann kannst du so richtig aus der Haut fahren?
  5. Wie oft bist du schon die Treppe heruntergefallen?
  6. Wenn du es könntest: Würdest du eine Abzweigung heute anders nehmen?
  7. Hast du einen Sehnsuchtsort?
  8. Mit wem würdest du dich gerne einmal treffen?
  9. Was hast du mit deinem Lieblingsteddy gemacht? Oder hattest du keinen?
  10. Was machst du, um dich selbst zu trösten?
  11. Wie sorgst du für dich, wenn du deine Ruhe haben möchtest?

Ich nominiere einfach jeden, der Lust darauf hat, diese Fragen zu beantworten. Manchmal ist das ja ganz praktisch, vor allen Dingen dann, wenn einem sonst manchmal nix einfällt. Einfach beantworten und verlinken. Das war es schon.

edit: Tippfehler beseitigt.

Mompreneurs. Das erste Treffen.

Mompr- was?

Kommt gleich. Erst mal der Dialog. Dramatis personae: Die Lieblingshausziege (L) und das Muttertier (M).

Nürnberg. Vor der Stadtmauer.

L: Wo warst du denn heute? (Leicht vorwurfsvoller Ton, schließlich stand das Mittagessen nicht pünktlich auf dem Tisch)

M: In Nürnberg

L: Was hast du denn dort gemacht?

M: Ich habe mich mit Frauen getroffen, die Selbstständige und Unternehmerinnen – aber gleichzeitig auch Mütter sind.

L: Das klingt irgendwie nach Feminismus…

M: ???

L: Ja, so nach selbstständig Frausein mit modernem Menschsein…

Vielleicht sollte ich mal eine Grundsatzdiskussion über Feminismus, Gleichberechtigung und solchen Themen überhaupt mit der Lieblingshausziege starten. Sie erlebt in der Schule durchaus die Unterschiede zwischen Männlein und Weiblein, wenn beispielsweise Jungs sauer auf die Mädchen sind, weil sie in einer Arbeit eine schlechtere Note abbekommen haben und findet das alles andere als witzig.

Jedenfalls war ich dort: Beim ersten Treffen der Mompreneurs in Nürnberg. Über zwanzig Frauen waren auch da, wir haben uns alle die Räume der Design Offices angeguckt und anschließend in dieser Runde kurz vorgestellt. Das war wiederum ganz schön lang und bot so viele interessante Details, dass ich mir leider kaum etwas merken konnte. Zum hinterher-miteinander-schwätzen blieb nur wenig Zeit, aber das wird sicher beim nächsten Mal ein bisschen besser. Hoffe ich jetzt einfach mal.

Mompreneurs: Da (dem Link einfach folgen) kann man nachlesen, was das ist.

Ich jedenfalls finde es total gut. Und werde zum nächsten Treffen garantiert gehen.

So. Da mein Vater einen runden Geburtstag hat, waren wir die ganze Zeit am Werkeln, das heißt, in der Hauptsache hat die Lieblingshausziege übernommen und für die Auflagen der Hollywoodschaukel neue Bezüge aus alten Jeans genäht. Die Polster für die anderen Bänke haben wir jetzt nicht mehr geschafft, dafür sieht das Wohnzimmer immer noch aus, als wäre ein Stofflager explodiert. Das muss ich noch aufräumen, schließlich fahren wir nachher los, ins Urgroßeltern- und Großelternhaus, das jetzt von den Eltern bewohnt wird.

 

 

Von Mäusen und Katzen

Es war einst richtig kalt im Februar, aus dem Rosenbusch wuchsen lange Eiszapfen, mit denen der Wind so lange klimperte, bis er daraus eine kleine Melodie wurde. Die Mäuse zogen in dieser Zeit mit Sack und Pack ins warme Haus, schließlich fand sich zwischen Balken und Lehm immer ein freies Plätzchen, groß genug für eine Mausewohnung. Ihre im Sommer gesammelten Vorräte ließ die Mausefamilie in der tiefgekühlten Kammer unter dem Gemüsebeet liegen, die würden sich bis zum Frühjahr halten.

Ein Käsestück, das den Weg in den Kühlschrank vergessen hatte, verschwand plötzlich krümellos. Eine Praline in der offenen Packung bekam kleine Riefen, Mausezähnchenspuren. Die Nager im Haus verrieten damit ihre Anwesenheit. Wozu, zum Kuckuck, patroullierten zwei große Kater durch alle Räume? Aber keiner der beiden trug stolz eine Mausebeute zum Dosenöffner, statt dessen lagen sie tagsüber dösig auf Sessel und Sofa und jagten sich abends gegenseitig aus lauter Übermut.

Draußen wurde es noch kälter, bitterkalt, so eisig, dass es den Mäusen in der Fachwerkwand noch zu kalt wurde. In der Nacht, als alles dunkel war und alles schlief, kroch das erste Mäuschen aus dem Mauseloch, suchte Wärme und fand sie auch: Unter einer Bettdecke. Dort war es tatsächlich am wärmsten, dort lag ja schon jemand, an den sich die Maus kuscheln konnte. Ich wachte auf, weil sich die Maus unter der Bettdecke keineswegs still und ruhig schlafen legte, sondern weil sie unablässig nach der besten, der wirklich besten Schlafposition suchte, dabei zappelte und strampelte.

Auf der Bettdecke lag einer der beiden Kater, so wie immer. Er riskierte zwar einen kurzen Augenblick, sah die Maus, schob sie mit der dicken Pfote ein wenig an, als sie, von mir erschreckt, sich lieber wieder in ihre eigenes Heim verkrümeln wollte. Dabei quiekte sie laut, doch der Kater ließ sie laufen. Schließlich machen wohlerzogene Kater ihr Spielzeug nicht kaputt. Wer weiß, wozu er es noch gebrauchen kann.

Am nächsten Morgen suchte ich – hausfraulich pflichtbewusst – alle Ecken des Zimmers nach dem Mauseloch ab, fand aber nichts. Der Blick unter das Bett offenbarte jedenfalls nichts aufregendes, hier waren nur die Wollmäuse zu Hause, die ich anschließend mit dem Staubsauger fing.

Den Hausmäusen legte ich jedenfalls eine fristlose Kündigung ihres Hausbesetzung in den Flur. Sollten sie nicht binnen dreier Tage ihr Sack und Pack zusammengerafft haben und wieder ausgezogen sein, würde ich die üblichen Mausevernichter aus dem Speicher kramen, die Bügelfallen. Schließlich war das zumutbar, die Elstern schwätzten bereits darüber, dass es in drei Tagen wieder wärmer werde und suchten unter dem Schnee nach Laub und kleinen Ästen. Sie wollten schließlich pünktlich mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen ihren jährlichen Bau des Eigenheimes beginnen.

All das fiel mir ein, als ich im Landlebenblog über die Mausefallen las, als Must-haves des Landlebens.

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Ein Mausefänger?

Von Kindergeburtstagstaxifahrten zu „Ein untadeliger Mann“

Gestern war die Lieblingshausziege zu einem Geburtstag eingeladen, da ich sowieso einkaufen wollte, fuhr ich sie hin. So wusste ich wenigstens schon, wo ich sie später wieder abholen durfte.

Meldeten sich Bekannte längere Zeit nicht, musste das bisher nie etwas heißen. Jeder war schließlich gut mit sich beschäftigt, das ging mir ja nicht anders: Arbeiten, Kinder großziehen, what ever. Inzwischen hat sich das irgendwie geändert, scheint mir. Plötzlich ist das Leben nicht mehr ganz so zuverlässig, wie es bisher war. Jemand ist in der Tagesklinik, ein anderer hat kaputtes Knie, und auch langjährige Ehen werden plötzlich fragil.

Achja. Verlässlichkeit. Die brauchen Kinder ja auch. Da kam mir das Buch „Ein untadeliger Mann“ gerade richtig in die Finger. Edward sagt am Ende einfach: „Mein ganzes Leben lang, seit ich ein kleines Kind war, wurde ich verlassen oder im Stich gelassen oder durch den Tod von Menschen getrennt, die ich geliebt habe oder denen ich wichtig war.“ Das stimmt. Das hat mich das ganze Buch hindurch atemlos lesen lassen, weil ich wissen wollte, wie er durch dieses ganze Schlamassel kam: Als seine Mutter gleich nach der Geburt starb, wurde er von einer Amme und deren Tochter in Malaysia aufgezogen. Diese Zeit schien seine glücklichste gewesen zu sein. Oder? Mit vier Jahren kam Edward nach England, zu einer Pflegemutter, die die ihr anvertrauten Kinder quälte. Immer wieder erlebte er Umbrüche, Abbrüche, kam hierhin und dorthin, er musste sich neu orientieren und verlor alles wieder. Was wird aus einem solchen Kind, das quasi haltlos durch die Welt geschickt wird? Nichts Gutes, würde man nach heutigem Wissen über das, was Kinder zu einem glücklichen Leben brauchen, sagen. Trotz aller widrigen Umstände wurde jedoch aus Edward keine gescheiterte Existenz, sondern ein erfolgreicher Anwalt, ein Kronanwalt, ein ganz besonders geehrter Mensch, reich und unabhängig, mit Frau und ohne Kinder, sicher und von vielen bewundert.

Erst als seine Frau stirbt, scheint etwas aufzubrechen und Edward bricht auf, zieht los und erkundete die Relikte seines früheren Lebens, das, was von diesem noch übrig geblieben war. Ganz unspektakulär und ruhig erzählt Jane Gardam die Geschichte des untadeligen Mannes, so ruhig, wie sich das gehört in dieser Untadeligkeit, die keine großen Emotionen, keine Ausbrüche und keinen Eklat gelten lässt. Die Fassung gilt es zu bewahren, bei allem, was das Leben an Schrecknissen bereithält. So, wie sich die Perlenkette von Betty kurz vor ihrem Tod auflöste und die einzelnen Perlen vom Faden glitten, so sammelt Edward auf seiner Reise die Perlen seines früheren Lebens zusammen, seines Lebens, bevor er Kronanwalt in Hongkong wurde, das in dieser Zeit noch ein Teil des britischen Imperiums war.

Ich las das Buch in der Zeit, die von Tucholsky als die fünfte Jahreszeit beschrieben wurde und die er als „optimistische Todesahnung, fröhliche Erkenntnis des Endes“ bezeichnete. Zur Stimmung dieser Tage passte die feine, ruhige Sprache mit ihrem ganz eigenen Witz, nicht der Witz, bei dem ich schallend herauslache, sondern fein schmunzelne. Sehr schön geschrieben, sehr schön übersetzt, mein Dank geht dafür an die Übersetzerin Isabel Bogdan: Link zur Webseite.

Klick auf das Cover führt zum Hanser-Verlag. Ich hatte nur eine einzige, klitzekleine Mäkelei, aber glücklicherweise lag noch ein Lesebändchen herum, das ich selbst eingeklebt habe.

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Seid gut zu Vögeln

Vögel.

Kaum wird es bei uns nach dem langen und kalten Winter ein kleines bisschen wärmer, fängt das Gras an zu wachsen und die ersten Blumen blühen. Dann kommen sie. Jedes Frühjahr, wenn es bei uns anfängt zu grünen und zu blühen, fallen sie in großer Anzahl bei uns ein. Sie kommen aus dem warmen Süden, wo sie überwintert haben, schließlich ist es dort schöner und wärmer als bei uns. Still, leise und heimlich besetzen sie Hauswände, Hecken und Bäume. Sie sammeln ihr Baumaterial einfach zusammen, fragen dabei weder um Erlaubnis, noch zahlen sie ein entsprechendes Entgelt. Aus Holz und Stroh, aus trockenem Gras und Lehm errichten sie ihre Bauten völlig ohne Bauplan oder Erlaubnis der Bauaufsicht. Sie nisten sich ein, vögeln, setzen ihre Brut in die Welt, fressen sich überall durch, sammeln und raffen an Futter, was sie nur kriegen können, ohne jegliche Gegenleistung. Sie säen nicht, sie bauen nichts an, sie ernten einfach nur und nehmen sich gewissermaßen alles vom bereits gedeckten Tisch. Sie müssen schließlich ihre Kinder versorgen, die alles brauchen, was sie kriegen können.

Doch auch wenn diese groß sind und eigentlich selbst für ihr Auskommen sorgen könnten, geben sie nichts zurück. Sie säen nicht, sie helfen nicht, sie rotten sich statt dessen in großer Anzahl zusammen und fressen, was das Zeug hält. Irgendwann, wenn die Tage wieder kürzer werden, sitzen sie in luftigen Höhen und warten darauf, dass der Wind für sie günstig steht. Dann fliegen sie auf – und davon. Einfach so.

Das ist mein Beitrag zu den Magic Letters von Paleica: S wie schwarz-weiß. Der Klick auf den Link führt zu den anderen Teilnehmern.

Karpfen zum Schulbeginn

Die Lieblingshausziege hatte gestern ihren ersten Schultag in der 11. Klasse. Ab jetzt sind es nur noch zwei Jahre, bis sie ihr Abitur hoffentlich besteht – und dann irgendetwas anderes macht. Zur Feier des Tages aßen wir jedenfalls gestern aushäusig und suchten extra ein Wirtshaus im Aischgrund auf. Schließlich ist inzwischen September, das ist ein Monat mit „R“, also gibt es wieder Karpfen.

Aischgrund Karpfen

Ein gebackener Karpfen auf dem Teller

Mit dem Schwanz hoch in der Luft lag der Karpfen in seiner Panade auf dem Teller, als wollte er mit einem letzten Flossenschlag noch schnell seinem Schicksal entfliehen. So sieht der gebackene Karpfen aber nur aus, wenn er wirklich frisch ist, verriet mir vor einiger Zeit ein Koch.

Hier in Franken, speziell im Aischgrund, ist der Karpfen – ob blau oder paniert – wahrscheinlich auf jeder Wirtshauskarte zu finden. Immerhin wurde er fast hier erfunden, im Land der ungezählten Teiche. Der Geheimtipp der Einheimischen ist eine Wirtschaft mit dem Charme einer Bahnhofsgaststätte: In dieser steht unter den Fenstern eine lange Bank an der Wand, mit fünf geradlinigen und soliden großen Tischen davor. Da Ruhetag war, blieben sie jedoch am Dienstag unbesetzt. Aber es gab genügend Auswahl- und Ausweichmöglichkeiten, so dass wir auch ohne Anmeldung in einer anderen Wirtschaft drei freie Plätzchen am Tisch fanden.

Vor dem Karpfen wurde der Salat serviert, der etwas angesäuert war – so gehört sich das hier nämlich – und der Weißkohl mit ganzen Kümmelkörnern bestreut. Das behagte der Lieblingshausziege nicht so, sie mag den Kümmel auch dann nicht, wenn ich ihn pulverisiert ins Essen mische.

Wenn ich den Spiegelkarpfen mit einem Auto vergleichen würde, wäre er eher ein behäbiger 2CV als ein schnittiger Manta. Sein Aussehen stammt aus jener Zeit, in der die Bischöfe – und sämtliche anderen Gläubigen auch – in der Fastenzeit kein Fleisch essen durften. Fisch dagegen war erlaubt. Doch dieser durfte nicht größer sein als der Teller auf dem er lag. Zwar hätten die Bischöfe auch größere Teller nehmen können, aber sie ließen lieber den Karpfen passend zum Teller züchten. Seitdem ist der Aischgründer Spiegelkarpfen eher kurz und hat einen richtig runden Rücken, der fast wie ein Buckel aussieht. So passt er gut auf den Teller, sogar mit Kopf und Schwanz.

Es war gut und es war reichlich, wir rollten quasi gut gefüllt nach Hause und fielen ins Freßkoma. So lässt sich sämtlicher Irrsinn dieser Welt besser ertragen.

Alles für die Katz #18

Tequila mit Überraschungspaket.

Vor einiger Zeit gewann ich ein Katzenfutter-Testpaket – und Tequila guckte ganz neugierig zu, als ich den Kram ausgepackt hab. Mannmannmann. Früher gab es für Katzen einfach Leberwurstbrotstückchen ohne Rinde oder Kartoffeln mit Soße, Mäuse mussten sie sich selber fangen. Heute dagegen gibt es unzählige Katzenfuttersorten in allen möglichen Geschmacksrichtungen. Warum allerdings in den meisten Sorten Zucker enthalten sein muss, das erschließt sich mir nicht. Deswegen hatten wir auch für die Katz immer Futter welches ohne Zucker zubereitet war. Schließlich sind auch die Mäuse in der Natur nicht extra gesüßt.

Heute ist erster Schultag für die Lieblingshausziege, deswegen ist hier noch alles ein wenig ungeordnet und durcheinander. Aber das wird auch wieder, das groovt sich ein, so dass jeder wieder weiß, was wann jeden Morgen passiert und wie alles reibungslos abläuft. Außerdem kam eben ein Anruf, ein Termin mit Borkenkäfer sozusagen außer der Reihe, zu dem ich fix fahren muss.

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Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist.

ABC der Technik: #S wie Stricknadel

Wer als erster anfing, aus einem Faden aus Wolle mit Hilfe zweier oder mehr Nadeln in ein Gestrick zu schlingen, das ist nicht mehr bekannt. Es wird vermutet, dass es von schlauen Fischern erfunden wurden, die mussten ja ihre Netze irgendwie herstellen. Strickzeug hat zwar nicht ganz so große Löcher, wie ein Fischernetz – obwohl es da manchmal schon Ähnlichkeiten gibt – aber das eigentliche Prinzip ist ähnlich.

Dann gab es noch eine Technik, die nannte sich Nadelbinden. Wenn irgendwo ein Mittelaltermarkt oder so ist, sitzen manchmal Frauen da und fertigen Socken mit einer Nadel aus Knochen oder Holz. Dafür brauchen sie nur eine Nadel mit Nadelöhr. Vorteil hierbei ist: Reißt ein Faden, bildet sich weder eine Laufmasche, noch drusselt sich das ganze Stück auf.

Stricknadeln an Wolle.

In einer kleinen Hutschachtel sind meine ganzen Sockenwollstrickreste. Aus dieser Wolle, die im Original blau-grün ist, habe ich für mich mal ein Paar Socken gestrickt. Aus dem Rest sollen Stulpen werden. Auf dem Hoffest gab es zwar Stulpen aus Filz zu kaufen, aber die waren alle so eng, dass ich sie liegen ließ.

Der Mitbewohner hatte heute vier Stunden lang Konferenz – morgen geht hier schließlich die Schule wieder los. Die Lieblingshausziege nutzte ihren letzten freien Tag und guckte sich „Fack ju Göhte“ Teil II im Kino. Wir dagegen wollten die Sonnenstrahlen nutzen und Holunder pflücken. Leider waren die Vögel schneller und hatten rund um die Weiher schon alles abgeerntet. Dann eben nicht. Dann fahren wir eben hoch auf den Kreuzberg, gehen auf den Keller und trinken ein Bier. Und, gucke da. Dort oben, an der alten Scheune, standen drei schöne Holundersträucher mit vielen schwarzen Holunderbeeren. Prima. Erst das Bier, dann der Holunder und als wir gerade fertig waren, bot der Himmel das Schauspiel eines anrückenden Gewitters. Schade war nur, dass ich die Kamera nicht dabei hatte. So ist das immer. Liegt das Teil zu Hause faul herum, könnte ich sie gut gebrauchen. Das nächste Mal kommt sie einfach wieder mit, sicher ist sicher.

Das ist mein Beitrag zum ABC der Technik, die anderen Teilnehmer gibt es bei Jutta zu sehen. Klick führt dorthin. 

Hoffest in Hemhofen

Heute war Hoffest auf dem Landgut Schloss Hemhofen. Von dort kommt unsere wöchentliche Abokiste, da lohnte es sich, vorbeizugucken, nicht nur, weil wir so das Kochen sparen konnten. Wir saßen also auf Bierbänken, aßen und tranken, ich guckte auf die Uhr über dem Schlossportal, verrostetes Ziffernblatt mit vergoldeten Zeigern. Oh. Die zeigte ja die gleiche Zeit an, wie sie in Wirklichkeit war. Nach einer Weile guckte ich noch einmal: Oh. Die geht ja wirklich. Das hätte ich nicht gedacht. Die Lieblingshausziege kicherte.

Schloss Hemhofen. Auf der anderen Seite ging es zum Fest hinein.

An einem Stand drohte ein Schild: Limonade wie bei Oma. Soll sicher heißen: natürlich, ohne Zusatzstoffe, irgend so etwas. Aber wenn ich so zurückdenke, dann war die Zeit, in der meine Oma Limonade gemacht hat, genau die Zeit, als die Flüsse schäumten, jedes Dorf eine Müllhalde hatte, auf der es manchmal gewaltig qualmte und überhaupt: Das Obst wurde ausgiebig gespritzt, damit keine Maden und Würmer und Schnecken… Damals war schließlich DDT noch erlaubt und akzeptiert. Ob ich sowas gerne als Limonade trinken würde? Damals habe ich es gemacht – und mir auch keine Gedanken über Schadstoffe und andere Leckereien gemacht. Schließlich hat das Zeug geschmeckt. Omas Limonade war übrigens ganz einfach: Selbst gemachter Himbeersirup, Wasser drauf, ein Schuss Essig hinein und eine Löffelspitze Natron dazu, damit das Himbeersirupwasser ein bisschen sprudelte.

Hoffest auf dem Landgut Schloss Hemhofen

Die Lieblingshausziege bekam eine Cola spendiert, Bio selbstverständlich. Was anderes gab es hier nicht. Hundert Prozent Taste stand auf dem Etikett. Ja, was denn sonst, bemerkte sie. Aber die Cola war nicht so ganz nach ihrer Nase. Vielleicht lag es daran, dass ein Teil des Geschmacks als brauner Satz unten in der Flasche klebte und sich auch durch Schütteln nicht lösen lassen wollte.

Wieder zu Hause duftete es von draußen nach brennender Grillkohle und verkohltem Essen. Vielleicht hat der Nachbar auch was verwechselt. Wer weiß das schon. Die Pflaumen sind übrigens tatsächlich fast alle verarbeitet. Die restlichen Exemplare liegen jetzt noch in einer Schüssel und warten darauf, dass sie einfach so im Mund verschwinden.