In Mode: Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg

Endlich. Am 6. März schließt die Ausstellung über Kleider und Bilder aus Renaissance und Frühbarock, die noch im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg geöffnet ist – und heute haben wir es geschafft und waren dort. Sogar die Lieblingshausziege kam mit, und das, obwohl sie heute morgen erst von einem Geburtstag zurückkam, und noch ein wenig angemüdet war. Aber was muss, das muss.

Ungefähr 50 originale Kleidungsstücke aus der Zeit zwischen 1530 und 1650 wurden gezeigt, dazu Gemälde, Flugblätter, Werkzeuge aus der Schneiderwerkstatt und die Überreste einer Bremer Schneiderwerkstatt. Die Ausstellung war fantastisch. Es fällt ein bisschen schwer, jetzt spezielle Sachen hervorzuheben, aber beeindruckend war ein Kinderkleid, in dem vor mehr als 400 Jahren ein sechsjähriges Mädchen beerdigt wurde – und das noch gut erhalten blieb. Nur die Farbe ist nicht mehr original…

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Ein Kinderkleid

Dass in einem solch aufwändigen Kleid kein einfaches Mädchen, sondern die adlige Katharina Gräfin zur Lippe beerdigt wurde, versteht sich fast von selbst. Damals gab es keine Läden, in dem Kleidung einfach gekauft werden konnte. Damals wurde alles genäht, getragen, umgeändert, geflickt, weitergegeben… und so lange getragen, bis es irgendwann ganz auseinanderfiel. Das zeigen die Reste, die in Bremen ausgegraben wurden: Nur abgeschnittene Knopfleisten und solche Teile, aus denen sich nichts mehr machen ließ, wanderten in den Abfall.

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Ausstellung in Nürnberg

Kunstvoll bestickte Wamse, mit Spitzbauch, ohne Spitzbauch, mit vielen Knöpfen, aus Seide gestrickte Kamisole, Strickjäckchen, die unter der sichtbaren Kleidung getragen wurden, Halskrausen aus vielen Metern an Stoff – wobei genau festgelegt war, wer wie viele Meter verwenden durfte. Zwei originale Halskrausen aus der Zeit um 1600 waren zu sehen – und daneben Flugblätter, die vor der Eitelkeit warnten.

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Der Lieblingshausziege gefiel ein Cape, das für die Weltumseglerin Hope Goddard maßgeschneidert wurde – nach einem spanischen Mantel aus dem Jahr 1580. Beide Kleidungsstücke wurden in der Ausstellung nebeneinander präsentiert – und dazu das Bild aus einem Modemagazin, in dem das Cape und die Trägerin in mondäner Geste abgebildet war. Leider mag sich das Bild nicht hochladen lassen.

Den Ausstellungskatalog haben wir dann doch nicht gekauft. Die Lieblingshausziege sah nämlich zwei andere Bücher über Mode, die sie viel interessanter fand.

Es ist alles eine Frage der Perspektive

Wenn ich von der anderen Seite aus gucke, sehen auch Dinge, die sonst eher normal groß sind, plötzlich winzig klein aus. Wie beispielsweise das Paddelboot vor der Aida.

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Paddelboot vor Kreuzfahrtschiff

Überhaupt: Kleinigkeiten. Fragte ich einst als Kind, was sie sich von mir zum Geburtstag wünschen würde, kam als Antwort: Ein liebes Kind. Nun, das hatte ich nicht zur Verfügung. Ich hätte ihr eine Karte oder irgendwas anderes basteln, einen Topflappen häkeln oder ein Bild malen können. Habe ich wohl auch gelegentlich gemacht, für mich war allerdings die ganze Bastelei schon damals ein unnützer Zeitvertreib. Gelesen habe ich lieber.

Ein liebes Kind. Was für eine Forderung. Ruhig sein, angepasst sein, ordentlich sein, still sein, sauber sein. Möglichst weder hör-, noch spürbar. Ein liebes Kind ist wahrscheinlich eines, das die Wünsche der Mutter errät, um sie zu erfüllen.

Doch dafür ist kein Kind gemacht. Da ich meiner Mutter diesen Wunsch nicht erfüllt habe, nicht erfüllen konnte, dafür setzt sie diesen Terror jetzt bei meinen Nichten fort, die sie immer wieder – der Vollzeit-Arbeit von Bruder und Schwägerin sei Dank – gemeinsam mit meinem Vater ausgiebig betreuen darf. Da ist ihr eine Nichte lieber als die andere, das teilt sie diesen auch so unverblümt mit, auf dass sich die andere an der einen ein Beispiel nehmen möge. Ich war eben eine Enttäuschung: Zum einen als Mädchen, zum anderen als Grund zur Heirat. Was hätte sie denn sonst machen sollen? Meine Oma war noch ziemlich jung, als sie von meiner Mutter zur Oma gemacht wurde. Warum sie (die Oma) dann bestimmt hat, dass ich in die Wochenkrippe zu geben sei, und meine Mutter sich gefügt hat, das ist heute kaum mehr nachzuvollziehen. Die Verletzung meiner Mutter jedoch, die ist in den Erzählungen immer deutlich zu spüren: Ich habe nämlich als Kleinstkind nicht mit ihr gelacht oder gespielt, sondern mit meinem Vater. Meine Mutter habe ich – sagt sie – einfach ignoriert. Das muss man einem kleinen Kind doch übel nehmen.

Jetzt versucht sie, sich die – von mir verweigerte – Liebe von meinen Nichten zu holen. Freut sich darüber, wenn ihr diese erzählen, wie sie ihre Mutter veräppeln, freut sich darüber, dass diese bei ihr alles essen, was sie ihnen vorsetzt, auch wenn sie bei den eigenen Eltern mäkelig sind. Oma ist eben die Beste. Ach. Echt?

Das ist mein – etwas verspäteter – Beitrag zum kleinen Monat bei Cubus Regio.

Verbunden mit: Daily prompt. 

Clausnitz ist im Osten überall

Ob Clausnitz, Heidenau, Hoyerswerda oder aber Rostock und viele andere Orte: Eines ist immer gleich. Es sind Menschen, die sich zusammenschließen und die auf diese Weise gegen Fremde – oder das, was sie dafür halten – vorgehen. Das können auch mal anders gekleidete Menschen sein, Menschen mit einem anderen Haarschnitt, mit anderen Klamotten, so festgelegt sind die Menschen im Osten denn doch nicht. Dabei geht es den Menschen, die dort leben, eigentlich gut: Sie haben ein Dach über dem Kopf, sie haben – vermute ich jetzt mal – einen Fernseher im Wohnzimmer, einen Herd in der Küche und ein Bett im Schlafzimmer. Sie haben jeden Tag genügend zu Essen auf dem Tisch, sie haben etwas zum Anziehen, Jacken, Stiefel, sie können ihre Kinder in Kindergärten und Schulen schicken.

Warum ist gerade im Osten diese rechte Gesinnung so stark – und wird noch dazu von denen wortlos unterstützt, die sich mit ihrer eigenen Meinung zurückhalten? Nun, ein Grund könnte sein, dass die Traditionen, die nach 1945 obsolet waren, hier nie wirklich abrissen, auch wenn es anders behauptet wurde: Auch in der DDR gab es immer wieder Gewalt. Gewalt gegen Andersdenkende, Gewalt gegen Andersaussehende, Ausbürgerungen, Haftstrafen, Bücher und Zeitschriften wurden verboten. Erinnert sich noch jemand an die Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“ und die Aufnäher, die von Jugendlichen auf Jacken getragen wurden? Es gab nicht wenige Lehrer und Schuldirektoren, die dafür sorgten, dass diese schnell wieder aus der Öffentlichkeit verschwanden. Pazifismus und Gewaltfreiheit war nicht erwünscht…

Der Rechtsextremismus im Osten ist nicht neu. Kurz vor der Wende, also Ende 1988/ Anfang 1989, vor fast 30 Jahren also, kursierte unter uns Studenten in Weimar ein hektografierter Aufsatz von Konrad Weiß, der mich damals sehr beeindruckt hat. Er beschrieb, wie die Faschisten immer noch unter uns sind. Ich habe gesucht und gefunden: Die neue alte Gefahr: Junge Faschisten in der DDR. Der Essay ist immer noch sehr lesenswert, und auf keinen Fall veraltet.

Wie man die Menschen, die gegen Andersdenkende, gegen Andersaussehende, gegen Fremde und damit eigentlich gegen sich selbst sind, wenigstens zum Nachdenken bewegen kann, das weiß ich nicht. Leider. Vielleicht ist miteinander reden eine Option. Wenn sie mit sich reden lassen.

 

Stillen heißt: Jetzt ist Ruhe. Oder nicht?

Kaum lese ich krankheitsbedingt nur wenig im Netz, schon entgeht mir fast der neueste Aufreger. Aber dank der Großstädterin in der Oudewälder Provinz, die auf den Kiezneurotiker verwies, bin ich im Bilde. Danke.

Ein Cafebesitzer wagt es, die Mütter am öffentlichen Stillen zu hindern. Nun. Recht hat er. Ein Cafe ist schließlich zum Kaffeetrinken und Kuchenessen gedacht, vielleicht noch zum Zeitunglesen und sichunterhalten, nicht zum Tittenbegucken. Wie kommen Frauen darauf, so öffentlich zu stillen, dass jemand anders wiederum darauf kommt, sich selbiges zu verbitten?

Dabei finde ich die Sicht- oder Unsichtbarkeit der stillenden Mutter weniger wichtig, aber ich staune darüber, dass die Kinder das so mitmachen. Ich habe selbst drei Kinder bekommen und großgezogen, und ja, auch gestillt. Daher weiß ich aus eigener Erfahrung; Am Besten geht das Füttern in aller Ruhe. Das gilt für alle am Stillen beteiligten Menschen, die Mutter ebenso, wie das Kind. So irgendwo mittendrin zu stillen, im Schaufenster gar, das wäre überhaupt nichts gewesen. Da waren meine Liesen viel zu neugierig – und vielleicht auch nie so hungrig, dass nicht jede Ablenkung willkommen gewesen wäre. War irgendwo ein Laut zu hören, war Schluss mit schlucken. Statt dessen wurde der Kopf dorthin gedreht, wo etwas zu vernehmen und hoffentlich auch zu sehen war. Hatte das Baby die Brustwarze dabei nicht fest zwischen die Kiefern geklemmt, konnte ich mich glücklich schätzen. Ansonsten habe ich schnell dafür gesorgt, dass der Ort, an dem ich gestillt habe, so ruhig und ungestört wie möglich war.

Nebenbei: Einen solchen ruhigen Ort habe ich immer gefunden. Meine Mädels sind inzwischen alle groß und mussten zwischendrin auch nie und nimmernich hungern. Dafür bräuchte ich heute wahrscheinlich auch keine Petition, sondern würde – ob in der Hauptstadt oder Provinz ein dafür geeignetes ruhiges Eckchen finden. Und gleichzeitig dafür sorgen, dass sich auch niemand anders gestört wird. Sogar zu Kaisers Zeiten – und das ist wirklich lange her – wurde schon an stillende Frauen gedacht. Im Bahnhof von Bebra gibt es immer noch das Stillzimmer, dass in dieser Zeit als Refugium eingerichtet wurde. Ein Windfang hielt Blicke und kalte Luft fern, innen war alles hübsch holzgetäfelt, wie es damals so üblich war. Leider ist es – wie das alte Kaiserzimmer auch – gut verschlossen, da die Bahn nur einen kleinen Teil ihres Bahnhofes in Bebra noch braucht.

Könnte es sein, dass es eigentlich und überhaupt gar nicht so sehr ums Stillen geht? Sondern darum, in der Welt ordentlich Rabatz zu machen? Ob die junge Frau nun empört war, weil ihr bereits bei der Bestellung das Stillen untersagt wurde, oder ob sie auf ein ruhigeres Plätzchen verwiesen wurde, spielt dabei kaum eine Rolle, glaube ich. Natürlich ist es frustrierend, wenn Frau ein Kind bekommt, und sich ab dann alles nur noch um den Fratz dreht, egal, wie es ihr dabei geht. Und: Die Welt ohne Kinder dreht sich ebenfalls weiter. Und sie interessiert sich in den allermeisten Fällen weder für die Mutter, noch für das Kind. Das liegt in der Natur der Sache und ist auch nicht weiter schlimm. Erinnert sich jemand noch an „Dallas“? Da bekam in einer Folge eine der Darstellerinnen ein Kind, war himmelhochjauchzend und die fiese Böse kommentierte nur: „Dazu ist jede Katze in der Lage!“. Oder so ähnlich. Ich hab die Stelle auch nur deswegen noch in Erinnerung, weil wir damals, knapp zwanzig Jahre alt, ordentlich diskutierten, ob nun das Gebären von menschlichen Babys etwas Heroisches, etwas „Menschliches“ ist, oder ebenso kreatürlich, wie bei allen anderen Tieren auch. Hätte es damals schon Twitter gegeben, die Leitungen wären zusammengebrochen. Fürchte ich.

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Ein Cafe.

Aber eines ist auch klar: So sehr wir Menschen uns möglicherweise vom biologisch-kreatürlichen Dasein entfernt haben, ein paar Reste davon sind uns geblieben. Eines davon ist das, was gemeinhin als „Stilldemenz“ bezeichnet wird: Hormone, Schlafentzug und das neue Leben mit dem Baby sorgen dafür, dass sich der Körper nur noch auf das Wesentliche konzentriert: Das ist die Versorgung des Kindes. Wunderbar. Doch ehe dann hysterisch auf jede noch so kleine mögliche Ablehnung reagiert wird, wäre es vielleicht besser, kurz durchzuschnaufen und dorthin zu gehen, wo Ruhe ist. Um dort zu stillen.

Nicht empfehlenswert: Die Krankheit und der Krimi

Ob meine fiese Erkältung, die mich in der vergangenen Woche das Sofa hüten ließ, die Rache sämtlicher neidischer Götter auf das in warmen kanarischen Gefilden verbrachte Winterwochenende war? Ich weiß es nicht.

Aber es war genügend Zeit und Gelegenheit, einem Krimi auf den Zahn zu fühlen, der schon eine Weile hier herumliegt:

Christiane Dieckerhoff: „Spreewaldgrab“.

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Ich hatte mich – aufgrund des Klappentextes und der Leseprobe aus den ersten Seiten bei www.vorablesen.de für das Buch interessiert und bekam es vor einer Weile zugeschickt:

Eine Polizistin kommt vom Ruhrpott in den Spreewald und hat gleich drei Fälle auf dem Tisch: Ein toter Unternehmer, eine verschwundene Geliebte und das mumifizierte Skelett einer jungen Frau. Sagt der Klappentext.

Ich legte mich entspannt mit dem Buch aufs Sofa, las los und war neugierig. Allerdings war ich auf Seite 13 schon etwas irritiert: Wie friert ein abgezogenes Kaninchen? Das ist doch tot – und friert überhaupt nicht mehr, auch wenn das Fell weg ist. Prompt verfolgte mich das Bild des toten Karnickels eine Weile. Ja, der Ratschlag im Schreibratgeber, der da lautet: Keine abgegriffenen Bilder zu nutzen, sondern lieber neue zu erfinden, ist schon sinnvoll. Aber nicht jedes Bild passt in jedem Fall und überall. „Fingerbeere“ beispielsweise ließ mich ebenfalls nachblättern, ahja, die Autorin war mal Krankenschwester. Ich glaube, sonst hätte da auch einfach „Fingerspitze“ gestanden. Und: Möbel aus dem Ikea der 80er Jahre dürfe es im Osten auch nur sehr wenige geben. Eigentlich logisch, oder? Schließlich war der Fall der Mauer erst 89, anschließend konnten die Menschen bei Ikea einkaufen. Genug an Kleinkram gemeckert, der nicht passt. Den gibt es in diesem Buch zwar leider immer wieder, ist aber nicht die Hauptursache für meine Unzufriedenheit.

Die Polizistin kommt aus dem Westen – und lässt sich in den tiefen Osten, in den Spreewald – versetzen. Zur aktuellen Erinnerung: Auch dieser liegt in Sachsen. Aber sie registriert nur, dass es hier mehr NSU-Plakate an den Bäumen gibt, als anderswo. Und dass es den Menschen hier reiche, wenn sie „Wessi“ sage. Das ist mir etwas wenig. Hier hätten mich mehr die vielschichtigen Zwischentöne interessiert, die selbst für Urlauber im Osten zu spüren sind. Ich weiß zwar, dass es relativ lange dauert, bis ein Buch geschrieben und schließlich veröffentlicht ist, doch die latent fremdenfeindliche Haltung der Menschen, die heute in dieser Gegend für Entsetzen sorgt, ist nicht erst in den vergangenen drei Monaten entstanden. Davon ist in der Erzählung nichts zu spüren. Ein Halbvietnamese ist Kollege – und keiner der Übrigen macht Witze darüber? Sind die Menschen bei der Polizei dort wirklich so superkorrekt, wie in dem Buch beschrieben, oder nicht doch ein wenig anders, wie der Umgang mit Fremden, mit Rechtsradikalen und Linken in Natura seit mehr als zwanzig Jahren beweist?

Damit sich der Leser mit den Figuren identifizieren kann, müssen diese für ihn fassbar werden, charakteristisch nachvollziehbar sein. Muss deswegen aber fast jede Nebenfigur mit ihrem komplizierten Innenleben geschildert werden? Ich fand die Fülle an Details etwas zu üppig, ähnlich wie in einem Dschungel, durch dessen Wildwuchs sich jeder Wanderer mit der Machete kämpfen muss. Etwas weniger Einzelheiten – und dafür etwas mehr an Tiefe, das hätte ich mir gewünscht. So blieb vieles in der oberflächlichen Form, wie ein Kaffeeklatsch. Ach, die Frau des halbvietnamesischen Kollegen ist krank und dick und wird von dessen Mutter versorgt und bekocht? Ach, und die Frau des Kollegen, bei dem die Polizistin zunächst zur Untermiete wohnt, ist schwanger und er will das dritte Kind nicht? Hier hätte mir ein Familiendrama durchaus gereicht, zusätzlich zum Drama um die Hauptfigur und die drei Fälle, die mir dann – in einem Fall wenigstens – ein wenig zu spektakulär enden. In einem Labyrinth, unter einem Wasserbassin mit Skulptur ist ein Bunker, in dem ein Opfer auf seine Befreiung wartet? Wo sind wir denn? In einem Schlossgarten? Nein. Ein eingeschossiges Haus und im Garten ein Bunker. Aha. Als ob im Spreewald jedes Haus ebenmalso einen Bunker im Garten hätte, über dem ein Wasserbassin mit Skulptur steht und den Eingang verdeckt. Alles klar.

Christiane Dieckerhoff lebt im Kohlenpott, dort, wo ihre Polizistin herstammt. Viel ist nicht über sie zu finden. Schade eigentlich. Ich hätte gerne gewusst, wieso sie ausgerechnet darauf kommt, einen Krimi im Spreewald anzusiedeln und gehofft, dass sie von dieser Gegend mehr weiß, als dass es in Lübbenau einen großen Hafen und viele Fließe gibt. Mich interessieren nämlich die Menschen, die dort leben. Und die finde ich in dem Buch irgendwie gar nicht.

Wer jetzt neugierig geworden ist und nachlesen möchte, ob ich mit meiner Meinung nun Recht habe, oder nicht, der mag mir im Kommentar dazu etwas schreiben. Unter allen, die kommentieren – und das auch wünschen – , verlose ich das gelesene Exemplar.

Alles für die Katz #28

Katzen gibt es überall, glaube ich. Vielleicht nicht am Nord- oder Südpol, aber ansonsten dürften sie fast überall auf der Welt zu Hause sein, egal ob sie von den Menschen gefüttert werden, oder nicht. Als wir in Madeira loszogen, gleich früh am Morgen, lagen diese beiden in der Sonne und ließen sich diese auf den Pelz scheinen:

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Katze in der Sonne

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Katze in der Sonne

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Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist.

Zurück an Land und auf dem Boden

Auch wenn die Schiffe heutzutage nicht mehr mit Windkraft und Segeln über die Meere schippern, steht „sailing time“ auf dem Schild neben dem Schiff, damit jeder weiß, wann es weiter geht. Tatsächlich kamen wir einmal als vorletzte, aber gerade noch pünktlich.

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Die Aida auf den Kanaren unterwegs.

Eine Woche lang fuhren wir zwischen den Kanarischen Inseln auf dem Atlantik, futterten leckere Dinge, flitzten über die Inseln und ließen es uns gut gehen. Ich hatte erst ein wenig Bedenken: So viele Leute auf so wenig Raum, aber es war erstaunlich viel Platz überall. Spannend war es allemal, für die Unterhaltung sorgten alleine schon die vielen unterschiedlichen Menschen. Fazit: Die anderen Passagiere waren deutlich jünger, als ich erwartet hatte. Immerhin waren sogar 400 Kinder an Bord, sagte jemand. Zu viel hab ich von denen aber gar nicht mitbekommen.

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Strelitzie: Wahrzeichen der Kanaren.

Tagebuchbloggen am 5. Februar

Was machst du eigentlich den ganzen Tag, abgekürzt WMDEDGT, das will Frau Brüllen jeden fünften Tag im Monat von uns wissen.

Heute kann ich das schon sehr früh beschreiben, da der Tagesablauf bereits feststeht – und nicht geändert wird.

Mitten in einen irren Traum, in dem ich gerade die Einzelteile meiner Kamera in der Hand hielt, platzte die Lieblingshausziege mit der Frage, was sie denn heute zum Karneval in der Schule anziehen könnte. Sie hat ein süßes Kleidchen mit Totenköpfen drauf, das aber leider schulterfrei ist. Und draußen liegt Schnee. Aber egal. Soll sie anziehen, was sie will, schließlich fährt sie heute noch in die Ferien. (Mit sechzehn hätte ich mich auch nicht mit noch so guten Worten von unvernünftiger Kleidung abbringen lassen, also.) Ich hab nur darauf hingewiesen, dass sie vorsichtshalber einen Pullover zum Drüberziehen in die Tasche stopfen sollte. An den Kuchen, den sie gestern gebacken hat, musste sie auch noch erinnert werden, sonst wäre der im Backofen geblieben und das Kind ohne ihn zur Schule abgedampft. Himmel hilf. Sind die alle immer so vergesslich? Gibt sich das mit der Zeit? (Ja, es gibt sich. Es ist immer nur eine Phase…)

Da ich gestern meinen alten Reisepass wie blöd gesucht, aber nicht gefunden habe, bin ich schließlich ohne diesen zur Gemeindeverwaltung, habe eine gute Stunde gewartet und dann ganz anstandslos meinen neuen Reisepass bekommen. Die Sachbearbeiterin hat sich überhaupt nicht nach meinem alten Pass erkundigt – da hätte ich mir die ganze Sucherei glatt sparen können. Dafür muss ich heute alles wieder einräumen, was ich gestern aus Regal und Schrank ausgeräumt habe.

Ein Text über eine Gemeinderatssitzung muss noch fertig geschrieben werden. Da ging es um die Eckdaten des Haushaltsjahres und den Haushaltsplanentwurf für das kommende Jahr: Viele trockene Seiten, die ich irgendwie leserlich in einem Absatz zusammenfassen muss.

Mittagessen kochen. Was es gibt, weiß ich noch nicht, ich werde in der Tiefkühltruhe tauchen gehen und vorher überall herumstöbern, was in einer Woche schlecht werden könnte. Das gibt es dann zu essen. Vielleicht ist auch der Mitbewohner schon da, bevor ich mit meinem Text fertig bin. Dann kümmert er sich netterweise um das Essen, nehme ich mal an.

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Nein, auf so einem Boot bin ich nicht unterwegs, ich wollte nur eben ein Beispiel zeigen.

Dann wird gepackt: Dafür habe ich mir gestern sogar eine Packliste erstellt, die ausgiebig von der Lieblingshausziege und vom Mitbewohner kommentiert wurde. Ich bin mal gespannt, was ich vergesse: Es geht für eine Woche auf ein Schiff, mit dem wir zwischen Inseln umherfahren. Da werde ich kaum online sein, aber hinterher eine Menge zu erzählen haben.

Heute Abend fahre ich die Lieblingshausziege noch zum Bahnhof, damit sie vollgepackt mit Zeugs in den Zug steigen kann und dort hoffentlich keine Tasche liegen lässt. Hatten wir auch schon. Glücklicherweise war damals nichts Wichtiges drin, die Bahn wollte so viel Geld für das Zurücksenden haben, dass wir dankend darauf verzichtet haben. So wichtig waren die Sachen denn doch nicht.

Zum Abschluss des Tages werde ich vermutlich noch ein Bier von der Brauerei Roppelt aus Stiebarlimbach trinken. Das muss sein, hier ist Franken. Noch schöner ist es, von einem Franken das Wort „Stiebarlimbach“ zu hören. Das hat mit dem geschriebenen Wort nichts mehr zu tun. Deswegen mag für Schulanfänger „Schreiben nach Gehör“ noch recht einfach sein, wenn es dann später in leserliches Hochdeutsch übersetzt werden soll, wird es um so schwieriger. Manchmal erinnert sich der Mitbewohner an die Zeiten, in denen er selbst mit der Rechtschreibung kämpfte. Für die Übersetzung Fränkisch-Deutsch braucht man hier fast ein Diplom. Das merke ich denn auch bei den Sitzungen in einem der hiesigen Gemeinderäte, die nuscheln oft so, dass ich kaum etwas verstehe.

Hier sind die anderen Tagesabläufe alle verlinkt: Frau Brüllen.

Bis später. Bis die Tage. Oder so.

Karneval – Zeit des Andersseins

Vor der Fastenzeit, der Buße, dem grauen, öden Alltag noch einmal so richtig auftrumpfen, feiern, das Oberste zuunterst kehren, alle Fünfe gerade sein lassen: Das ist Karneval.

Männer tragen Frauenkleidung, Anzugträger reißen sich dieselben herunter, Frauen bohren dicke Bretter sägen dicke Stämme. Seit einigen Jahren scheint mir, dass früher zu Karneval mehr Lametta war. Ob es daran liegt, dass ich inzwischen genug davon gesehen habe, oder daran, dass sowieso alles erlaubt ist, dass es dafür die närrischen Tage nicht mehr braucht, das weiß ich nicht.
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Das ist mein Beitrag zum black & white- Fotoprojekt bei Czoczo. Wer sich die anderen Bilder angucken möchte, klickt einfach auf das Logo:

Was bedeutet mir Wohnen?

Wenn ihr Lust habt, schreibt was – schrieb Stefanie auf KlunkerdesAlltags.

Und ich erinnere mich an einen Tag im November:

Die Arbeit war getan, das Wetter gut. Wir fuhren erst zum Stoffmarkt, dann weiter nach Plzen. Ein netter Mensch in der dortigen Tourist-Info rief bei verschiedenen Unterkünften an, der sechste Anruf war erfolgreich, wir sollten in einem kleinen Hotel in der Nähe der Innenstadt übernachten.

Erst ein Kaffee, dicht bei der Kirche, während es draußen dämmerte. Im Cafe wurde geraucht, das plüschige Cafe war recht belebt. Die Menschen unterhielten sich miteinander. Dann verabredeten wir, dass der Mitbewohner das Auto und Gepäck zum Hotel bringen würde, ich wollte mit der Lieblingshausziege noch ein bisschen bummeln, solange es nicht ganz dunkel war – und anschließend zum Hotel gehen. Falls wir es nicht finden würden, wären wir hier irgendwo rund um die Kirche. Diese war von allen Seiten gut zu sehen. Konnte ja nichts schiefgehen. Dachten wir.

Wir stiefelten los, überquerten sieben Brücken, schauten nach Schaufenstern, gingen zurück zur Kirche. Dort läuteten die Glocken den Feierabend ein, an einer Seite stand eine kleine Tür offen, hinter dieser führte eine Treppe nach oben. Wir gingen rund um die Kirche, über den Platz, schließlich fanden wir das als Ortsangabe für unseren Treffpunkt immer noch ausreichend. Auf der einen Seite wurden die Buden für den Weihnachtsmarkt aufgebaut, wir wollten erst zugucken, doch die Lieblingshausziege fürchtete, der Mitbewohner würde uns hier zwischen den Büdchen nicht finden. Er hatte nämlich als einziger von uns sein Taschentelefon zu Hause gelassen, war also für uns nicht erreichbar.

Wir warteten.

Eine Stunde. Eine und eine viertel Stunde. Uns wurde kalt.

Die Lieblingshausziege setzte sich auf eine Bank: Ist aus Holz, ist auch nicht kälter, als der Rest drumherum, sagte sie.

Noch eine Runde um die Kirche: anderthalb Stunden. Eine und eine dreiviertel Stunde. Längst waren alle Schaufenster beguckt und in gebotener Ausführlichkeit bekakelt.

Kein Mitbewohner in Sicht. Hat er sich etwa im Hotel aufs Bett gelegt und ist eingeschlafen?

Wir gingen in das gleiche Cafe, in dem wir schon am Nachmittag gesessen hatten, bestellten heißen Tee und Schokolade, fast so dick wie Pudding.

Planänderung. Wir hatten ja an zwei Hotels gefragt, das waren allerdings die falschen: Kein Mitbewohner hatte dort reserviert. Die Lieblingshausziege wollte noch einmal dorthin, aber vorsichtshalber alleine. Ich sollte warten, ob der Mitbewohner inzwischen auftauchen würde.

Wir warteten. Hätten wir uns doch ordentlich verabredet, der Mitbewohner sein Taschentelefon bei sich, ich mir den Namen des Hotels aufgeschrieben, wäre das alles nicht passiert.

Inzwischen liefen immer weniger Menschen über den Platz, es war bitterkalt. Wir bekamen Hunger, doch die Küche des Cafes war leider schon zu. Ja, ich hatte mir das entschieden anders vorgestellt. Als das Cafe gegen neun seine Pforten schloss, beschlossen wir, in einem der anderen Hotels ein Zimmer zu nehmen. Für eine Nacht auf der Parkbank war es entschieden zu kalt.

Ja, ein Zimmer sei frei, sagte die nette Concierge im Hotel, die vorher so lieb war, einige Hotels anzurufen, ob dort der Mitbewohner gemeldet sei. Prima. Wenigstens das. Sie brauchte den Ausweis. Ich kramte meinen aus der Tasche, und guckte zur Lieblingshausziege. Ihr Ausweis ist im Auto, erklärte sie. Die Concierge zögerte jetzt: Ohne Ausweis könne sie nur mir ein Zimmer geben, sagte sie.

Das ist nicht ihr Ernst. Doch. Das sei ihr Ernst. Das verlangte die Polizei so. Auf meine Frage, was wir dann jetzt machen sollten, wusste sie auch keine Antwort.

In dem Moment – auch wenn das jetzt wie eine erfundene Geschichte scheint – klingelte tatsächlich mein Taschentelefon und der Mitbewohner war dran. Er hatte sich daran erinnert, dass er eine meiner Visitenkarten im Portmonnaie stecken hat und konnte dann vom Hotel aus anrufen. Es hat nicht lange gedauert, bis wir uns an der Kirche trafen und schnell gemeinsam in das andere Hotel gingen. Es war nicht weit, tatsächlich nicht. Aber gesehen habe ich es trotzdem nicht.

Es waren zwar nur ein paar Stunden, die wir ohne ein Zuhause waren, aber es hat gereicht, um eine ungefähre Ahnung davon zu bekommen, was es heißt, bei Wind und Wetter, Regen und Schnee unterwegs zu sein und nicht zu wissen, wo das Zuhause ist.