Reformation und #Rostparade

Tja. Die Reformation half den Hexen damals auch nicht. Viele von ihnen wurden damals trotzdem verbrannt, selbst Luther glaubte daran, dass diese einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hätten.

Die Hexe auf dem Brocken

Heutzutage finde ich Hexen auf dem Brocken, so wie diese. Allerdings rostet da nichts, dort, wo viele Finger eifrig reiben, ist die Hexe blitzeblank.

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Hängende Hexen

Diese Hexen wurden zwar aufgehängt, doch das schadet ihnen nicht.

Hexenhaus in Bautzen.

Ein Hexenhaus fand ich in Bautzen. Schön schief und dunkel steht es da.

Rostige Gartenzierhexen.

Ja, gut, so richtig rostig sind sie nicht, ich muss jetzt ein bisschen mogeln. Eigentlich hatte ich noch eine andere Hex, aber das Bild versteckt sich so gut, das muss dann eben bis nächstes Jahr warten. Trotzdem kommen sie zur Rostparade von Frau Tonari. 

Dem Mitbewohner und seiner Geduld sei Dank:

Rostige Hexe.

Hier ist die rostige Hexe. Wer hoch fliegt, landet tief…

Unsere dritte Haut: Die Architektur

Ob nun bereits jedes Bauwerk als Architektur gelten kann, oder erst dann, wenn es Elemente enthält, die rein funktional nicht nötig wären, sei mal dahingestellt. Ich glaube, selbst als die Menschen noch in Höhlen wohnten, haben sie diese geschmückt, ihre Häuser später ebenso.

Pfahlbauten am Bodensee.

Heutzutage dagegen scheint jeder Schmuck oft überflüssig. Häuser sehen nur wie blanke, weiße Quader aus, Fenster gibt es als hohe Fensterbänder, so hoch, dass sie niemandem Einblick, aber auch keinen Ausblick gewähren. Wir bauen so dichte Fenster in unserem Land, schwärmte Frau Merkel vor Jahren, da war sie gerade frisch gewählte Bundeskanzlerin. Nicht Schiller, Goethe, irgendwelche Kultur war wichtig, nein, dichte Fenster. Hauptsache dicht und warm eingepackt, Schönheit spielt da keine Rolle. Dafür sehen sie aus wie Festungen, abgekapselt gegen die Unbill der Welt.

Keltenhäuser. Nachbauten.

Schlösser, Burgen, Häuser aus vergangenen Jahrhunderten: Vieles, was sich erhalten hat, steht heute unter Denkmalschutz. Was wird einst von heute modernen Häusern bleiben?

Blick auf die Alhambra in Granada

Sehe ich mir eine Stadt an, dann wegen der Häuser, der Architektur, ich freue mich über schön gestaltete Plätze, gehe flanieren, genieße den Wechsel zwischen Ausblick und gestalteten Fassaden. Nur in einem Wohngebiet mit lauter Einfamilienhäusern gehe ich kaum spazieren. Für Hundertwasser war ein Haus nach der eigenen Haut und der Bekleidung die dritte Haut – und als solche ebenso persönlich und intim, wie die beiden anderen Häute. Er plädierte für verspielte Formen, bunte Farben und unterschiedliche Materialien. Statt dessen regieren die Zahlen der Energieeinsparverordnung und des Kreditrahmens, Hauptsache, es ist effizient, ökonomisch und entspricht dem gerade geltenden Brandschutz.

Damit beteilige ich mich bei Sunny, die noch viel mehr Architektur bei sich versammelt.

Spieglein, Spieglein…

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Im Museum bespiegelt

Meine Oma hatte in ihrem Schlafzimmer einen Frisiertisch. Den fand ich ungeheuer spannend, nicht nur, weil dort alle möglichen Flakons und Zerstäuber standen, Nippes und Näpfchen sortiert waren, sondern vor allem, weil dort ein großer Spiegel angebracht war.

Dieser hatte ein großes Mittelstück und an den Seiten zwei Flügelspiegel – oder Spiegelflügel. Je nachdem, in welchem Winkel diese Spiegelflügel standen, konnte ich mich von allen Seiten sehen, also auch von den Seiten, die im Normalfall nicht bespiegelt werden können.

Dieser Spiegel, in dem ich mich vor einigen Jahren fotografierte, befindet sich im optischen Museum. Warum er dort stand, was er vorführen wollte, das habe ich längst vergessen. Falls überhaupt eine Erklärung daneben zu finden war.

In einer früheren Wohnung hatte der Vormieter das gesamte, allerdings recht kleine Bad rundum mit Spiegeln versehen. Da konnte ich mich noch nicht einmal unbesehen aufs Klo setzen. Fand ich keine so gute Idee, auch wenn kleine Räume mit Spiegeln größer wirken. Hätten in diesem Fall helle Fliesen die Wände geziert, statt der dort angebrachten schwarzen Fliesen, wäre das Bad viel kuscheliger gewesen. So wirkte es eher wie das Vorzimmer zum Kabinett des Grauens.

Sunny lädt zwar bereits sonntags zum Projekt „Punkt.Punkt.Punkt.“ ein, doch so schnell war ich nicht 🙂 Deswegen gibt es meinen Beitrag erst heute.

Alles für die Katz #44

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Löwenkopf als Türzieher

Man lernt ja nie aus. Bislang dachte ich immer, wenn so ein Löwenkopf an einer Tür angebracht ist, der einen Ring – in diesem Fall wohl eher eine Schlange – im Maul hält, dass das ein Türklopfer sei. Mitnichten. Wie man sehen kann, fällt der Ring auf Holz, würde also innen kaum hörbar sein. Mit einem solchen Türzieher wurden und werden die großen Kirchenflügeltüren zugezogen.

Und warum nun ein Löwenkopf? Das hat mehrere Gründe: Er symbolisiert Christus als den Auferstandenen, der hier sogar die Schlange im Maul trägt, sie also besiegt hat. Im Mittelalter hatte solch ein Löwenring mehrere Funktionen: An ihm wurden nicht nur Eide abgelegt, sondern auch Asyl gewährt.

Nun ist zwar der Löwe eine ziemlich große Katz, trotzdem gehört er zur Familie.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen. Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

Ausblick ins Grau

Wenn zwei Knaben jeder einen Apfel haben und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen. Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken. (Platon)

Deswegen lasse ich mich gerne inspirieren, reihe mich ein und klingele beispielsweise mit, wenn es Freitags bei Frau Tonari heißt: Jetzt ist es eins, jetzt macht jeder seins.

img_5695Die Glöckchen habe ich mir mal – vor Jahren – auf einem Weihnachtsmarkt gekauft, glaube ich. Da ich es aber mit Deko nicht so genau nehme, dürfen sie auch das ganze Jahr über im Küchenfenster hängen. Draußen ist es etwas trüb, aber es liegt auch daran, dass das hübsche schwarze Netz im Hintergrund der Glöckchen im Sommer die Mücken daran gehindert hat, direktemang in die Küche zu kommen und Blutmahlzeit zu halten. img_5696

Heute hat der Buchhändler in Forchheim sein neues Domizil eröffnet, draußen brauste der Verkehr vorbei, es kamen immer wieder Leute hinein, wir waren dort, haben gestöbert und geguckt, ein wenig geschwätzt. Es gibt so viele gute Bücher und interessante Dinge, Amazon kommt nie darauf, sie mir zu präsentieren, weil sich der Algorithmus nur nach dem richten kann, was ich bereits bestellt oder angeguckt habe, aber nicht weiß, was mich noch alles interessieren könnte. Deswegen finde ich es immer wieder großartig, wenn ich im Feuilleton über interessante Bücher informiert werde, und wenn ich diese bei einem echten Buchhändler dann auch bekommen kann. Selbst wenn ich weder Titel, noch Namen zur Hand habe, gibt es findige Buchmenschen, die trotzdem herausbekommen, welches Buch ich gerne hätte, die dann an ein Regal gehen, ebenjenes Buch herausziehen und mir geben. Wie wunderbar.

12 Bilder vom 12. Oktober

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Kaffeetasse. Jetzt ohne Inhalt, vielmehr: nur noch der Kaffeesatz ist drin.

Wie jeden Morgen beginnt auch dieser Tag mit einem Kaffee. Kaum zu glauben, dass es Zeiten gab, in denen ich diese schwarze Brühe nicht mochte. War aber so. Und die Zeitung sagt, ohne Content, also Inhalt, geht gar nichts mehr. Ich frage mich, was hat also bisher in Büchern, Zeitungen, Zeitschriften und sonstigen Drucksachen so gestanden, wenn nicht Inhalt?

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In der Baumschule ist die Auswahl groß.

Jetzt ist Oktober: Pflanzzeit also. Ich schreibe einen Text, der dringend fertig werden möchte, anschließend fahren wir nach Effeltrich. Das ist ein von uns nicht weit entferntes Dorf, in dem es eine ganze Auswahl an Baumschulen und Gärtnereien gibt, der Mitbewohner hat mir auch schon mal erklärt, warum das so ist, ich habe es allerdings schon wieder vergessen. Wir nehmen einen Apfelbaum mit vier Apfelsorten darauf mit und eine fränkische Hauszwetsche. Die Sauerkirsche gibt es erst Ende der Woche.

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In der Gärtnerei liegen Äpfel und Quitten herum, alles ist herbstlich geschmückt.

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Obstwagen zur Selbstbedienung

Überall steht das Obst herum, wir brauchen es nur zu nehmen und ein bisschen Kleingeld dafür in die Kasse zu werfen. Das mache ich auch, die Äpfel sehen einfach zu verlockend aus.

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Haustörchen mit Hopfen überwachsen.

Unterwegs bewundern wir noch dieses Gartentörchen, wie es mit Hopfen überwachsen ist.

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An der Wehrkirche.

Die Kirche in Effeltrich ist eine sogenannte Wehrkirche, das heißt, rund um die Kirche ist eine hohe Mauer mit Türmchen und Wehrgang. Kamen Feinde, konnten sich die Dorfbewohner mitsamt Vieh auf den Kirchhof flüchten und von dort verteidigen. (Das hatte ich hier etwas genauer beschrieben: Link zu Text und Bild). Ob die Kugeln und Scharten in der Mauer aus kriegerischen Zeiten stammen, steht leider nicht dran.

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Blick auf die Uhr.

Der Blick auf die Uhr zeigt: Es ist Mittag. Zeit, wieder nach Hause zu fahren und die Suppe von gestern wieder aufzuwärmen.

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Weinlaub am Haus.

Das Weinlaub am Haus färbt sich schon schön rot. In diesem Jahr hingen sogar schon Weintrauben daran. Die sind aber alle schon aufgefuttert.

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Ein Apfel- und ein Zwetschgenbäumchen

Nach dem Mittag fahre ich nach Forchheim und helfe dem Buchhändler beim Umzug. Am Freitag ist Neueröffnung und bis dahin müssen alle Bücher wieder im Regal stehen. Davon mache ich allerdings kein Bild.

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Jacke.

Ich gucke, was die Lieblingshausziege für ihren Neffen genäht hat. Das, was hier so rosig wirkt, ist eigentlich ein schönes Orange, mit grünem Cord.

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Steinbier.

Jetzt stelle ich noch zwei Bier kalt, die müssen allerdings noch ein wenig warten, bis ich von der Jahreshauptversammlung des Adelshäuser Kunstvereins wieder zurückkomme. Bis dahin reihe ich mich mit meinen 12 Bildern in die lange Liste derer ein, die alle 12 Bilder vom 12. des Monats zeigen, immer bei „Draußen nur Kännchen“. 

 

 

 

Abendglühen am Walberla

Am Samstag stand ich zu nachtdunkler Zeit am Bahnsteig, stieg in den Zug, dieser fuhr 5.44 Uhr nach Nürnberg ab. Nach dreimal Umsteigen war ich nicht nur in München, sondern in Schleißheim, mehr als rechtzeitig zum Lustwandeln im Schloss Schleißheim.

Boah. Erst war Empfang beim Kurfürsten Max Emanuel, dann ging es hoch nach oben aufs Dach, anschließend noch in Garten und in die Obstplantage, bevor die gut vierstündige Veranstaltung in der alten Küche im Schlosskeller endete. Darüber schreibe ich später, ich bin immer noch ganz geflasht.

Sonntag schlief ich erst einmal aus, kurz nach dem Mittag fuhr ich mit der Lieblingshausziege nach Coburg, weil dort ein Stofflädchen mit Rabatten winkte. Sie fand auch etwas, ich leider nicht. Abends lockte uns das Wetter noch einmal aus dem Haus, wir zogen rund um das Walberla.

Walberla im Abendlicht

Blick vom Walberla zurück in die Ebene

Das Kreuz auf dem Rodenstein

Die steinerne Frau auf dem Walberla.

Abendleuchten auf dem Walberla

 

Fernweh ist nichts, was mich in weite Ferne lockt, es reicht, wenn die Sonne draußen verlockend grinst. Dann hält mich – fast – nichts in der Wohnung. Allerdings bin ich auch nach inzwischen vier Jahren in Franken immer noch begeistert von allem, was es hier so zu entdecken gibt. So weit muss ich also nicht reisen, wenn mich das Fernweh packt.

Unten am Parkplatz standen Äpfel herum, eine Schale für einen Euro. Wir nahmen welche mit – und heute hat der Mitbewohner daraus Apfelkräpfla für uns gebacken. Und weil er sich von mir anstecken ließ, hat er seinen ganz eigenen Blog gestartet: Fränkische Tapas, jetzt mit Apfelkräpfla.

Mit Kastagnetten-Tusch ins Wochenende

Kastagnettenklappern…

Hurra, Freitag: Die Lieblingshausziege ist zu ihrem Freund entschwunden, dafür habe ich den Mitbewohner am Bahnhof eingesammelt. Wäre ja zu blöd, wenn ich hier allein zu Hause hocken müsste.

Anfang der Woche bekam ich die freudige Nachricht, dass ich morgen zum Twitterwalk #Lustwandeln nach Schleißheim fahren kann. (Klick auf den Link verrät mehr darüber)

Jetzt setzen wir uns vor den Ofen, der fröhlich vor sich hinbollert, es gibt Federweißer und Steinbier. Wer mag, könnte sich dazu gesellen und mitschwätzen. Die fröhlichen Kastagnettenklänge hörten wir übrigens in Malaga, als dort Feria war. Sie klappern heute das Wochenende ein, viele andere Klingeln und Klapperadatschen gibt es bei Frau Tonaris allfreitaglichem Wochenendeinläuten.

 

Tagebuchbloggen am 5. Oktober

Es ist der fünfte Oktober und wie jeden Monat am 5. lädt die freundliche Nachbarin Frau Brüllen zum gemeinsamen Tagebuchbloggen ein, so dass jeder sehen kann, womit der oder die andere so den Tag verbringt.

Ich werde wach, obwohl es draußen noch dunkel ist. Das stört mich nicht, ich drehe mich noch einmal um, schlafe jedoch nicht mehr ein. Anscheinend habe ich mein Schlafsoll erfüllt, ich stehe auf und mache mir einen Kaffee. Die Lieblingshausziege lasse ich noch schlafen, sie muss erst zur dritten Stunde in die Schule. Da sich der Mitbewohner auf einer Fortbildung vergnügt, schüre ich das Feuer im Ofen. Ich will es schließlich warm haben und draußen ist es kalt.

Das Feuer brennt.

Zwei Knäckebrote später fange ich mit Schreiben an, unterbreche für einen Apfel, mache mir später noch einen Tee, lege gelegentlich ein Holzscheit nach, was man eben so macht, wenn man im Text nicht wirklich vorankommt.

Kurz vor Mittag schickt die Lieblingshausziege eine Nachricht, dass sie gleich nach Hause kommt, weil sie keine Lust hat, fünf Freistunden in der Schule abzusitzen. Ich kümmere mich ums Essen, schließlich habe ich keine Lust, dass die Lieblingshausziege zum hungrigen Hausdrachen mutiert. Jetzt, wo das letzte Schuljahr für sie angebrochen ist und im Frühjahr die Abiklausuren und -prüfungen absolviert werden müssen, fällt ständig Unterricht aus.

Wir essen, sie wartet danach auf ihren Schatz und übt derweil am Klavier, ich nähe endlich die Bluse fertig. Das ging schnell, schließlich fehlten ja nur noch die Knopflöcher und Knöpfe am Ärmel. Den Stoff hatte ich mir schon vor einer ganzen Weile gekauft, als ich ihn zugeschnitten und genäht habe, färbte er meine Finger blau. Hoffentlich gibt sich das noch … img_5054

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img_5051Der Schnitt für die Bluse stammt aus einer Ottobre, falls jemand wissen will, welche, muss ich erst stöbern. Ich finde die dreiviertellangen Ärmel ganz praktisch, falls ich die Bluse noch einmal aus einem anderen Stoff nähen sollte, werde ich allerdings den Ausschnitt ändern. Ansonsten: Passt, sitzt und gefällt mir. Ich sollte öfter was für mich nähen… Mit der Bluse nehme ich heute zum ersten Mal am Me made Mittwoch teil, bisher hab ich immer nur gestaunt, was dort alles fabriziert wurde.

Die Lieblingshausziege hat sich heute aus dem Städtchen pinken Faden mitgebracht und näht noch schnell ihre Shorts, sie ist fertig, bevor ihr Freund da ist, mit dem sie aber nur kurz schwätzen kann, dann fahren sie los. Immerhin hat sie jetzt noch Sport und muss laufen. In neuen Shorts, versteht sich.

Ich hänge Wäsche auf, räume die Spülmaschine aus und ein, und muss noch einen Text über die gestrige Gemeinderatssitzung schreiben. Da wunderte sich einer der Gemeinderäte, warum eine Firma so lange braucht, bis eine Straße endlich fertiggestellt wird. Wenn es niemanden mehr gibt, der die richtige Arbeit macht, ich meine, die Arbeit, bei der sich jemand anstrengen muss, jemand dreckig wird oder mit einer Maschine etwas herstellt, dauert es eben lange, bis irgendetwas fertig wird. Dafür kostet es hinterher mehr als geplant, meistens jedenfalls. Dass die Baukosten ständig steigen, hat allerdings nichts damit zu tun, dass die Bauarbeiter allzu viel Lohn für ihre Arbeit bekämen.

Jetzt trödele ich noch ein bisschen vor mich hin, später fahre ich ins Städtchen. In der Bücherei lese ich – mit anderen – heute Texte vor. Mal sehen, wie es wird. Bis dahin bleibt noch ein bisschen Zeit fürs Bügeln und anderen Unsinn.

Einsam auf weiter Flur

Einsamkeit. Weder menschenleerer Strand, noch endlostiefer Wald, sondern ausgerechnet das Gewimmel rund um die Bastei kam mir dabei in den Sinn: Auf dem Weg nach Böhmen hatten wir in Pirna übernachtet und die freundliche Wirtin gefragt, ob sie uns ein lohnendes Ziel nennen könne.

Sie schien fast entsetzt, dass ich wir die Bastei nicht kannten, bestand darauf, dass wir sie un-be-dingt begucken müssten, beschrieb den Weg zum Parkplatz und wie wir mit dem Bus zum Ziel kämen.

Bastei. Erst saßen Raubritter auf den Felsen, nach ihnen sorgten die Romantiker dafür, dass die Gegend ihre Unwegbarkeit verlor, und sie jetzt von ganzen Besucherscharen heimgesucht werden kann.

Eigentlich ist die Bastei einfach ein großer Felsbrocken, mitten in der Ebene und von weither gut zu sehen. Die Wege nach oben waren früher wohl nur mühsam zu bezwingen, die Maler murrten, stiegen jedoch empor, auch wenn es beschwerlich war: Zu schön war die Aussicht. Noch kurz nach 1800 riet man denjenigen, die sich nach oben wagten, zu einem Führer, der die Wege und Tritte kannte. Inzwischen haben Stufen und Brücken die Wege bequem gemacht, sie sind ausgebaut und es herrscht ein Gewimmel wie in einer Fußgängerzone in der Adventszeit.

Und was hat das mit Einsamkeit zu tun? Mit weiter Flur?

Ich kann auch mitten im Gewimmel einsam sein. Dort kann es noch viel einsamer sein, als an den Orten, an denen ich wirklich alleine bin. Ich kenne Menschen, die es nicht aushalten, mit sich allein zu sein, die sofort das Radio oder einen anderen Krachmacher einschalten, sobald sie munter sind, nur damit sie sich nicht so einsam fühlen.

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Die Aussicht ist bezaubernd.

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Die Wege könnten gerne noch ein wenig breiter sein.

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Aussichtspunkte. Knubbelig enges Kuschelgefühl

 

 

Auf den alten, in den Stein gehauenen Treppen läuft heutzutage niemand mehr. Auch der Blick durch die Felsen zeigt lauter Einsamkeit. Es kommt einzig auf den Blickpunkt des Betrachters an.