Wie viel Sand gibt es im Main? #Rostparade

Sandschöpfen am Main: Schwere Arbeit auf dem Wasser.

Heute werden sicherlich so viele bunte Sterne für einen kurzen Moment den Himmel färben, wie es Sandkörner im Main gibt. Schon ab der Mitte des 18. Jahrhunderts begannen die Sandschöpfer, diesen vom Flussgrund zu bergen, wie ein Foto zeigt, das ich in der Landesausstellung einst sah.

Seit fast zwei Jahrhunderten wird der Sand aus dem Main gefischt, erst mühselig mit Booten, später mit Hilfe automatischer Förderanlagen, wie wir sie sahen, als wir am Main zwischen Miltenberg und Wertheim entlangradelten.

Sandwerk am Main.

Rostige Rohre.

Auf der anderen Seite des Flusses steht ebenfalls ein rostiges Ungetüm.

So wie niemand weiß, wie viele Sandkörner noch unten im Main liegen, so weiß niemand, wie viele Sandkörner noch in unserer ganz persönlichen Sanduhr stecken. Bis das letzte Körnchen jedoch zu Boden rinnt, bleibt eine unbekannte Menge an Zeit. Warum behandeln wir die Zeit, wenn wir denn welche haben, immer wie ein wildes Tier? Wir vertreiben sie, wir schlagen sie tot, verbannen sie oder jagen sie zum Teufel. Lasst uns die Zeit lieber ein wenig besser behandeln, damit sie auch gerne bei uns bleibt und nicht immer so schnell entflieht.

Die rostigen Sandwerke schicke ich zur Rostparade, die immer am letzten Tag eines Monats bei Frau Tonari stattfindet. Ich wünsche euch an diesem letzten Tag des Jahres noch viel Sand in eurer Uhr, und viel Zeit, die gerne bei euch bleibt, für all die Dinge, die euch wichtig sind.

Ein Kracher zum Freitag

Feuerwerk

Dass heute noch nicht Silvester ist, weiß ich selbst. Aber während nebenan in der Küche die Spülmaschine rauscht, hinter mir die Katzmatz an den Pflanzen knabbern möchte, der Mitbewohner immer noch krank auf dem Sofa liegt und ich den größten Teil des Dezembers aushäusig verbracht habe, ist für mich das Jahresende in diesem Jahr irgendwie noch ganz weit weg. Trotzdem hat die Lieblingshausziege mit ihrem Schatz schon das Raclette geputzt, morgen früh hole ich noch die restlichen Zutaten, backe ein Ciabatta, bastele Kräuter- und Knoblauchbutter und dann werden wir ganz still und ruhig die letzten Stunden dieses Jahres miteinander verbringen.

Ich wünsche Euch allen ein wunderbares, ein zauberhaftes 2017, ein Jahr, in dem Euch alles gelingen mag, was Ihr so beginnt. Falls nicht, dann lasst die Versuche hinter Euch, fangt einfach noch einmal von vorne an. Ich jedenfalls mache weiter, so wie immer.

Das Feuerwerk läutet heute für mich und bei Frau Tonari das Wochenende ein – ganz egal, ob ich das Silvesterfeuerwerk morgen tatsächlich erlebe, oder ob ich bis dahin schon im Bett verschwunden bin und tief und selig schlummere.

Es geht ums Anteilnehmen

Es geht ums Anteilnehmen und um Anerkennung, es geht darum, dass Menschen einfach so sein dürfen, wie sie sind. Mit ihren Stärken, mit ihren Schwächen, mit ihren Eigenheiten, mit ihren Fehlern und Unvollkommenheiten, mit all dem, was sich einfach nicht in Zahlen fassen und optimieren lässt. Wir wollen gesehen werden, wahrgenommen werden, anerkannt werden. Wir möchten, dass uns jemand sagt: So, wie du bist, so bist du genau richtig.

Wir sind in diesem Jahr wieder in der Abtei Maria Frieden, um dort das Weihnachtsfest zu feiern. Die Äbtissin hat sich gefreut, dass wir nach drei Jahren wieder hier sind, hat sich erkundigt, wo wir in der Zwischenzeit waren – immer bei Benediktinern – und uns begrüßt. Außer uns sind noch weitere Menschen Gäste in der Abtei: Ein Paar, von denen der Mann Musiker ist und nur persisch spricht, die Frau ein ganz kleines bisschen deutsch. Die Oberin spricht sie an, lädt sie zu einem Weihnachtskonzert ein und ist sich nicht ganz sicher, ob er jetzt verstanden hat, dass er zuhören darf und nicht selbst zu spielen braucht. Ein Paar aus Pellworm ist hier, schwärmt von der Insel und betont, dass sie keine Touris mögen. Eine ältere Apothekerin, die aus Bamberg stammt und jetzt in Frankfurt wohnt, eine Frau aus der Kölner Gegend, eine Japanerin, die am Frankfurter Flughafen arbeitet. Wir sitzen beim Essen an einem Tisch, unterhalten uns ein wenig und genießen die Ruhe.

Dazu kommt: Mir steckt meine Erkältung immer noch ein wenig in den Knochen und der Mitbewohner hat sich angesteckt, liegt hier im Kloster und schläft sich gesund. Praktischerweise regnet es draußen, da komme ich gar nicht in Versuchung, spazieren zu gehen, sondern stricke lieber einen Socken nach dem anderen für die Lieblingshausziege. Heute nach dem Mittagessen wollen wir nach Vierzehnheiligen und in die Klosterkirche Banz, mal sehen, wie das wird.

Ich wünsche allen, die das lesen, eine wunderbare Weihnachtszeit, ganz egal, wie sie diese verbringen.

Alles für die Katz #48

Katze in Marrakesch

Als letzte Katze für dieses Jahr habe ich noch einmal eine Katze aus Marrakesch mitgebracht. In Marokko liefen überhaupt viele Katzen herum, von denen die meisten erstaunlich gut aussahen. Neben vielen Geschäften lagen Pappen, auf denen es Katzenfutter gab, die Katzen waren oft zutraulich, kamen und ließen sich streicheln. Als der Fahrer des Kleinbusses die verlorene Zeit wieder einholen wollte – und deswegen ziemlich schnell durch die Dörfer brauste – griff ein Junge am Straßenrand flink nach einer kleinen Katze, damit sie auf gar keinen Fall unter die Räder kam.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen.

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

12 Bilder vom 12. Dezember

Tja. Heute hat zwar die Lieblingshausziege Geburtstag, doch ich bin bei ihrer großen Schwester, dort muss eine Wohnung renoviert werden.

 

Doch zunächst muss ich noch etwas schreiben, so wie fast jeden Tag. Nur ist hier der Blick aus dem Fenster ein anderer als bei mir daheim. Logisch, oder?

Da die große Schwester keinen Kaffee trinkt und somit keinen Kaffee im Haus hat, warte ich, bis der Nieselregen aufhört und gehe dann los.

Unterwegs ist es klar und ganz hübsch. Wenn ich mich denn auf die Kleinigkeiten konzentriere.

Auf dem Rückweg komme ich am Zirkus Rambazotti vorbei. Guck an, ich wollte immer schon mal wissen, wo dieser wohnt.

Huch. Der Kaffee war ganz schön schnell alle.

Die beiden Kater kuscheln miteinander.

Mittagessenszeit. Normalerweise mache ich meinen Salat ja selbst… Aber es gibt eben auch Ausnahmen.

Noch ein Kaffee. Sonst schlafe ich gleich ein.

Noch ein Kater guckt um die Ecke. Vielleicht ist ja was im Futternapf. (Nein, da ist nichts)

Jetzt bin ich fertig mit Schreiben – und es ist schon wieder dunkel. Das macht aber nichts. Jetzt ziehe ich meine alten Sachen an und fange an, die Tapeten zu entfernen. Vielleicht gibt es später noch die restlichen zwei Bilder dazu.

Was habe ich eigentlich gestern gemacht?

Da ich gestern von unterwegs aus nicht schreiben konnte – und hinterher lieber mit dem Mitbewohner, der Lieblingshausziege und ihrem Freund geschwätzt habe, verrate ich erst heute, was ich gestern so den ganzen Tag getan habe, verlinke alles noch mit Frau Brüllen, so dass ich ihre Frage „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“ oder kurz: WMDEDGT angemessen beantworten kann.

Die Nacht war gegen halb eins vorbei, der Wecker des Mitbewohners hat geschellt, er hat ihn noch zweimal auf „weiterschlafen“ gestellt, ich war wach und stand auf. Anziehen, den Rest in den Koffer packen, alles zuklappen, ja, passt. Frühstücken. Eigentlich wollten wir ja erst frühstücken und anschließend die Koffer für den Transport zum Flughafen bereitstellen, da aber der Speisesaal noch durch einen unter den Griff geklemmten Stuhl versperrt war, haben wir kurzerhand die Reihenfolge geändert, sind zurück aufs Zimmer und haben die Koffer und Taschen und Jacken geholt.

Wir stellten alles an der Seite ab, damit niemand darüber stolpern musste, doch der Speiseraum war immer noch versperrt. Die anderen Mitreisenden tigerten ebenfalls erwartungsvoll durch die Hotellobby, eine ältere Frau regte sich fürchterlich darüber auf, dass es Frühstück erst halb zwei geben sollte, da hätte sie ja nur eine halbe Stunde Zeit, die reiche ihr gerade aus, sich das Besteck zusammenzusuchen. Der Koch kam, grinste, zuckte mit den Schultern, ging wieder nach hinten, kam durch die Küche nach vorne in den Speisesaal und zog den Stuhl unter den Türgriffen weg. Der Weg war frei. Es gab: Ein  großes Blech mit süßen Teilchen, einen großen Korb mit Baguettes, vier Salatschüsseln mit Marmelade, abgepackte Butter und Kaffee aus vier Automaten. Eigentlich ausreichend, so mitten in der Nacht, zumal es später im Flugzeug ebenfalls etwas geben würde und niemand der Anwesenden so aussah, als sei er kurz vorm Verhungern, ganz im Gegenteil. Nochmal zur Erinnerung: Es war kurz nach eins, mitten in der Nacht, eine Zeit also, die von den meisten verschlafen wird. Ich meine, es wird kaum jemand um die Uhrzeit wach, nur weil er Hunger hat.

Nichtsdestotrotz stürmten die Menschen den Raum, als hätten sie seit Wochen nichts mehr gegessen, belagerten die Kaffeeautomaten, zogen die Tassen zu früh weg, bzw. ließen die Milch vom Cappuccino einfach nach unten und bis auf den Boden laufen: „So viel wollte ich nicht“. Hey, daneben stand eine Kanne mit Milch, da hätte sich jeder nach Belieben den Kaffee mit Milch auffüllen können, aber nein. Jeder schnitt sich wenigstens ein halbes Baguette auf: „Für unterwegs“, jaklar. Die Marmelade wurde mit Gabeln auf Untertassen gelöffelt, die Kuchenstücke auf Tellern gestapelt. Einer nahm das rohe Gemüse, das als Deko herumlag, packte die dicken Möhren ein, den Kohlkopf ebenso. Wollte er sich im Flugzeug eine Kohlsuppe kochen?

Nach dem Frühstück ging das Drama vor dem Hotel weiter: Inzwischen standen die vier großen Reisebusse bereit, in denen die Urlauber zum Flughafen gebracht werden sollten. Es waren die immergleichen, die bereits innen saßen, während alle anderen noch schauten. Ein Mann hatte eine Sitzreihe mit Tasche reserviert, seine Frau wusste das nicht, sah die Tasche nicht, suchte ihren Mann, rannte hin und her, als er irgendwann in den Bus kam, saß sie längst in einem anderen. Also fuhren sie getrennt voneinander und hofften, dass sie ihre Koffer wiederfinden würden. Die kurze Fahrt zum Flughafen war recht unspektakulär, schließlich schlief alles und niemand war unterwegs. Nur ein Auto schlingerte vor dem Bus von einer Straßenseite zur anderen. Der hatte sicherlich keinen Alkohol getrunken, hier in Marrakesch, das gibt es hier bestimmt nicht.

Kaum angekommen, flitzten die ersten so schnell in den Flughafen hinein, dass die Zigarettenpackung im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke blieb. Ein bisschen Schwund ist bei der Geschwindigkeit bestimmt einkalkuliert. Noch war alles dunkel, doch die Schlange formierte sich brav. Immerhin waren es ja nur dreieinhalb Stunden bis zum Abflug, da will jeder der erste sein. Es könnte ja sein, dass einer zurückbleiben muss, wenn er nicht rechtzeitig und ausgiebig wartet. So ging das an allen Stationen weiter. Als sich der Mitreisende vom Stuhl erhob, nur um seine Jacke anzuziehen, setzte sich eine Frau drauf: „Hab gar nicht gesehen, dass hier schon besetzt ist“.

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Marrakesch von oben.

Da es noch dunkel war, als der Flieger endlich startete, ja, es hatten alle Platz gefunden, ja, sogar die letzten hatten einen Sitzplatz bekommen und mussten nicht stehen, war von der Umgebung nicht so viel zu sehen, nur ein bisschen von der Straßenbeleuchtung.

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Sonnenaufgang über den Wolken.

Später ging die Sonne am Horizont auf. Allerdings war die Wolkendecke unter uns ziemlich dicht, da gab es nichts zu sehen. Also habe ich die Augen für ein Weilchen zugeklappt und ansonsten ein bisschen gelesen, da verging die Zeit wie im Flug.

Der Flugkapitän meldete sich kurz vor der Landung auf dem Stuttgarter Flughafen, verkündete gutes Wetter und nur wenige Minusgrade. Das Flugzeug rollte noch, als die ersten aufstanden, ihre Taschen von oben herabkramten, sich in den Gang stellten und, ja, warteten. Bis die Tür geöffnet wurde. Dann flitzten sie zum Bus, warteten wieder, bis dieser abfuhr und warteten am Gepäckband. Warum, um Himmelhergottswillen, diese Eile? Gibt es etwas zu verpassen? Am Gepäckband begann der Kampf um die Koffer, ich hielt mich zurück, setzte mich mit Rucksack und Tasche weit entfernt, während der Mitreisende unsere beiden Koffer einfing. Meiner war nass, allerdings nur von außen. Da mag wohl jemandem etwas ausgelaufen sein…

Der Abholdienst, mit dem wir zurück zu unserem Auto gebracht wurden, hat gut funktioniert, auch wenn wir zunächst auf der falschen Etage gewartet hatten. Gepäck in den Kofferraum, der Mitreisende setzte sich ans Steuer, ich nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Dort lässt sich nämlich viel schöner träumen als hinter dem Steuer.

Bevor wir endgültig zu Hause eintrafen, kauften wir noch ein bisschen ein, so nach zwei Wochen Abwesenheit ist der Kühlschrank eher leer, der Brotkasten auch. Überhaupt: Endlich wieder frisches Sauerteigbrot. Echtes. Vom Bäcker.

Dann das übliche: Der Mitbewohner schürte die Öfen an. Auch wenn der Freund der Lieblingshausziege so nett gewesen war und bereits am Morgen Feuer gemacht hatte: Die Butze war kalt. Das blieb sie auch noch eine Weile, aber heißer Tee hilft gegen kalte Finger und flinkes Aufräumen ebenfalls.

Später kam die Lieblingshausziege mit ihrem Schatz, bekam ihren Schal, wir aßen eine Kleinigkeit und teilten uns die Flasche Wein, die ich als etwas verspätetes Geburtstagsgeschenk von einem Verein auf der Treppe gefunden hatte. Die mitgebrachten Mandarinen mundeten, ebenfalls die Kekse, die wir für zehn Cent pro Stück auf dem Markt gekauft hatten. Ob wir dafür jemals ein Rezept finden, damit wir sie nachbacken können? Dann war es jedenfalls spät genug und ich zu müde, um den Beitrag noch zu schreiben. Deswegen kommt er erst heute.

Nachlesen kann man alle anderen Tagebuchblogger bei: Frau Brüllen. 

Alles für die Katz #47

Essaoia ist eine Hafenstadt, in der viele große und gut genährte Katzen umherstrolchen, in den Hauseingängen in der Sonne liegen und durchaus um die Beine der Besucher streichen, sollten diese stehen bleiben. Fisch gibt es ausreichend, überall sind Pappen ausgelegt, auf die Trockenfutter gestreut wird.

Das rote Katzentier schnurrte eine ganze Weile um mich herum, hoffte wohl auf ein Leckerli, doch in meiner Jackentasche waren nur Münzen und Zuckertütchen, nichts fürs Kätzchen.

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Fischgerippe am Hafen.

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Hey, du da: Hast du etwas für mich?

 

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Dann streichel mich doch wenigstens.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen.

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

Ich bin momentan unterwegs. Ohne Internet. Ihr könnt trotzdem Eure Fotos wie immer unter dem Beitrag verlinken, gegenseitig euren Kätzchen übers Fell streichen. Ich komme dann einfach später vorbei, wenn ich wieder online bin.