Vogelnest, sinnlos, Auftritt #abc.etüden

Wagt sich ein Vogeljunges noch ohne Schwanzfedern vorwitzig aus dem Vogelnest, ist der Auftritt oft nur kurz – und die ganze Mühe der Aufzucht war für die Vogeleltern sinnlos. Stattdessen freut sich die Katz, der Marder oder wer auch immer den Weg des Vogeljungen kreuzt, leckt sich den Bart nach verputztem Piep und wartet, ob noch weitere dieser Leckerbissen quasi vom Himmel fallen würden.

„Der Natur ist das gleich-gültig“, murmelte Karl-Heinz hinter seiner Kaffeetasse: „Steckst du mal noch ein Brot in den Toaster?“

„Die tun mir aber so leid“, jammerte Liese.

Eine Goldammer auf dem Balkon.

„Du kannst sie ja im nächsten Jahr katzensicher im Vogelkäfig einsperren“, ließ sich Karl-Heinz nicht beeindrucken: „Aber dann musst du sie auch selbst mit den Fliegen und Mücken füttern. Ich mache das jedenfalls nicht“, stellte er klipp und klar fest, während seine Liese die fedrigen Überreste der kleinen Opfer von der Terrasse sammelte.

Verbunden mit: Christiane lädt einmal in der Woche zu den abc.etüden ein. Dort sind noch viel mehr Geschichten versammelt, die alle die von Karin gespendeten Worte Vogelnest, sinnlos und Auftritt verbasteln.

Die schönsten Sommerurlaubsziele

Urlaub. Endlich. Wer als Jugendlicher endlich froh ist, dass er der Schule entfliehen kann, stellt schnell fest: Zumindestens die Ferien waren schön. Sie waren vor allen Dingen lang, manchmal auch langweilig, aber ganz bestimmt länger, als jeder Urlaub später so ist. Zu kurz: Das scheint überhaupt ein Merkmal des Urlaubs zu sein, und so müssen diese wenigen Tage im Jahr für all das reichen, wofür sonst keine oder kaum Zeit bleibt: Ausschlafen, Chillen, nichts tun… Oder? Doch. Eines ist im Urlaub ganz wichtig: die Urlaubsreise. Die Hälfte der Deutschen verreist, wohin auch immer. Im Urlaub soll alles so sein, wie es im Alltag nicht ist: Eltern, die jeden Tag den Tisch für die Kinder decken, Essen kochen, abräumen, alles in die Spülmaschine räumen, wollen sich einfach an einen schön gedeckten Tisch setzen und aufstehen dürfen, wenn sie fertig sind. Nix abräumen.

Nach Lloret de Mar

Da mein Urlaub schon immer etwas anders war, als bei anderen, hab ich mal den Lieblingsmann gefragt. Der kann sich tatsächlich noch gut an seinen ersten Urlaub erinnern, nach Abschluss seiner Lehrzeit, als es mit den Kumpels nach Lloret de Mar ging. Da wurde weder in Prospekten geblättert, noch auf der Karte geguckt, da hat es gereicht, dass einer gesagt hat: „Dort gibts Gaudi“ – und alle fuhren mit.
Wichtig war für die Jungs: Weil sie noch nicht viel Geld hatten, musste es billig sein, dafür sollte viel los sein und sie wollten Spaß haben, was für sie hieß: BIs in die Puppen unterwegs sein, morgens ewig schlafen und Mädels kennen lernen. Das Hotel war weit vom Strand entfernt und im Hinterhof lag der Müll – egal. Nach den 17 Stunden Busfahrt dürften die älteren Leute, die ebenfalls mitfuhren, mehr als aufgeatmet haben: Die Jugendlichen waren in ihrem Gaudi so versunken, in ihre Aufregung über den ersten eigenen Urlaub, sie plapperten, lärmten, sangen, schäkerten, machten Blödsinn, und merkten nicht, dass sie allen anderen Mitfahrern dabei gründlich auf den Keks gingen.

Im Meer gemerkt: Kann gar nicht schwimmen

Die Taschen wurden nach der Ankunft einfach ins Zimmer geworfen und alle stürmten ans Meer und ins Meer, bewaffnet mit Luftmatratzen und dicken Schwimmreifen oder nur mit Badehose, wie der Lieblingsmann, dem plötzlich einfiel – als er bereits im Wasser war – dass er gar nicht schwimmen kann. Glücklicherweise trug ihn das salzige Wasser, sonst hätte ich ihn später nicht kennengelernt. Der Tagesablauf blieb während seiner Urlaubswoche ziemlich gleich – so wie ja auch ein Arbeitstag immer gleich abläuft: Bis zum Mittag wurde gepennt, dann ging es an den Strand. Dort wurde am Imbiss gegessen, was billig war, frittierte Sprotten, Spareribs mit Pommes, Blödsinn gemacht, so lange, bis es abends zur Party ging. Das dauerte bis morgens, so gegen sechs, zum Abschluss gabs Frühstück und noch ein kurzes Bad im Pool – und ab ins Bett. Bis zum Mittag…

Urlaub – einfach so für zwischendrin

Heute packen wir einen Korb fürs Picknick, überlegen, in welche Richtung es gehen soll und fahren los. Es ist heiß, also suchen wir ein Schattenplätzchen, am liebsten am Weiher und an einer Stelle, zu der wir nicht so weit laufen müssen. Am Waldweg steht kein Verbotsschild, nur an dem Weg, der durch die Felder führt. Wer jetzt meckert, der soll selbst mit einem schweren Korb voll mit Leckereien an der Hand bei 30 Grad im Schatten kilometerweit laufen. Durch den Wald ging es bergab, bis zum Waldrand. Die Weiher, zu denen wir eigentlich wollten, waren hier nicht, aber auf einem Waldweg ist eine Wende mit dem Auto nicht so einfach, auch dann nicht, wenn das Auto klein ist. Eine Bank steht und wartet, ein Weiher glitzert ein kleines Stück hinter dem Feld. In der Ferne blitzen rote Dächer über Hecken, ein Kirchturm wacht.

Dösen am Weiher

Der Waldweg führt um den Weiher herum, das letzte Stück geht es einfach durch die Bäume, ohne Weg, bis zu einem kleinen schattigen Grasfleck. Die Vögel zwitschern, Frösche knarzen, Libellen jagen über dem Wasser, das klar im Weiher schimmert. Es ist nicht tief, wir können bis auf den Grund sehen, trotzdem traue ich mich nicht mit den Füßen hinein, durch den graubraunen Schlick, auf dem einzelne Buchenblätter liegen. Am Ufer ein dürrer Ast, wie eine magere Echse mit Hörnern, die auf Beute lauert. Irgendwo knattert entfernt ein Helikopter, auf dem Weg kommen gelegentlich schwätzende Menschen vorbei, die uns hier aber nicht sehen.

Ring aus Gras

Grasflecken? Na und. Während ich auf dem Rücken dem Flirren der Blätter zuschaue, flicht der Lieblingsmann einen Ring aus Gras für mich.

Die schönsten Sommerurlaubsziele

Die schönsten Sommerurlaubsziele, die es für mich gibt, sind die, die ich nicht planen kann, weil sie, wie dieser Weiher, dann vorbeikommen, wenn ich eigentlich woanders hinwill. Dann lasse ich mich treiben, nehme das, was mir geboten wird, ohne krampfhaft nach dem zu suchen, was mir in meiner Vorstellung vorschwebte. Und siehe da: dann ist für einen Nachmittag ein ganzer Urlaub.

Das Fröschlein kommt vorbei.

Wer mag, kann einfach bis zum 15. Juli seine eigenen schönsten Sommerziele vorstellen und den Link dazu in den Kommentaren anhängen.

Verbunden mit: Daily prompt. 

Nikosia: die geteilte Stadt

Die Friedenstaube in Nikosia, der letzten geteilten Hauptstadt.

Wer aus einem Land kommt, das Mitglied der Europäischen Union ist, kann die Grenze zwischen dem türkischen und dem griechischen Nikosia einfach überschreiten. Der Unterschied zwischen den beiden Stadthälften ist allerdings enorm.

Nicht parken. Schon klar. Ich nehme mal an, es ist der Besitzer des Plätzchens. Oder?

Jihad an then she hadn’t. Auch hier: alles klar 🙂

Blick von der griechischen auf die türkische Seite Nikosias. Das Land dazwischen: Wüstes Niemandsland.

Es gibt so Dinge, die lassen sich nur mit dem richtigen Kraut ertragen.

 

Nicht jeder Schirm ist ein Rettungsschirm: Über einer Gasse im türkischen Teil der Stadt.

Zwischenstation. Ob es jemals weiter geht?

Verbunden mit: Weekly Photo Challenge , „Transient“

Sommer, Sonne – Sommerbluse #spgrandearchebluse

Es gibt so Momente, an denen fügt sich einfach alles zusammen: Vor, na, inzwischen bestimmt schon fast zwei Jahren hat mir die Lieblingshausziege einen Meter Stoff geschenkt, neulich bekam ich einen Schnitt zum Probenähen geschenkt und dann wurde es richtig warm. Alles passte: Der Stoff zum Schnitt zur Temperatur.

Es war ein bisschen windig auf dem Balkon…

Der Schnitt heißt Grande Arche, ist von Sewionista, lässt sich als Bluse mit kurzen, langen und Trompetenärmeln nähen, macht aber auch als Kleid eine gute Figur. Da kein Reiß- oder sonstiger Verschluss vorgesehen war, habe ich lieber eine Größe größer gewählt, schließlich will ich eine Bluse auch ohne Hilfe an- und ausziehen können. Der bunte Baumwollstoff hat gerade so gereicht, viel ist nicht mehr übrig. Da die Stoffreste nicht reichten, um die Belegteile im Ganzen zuzuschneiden, mit denen der Ausschnitt vorne und hinten verstärkt wurde, habe ich sie einfach in jeweils zwei Stücken zugeschnitten und zusammengenäht. Sie sind ja innen, da sieht es keiner. 

Beim Nähen selbst habe ich erst die Ärmel eingepasst, dann die Seitennähte geschlossen. Das hat einwandfrei funktioniert. Und die Lieblingshausziege war erfreut, dass ich jetzt das geschenkte Stöffchen zu so etwas Nettem verarbeitet habe.

 

 

 

 

Verbunden mit: MeMadeMittwoch. 

 

Badesalz, flundernplatt, Lehrmeister #abc.etüden

„Hey! Nicht das Wasser streicheln!“ Micha war zwar nur Rettungsschwimmer, spielte aber gerne Lehrmeister, wenn er sah, dass ein junges Mädchen beim Schwimmen die Arme nicht korrekt nach unten, sondern weit zur Seite hin bewegte. Während die von ihm respektlos als Haubentaucher titulierten alten Damen ohne Unterbrechung lange und ausdauernd ihre Bahnen zogen, dauerte es bei dem jungen Mädchen nicht lange, bis sie flunderplatt aus dem Wasser stieg und zu ihrem Handtuch gehen wollte.

„Ist dir kalt?“ fragte er dann, immer bereit, sie in seine warme Jacke zu packen. Er trug sie überhaupt nur deswegen, damit er die Mädchen in seine Wärme hüllen konnte. Sie sahen dann so dankbar aus: „Wenn du das nächste Mal schwimmen gehst, sag Bescheid, dann schütte ich Badesalz ins Wasser. Das trägt dich so sicher, dass du dich einfach auf den Rücken legen kannst, wie im Toten Meer“.

Im Freibad.

Das Mädchen ließ mit einer leichten Seitwärtsbewegung einfach die Jacke von sich gleiten, so dass sie ins Wasser fiel. Micha war baff. Er schaute zu, wie seine Jacke taumelnd auf dem Boden des Schwimmbeckens landete, bevor er selbst mit einem Kopfsprung abtauchte, sein Handy zu retten.

Verlinkt mit: abc.etüden. 

Dort gibt es noch viel mehr Geschichten rund um die drei Worte: Badesalz, flundernplatt und Lehrmeister.

Alles für die Katz #59

Klosterkatze.

Da das Hauptkloster der Insel Walaam ein ganzes Stück vom Liegeplatz unseres Schiffes entfernt und dieses zu groß war, um uns dorthin zu bringen, stiegen wir auf eine kleineres Schiff um und tuckerten über den Ladogasee. Dieses Tierchen nahm majestätischerweise zwar alle Huldigungen entgegen, würdigte die profanen Besucher jedoch keines Blickes. Ganz anders der fix dahereilende Mönch:

Russisch-Orthodoxer Mönch

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen.

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

12 Bilder vom 12. Juni

Zwei Libellen über dem Wasser.

Vormittags war Schreibzeit, ich kann ja schließlich nicht den ganzen Tag faulenzen. Dafür war ich aber bald nach dem Mittag draußen: Das Wetter war schön, die Wäsche ist geduldig und wer weiß, wie lange es sonnig und warm ist. Ich wollte die Fröschlein besuchen, ein paar Holunderblüten pflücken und auf der Bank am Weiher einen kleinen Text mit der Hand schreiben.

Hupf – da war das Fröschlein weg.

Doch am ersten Weiher waren die Fröschchen schneller als ich, hupften ins Wasser, nur die Kreise im Wasser kündeten davon, dass sie grad hier noch waren.

Einer der unzähligen Weiher, die es hier zu hunderten und tausenden zwischen den Wäldern und Feldern gibt.

Die Kiefernnadeln bildeten einen weich-federnden Teppich, von oben wehte der Wind die Zapfen herab.

Ein leerer Weiher. Jetzt ist hier Wiese.

Harziger Holzduft.

Der harzige Duft des frisch geschlagenen Holzes kriecht in meine Nase. Ich inhaliere den Duft, habe für einen Moment das Gefühl, als säße ich in einer Wanne mit Latschenkiefernschaumbad, doch der Wind treibt mich weiter.

Verwunschener Pfad?

Ein wie verwunschen wirkender Pfad führt in den Wald, da ich keine Eile habe, folge ich einfach –

Hütte im Wald

und finde eine kleine Hütte im Wald. Wohnt da jemand?

Der Holunder blüht.

Ich hole die Schere aus der Tasche, schneide die Dolden und verstaue sie sorgfältig. Nachher gibt es Rührkuchen mit Holunderblüten.

Ein Fröschchen.

Im nächsten Weiher höre ich die Fröschchen schon von weitem. Und als ich mich näherschleiche, sehe ich sie.

Großartiger Himmel

Auf einer Bank am Weiher schaue ich den ziehenden Wolken hinterher. Und schreibe.

Kreuzende Flugzeuge.

Gleich bin ich zurück.

Keine bunten Sommerblüten, nirgends, nur einheitlich sattes Grün: Grasgrün, Tannennadelgrün, Moosgrün, Birkengrün, Hafergrün. Lediglich die Dolden des Holunders leuchteten weiß und verströmten ihren bittersüßen Duft, der Basti an den Sirup erinnerte, den die Oma manchmal vor ihn stellte und an den Fliedertee, den er trinken musste, wenn er fieberkrank im Bett lag.

Sie kamen bis zu einem Hof, von dem nichts mehr existierte, außer dem leeren Platz, den sich das Unkraut langsam zurückeroberte. Kaum etwas erinnerte mehr daran, dass es hier einmal ein Wohnhaus, Ställe und Scheunen gegeben hatte. „Zu nah an der Grenze“, lautete das Urteil, das die Sprengung befahl. Die Bewohner durften ihre Sachen packen und mussten gehen. Selbst der Schutt wurde abtransportiert. Zwei Stufen schienen nach unten zu führen, versandeten im Kies „Hier war sicher ein Bunker“, vermutete Norbert.

Weit hatten sie es jetzt nicht mehr.

Verbunden mit: Draußen nur Kännchen, hier gibt es noch viele andere Bilder schöner Tage.

Verbunden mit: Irgendwas ist immer und den drei gespendeten Worten Bunker, Sommerblüten und bittersüß.

Verbunden mit: Daily prompt „Taper“. 

Sonntags mit dem Radl unterwegs

Aus unserem Ort führt seit kurzem ein weiterer Radweg direkt neben der Straße in den nächsten Ort. Damit müssen wir nicht mehr auf der engen und recht kurvenreichen mit den Autos um den Platz konkurrieren. In den vergangenen Jahren entstanden recht viele Radwege entlang von Bundes- und Kreisstraßen, wahrscheinlich gibt es eine Vorschrift, die diese zur Pflicht macht. Ich finde das erfreulich, da ich mich zwischen Autos nur ungern mit dem Fahrrad bewegen mag. Diese Radwege sind sogar mit einem blauen Schild gekennzeichnet, das heißt, ihre Benutzung ist Pflicht, sogar dann, wenn sie auf der linken Seite der Fahrbahn entlangführen. Warum es allerdings immer noch Radfahrer gibt, die auf diesen so stark frequentierten Straßen Verkehrshindernis spielen und sich dabei in Lebensgefahr begeben müssen, das erschließt sich mir nicht. Aber da sitze ich meistens selbst im Auto und muss gut darauf achten, einen solchen Radler nicht aus Versehen als Galionsfigur mitzunehmen, wie gesagt, nebenan sind hübsche, neue, frisch geteerte Radwege.

Die Bachstelze fünf Meter vor uns wippte noch dreimal mit dem Schwanz, der Lärm nebenan störte sie nicht, doch wir kamen ihr zu nahe, da flog sie lieber auf, die Kirchglocken bimmelten und läuteten die Zeit. So schön, so geteert, so gerade, so gut. Was allerdings schon nach kurzer Zeit gewaltig nervt: Kaum geht es in einen Ort hinein, endet der Radweg zuverlässig am Ortsschild.

Peng. Anhalten, absteigen, warten bis eine Lücke im Verkehr ist, Fahrbahn queren und auf der Straße weiter durch den Ort radeln, biestige Motorradfahrer und mit quietschenden Reifen bremsende Autofahrer hinter uns gibt es gratis. Zwar gelten im Ort die üblichen 50, manchmal sogar nur 30 km/h, doch kaum einer scheint sich daran zu halten, der Weg ist ja gerade und keine Ampel in Sicht. Nur der Radler stört. Ist der Fußweg breit genug, nutze ich diesen, wohl wissend, es ist nicht erlaubt. Dafür ist er fast ungenutzt, jedenfalls Sonntags. Auch Werktags sind auf dem Fußweg nur die wenigen Kinder unterwegs, die nicht mit dem Elterntaxi zur Schule gebracht werden, die noch den Bus nehmen müssen.

Trotz allem war der Weg vergnüglich – wir kamen am Dorffest an, gingen zum kleinen Schloss. Dort wollte sich der Mitbewohner die drei Fotos von mir angucken, die zwischen den anderen Bildern der Ausstellung hingen, da er am Freitag nicht zur Vernissage kam.

Durch den Torbogen in den Schlosshof

Noch am Mittwoch hatte ich Flyer verteilt, ganz in der Nähe, und es gab Alteingesessene, die verwundert fragten: Dort gibt es ein Schloss?

Die kleine Schlosskapelle

Ja, gibt es. Auch wenn es nur klein ist.

Auf dem Rückweg Rast am Weiher.

Gleich wieder zuhause.

Verbunden mit: Daily prompt. 

Die schönsten Fotos in diesem Halbjahr

„Erkunde die Welt“ heißt der Blog von Michael – und er möchte wissen, welches meine schönsten Fotos in diesem Jahr bisher sind und gibt in seiner Blogparade die gewünschten Themen vor:

  • „ungewöhnlich“
  • „entspannt“
  • „fern“
  • „beleuchtet“
  • „alt“
  • „schönstes Foto“

Ungewöhnlich:

Diese zwei Fotos habe ich in Zypern gemacht: In einem kleinen Museum waren nicht nur die präparierten Tiere zu sehen, die in dieser Gegend wild leben, sondern auch diese beiden kleinen Ziegen. Eine mit zwei Körpern, die andere mit zwei Köpfen.


Entspannt:

Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich nicht auf Ski stellen würde, ganz egal, was passiert. Meine letzten Erfahrungen damit habe ich zwar als Kind gemacht, doch die waren nachhaltig genug, so dass ich sage: Nee. Nicht mein Ding. Dieser Skifahrer steht jedenfalls entspannt auf einem völlig verschneiten und vereisten Stein, ich hatte Mühe, einfach zu Fuß dort hochzukraxeln, er hatte genügend Muße, ein entspanntes Handyfoto von der Lage zu machen.

Skifahrer auf dem Ochsenkopf

Fern:

Anfang Mai waren wir in Moskau und St. Petersburg unterwegs. Während es in Moskau bereits frühlingshaft freundlich und warm war, herrschte im Norden noch der April: Regen, Schnee und Sonnenschein wechselten, oft in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Das Foto entstand, während wir mit dem Bus durch St.Petersburg unterwegs waren. Die Kirche wird hell von der Sonne beleuchtet, während dahinter schon wieder das nächste Unwetter droht.

Kirche in St. Petersburg.

Beleuchtet:

Im Januar war es eisig kalt. Trotzdem waren wir gerne unterwegs. Als die Sonne unterging, zauberte sie ein wunderschönes Farbenspiel im Schilf, das rund um den Weiher stand.

Abendsonne am Weiher.

Alt:

Auf der Reise von Moskau nach St. Petersburg machten wir in einem Museumsdorf Halt: Manche der Holzhäuser waren wie früher eingerichtet, in einigen handwerkten Menschen und boten Dinge zum Verkauf.

Das Museumsdorf Mandrogi.

Schönstes Foto:

Manche Schleusen, die das Schiff passierte, wirkten ein wenig wie Wohnhäuser, andere waren mit Figuren geschmückt. Auch wenn der Platz manchmal recht knapp bemessen schien, auch wenn das Schiff recht breit war, blieben immer noch zwei oder drei Handbreit Platz zwischen Bordwand und Schleusenkammer.

Kurz vor der Schleuse.

Verbunden mit: Michaels Blog „Erkunde die Welt“. 

Bis zum 18.7. sammelt er in seiner Blogparade allerschönste Bilder, wer mag, kann teilnehmen oder sich durch die vielen traumhaften Bilder der anderen Teilnehmer klicken.

Alexi Zentner „Die Hummerkönige“

Die Hummerkoenige von Alexi Zentner

Gilt schon der Hummer als König unter den Krustentieren, so ist der große Hummer der König unter allen großen Krebsen. Wer sie im kanadischen Atlantik fischt, ist ebenso ein König, erst Recht, wenn er auch noch King heißt.

Vor dreihundert Jahren kam der erste der Kings nach Loosewood Island, einer kleinen fiktiven Insel zwischen dem amerikanischen Maine und dem kanadischen Nova Scotia, zwischen Festland und Wasser, zwischen Gestern und Heute.

Der erste King war jedoch nicht nur Hummernfischer, sondern auch Maler – und er bekam seine Frau vom Meer geschenkt, mitsamt dessen unermesslichem Reichtum. Als er zum ersten Mal auf die Insel kam, konnte er das letzte Stück trockenen Fußes zurücklegen – auf den Rücken der im Wasser lebenden Hummer. Doch für die Mitgift fordert das Meer einen Tribut und holt sich in jeder Generation einen Sohn. Viele Legenden ranken sich um diesen ersten der Kings, Brumfitt King, dessen berühmte Bilder und Tagebücher längst Touristen auf die raue Insel locken.

In dem Roman von Alexi Zentner spielt die älteste Tochter Cordelia des derzeitigen Hummerkönigs die Hauptrolle und erzählt die Szenen aus ihrer Perspektive. Die Hummerfischer müssen sich nicht nur gegen Wind und Wetter stemmen, sondern auch gegen die Konkurrenz, die aus James Harbor kommt und in ihren angestammten Fanggründen wildern will. „Es gibt das Gesetz, und es gibt unsere Gesetze“, lautet das Credo von Woody Kings, wenn er die Körbe der Gegner versenkt oder einen Konflikt nicht mit Worten, sondern Fäusten und Waffen austrägt.

Immer wieder beschreibt Cordelia die Bilder ihres Urahns oder erinnert sich an Sequenzen aus seinen Tagebüchern. Sie ist zwar die älteste von drei Töchtern, doch sie ist nicht zur Nachfolge auf dem Hummerboot bestimmt. Doch als der jüngere Sohn geboren wird, muss er von klein auf mit aufs Schiff, auch wenn er sich hier nicht wohlfühlt und vieles verkehrt macht. Das wird ihm später zum Verhängnis – das Meer holt ihn sich, so wie jeden der Erstgeborenen aus der Familie. Erst jetzt ist der Weg für Cordelia frei: Sie wird zwar die Nachfolgerin ihres Vaters, doch da sich kurz nach dem Tod ihres Sohnes auch die Mutter das Leben nimmt, hat sie es schwer.

Die Geschichte als solche ist spannend, das sind Familientragödien irgendwie immer: Wie Cordelia damit hadert, dass sie eine Frau und kein Mann wurde, wie ihr der Bruder bis zu seinem Tod vorgezogen wurde und wie sie um die Anerkennung ihres Vaters gebettelt hat, ohne sie jemals wirklich zu kriegen, das können sicherlich viele nachvollziehen, denen es ähnlich ging. In den Sequenzen, in denen sich Cordelia an die Tagebücher und Bilder erinnert und von ihnen erzählt hat, in denen verlor ich gelegentlich den Faden. Die Beschreibungen des Hummerfangs gelingen Zentner realistisch und packend, die Beschreibungen der Menschen, die in dieser manchmal so archaisch wirkenden Welt leben, leider nicht so sehr.