Laterne, herbstfarbenbunt, loslassen #abc.etüden

Das Auto hinter ihr hupte laut und ungeduldig, Siggi legte ihre Stirn auf die Hände am Lenkrad und schloss die Augen. Sie sah nicht, dass die herbstfarbenbunten Blätter der Kastanien auf der nassen Frontscheibe landeten, herabrutschten und liegenblieben, sie sah auch nicht, dass die Ampel längst auf Grün umgeschaltet hatte. Rechts und links dröhnten die dicken Busse so dicht vorbei, dass sie die Luft anhielt und darauf wartete, dass einer von ihnen die Kurve zu eng nehmen und sie mit ihrem kleinen Auto mitten auf die Kreuzung schieben würde. Als niemand mehr zu hören und sehen war, ließ sie das Lenkrad los, stieg aus, ging um die Ecke, kramte ihr Handy aus der Handtasche und rief Harri an: „Du musst kommen“.

„Wie stellst du dir das vor?“, fragte er: „Wir müssen in einer Viertelstunde los!“

„Wohin?“ Siggi schlug die Hand vor den Mund: „Ich hab die Laterne vergessen!“

„Du fährst deswegen los und vergisst sie?“

„Das Auto…“

„Ja, sicher, immer ist jemand anders schuld.“ Auch wenn sich Harri wünschte, dass er seine Wut einfach wie ein Drache ausspucken könnte, seufzte er nur leise:  „Ich geh dann mal mit den Kindern los, damit wir wenigstens pünktlich zum Umzug kommen.“

Verbunden mit: Irgendwas ist immer.

Die drei Worte: „Laterne, herbstfarbenbunt, loslassen“ waren in zehn Sätzen unterzubringen.

2 Gedanken zu „Laterne, herbstfarbenbunt, loslassen #abc.etüden

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