Vogelnest, sinnlos, Auftritt #abc.etüden

Wagt sich ein Vogeljunges noch ohne Schwanzfedern vorwitzig aus dem Vogelnest, ist der Auftritt oft nur kurz – und die ganze Mühe der Aufzucht war für die Vogeleltern sinnlos. Stattdessen freut sich die Katz, der Marder oder wer auch immer den Weg des Vogeljungen kreuzt, leckt sich den Bart nach verputztem Piep und wartet, ob noch weitere dieser Leckerbissen quasi vom Himmel fallen würden.

„Der Natur ist das gleich-gültig“, murmelte Karl-Heinz hinter seiner Kaffeetasse: „Steckst du mal noch ein Brot in den Toaster?“

„Die tun mir aber so leid“, jammerte Liese.

Eine Goldammer auf dem Balkon.

„Du kannst sie ja im nächsten Jahr katzensicher im Vogelkäfig einsperren“, ließ sich Karl-Heinz nicht beeindrucken: „Aber dann musst du sie auch selbst mit den Fliegen und Mücken füttern. Ich mache das jedenfalls nicht“, stellte er klipp und klar fest, während seine Liese die fedrigen Überreste der kleinen Opfer von der Terrasse sammelte.

Verbunden mit: Christiane lädt einmal in der Woche zu den abc.etüden ein. Dort sind noch viel mehr Geschichten versammelt, die alle die von Karin gespendeten Worte Vogelnest, sinnlos und Auftritt verbasteln.

4 Gedanken zu „Vogelnest, sinnlos, Auftritt #abc.etüden

  1. Nicht mehr Piep: kurz und schmerzlos. Natürlich gucke ich beim Lesen doof und werfe dir und Karl-Heinz gerade eine gewisse Herzlosigkeit vor, andererseits würde ich die Kleinen auch nicht füttern wollen …
    Feine Etüde!
    Liebe Grüße
    Christiane

    • So ist das eben. Der eine hat den anderen zum Fressen gerne 🙂
      Und dass jeder einmal an das andere Ende der Nahrungskette möchte, das kann ich mir ebenfalls gut vorstellen. 🙂

  2. und trotzdem ist es traurig, wenn man zuvor die Mühe der Aufzucht, des Fütterns verfolgt hat. Es gibt aber Vogelaufzuchtstationen, zu denen man so einen aus dem Nest gefallenen Piepmatz bringen kann und manchmal hilft es auch, ihn wieder ins Nest oder den Nistkasten zu setzen, wenn man seiner habhaft wird.
    Ich mußte auch schon verhungerte Nestlinge, die im Nest gestorben sind, entsorgen; war nicht so einfach.
    Fressen und Gefressen werden, der ewige Kreislauf der Natur .

    • Die Vogeleltern selbst scheinen gar nicht so lange zu trauern, sie jagen ohnehin die Brut recht fix aus dem Nest und legen oft genug die nächsten Eier. So ist das in der Natur, mit dem Fressen und Gefressen werden.

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