Alles eine Frage des Geschmacks

Die Sache mit dem Lieblingsessen und mir ist eine ganz spezielle: Ich habe gar keine echte Leibspeise. Anders gesagt: Ich esse sehr viele Gerichte gerne, aber wenn es drei Tage hintereinander Pfannekuchen gibt, möchte ich sie für längere Zeit nicht mehr auf dem Teller haben.

Als Kind haben mir viele Dinge nicht geschmeckt, Rosenkohl und fettes Fleisch gehörten beispielsweise dazu. Trotzdem blieben sie mir selten erspart. Nur meine Oma hatte ein Einsehen und löffelte mir über Kartoffeln und Gemüse nur die Soße. Das Essen in Schulküche und Mensa war eher ein Fall für: Schmeckt nicht besonders, macht halt ein bisschen satt. Dass immer genügend davon in der Restmülltonne landete, muss ich nicht erwähnen, oder? Überhaupt war Essen in Kindheit und der frühen Erwachsenenzeit kein Thema, sondern einfach Notwendigkeit. Erst als ich anfing, selbst zu kochen und den Ehrgeiz entwickelte, dass das Essen gut schmecken solle, änderte sich das. Mein Gewicht leider auch.

Inzwischen esse ich zwar immer noch kein fettes Fleisch, aber Rosenkohl schmeckt mir sehr gut, besonders dann, wenn er nicht in Wasser gekocht, sondern in der Pfanne angeschwitzt und dann gedünstet wird. Ja, Essen kann glücklich machen. Wer jemals trostsuchend den Löffel ins Nutellaglas gesteckt hat, weiß das.

Rote Bete.

Damit ein Essen zum Lieblingsessen wird, gehören die Geschichten und die Erinnerung dazu, wie an das Schlückchen Eierlikör, das mir die Oma im Schokobecherchen gab. Erst das „weißt du noch“ macht ein Essen zur Leibspeise und aus einem Lebensmittel ein Mittel, das wir zum Leben brauchen.

Die rote Bete auf dem Teller hätte ich als Kind vermutlich abgelehnt. Damals gab es allerdings rote Bete nur als säuerliche Beilage, meistens zu Königsberger Klopsen und Reis. Ob es gut war, dass Essen früher bedeutungsloser war als heute, einfach da war, auf dem Teller aufgetischt wurde und gegessen werden musste, das kann ich nicht beurteilen. Was ich allerdings sicher weiß: Heute schmeckt es deutlich besser. Das ist doch schon mal etwas.

(Jetzt bin ich zwar etwas spät für Sunnys PunktPunktPunkt, doch besser das, als nie)

verbunden mit: Daily prompt „Snack“

8 Gedanken zu „Alles eine Frage des Geschmacks

  1. Jetzt musste ich aber schmunzeln…Von Rosenkohl über die Soße bei Oma und ihre Schokobecherchen, bis hin zu „Es wird gegessen was auf den Tisch kommt!“ kommt mir das alles sehr bekannt vor. Wirklich schlimm, Kinder zu zwingen irgendwas zu essen, was sie nicht mögen. Ich erinnere mich, dass ich mich sogar geekelt habe, z.B. eben vor diesem fetten, wabbeligen Fleisch in der Gemüsesuppe… Grr, da krieg ich jetzt noch Gänsehaut.
    Heute esse ich fast alles und koche gerne, auch wenn man es mir nicht ansieht…:-)

    LG Sabine

  2. Liebe Jaelle,
    das hast Du wirklich total lebensnah geschrieben. Herrlich, der trostspendende Nutellalöffel!
    Rote Beete sind früher wie heute übrigens für mich immer noch absolut, total, definitiv nicht essbar!!! Manches ändert sich halt doch nicht, gell.
    Lieben Gruß
    moni

  3. Hallo Jaelle,

    ich liebe Rote Beete, mochte sie aber schon immer sehr gerne. Die sauer eingelegte Variante mache ich heute selbst. Nach Einkauf auf dem Markt, einlegen und mindestens eine Woche ziehen lassen, very legga ;-). Rosenkohl ist und bleibt Pfui Teufel, da geht es mir wie Moni mit der roten Beete. Das liegt weniger am Geschmack als an dieser gruseligen Konsistenz wenn man darauf beißt. Ich musste zum Glück recht selten etwas essen, was ich nicht mochte. Mitunter hat man versucht mir Leber unterzujubeln, aber das habe ich immer sofort durchschaut.

    Liebe Grüße
    Sandra

  4. Au ja, der Griff zum Nutellaglas. Hat fast was von einem Rettungsding…
    Bei mir hat sich erst in den letzten 5-6 Jahren der Blick vom wählerischen weg gewandelt, Grundeinstellung nach Langer Zeit in der Schulmensa und einem Jahr Freiwilligendienst: Essbar? wird aufgegessen. Hauptsache Essen, viel und wenn möglich nicht von mir bezahlt 😀
    Werde ich wohl im beginnenden Studium weiterhin so sehen.

    Liebe Grüße
    Jakob

  5. Hallo Jaelle, ich finde es traurig, wenn Essen nur satt macht. Es sollte glücklich machen. Man sollte es genießen. Wie schön, dass es Dir heute schmeckt. Dann habe ich bei meinem Enkel auch noch Hoffnung.
    Liebe Grüße
    Edith

  6. Geschmack ist etwas, das wir tatsächlich lernen. Das erkennt man vor allem daran, dass „fremde Küchen“ uns in den meisten Fällen erst mal fremd sind. Kinder mögen meist nur wenig, vielleicht kommt das auch daher, dass es in frühen Zeiten kaum so eine Nahrungsvielfalt gab wie heute (zumindest in Europa). Ich gehörte auch zu den eher heiklen Kindern, was das Essen angeht. Ich habe mich vor vielem geekelt. Heute ist davon nicht mehr viel übrig, obwohl es Dinge gibt, die ich nicht mag. Schön finde ich, dass die Vorlieben aus der Kindheit geblieben sind, denn damit gelingt – wenigstens für kurze Momente – eine Rückkehr in die eigene Jugend 😉

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