Bücher und Schmalzschnittchen im „dacapo“

Es ging ganz ohne Fettflecken ab, als wir: Ich, der Buchhändler und der Mitbewohner – in der Forchheimer Buchhandlung dacapo einen ganzen Stapel Bücher vorgestellt und angelesen haben, auch wenn es Mozzarella/Tomatenschnittchen und Schmalzschnittchen mit geschmorten Zwiebelchen, sauren Gürkchen und warmen, gewürzten Apfelsaft gab. Immerhin ist ja jetzt die Jahreszeit, die draußen mit Regen, Kälte, Schnee und Nebel dafür sorgt, dass es im Haus wesentlich gemütlicher ist, da kann der Stapel Bücher neben dem Sofa oder auf dem Nachttisch gar nicht hoch genug sein.

Meine Empfehlungen waren:

Daniel Goleman: „Konzentriert Euch!“. Goleman zeigt, wie sehr moderne Technik die Menschen ablenkt, so dass es ihnen immer schwerer fällt, sich für eine längere Zeit auf eine einzige Sache zu konzentrieren. Er preist die Kunst der Aufmerksamkeit, von denen er drei Arten nennt: Die Aufmerksamkeit jedes Menschen für sich selbst, für die anderen und für große Systeme.

Das Buch von Goleman habe ich – ebenso wie „Schwarzblende“ von Zoë Beck und „Vineta“ von Ilse Helbich bereits hier vorgestellt (Klick auf „hier“ öffnet den Link)

Janne Teller: „Krieg“. In diesem kleinen Buch, in dem der Protagonist, ein 14-Jähriger, aus der eher ungewöhnlichen Du-Perspektive erzählt, stellt Teller die Wirklichkeit auf den Kopf: In Europa herrscht Krieg und die Menschen fliehen, bitten die Ägypter um Asyl, wo sie widerwillig Aufnahme finden. Nur 62 Seiten – die es in sich haben.

Asfa-Wossen Asserate: „Deutsche Tugenden“. Was ist eigentlich typisch deutsch? Asserate wagt in diesem Buch einen kritischen Blick, doch weil er bereits seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, ist dieser Blick längst ein Blick, der weder richtig von außen, noch von innen kommt. Asserate plaudert über Gemütlichkeit und Pünktlichkeit und die schwäbische Kehrwoche. So gelesen, so wirklich gut. Überraschend fand ich, dass er Tugenden wie Anmut erwähnt. Reizend.

Jane Gardam: „Ein untadeliger Mann“. Ein wunderbares Buch, nicht nur, weil ich die Übersetzerin vor einiger Zeit in Wolfenbüttel kennengelernt habe. Hier habe ich es schon verbloggt. Es lohnt sich, das Buch. Wirklich.

Der Mitbewohner stellte vor:

„Zehn Jahre Leben“, ein Buch, in dem nichts steht, weil es erst hineingeschrieben wird: Hier. 

Janne Teller: „Nichts“. Hier geht es um die existentielle Frage, ob das Leben einen Sinn hat und: Welchen Sinn sollte es denn haben. Ein mutiges Buch. Als ich es anfing zu lesen, habe ich erst aufgehört, als es gelesen war.

Navid Kermani: „Ungläubiges Staunen“. Kermani schaut sich Bilder alter Meister an, in denen er auch die Fragen unserer heutigen Zeit erkennt.

Auch der Buchhändler hatte einen Stapel Bücher herausgesucht:

Dörte Hansen: „Altes Land“. Das habe ich selbst schon mal hier beschrieben.

Karl-Heinz Ott: „Die Auferstehung“. Vier Geschwister wollen nach dem Tod des Vaters verhindern, dass die Haushälterin alles erbt.

Joachim Meyerhoff: „Ach, diese Lücke“. Das ist der dritte Teil einer Trilogie, in der Meyerhoff erzählt, wie er als Schauspielstudent auszieht und bei den Großeltern einzieht.

Alina Bronsky: „Baba Dunjas letzte Liebe“. Die alte Baba Dunja kehrt in ihr von Tschernobyl verstrahltes Dorf zurück. Hier verwies der Buchhändler noch auf Swetlana Alexijewisch „Tschernobyl“, Protokolle von Gesprächen mit Menschen, die dort lebten, arbeiteten und aufräumen mussten.

 

Bov Bjerg: „Auerhaus“. Über eine Schüler-WG auf dem Dorf, die meisten kurz vor dem Abitur.
Joseph Roth: „Radetzkymarsch“. Eine Familiengeschichte über drei Generationen.
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Ein Gedanke zu „Bücher und Schmalzschnittchen im „dacapo“

  1. War ein schöner Abend mit schönen Büchern, super Schnittchen und gepimptem Apfelsaft … „Seh to“! (Dörte Hansen, Altes Land, S. 90)

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