Eierlikör

Ist die Weihnachtszeit gerade vorbei und noch nicht Silvester, ist Zeit, vor allen Dingen dann, wenn es draußen so schneit, wie gerade heute. Zeit, vor dem Ofen zu sitzen, die Katze hinter den Ohren zu kraulen und nichts zu tun, was sich mit „zielgerichtet“ beschreiben ließe. Einfach treiben lassen, hier blättern, dort lesen, zwei Gedanken notieren, einfach trödeln, faul sein, fast nichts tun, außer essen machen und gleich alles aufessen.

Und so, beim Stöbern in den Tiefen des weltweiten Netzes, stolperte ich über den Beitrag über ein selbst gebasteltes Likörchen in den Herzdamengeschichten. Dort wird beschrieben, wie Baileys entsteht, aus Whiskey und diversen Zutaten.

Zu Baileys fällt mir nicht so viel ein, den mochte ich nicht, weder auf Eis, noch ohne. Ein anderes Stichwort sorgte dafür für Erinnerungen: Eierlikör. Den gab es bei der Oma auf dem Lande, selbstgemacht, und im Schokobecherchen. Da hat noch niemand nach Jugendschutzgesetz und Ausweis geguckt, Eierlikör war schließlich kein Schnaps, sondern lecker. Also durfte ich den schon als Kind…

Im Sommer habe ich selbst Eierlikör gebastelt – und mich dabei an die Oma erinnert. Die kleinen Becherchen gibt es übrigens immer noch zu kaufen. Die Lieblingshausziege hat sich darüber gefreut, den Eierlikör geschleckt und die Becherchen geknabbert. Allerdings habe ich statt Primasprit (der bildete irgendwie damals für viele Likörchen die alkoholisierte Grundlage) doch lieber Calvados genommen:

8 Eigelb, ein halbes Pfund Puderzucker, 375 ml Kondensmilch, Vanille und ein Viertelliter Calvados wurden fix vermixt. (Ich hab noch ein paar Krümel Zimt, Kardamom und Koriander untergemischt, das stand zwar nicht im Rezept, war aber trotzdem sehr lecker.)

Wer jetzt einwendet, dass in Primasprit nun einmal mehr Alkohol sei, als im Calvados und der Eierlikör dann haltbarer wäre, dem kann ich sagen: Der wird nicht alt. Jedenfalls nicht hier bei mir.

Und überhaupt: Aufgesetzte Likörchen mit schwarzen Johannisbeeren, Brombeeren oder Schlehen mache ich gelegentlich auch noch, ganz so wie früher. Da kommen die Beeren einfach in die Flasche, werden ein bisschen gewürzt und bekommen Kandiszucker zur Gesellschaft, bevor sie in einem klaren Korn für eine Weile stehen dürfen.

Aber Oma machte nicht nur den weltbesten Eierlikör aller Zeiten, sondern auch meinen Lieblings-Himbeer-Sirup, aus den vielen Himbeeren, die im Garten wuchsen und die wir – egal wie viele wir als Kinder davon futterten – irgendwie nie alle aufessen konnten. Die wuchsen einfach immer wieder nach. Als ich als Schülerin ins Internat zurückfuhr, nahm ich einmal Himbeersirup mit, so als Erinnerung und leckeres Getränk. Da Oma auf ihre Bügelflaschen aufpasste und diese nicht so gerne aus dem Haus gab, bekam ich den Sirup in einer Flasche, in der vorher Eckes Edelkirsch war. Das Etikett stand außen auf der Flasche, sie sah ganz passabel aus, ich stellte sie – ohne mir etwas dabei zu denken – über mein Bett auf das Bücherregal.

Bis die für uns zuständige Erzieherin ins Zimmer kam und die Likörflasche auf dem Regal sah. Anstatt zu zetern, so von wegen: Alkohol und so weiter, schien sie allerdings ganz angetan. Schnappte sich die Flasche, schraubte sie auf und roch daran: Sie duftete nach Eckes Edelkirsch. Bevor ich irgend etwas sagen konnte, hatte sie die Flasche angesetzt und einen Schluck… Ja, doch, so ein purer Himbeersirup ist schon ziemlich klebrig.

6 Gedanken zu „Eierlikör

  1. Das stand ja drin:
    8 Eigelb, ein halbes Pfund Puderzucker, 375 ml Kondensmilch, Vanille und ein Viertelliter Calvados wurden fix vermixt. (Ich hab noch ein paar Krümel Zimt, Kardamom und Koriander untergemischt, das stand zwar nicht im Rezept, war aber trotzdem sehr lecker.)

    Genauer habe ich Rezepte selten, ein bisschen Mut zum Risiko muss schon sein.
    Viel Vergnügen beim Nachmixen.

    • Aber andererseits: Es steht wirklich sehr versteckt. Da aber die Lieblingshausziege demnächst ohnehin Eierlikör möchte, kann ich dazu Fotos machen und einen eigenen Blogeintrag ist das Rezept von Oma schon wert. 🙂

      • Ich war mir nicht ganz sicher, was ich mit den Zutaten anstellen soll 🙂 Einfach zusammen mixen und gut? Oder doch irgendwie heiß machen (natürlich nicht kochen)? Bin auf den Eintrag gespannt 🙂

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