Ein glücklicher Hund

Ich lese ja bei einer Menge Blogs mit, unter anderem bei Adelhaid, deswegen wusste ich, dass Alex vor kurzem einen Sitzsack als Schlafplatz für seinen Hund suchte, sein alter Sitzsack war zwar in Gelb, aber immerhin so ähnlich wie der in Grün, der bei uns auf dem Dachboden vor sich hin lümmelte. Einst im Zimmer der Lieblingshausziege untergebracht und gelegentlich besessen, hat er dort längst keinen Platz mehr und war auf ebenjenen Boden umgezogen, dorthin, wo alle Dinge landen, die zwar noch brauchbar sind, aber nicht mehr benutzt werden.

Nach einem Missverständnis am Dienstag, als ich auf eine Nachricht wartete, die aus unerfindlichen Gründen aber im Spam-Ordner gelandet war, war es gestern soweit: Alex wollte den Sack holen, irgendwann im Lauf des Feiertages. Nun, warum nicht. Wir wollten zwar wandern, aber die Lieblingshausziege war ja zu Hause. Unterwegs koordinierte ich alles mittels sms.

Die Lieblingshausziege wollte wissen, in welchem Winkel des Dachbodens der Sack zu finden war. (Überhaupt nicht, der lag längst unten am Fuß der Treppe, das hatte ich auch gesagt, sie hatte es wohl überhört).

Und Alex suchte die Hausnummer. Fand alles, schließlich lag genug Holz vor der Hütte, da war die Hausnummer überflüssig. Der Sack fand einen neuen Besitzer, wurde abtransportiert und der Hund war mit seiner neuen Schlafstätte glücklich. Hoffe ich. Zwischendrin hatte ich noch Bedenken, hatten wir doch Katzen, die sicherlich auch mal auf jenem Sitzsack lagen. Störte den Hund aber offensichtlich nicht, wie hier (Link) ersichtlich.

Heute morgen ging es dem Holz zwar nicht an den Kragen, aber an die Länge.

IMG_20160506_090754

Lagebesprechung auf dem Holzhaufen.

Das hübsche Gittermuster ergab sich per Handyfoto durch das Fliegengitter.

Kurze Zeit später wurde mit der Säge ein Stamm nach dem anderen in handliche Meterstücke gesägt. Ich fuhr derweil zur Friseurin, kochte eine Suppe, schrieb Texte, schickte die Lieblingshausziege zum Holzstapeln, schließlich wurden die Stämme nach dem Sägen gleich gespalten, buk einen Rhabarberkuchen, ein Kuchenbrot vom restlichen Teig und bereitete für den Abend drei Flammkuchen vor, die nun auch schon wieder verspiesen sind.

Bei der Friseurin ist immer die irre Gelegenheit, einen Blick in die Herzschmerz-Blätter zu werfen. In einer großen Story wurde auf einer Doppelseite von einem echten Aussteiger berichtet: Mit der ganzen Familie zog der Mann aus dem mittleren Westen Amerikas zu den Ureinwohnern Australiens. Dort lebt er nun in einer einfachen Holzhütte und bekommt Hilfe und anderes von der Dorfgemeinschaft. Achwieschön. Und was wäre, wenn eine Familie aus ebenjenem Ureinwohnerdorf mal eben beschließt, dass sie auch aus ihrem Leben aussteigen wollen und dafür, sagenwirmal, sich in Franken ansiedelt, einem kleinen Dorf irgendwo in der Fränkischen Schweiz, zweihundert Einwohner, oder in Sachsen, das wäre sicher auch möglich, in einem ähnlich großen Dorf mit einem fantastischen Zusammenhalt. Dort würden diese Aussteiger bestimmt ebenso herzlich willkommen geheißen, es würde ihnen das nötige Saatgut und was man so zum Start eben braucht, zur Verfügung gestellt, die Nachbarn würden selbstverständlich helfen, wenn es darum ginge, mit der unverständlichen Herdtechnik und dem Wasserklosett zurechtzukommen.

Nicht zu vergessen der Reporter aus Timbuktu oder Neu-Kaledonien, der dort über die Aussteiger berichtet, die jetzt hier im ach so kühlen Norden leben.

Ach. Kichert da wer?

4 Gedanken zu „Ein glücklicher Hund

  1. Liebe Sylvia,
    ich gestehe, ja….ich habe gekichert. Aber insgesamt über Deinen tollen Bericht. Wie schön, dass der Sack jetzt wieder „dienen“ darf! 😉
    Toll, was du da so alles gebacken hast und unter die Leute zum glücklichen Schmausen und Schlemmen gebracht hast.
    Was Du da so über die „yellow press“ schreibst, stimmt einen natürlich recht nachdenklich, gell. Es ist halt nirgendwo gleich….
    Hab ein angenehmes Wochenende,
    herzlichst moni

    • Ja, es ist eine Frage der Perspektive. Zieht jemand aus dem technisierten Westen in die scheinbar unberührte Wildnis, wird das „Aussteiger“ genannt. Kommen aber die Menschen von dort in den gelobten Westen, sind sie Sozialschmarotzer und ähnliches. Oder so.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.