Eine runde Sache

Da ich nicht fest angestellt arbeite, muss ich auch nicht zu festen Zeiten in einem Büro sitzen. Ich kann meinen Platz vor dem Computer jederzeit verlassen – bekomme dafür aber kein festes Gehalt, so wie jemand, der angestellt ist und dafür jeden Monat pünktlich sein Salär aufs Konto kriegt.

Das hat alles Vor- und Nachteile, meistens überwiegen allerdings die Vor-, selten auch mal die Nachteile. Einen der Vorteile haben wir neulich genutzt: Mitten in der Woche schien die Sonne einfach zu verlockend, wir konnten nicht widerstehen. Die Texte waren entweder fertig oder konnten noch warten, wir zogen uns einigermaßen dick an, fuhren ins Fichtelgebirge und dort zum Fuß des Ochsenkopfs. Da es mitten in der Woche war, gab es nicht nur jede Menge freier Parkplätze, sondern auch keine Warteschlangen, weder am Kassenhäuschen, noch am Lift. Wir stiegen ein und schwebten bis hoch zum Gipfel.

Tännchen, fast vom Schnee bedeckt.

Unterwegs sahen wir kleine Hügel, wie Zuckerhüte, unter denen kleine oder mittlere Tännchen stecken, so wie das hier, das noch so vorwitzig seine Spitze aus dem Schnee reckt.

Mit etwas mehr als 1.000 Metern ist der Ochsenkopf der zweithöchste Gipfel im Fichtelgebirge. Zwei Skilifte führen nach oben, von dort aus kann man sich mit den Skiern wieder zurück ins Tal stürzen. Ski hatten wir nicht, also stiefelten wir erst einmal in die Hütte, aßen eine Kleinigkeit, ich staunte darüber, wie die Skifahrer mit ihren Schuhen über den Fußboden staksten und polterten, anschließend spazierten wir ein bisschen herum.

Die Hütte auf dem Ochsenkopf. Ja, auf den Turm kann man steigen. Nein, wir waren nicht oben.

Skifahrer auf Ochsenkopf

Der eigentliche Wahrzeichenfelsen war tief verschneit: Auf diesem soll andernfalls ein Ochsenkopf zu sehen sein. Das muss ich später noch einmal überprüfen… Aber einen schönen Blick hat man von hier oben.

Es sah überall wie im Märchenwald aus: Die Bäume so tief verschneit, dass sie ihre Äste nach unten hängen ließen, der Schnee knirschte leise unter den Sohlen, gelegentlich beschwerte sich eine Elster darüber, dass sie keine Ruhe hatte.

In der Sonne war es wunderbar warm, im Schatten dagegen eisig kalt.

Auf dem Ochsenkopf steht – wie könnte es anders sein – aber auch ein Sendemast. Dieser war dick vereist und weitläufig abgesperrt, schließlich soll kein Wanderer oder Skifahrer von herunterfallenden Eiszapfen erschlagen werden. Wir gingen ein Stückchen am Zaun entlang, es knirschte, krachte – und irgendwo flogen Brocken und schlugen krachend auf dem Boden auf. Oha.

Die Richtfunkantennen werden vom Eise befreit.

Oben auf dem Sendemast waren Techniker unterwegs, dick eingepackt und mit Seilen gesichert. Einer von ihnen klopfte mit einem Besen gegen die runden Schüsseln der Richtfunkantennen. Sind diese mit Eis bedeckt, lässt der Handyempfang deutlich nach. Und das geht „ja fei gar nicht“, wie die Franken sagen. Eine runde Sache also, da oben am Berg, wie riesige Trommeln hängen sie am Mast.

Verlinkt mit: Projekt 52 Wochen #einerundeSache.

Verlinkt mit: Daily prompt „knackig“, schließlich war die Kälte damals echt knackig.

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