Einsam auf weiter Flur

Einsamkeit. Weder menschenleerer Strand, noch endlostiefer Wald, sondern ausgerechnet das Gewimmel rund um die Bastei kam mir dabei in den Sinn: Auf dem Weg nach Böhmen hatten wir in Pirna übernachtet und die freundliche Wirtin gefragt, ob sie uns ein lohnendes Ziel nennen könne.

Sie schien fast entsetzt, dass ich wir die Bastei nicht kannten, bestand darauf, dass wir sie un-be-dingt begucken müssten, beschrieb den Weg zum Parkplatz und wie wir mit dem Bus zum Ziel kämen.

Bastei. Erst saßen Raubritter auf den Felsen, nach ihnen sorgten die Romantiker dafür, dass die Gegend ihre Unwegbarkeit verlor, und sie jetzt von ganzen Besucherscharen heimgesucht werden kann.

Eigentlich ist die Bastei einfach ein großer Felsbrocken, mitten in der Ebene und von weither gut zu sehen. Die Wege nach oben waren früher wohl nur mühsam zu bezwingen, die Maler murrten, stiegen jedoch empor, auch wenn es beschwerlich war: Zu schön war die Aussicht. Noch kurz nach 1800 riet man denjenigen, die sich nach oben wagten, zu einem Führer, der die Wege und Tritte kannte. Inzwischen haben Stufen und Brücken die Wege bequem gemacht, sie sind ausgebaut und es herrscht ein Gewimmel wie in einer Fußgängerzone in der Adventszeit.

Und was hat das mit Einsamkeit zu tun? Mit weiter Flur?

Ich kann auch mitten im Gewimmel einsam sein. Dort kann es noch viel einsamer sein, als an den Orten, an denen ich wirklich alleine bin. Ich kenne Menschen, die es nicht aushalten, mit sich allein zu sein, die sofort das Radio oder einen anderen Krachmacher einschalten, sobald sie munter sind, nur damit sie sich nicht so einsam fühlen.

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Die Aussicht ist bezaubernd.

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Die Wege könnten gerne noch ein wenig breiter sein.

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Aussichtspunkte. Knubbelig enges Kuschelgefühl

urlaub-im-sommer-303urlaub-im-sommer-291 Auf den alten, in den Stein gehauenen Treppen ist heute niemand unterwegs. Auch der Blick durch die Felsen zeigt lauter Einsamkeit. Es kommt einzig auf den Blickpunkt des Betrachters an.

Den Durchbruch, breakthrough, schicke ich zum Daily Prompt.

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Die Inschrift zeigt: Hier war schon vor mir jemand da.

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Friedrich August wollte es so. Nehme ich mal an.

 

Dieser Beitrag reiht sich bei Sunny ein, und weil die beiden letzten Bilder in Schwarz-Weiß viel schöner aussehen, schicke ich sie zu Fraukes Schwarz-Weiß-Blick. Der Link führt jeweils zu vielen interessanten Beiträgen. Es lohnt sich, dort einmal vorbeizuschauen.

 

13 Gedanken zu „Einsam auf weiter Flur

  1. Liebe Jaelle,
    ich gebe Dir völlig recht. Nirgends kann ein Mensch sich einsamer fühlen, als inmitten einer Menschenmenge.
    Es gibt ihn wirklich, diesen großen Unterschied zwischen Einsamkeit und alleine sein oder sich alleine fühlen.
    Solche Aussichtspunkte und auch Wege besuche im am liebsten „alleine“, dann kann ich in ruhiger Einsamkeit (gerne auch zu Zweit) die Aussicht bewundern und zumeist Details entdecken, die man unter vielen anderen nie hätte sehen können.
    Lieben Gruß
    moni

    • Ich fürchte nur, dass dieser Ort einer derjenigen ist, den ich (fast) immer mit anderen teilen muss, es sei denn, es regnet in Strömen oder es wird fast dunkel oder so 😉 Aber es blieb trotzdem genügend Zeit, die Aussicht zu genießen, da kann ich die anderen um mich herum auch ganz gut mal vergessen, obwohl sie anwesend sind.

  2. Einsam im Gewimmel macht die Einsamkeit nur noch stärker spürbar und dadurch schlimmer. Ich finde übrigens die Bastei selbst ist ein Beispiel für einsam auf weiter Flur.
    LG Iris

  3. Hallo!
    Da hatten wir wohl Glück. Als wir vor 3 Jahren da waren (wir sind den Malerweg gewandert), waren wir recht früh am morgen, so dass wir fast die Einzigen waren, die sich auf der Bastei tummelten.
    Aber, du hast Recht. Auch bzw. gerade in einer Menschenmenge kann man sehr einsam sein.
    LG
    Yvonne

  4. Hallo Jaelle,

    wenn so viele Menschen sich um einen herum tummeln, muss man sie wohl ausblenden um die herrliche Einsamkeit der Natur genießen zu können. Das man an solchen Orten selten allein ist (auch wenn man sich vielleicht so fühlt) ist klar. umso mehr kann man sich freuen, wenn man es so wie Yvonne es beschrieben hat.

    Liebe Grüße
    Sandra

  5. Ich hab ja neben Flugangst auch Höhenangst… klar 🙂 Nie im Leben würde ich da hochsteigen, und schon gar nicht würde ich über solche schmalen Stege laufen! Ich kann ja schon kaum diese Fotos ansehen, ohne eine Gänsehaut zu kriegen.
    Ich glaube, um wirklich mal so richtig einsam und mit meiner Angst alleine zu sein, müsste ich mich zwingen, so einen Ort aufzusuchen. Das ist mir bis heute der tolle Ausblick aber noch nicht wert…:-)

    LG Sabine

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