Erste Anzeichen einer Wandlung

Das habe ich vor einigen Jahren geschrieben:

Jaja, das Alter …

Da dachte ich doch, ich käme ungeschoren davon …

Creme meine Falten sorgfältig im Spiegel, wiege besorgt meine angesammelten Pfunde, witzele gelegentlich über den Club der alten Schachteln, dem ich angehöre und dachte:

Alter? Och, wenn das so weitergeht, dann ist ja alles in Butter.

Ich meine, wer will denn wirklich noch mal siebzehn sein und all den Blödsinn von damals noch einmal verzapfen? Himmel hilf. Wie gut, dass die Zeit vorbei ist und die Jugendsünden glücklicherweise und größtenteils vergessen sind. Bis auf ein paar, aber die stehen hier nicht zur Debatte.

So ein bisschen Abgeklärtheit ist ja mit den Jahren ganz gut: Nichts kann einen mehr von den Socken hauen.

Dachte ich.

Bis neulich.

Als ich gefragt wurde, ob ich mich denn in den Pfarrgemeinderat wählen lassen würde.

Ich … äh … in … den … Pfarrgemeinde …

Mir fiel nichts mehr ein. Was jetzt? Muss ich mir beim nächsten Friseurbesuch Pudellöckchen drehen lassen? Stützstrümpfe kaufen? Ich spürte schon, wie sich oben im Gehirn der Kalk langsam löste und zu rieseln begann …

Hilfe!

franken 08711

Da habe ich mich doch noch glatt über meinen Status als alte Schachtel lustig gemacht.

Wann beginnt eine neue Zeit? Oft merke ich es erst, wenn ich bereits mitten drin bin und nicht mehr weiß, wie ich mich herauswinden kann. Das ist in der Liebe genauso, wie bei einem Unglück.

Selbst bei der berühmten Liebe auf den ersten Blick gab es ein Vorher, etwas, das passieren musste, damit ich überhaupt von diesem Blitz getroffen werden kann. Denn nur wenn ich bereit bin, kann etwas passieren. Sonst laufe ich ja nur wie im Tran mit geschlossenen Augen durch den Tag und nehme weder etwas von dessen Schönheit, noch von meinen Mitmenschen wahr.

Mit den Wechseljahren geht mir das ähnlich: Gerade habe ich meinen vierzigsten Geburtstag fröhlich mit vielen Gästen und einem ein wunderbaren indischen Büffet gefeiert. Da war kein Gedanke an solche Dinge, wie:

Halbzeit

Wechseljahre

Alter

Gebrechlichkeit.

Ich doch nicht. Doch die Zeit des Umbruchs hatte bereits den großen Zeh in der Tür – und ich habe es nicht bemerkt. Wie denn auch? Ich war ja schwer beschäftigt, bin von Termin zu Termin geflitzt, habe mit vielen Menschen geschwätzt, fotografiert, geschrieben, wusste vieles und vieles auch besser, alles lief wie am Schnürchen.

Gut, nicht ganz alles. Es war aber auf alle Fälle noch eine Zeit, in der ich nicht so viel über mich nachgedacht habe, ich war viel zu sehr damit beschäftigt, zu funktionieren, alles am Laufen zu halten und fröhlich zu leben. Ich habe gelebt, ohne nachzudenken. Denn der vierzigste Geburtstag hat sich angefühlt, wie jeder andere Geburtstag vorher auch: Es ist nicht ganz ernst, es ist immer noch alles möglich.

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