Es ist alles eine Frage der Perspektive

Wenn ich von der anderen Seite aus gucke, sehen auch Dinge, die sonst eher normal groß sind, plötzlich winzig klein aus. Wie beispielsweise das Paddelboot vor der Aida.

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Paddelboot vor Kreuzfahrtschiff

Überhaupt: Kleinigkeiten. Fragte ich einst als Kind, was sie sich von mir zum Geburtstag wünschen würde, kam als Antwort: Ein liebes Kind. Nun, das hatte ich nicht zur Verfügung. Ich hätte ihr eine Karte oder irgendwas anderes basteln, einen Topflappen häkeln oder ein Bild malen können. Habe ich wohl auch gelegentlich gemacht, für mich war allerdings die ganze Bastelei schon damals ein unnützer Zeitvertreib. Gelesen habe ich lieber.

Ein liebes Kind. Was für eine Forderung. Ruhig sein, angepasst sein, ordentlich sein, still sein, sauber sein. Möglichst weder hör-, noch spürbar. Ein liebes Kind ist wahrscheinlich eines, das die Wünsche der Mutter errät, um sie zu erfüllen.

Doch dafür ist kein Kind gemacht. Da ich meiner Mutter diesen Wunsch nicht erfüllt habe, nicht erfüllen konnte, dafür setzt sie diesen Terror jetzt bei meinen Nichten fort, die sie immer wieder – der Vollzeit-Arbeit von Bruder und Schwägerin sei Dank – gemeinsam mit meinem Vater ausgiebig betreuen darf. Da ist ihr eine Nichte lieber als die andere, das teilt sie diesen auch so unverblümt mit, auf dass sich die andere an der einen ein Beispiel nehmen möge. Ich war eben eine Enttäuschung: Zum einen als Mädchen, zum anderen als Grund zur Heirat. Was hätte sie denn sonst machen sollen? Meine Oma war noch ziemlich jung, als sie von meiner Mutter zur Oma gemacht wurde. Warum sie (die Oma) dann bestimmt hat, dass ich in die Wochenkrippe zu geben sei, und meine Mutter sich gefügt hat, das ist heute kaum mehr nachzuvollziehen. Die Verletzung meiner Mutter jedoch, die ist in den Erzählungen immer deutlich zu spüren: Ich habe nämlich als Kleinstkind nicht mit ihr gelacht oder gespielt, sondern mit meinem Vater. Meine Mutter habe ich – sagt sie – einfach ignoriert. Das muss man einem kleinen Kind doch übel nehmen.

Jetzt versucht sie, sich die – von mir verweigerte – Liebe von meinen Nichten zu holen. Freut sich darüber, wenn ihr diese erzählen, wie sie ihre Mutter veräppeln, freut sich darüber, dass diese bei ihr alles essen, was sie ihnen vorsetzt, auch wenn sie bei den eigenen Eltern mäkelig sind. Oma ist eben die Beste. Ach. Echt?

Das ist mein – etwas verspäteter – Beitrag zum kleinen Monat bei Cubus Regio.

Verbunden mit: Daily prompt. 

4 Gedanken zu „Es ist alles eine Frage der Perspektive

  1. Ja, groß oder klein ist oft eine Sache der Perspektive und die ändert sich auch oft im Leben von klein nach groß.
    Danke für deinen zum Nachdenken anregenden Beitrag.
    cubus

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