Etwas planlos unterwegs

Was sich einfach anhört, ist in Wirklichkeit selten leicht. Wir wollen rund um Muggendorf wandern, so hatte sich das der Mitbewohner ausgedacht. Nur bedenkt der gebürtige Franke nicht, dass ich allzu große An- und Abstiege nur in homöopathischen Dosen genießen mag, alles andere finde ich relativ anstrengend. Da gilt es, die Wege manchmal eben zu optimieren.

Wir fahren bis Oberfellendorf – und von Streitberg an geht es so steil bergauf, dass das kleine Auto richtig Mühe hat, die Steigung zu bewältigen. Von dort aus laufen wir Richtung Albertshof und kurz nachdem rechts der Wald beginnt, schleicht sich der Weg in Richtung Guckhüll dort hinein, kaum sichtbar von der Straße aus. Zunächst geht es kaum merklich aufwärts, bald gabelt sich der Weg und da sich der Mitbewohner um die korrekte Richtung, die wir laufen wollten, gekümmert hat, wählt er den linken, den Weg, der bergan führt.

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Wegweiser auf dem Guckhüll.

Der fränkische Landregen rauscht auf den Buchenblättern, nur gelegentlich tropft es bis nach unten. Das hat den Vorteil, dass wir hübsch allein auf den Wegen sind, bei diesem Wetter bleiben viele lieber im trockenen Haus, wie es scheint. Zwischen den Buchen wachsen einzelne Tannen und auf den gelegentlich herumstehenden Baumstümpfen liegen die harten Schalen der Zapfen, die abgenagten Stümpfe liegen drumherum. Sitzen die Eichhörnchen hier gesittet an den Baumresten, wie an einem Tisch und futtern?

An einer Gabelung will der Mitbewohner bergab und verrät jetzt, dass er nach unten, zur Muschelquelle bei Streitberg möchte. Oh. Von dort hat sich doch das Auto gerade steil nach oben gequält – und wenn wir bis nach unten laufen, müssen wir ja auch wieder hochsteigen. Als ein Abzweig kommt, beschließe ich, dass wir genug abwärts gewandert sind und ändere kurzerhand unser Ziel in die auf dem zweiten Wegweiser angegebene Felsenschlucht. Doch als wir an den Abzweig kommen, der zu dieser führt, sperrt ein Schild den Weg. Die Felsenschlucht ist – der Tiere wegen – bis zum 15. Juli nicht begehbar. Nun denn. Also gehen wir geradeaus weiter, der Weg führt schließlich auch zum Guckhüll, verrät ein nächstes Schild.

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Steil geht der Weg, auf dem Foto ist das nur zu ahnen.

Links ragten Felsen, rechts schlängelt sich der Weg in Serpentinen steil bergauf. Hinter einer Kurve huscht es schwarz-gelb über den Weg, doch der Salamander verschwindet nicht. Er bleibt wie erstarrt am Wegrand sitzen, rührt sich nicht, ich kann in Ruhe Fotos machen, selbst als wir weitergehen, sitzt er dort. Vielleicht sinniert er ja über den Unsinn der Menschen, die rein zum Vergnügen durch die Wälder gehen, und so den lieben langen Tag verstreichen lassen.

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Salamander, schwarz-gelb.

Am Guckhüll liegt der Aussichtsturm, so wie er vor über zehn Jahren zersägt wurde, in handliche Meterstücke gestapelt herum. Die Pfosten sind leer, die Aussicht bewachsen. Was treibt die Menschen, an hohen Punkten einen Turm zu erklettern? Sind oben keine Schilder angebracht, auf denen die Orte benamst werden, die rundum zu ahnen sind, lässt sich meist nicht so viel erkennen. Außer ein Blick aufs dichte Blätterdach, natürlich.

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Reste vom Aussichtsturm.

Das Wort Guckhüll weist auf zwei Dinge hin: Gucken, klar, ein Aussichtspunkt. Mit Hüll wird in der fränkischen Schweiz ein steiniges Loch im Boden bezeichnet, in dem sich Regenwasser sammeln ließ. Das war fürs Überleben von Mensch und Vieh in den Zeiten wichtig, in denen es noch keine Wasserleitungen gab.

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Nix mehr übrig von der Aussicht.

Fünfzig Meter vor der Oberfellendorfer Wirtschaft fängt es richtig an zu regnen. Wir lassen uns Saltimbocca von der Damhirschleber und Frikadellen vom Reh schmecken.

2 Gedanken zu „Etwas planlos unterwegs

  1. …anstrengend sicherlich, die Bilder lassen es ahnen. Und Deine Beschreibung folgend sowieso. Trotzdem eine herrliche Tour.

    Wobei es für mich gefühlt abwärts schlimmer anmutet – spätestens tagsdarauf die Kniee jaulen, als bergan.

    Wundervoll wieder einen Salamander zu sehen, und er blieb zur Foto-Session! Sie sind rar geworden. In der Kindheit fing ich sie von Hand.

    Mit sonnigen Grüßen, Heidrun

    • Da wir ja die Richtung gewechselt haben, war es noch ganz gut. 😉 Und das Essen in der Oberfellendorfer Wirtschaft ausgezeichnet lecker. 🙂
      Einen Salamander habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen.

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