Fast nichts tun

Dieser Sonntag ist so schön kalt und trüb, dass ich ganz ohne schlechtes Gewissen einfach weiter zu Hause vor dem warmen Ofen hocken kann, Socken stricke, Fernsehen gucke, was man einfach so macht, wenn man mal zu nichts Lust hat und sich zudem in der fabelhaften Position befindet, dass man auch keine Lust haben darf.

Das Hühnchen war schon gekocht, das musste ich heute nur noch auseinanderzuppeln. Nur der Mitbewohner fand zunächst die Aussicht auf Nichtstun zu Hause wenig erbaulich und entwickelte so etwas wie einen Lagerkoller. Am liebsten wäre er – mit mir selbstverständlich – auf und davon, aber dazu konnte ich mich nun überhaupt nicht aufraffen. Meinen Vorschlag, er könne ja ein Vogelhäuschen bauen oder die Einfahrt von Eis und Schnee befreien, fand er wenig erbaulich, hockte sich an seinen Schreibtisch und hatte plötzlich Wichtiges vor.

Katzmatz war ebenfalls so bequem, dass sie mich in Ruhe das Hühnchen auseinanderpflücken ließ, sortierte sich im Regal ein

und schlief dort ein Weilchen vor sich hin.

So lässt sich der Tag gut verbringen. Ganz in Ruhe.

Weil Sunny heute aber Krach sehen möchte, nehme ich ein paar Töpfe – und mache Radau. Allerdings nicht in meiner Küche: Mitten in der Medina von Fez gibt es den Seffarine-Platz. Wer heiratet, kommt hierher und mietet sich mindestens einen der großen Kupferkessel, schließlich wollen die Gäste genügend zu Essen bekommen. Die Kessel werden nicht gekauft, sondern gemietet und je nachdem, wie viel Geld die Familie für die Hochzeit zur Verfügung hat oder aufbringen kann, lässt sie das Essen darin kochen.

Alles Kupferkessel. Das waren noch nicht einmal die größten…

Hier werden die Kupferkessel gehämmert. Das macht Krach.

Bunt gekleidete Trommler.

8 Gedanken zu „Fast nichts tun

  1. Das Kätzle ist ja noch klein, wenn es so quer auf DIN A 4 passt. Die wird dir noch einige Male den Lieblingsplatz wechseln! Mir sind ja die ruhigen Katzen auch lieber als die lauten Lärmer.

  2. Hallo Jaelle,

    die Katze bei Schlafen aufzunehmen bringt die zauberhaftesten Bilder überhaupt. Ich bewundere immer wie sie von jetzt auf gleich fest einschlafen, aber auch sofort wieder hellwach sein können. Da spielt der Raubtierinstinkt sicher noch eine große Rolle bei. Das Kupferkessel beim Beschlagen ordentlich dröhnen glaube ich sofort, obwohl ich es selbst noch nie gehört habe.

    Liebe Grüße
    Sandra

  3. Wie heißt es doch: „Klappern gehört zum Handwerk“. Und wenn etwas so schönes und traditionelles wie Kupferkessel dabei heraus kommen, ist das schon fast wieder Musik 😉
    LG Yvonne

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