Hier wird nicht geklingelt, hier wird Krach gemacht!

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Eine Ratsche. 

Ja, eine Waschküche ist kein Schönheitssalon und das Taschentelefon keine Spiegelreflexkamera. Aber mit diesen Ratschen wird einmal im Jahr richtig Krach gemacht, dann, wenn von Gründonnerstag bis zum Gloria in der Osternacht die Kirchturmglocken schweigen. Dann ziehen die Jugendlichen in kleineren und manchmal auch größeren Gruppen herum, machen Krach und sagen einen Vers auf, den ich – hier in Franken – noch kein einziges Mal verstanden habe.

Echtes Fränkisch ist für ausländische Ohren manchmal durchaus eine Zumutung ;-), das stellte vor vielen Jahren der urfränkische Mitbewohner fest, als ihn seine Firma zur Montage in den fernen Norden schickte. Die Arbeitskollegen vermuteten wegen seiner für sie unverständlichen Sprache damals, er sei Italiener. Inzwischen kann er fast hochdeutsch sprechen, doch wenn ich in den Gemeindeparlamenten sitze, merke ich, dass ich nicht immer alles verstehe. Meistens macht das auch nichts, schließlich ist nicht alles wichtig.

Die Ratsche schicke ich zu Frau Tonaris Freitagsklingeln, die sagt jetzt: Feierabend. Wochenende. Was wollt ihr eigentlich noch hier? Raus, raus… (hier stellt sich jeder bitte die gewünschte hinausweisende Handbewegung vor)

24 Gedanken zu „Hier wird nicht geklingelt, hier wird Krach gemacht!

    • Das ist das Teil, was auf dem Tisch steht: Mit der Kurbel wird das Rad gedreht, Stifte heben die Holzbrettchen hoch und lassen sie wieder runterratschen. Mit dem Riemen lässt sich das Ganze tragen und der viereckige Kasten darunter dient als Resonanzkörper, damit es auch schön laut wird. Die gibt es auch in klein, als Kinderspielzeug, aber da macht das für Jugendliche natürlich nichts her 😉

  1. Die Ratschen kenne ich auch, nicht von Nahem, aber vom Klappern.
    Mir kamen immer die Tränen beim Gloria, weil dabei nicht nur die kleinen Glocken dauergeläutet werden auch die Großen.

  2. Liebe Jaelle,
    Ratschen kenne ich hier von der Fastnacht, da wird geratscht und auch gekleppert!
    Beides klingt gleich, nicht melodisch aber eben gut hörbar und erfüllt somit seinen Zweck.
    Liebe Grüße
    moni

  3. So eine ähnliche Ratsche muss hier auch noch irgendwo herum liegen.
    Ich hatte die mal besorgt, um in den Sporthallen dieser Welt die Handballmannschaft des Sohnemanns anzufeuern. Leider habe ich unterschätzt, welch mordsmäßigen Krach die Dinger machen. Das hält man nur aus, wenn man selbst Stöpsel in den Ohren zu stecken hat.
    Aber für das „Einratschen“ des Wochenendes ist sie natürlich bestens geeignet. Da kann man wirklich nicht überhören, dass die schönen Stunden nahen…
    Hab ein schönes Wochenende, liebe JaelleKatz.

  4. Hallo Sylvia,

    das ist wirklich eine große Ratsche; aber sie soll ja auch Krach und wach machen. Klasse und ein sehr interessanter Beitrag, liebe Grüße Kalle

  5. Diese Ratschen kenne ich auch, hat mein Vater, der Dorfschreiner war, immer wieder geschreinert. Die normalen hatten 5 Hämmer, die Vor-Ratscher hatten große mit 10-12 Hämmern. Es gab zwei Vor-Ratscher, also die „Anführer“, die die Kommandos gaben, die Ratscher waren nur die Jungs aus dem Dorf und nur Volksschüler. Sobald einer aufs Gymnasium ging, war er ausgeschlossen….

    Bei uns im Dorf gingen sie dreimal täglich von Haus zu Haus, und am Karsamstag, vor dem Auferstehungsgottesdienst, bekamen sie Schokolade und gefärbte Eier, gelegentlich auch Geld.

    Den Spruch kann ich immer noch:
    „Wir ratschen, wir ratschen den eng’lischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss. Fallet nieder, fallet nieder auf eure Knie, betet das Vaterunser, drei Ave Marie.“
    Daraufhin knieten sich die Ratschbuben auf ihre Ratsche, drehten sie und die Hausbewohner beteten eben den eng’lischen Gruß.

    Dreimal täglich! Zum Glück hatte unser Dorf nur etwa 20 Häuser…. und heutzutage wird dieser Brauch nur noch ganz, ganz abgeschwächt ausgeführt.

    • So einen ähnlichen Spruch sagen sie hier auch auf, aber im tiefsten Fränkisch. Das versteht keiner, der nicht diese Sprache quasi mit der Muttermilch schon aufgesogen hat. Dreimal täglich kommen sie vorbei, allerdings hat unser Ort gut 5000 Einwohner, und es sind mehrere Gruppen unterwegs.
      Als Belohnung gibt es Schokolade, das ja, aber Geld erwarten sie inzwischen längst. Der Mitbewohner kennt auch die gängigen „Preise“, was so zu zahlen sei…

      • Haha, wenn ich versucht hätte, diesen Spruch in tiefstem Oberpfälzisch zu schreiben, hättest du den auch nicht verstanden und ich hätte mir die Finger ausgerenkt 🙂
        Hochdeutsch und Oberpfälzer schließt sich aus….

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