In der fränkischen Seenlandschaft unterwegs

Gestern war Zeit und Gelegenheit, das Fahrrad aus dem Keller an die frische Frühlingsluft zu holen. Für die erste größere Tour haben wir den Altmühlsee und den Brombachsee ausgesucht, schließlich wollten wir erst einmal probieren, wie gut wir noch fahren können. Auf Bayern zwei kam unterwegs die Meldung, dass der Englische Garten in München ab jetzt sowohl für Engländer als auch für englische Hunderassen gesperrt sei. Die Absurdität ließ uns schmunzeln, war doch gestern – richtig: der erste April.

Am Altmühlsee angekommen, wollte der Mitbewohner zunächst einen Teil des Proviantes futtern, damit er diesen nicht auf das Fahrrad packen und als Gepäck transportieren muss. Wir fanden eine freie Bank, auch wenn sich drei Meter vor dieser ein Pärchen auf einer Decke gemütlich gemacht hatte. Der männliche Teil dieses Pärchens krempelte die Hosenbeine hoch und stiefelte halbwadentief ins Wasser: Boah, zehn Grad, ey. Zwei Würstchen, zwei Möhrchen, zwei Frikadellen und zwei Brötchen später fuhren wir los.

Die Menschen waren in ihrer ganzen bunten Vielfalt auf fast ebenso vielen unterschiedlichen Gefährten auf dem drei Meter breiten Radweg unterwegs: Wir sahen Liegeräder, Fahrräder mit und ohne Elektroantrieb, Menschen auf Rollschuhen und Inline-Skates, Menschen zu Fuß und in Fahrradrikschas. Während manche fast unhörbar fuhren, surrten die Mountainbikes mit ihren Stollenreifen wie ein wütender Bienenschwarm.

Auf der Vogelinsel strolchten Männer mit dicken Objektiven und Ferngläsern herum, kamen aber auch nicht näher an die Vögel heran als sämtliche anderen Besucher auch.

Kurz bevor wir den Ausgangspunkt unserer Fahrt um den Altmühlsee erreichten, gönnten wir uns ein Hefeweizen an einer der vielen Imbissmöglichkeiten, die so rings um den See ihre Bänke und Stühle bereits entstaubt und ins Freie geräumt hatten. Am Tisch vor uns schwärmten die Frauen von Speyer: „Dort kannste des Auto beim Ikea stehen lassen und überall toll feiern“.

Überhaupt: Der Altmühlsee ist nicht nur großartig mit Imbissbuden, sondern auch mit Toilettenanlagen bestückt. Gefühlt stand an jedem Kilometer mindestens eine. Da uns die 12 Kilometer, die der Rundweg um den See führte, noch nicht genug waren, fuhren wir bis zum Brombachsee. In Absberg gab es erst Kaffee, Erdbeer- und Windbeutelkuchen, dann begaben wir uns auf den gut 20 Kilometer langen Rundweg. Auf dem Damm überholen wir junge Leute, die alle ein Geschirr und große Karabinerhaken auf dem Rücken tragen. Aber wozu? Hier gibt es doch nichts zu klettern? Doch es hängt ein Seil quer über den kleinen Brombachsee – und über diesen ließen sie sich gleiten. Es surrte dabei wie ein kleiner Motor. Ein Fahrradfahrer kam vorbei und monierte, an seine Begleiterin gewendet: „Wennse auf der anderen Seite noch so’nen Turm gebaut hätten, dass de wieder rüber kannst, aber so?“ „Ich hoffe, dass die alle festgeschnallt sind“, versicherte eine Mutter ihrem Kind.

Über weite Strecken hinweg dürfen Fußgänger und Fahrradfahrer auf unterschiedlichen Wegen fahren. Als es ein kleines bisschen bergauf ging, stiegen wir ab und schoben die Räder. Eine Gruppe Radfahrer überholte und eine Frau rief uns zu: „Ich empfehle Elektro“. Mag sein, dass ich damit leichter fahren könnte, doch will ich das wirklich? Ich war ganz froh, dass ich – Anstieg sei Dank – auch ein paar Schritte laufen konnte. Nunja. Das sollte jeder für sich entscheiden dürfen.

Irgendwann führte der Weg an einem militärischen Sicherheitsgelände vorbei. Zwei Kinder standen am Zaun und warfen etwas darüber. Was machen die da? Wir kamen näher – und sahen, dass eine Rotte junger Wildschweine hinter dem Zaun stand. Sie warteten darauf, dass ihnen trockenes Brot und andere Leckereien über den Zaun geworfen oder durch die Maschen gesteckt wurde. Ein kleines Stückchen weiter hing ein Schild am Zaun: „Füttern verboten“ und ein Ministerium warnte vor der Schweinepest. Es sah allerdings nicht so aus, als würde sich jemand davon beeindrucken lassen.

Kurze Zeit später erreichten wir das Auto und packten die Fahrräder hinten auf den Fahrradträger. Gut war es.

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