Meine Gedanken zu #Pegida

Ich brauche immer ein wenig länger, um nachzudenken. Deswegen schreibe ich so wenig über aktuelle Themen: Bis ich soweit bin, dass ich mich nicht nur umfassend informiert habe, sondern auch selbst eine Meinung dazu habe, vergeht eine Weile. Manchmal ist dann das Thema als solches nicht mehr aktuell – und ich lasse meine Notizen liegen.

Doch das Thema „Pegida“: Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes, ist noch aktuell. Auch in diesem Jahr wollen die Menschen wieder auf die Straße gehen. Also ist Gelegenheit, meine Gedanken dazu ein wenig zu ordnen, sie sind nicht vollständig, sie sind nicht endgültig, ich erhebe auch keinesfalls den Anspruch, dass ich in allen Punkten Recht haben könnte.

Der erste Gedanke, der mir zum Thema Pegida in den Kopf kam, war das Lied von den Ärzten: Schrei nach Liebe.

Der zweite Gedanke war: Warum gerade in Dresden? Und mir fiel ein, dass damals vor der Wendezeit mit der Abkürzung ARD nicht nur das Fernsehprogramm bezeichnet wurde, sondern auch: „Außer Raum Dresden“. Dresden war wohl einer der wenigen Orte, in denen die Menschen kein Westfernsehen sehen konnten, weil sie keinen Empfang hatten. Somit waren sie auf die Propaganda des Ostens angewiesen. Ob sie deswegen dort linientreuer und gehorsamer waren, weiß ich nicht. Ich kannte Dresden aus dieser Zeit nicht.

Dritter Gedanke: Wie war das eigentlich damals mit dem Wiederaufbau der Frauenkirche? Diesmal musste ich nachgelesen, es ist einfach zu lange her. Am 13. Februar 1990, dem 45. Jahrestag der Bombardierung, veröffentlichten Menschen einer Bürgerinitiative einen offenen Brief: „Ruf aus Dresden“Der Ruf wurde gehört, die Frauenkirche wieder aufgebaut. Ich erinnere mich noch gut an einen Lehrer aus meiner Schulzeit: Kam dieser zu einer Vertretungsstunde in unsere Klasse, spielte er entweder auf dem Akkordeon das Lied von der Schwäbsche Eisebahne oder erzählte davon, wie er den Feuersturm in Dresden erlebt und überlebt hatte. Ich las in den Tagebüchern von Viktor Klemperer, wie er diese Zeit in Dresden erlebt hatte, immerhin rettete ihm die Bombardierung höchstwahrscheinlich das Leben, denn die Marschbefehle für die allerletzten Juden von Dresden musste er einen Tag vorher selbst noch verteilen.

Vierter Gedanke: Dresden wurde ja erst als Weltkulturerbe der Unesco nominiert und kurze Zeit später wieder von der Liste der Weltkulturerbestätten gestrichen, weil eine Brücke durch das Elbtal gebaut wurde, obwohl es heftige Proteste aus aller Welt dagegen gab. Bei dieser Diskussion hatte ich den Eindruck: Hier wollen Menschen bestimmen, was gut für die Dresdner sei – und prompt machen diese, was sie wollen, bauen die Brücke, jetzt erst recht. Das hatte ein wenig von der Nachwendezeit, als plötzlich alle Erfahrungen, alles, was galt, plötzlich nichts mehr wert war. Plötzlich wussten Menschen, die nicht im Osten aufgewachsen waren, nicht nur alles besser, sondern sie sagten den Menschen im Osten wie unmündigen kleinen Kindern, wo es langgehen sollte.

In einer Zeit, in der Effizienz und Effektivität selbst in sozialen Bereichen mehr zu zählen scheinen, als Ideen und Mitmenschlichkeit, in der soziale Dienste, Krankenhäuser und Altenheime ihre Kosten minimieren und jeden Handgriff akribisch notieren und abrechnen, eine Zeit, in der nach der Stoppuhr gepflegt wird, zählen Kosten, nicht Menschen. Und plötzlich kommen Menschen in unser Land, Flüchtlinge, werden von den zentralen Aufnahmelagern verteilt, müssen von den Städten und Gemeinden irgendwo untergebracht werden, auf „Anordnung von Oben“.

Dann fingen einige Menschen in Dresden an, gingen auf die Straße. Ihre Angst und Unsicherheit den Unbekannten gegenüber machten sich diejenigen zunutze, die immer noch im Ewigen Gestern leben. Was könnte helfen?

Es nutzt sicherlich nichts, diese Menschen einfach dumm zu nennen. Ein kleines Kind, das nachts Angst vor dem bekommt, was sich unter dem Bett befinden könnte, nenne ich schließlich auch nicht einfach dumm, auch wenn ich weiß, dass dort keine Ungeheuer hausen. Es nutzt nichts, Arbeiter und Handwerker aus Dresden zu stigmatisieren. Hier wäre es hilfreicher, wenn es Gespräche geben würde, welcher Art auch immer. Dann könnten die Rechten mit ihren Parolen weniger Menschen erreichen. Wenn die Menschen, die in Dresden auf die Straße gehen, um ihr Abendland zu retten – wobei das Abendland ja auch eher ein Symbol für ein Paradies zu sehen wäre, welches es so nie gegeben hat – dann machen sie das vielleicht einfach deswegen, weil über ihre Köpfe hinweg entschieden wurde. Und sie das Gefühl haben, dass sie einfach allein gelassen werden mit ihren Befürchtungen, wovor auch immer.

Menno. Redet einfach miteinander. Setzt euch zusammen. Schwätzt. Trinkt Kaffee, esst Plätzchen oder Stollen, lernt die Flüchtlinge kennen, lasst euch deren Geschichten erzählen. Dann werdet ihr merken, dass das Menschen sind, die euch nichts wegnehmen wollen.

 

26 Gedanken zu „Meine Gedanken zu #Pegida

  1. Hab aber auch noch den Blog hier wo ich auch meine Gedanken zusammen gefasst habe, und den ich Dir gern zeigen will nachdem ich deinen Artikel gelesen habe.
    http://lebenteilsaniert.wordpress.com/2014/12/21/pegida-demonstriert-in-dresden/

    Und ja die Dresdner lebten vielleicht früher im Tal der Ahnungslosen – so hieß es, aber auch die hatten Besuch. Ich denke auch wie Du es schreibst es wird zuviel über die Köpfe hinweg entschieden. Mit den gesprächen das ist aber schwierig weil eben 2 sehr unterschiedliche Gruppen da mitlaufen…
    Dresden ist schon wirklich symbolisch, grade auch durch die Sachen wie die die Du aufzählst, Leipzig wäre es auch… mal schauen wie es morgen weitergeht. Leider kommen auch sehr viele Leute aus anderen Orten extra für die Pegidademo nach Dresden.

    • Deine Gedanken sind interessant. Ich war im Sommer in Dresden und Görlitz, unter anderem. Und habe mich schon gefragt: Wer wohnt eigentlich in diesen jetzt wunderschön sanierten Häusern, ordentlich gedämmt und mit viel Luxus? Übernachtet haben wir beispielsweise beim CVJM, dort gab es dann Gelegenheit, mit ganz normalen Menschen zu reden: Es werden Dinge gemacht und über Dinge entschieden und die, die schlussendlich damit leben müssen, die werden nicht gefragt.

      • Tja, ich bin eine von denen die eher im lebendigen und an vielen Stellen etwas verlottertenund auch schicken Häusern und Leuten, also sehr gemischten Viertel wohnt. Ziemlich unsaniert mit Ofen und Boiler…
        Es sind viele Leute aus dem „Westen“ gekommen und in den schicken Häusern wohnen die die Geld haben. Da findet eben ne übelste Gentrifizierung statt und die ärmeren Menschen werden in die Getthos verdrängt. Kann ich mitreden. Die Mietpreise steigen seit Jahren ins Himmellose und so unsanierte Wohnungen sind heißbegehrt trotz der Zustände. Die Schere geht auch hier weit auseinander. Die Stadt ist ja CDU regiert, das merkt man überall….
        Danke Dir für deine Antwort
        Liebe Grüße

        • Ps.: genau es wird über die Köpfe hinweg entschieden und es geht immer mehr in die Richtung wer kein geld hat hat auch keine Rechte, und das bei unserem Grundgesetz. Für mich ist Deutschland kein demokratisches Land mehr…bin mir auch nicht sicher obs das wirklich mal war.

          • Das ist auch genau das gewesen, was mich mal wieder nachdenklich gemacht hat: Menschen leben lange Zeit in ihren Häusern, die ihnen zwar nicht gehören, aber trotzdem ihr Zuhause sind, wo sie ihre Nachbarn und ihre Läden haben. Dann kommen fremde Menschen, oder noch nicht einmal Menschen, sondern Gesellschaften, die wiederum Angestellte haben, die ihre Arbeit machen sollen und für Profit sorgen sollen, die lassen die Häuser sanieren und setzen diejenigen, die dort ihre Heimat haben, einfach an die Luft. Und manchmal ist es noch nicht einmal nur der Profit, sondern auch die Verordnungen zum Wärmeschutz, zur Brandsicherheit, zur was-weiß-ich, die das Wohnen so teuer machen, dass es sich viele Menschen nicht mehr leisten können.

          • Ja, so ist es. Oder auch reiche Leute die alte Häuser kaufen und Sie totsanieren, sprich außen Fein innen Plastik und dann fürs 3fache vermieten, Gewinnoptimierung. Haha…Ich denke so ne Wohnung wie ich Sie habe gehört fast unter Denkmalschutz, denn davon gibts nicht mehr so viele .. aber zum Glück gibts noch einige wenige Kohlehändler die uns hier mit Brennstoff beliefern. Finde so gemischtes eigentlich total genial, aber die Stadt wird immer mehr geglättet, ist ja auch in der Altstadt zu sehen um die Frauenkirche rum wo Sie das alte wieder neu nachgebaut haben. Wo sich aufgeregt wurde das zu Ostzeiten historisches Vernichtet wurde was noch übrig war (teilweise) und jetzt wird das gleiche mit den DDR Restbauten gemacht.. weicht vielleicht einwenig vom Thema ab gibt aber auch so ne Gesamtrichtung die sich da spiegelt finde ich.

  2. Hm. Jetzt soll ich nicht mehr darunter antworten, meint das Programm.
    Was braucht eigentlich eine Wohnung? Vier Wände, ein dichtes Dach, einen Wasserhahn und einen Ofen. Der Rest ist— Luxus. Müssen wir im Luxus leben?
    Ich denke oft darüber nach, wie wenig meine Oma in ihrer Küche hatte – und es hat gereicht. Ob sie mehr gehabt hätte, wenn sie jetzt noch leben würde? Sicherlich. Doch der Gedanke an: Das reicht! reicht aus, dass ich viele unnütze Dinge nicht kaufe. Wozu auch. Ich brauche sie nicht.
    (Übrigens heizen wir nur mit Holz und zwei Öfen. Meistens können wir im T-Shirt in der Wohnung herumlaufen, weil die Öfen so warm sind. Bin ich dagegen in einer zentralbeheizten Wohnung, fange ich oft an zu frieren)
    Ich wollte noch einen Link einfügen, hatte ich mal wieder vergessen: http://www.jaellekatz.de/allgemein/nur-ein-kleines-bisschen-unbehagen

    • Das sehe ich ähnlich, ich habe seit ich in Ofenwohnungen lebe ganz selten Erkältung und man behält die Demut und Achtung vor den grundlegenden Dingen wie Wärme, weil man dafür was tun muß finde ich und es ist so schön feuer zu machen, ich liebe es. Meine Oma hat mit mann und 6 Kinder eine genauso große Whg gehabt wie ich, das kann man sich kaum noch vorstellen. Ich vermeide auch Apparate und sowas aber für bestimmte Sachen wie Kühlschrank mit Froster und das Internet bin ich sehr sehr dankbar. Aber so ein wenig mehr Back to the Roots kann nicht schaden…;-)

  3. 1. Ich finde es gut, dass du lange nachdenkst, dich informierst, bevor du über etwas schreibst. Viele plappern ja einfach nur nach.

    2. Ich teile deine Ansicht in diesem Beitrag.
    3. Ich glaube, viele Menschen im ganzen Land, sind enttäuscht. – von Versprechungen wie „die Rente ist sicher“, „mit mir wird es keine Maut geben“ und ähnlichem. Andere haben Angst vor Altersarmut oder arbeiten jetzt schon an der Armutsgrenze. Pegida hat (scheinbar als Einziger) dafür ein offenes Ohr und liefert gleich noch den Schuldigen.

    • Ja, ich denke, dass sich die Politikverdrossenheit auch darin zeigt. Immerhin sind diejenigen, die nicht zu einer Wahl gehen, bald der größte Teil. Es ist ja auch egal, wo das Kreuzchen gemacht wird: Letztendlich machen Politiker nicht nur das, was sie wollen, sondern das, was die Konzerne, die Wirtschaft und andere von ihnen verlangen, damit angeblich Arbeitsplätze erhalten bleiben und Steuern gezahlt werden können. Ob es aber wirklich so ist? Vieles klingt eher nach Erpressung…
      Und die Menschen, die in Dresden demonstrieren? Viele stellen sie als dumm hin und machen sich lustig. Als wären es kleine Kinder, die man nicht ernst nehmen muss. Wer aber kommt und ihre Angst ernst nimmt, der hat dann plötzlich Zulauf…

  4. Hier muss mal erwähnt werden, dass Sie einem vorkommen, wie ein Oberlehrer, der alles weiß. Da muss ich dagegen halten. Vergessen Sie für einen Moment, dass man was unendlich erdulden muss, und zwar das ewige Versagen unserer Politik.
    Dieses Geschwätz von Dialog und Verständigung ist vorbei und überflüssig. Das wirkt auch nur noch wie eine Worthülse. Die Zeit ist gekommen, dass das Volk spricht und die Politik zuhört – sonst sucht sich das Volk neue Politiker – umgekehrt klappt das nicht! Die Politik hat sich schon lange vom Volk entfernt und das VOLK geht jetzt auf die Straße. Der Einwanderungseklat, den sich die Bundesregierung erlaubt – seit Jahrzehnten – ist jetzt mit der immer offenkundigeren mit Absicht versagenden Asylpolitik das i-Tüpfelchen, was das „Schluss-Jetzt“ in der Bevölkerung aufkommen ließ. Über PEGIDA werden auch ganz andere grundsätzliche Probleme transportiert. Das würden Sie sehen und verstehen, wenn Sie DABEI wären.
    Ich unterscheide selbst nicht zwischen links und rechts – das überlasse ich den schwarz-weiß-Denkern. Ich unterscheide zwischen Recht und Unrecht. Wenn ich nach Berlin sehe, sehe ich das blanke Unrecht – in Form einer Regierung, die dem Wort GIER eher Rechnung trägt als dem Wort „regere“ aus welchen es abgeleitet ist – nämlich LENKEN und RICHTEN. Seit knapp 10 Jahren beschränkt man sich leider Gottes auf REagieren, zum Schaden der Regierten. Nun Schluss mit Unrecht, denn:
    Wenn Unrecht zu Recht wird- wird bekanntermaßen Widerstand zur Pflicht.
    Und dieser Widerstand formt sich auf UNSEREN Straßen und weht als Sturm der selbst ernannten Elite (eigentlich: Negativ-Auslese der letzten 70 Jahre) ins Gesicht. Schmeckt nicht! Muss aber geschluckt und gefressen werden! Viel Freude damit.
    Im Übrigen hat Toleranz auch Grenzen. Die sind schon lange überschritten. Jetzt folgt auf Toleranz Forderungen! Forderungen der autochthonen Bevölkerung, welche das Land im Kern bildet.

    • Was die Wut und Enttäuschung gegenüber einer Regierung angeht, die sich vieles von Industrie und Wirtschaft diktieren und vorschreiben lässt, statt zu schauen, was die Menschen, die hier leben, bräuchten: Einverstanden. Da ist nicht nur in den vergangenen zehn Jahren viel an Menschlichkeit zugunsten einer Wirtschaftlichkeit entschwunden, von der noch nicht klar ist, wie das entstandene Vakuum gefüllt werden könnte.
      Aber ich bin nicht das Volk, niemand ist das Volk: Wir sind eine bunte Mischung von unterschiedlichen Individuen. Ich versuche nur von meiner Warte aus Dinge zu sehen, dass ich dabei weder alles sehen, noch wahrnehmen, noch wissen kann, ist mir mehr als klar.
      Und was Forderungen betrifft: Warum nicht welche, die die Macht der Banken einschränken, die Macht der Fonds, die Macht derjenigen, die mit Immobilien und anderem eine Unmenge Geld verdienen, die dafür sorgen, dass die Mieten so hoch steigen, bis sie fast unbezahlbar werden, nur damit die Rendite stimmt?
      Die Flüchtlinge? Ach. Das sind Menschen, denen wurde schon schlimm genug mitgespielt. Selbst wenn sie zu uns kommen, weil sie hier ein gelobtes Land finden wollen, sollten wir vielleicht auf diese Wahrnehmung eher stolz sein. Im Gegensatz zu dem, was die Banken und anderes kosten, ist das nur Kleinkram.

      • !!! Jip, sehe ich auch so. Und das Ding ist die Regierung ist gewählt. Warum wählen die Menschen denn so, und wenn die masse 10 Jahre bruacht um zu reagieren..mei scheint auch ne müde Truppe zu sein. Erstma besser machen.. und Pegida is sicher nicht „besser machen“. So eine Bewegung nährt sich aus negativität und Mangelempfinden und wird genau das auch erzeugen, wie sollte es anders sein.

      • Wäre die Politik ehrlich zum Volk, würde Sie zugeben, dass das System ein Fehler ist – unser Wirtschaftssystem! Es lässt sich nicht gerade biegen – es lässt sihc nur durch ein neues ersetzen. Wie erleben jetzt die letzte Runde bei Monopoly. Zum Schluss gehört alles eine, meistens dem, der zuerst die Schlossstraße hat. Und die hat keiner von uns- die stand nämlich nur zur Disposotion. Die ist zu Spielbeginn einfach einer elitären Person(enkreis) reserviert worden. Das sind die, die heute Geld schöpfen dürfen – mit dem wir alle spielen. Nur schaffen Sie nie die Zinsen mit und geben diese in den Kreislauf- so dass wir Spieler uns das gegenseitig abluchsen müssen. Wem das nicht gelingt, der muss in der nächsten Runde Schulden machen. So stehen wir immer im Wettberwerb, der immer mehr an Fahrt gewinnt – Lieblingswort von Merkel in Ihren Reden: Wettbewerbesfähigkeit oder Wettbewerbsvorteil! – Schauen Sie selber nach!!!
        Für Sie! Wirtschaft ist für die Menschen da! Eigentlich! Merken Sie was davon? Seit einer geraumen Zeit ist es leider umgekerht. Wachstum um des Wachstums Willen. Warum? Bäume wachsen auch nicht in den Himmel.
        Haben Sie mal drüber nach gedacht, warum wir den Wachstum so fordern? Ja selbst dann, wenn er nicht benötigt wird. Was ist da los? Beantworten Sie sich selber die Frage. Vielleicht mit Hilfe: Youtube:Franz Hörmann; Top Info Forum
        Wir brauchen nicht Energie verschwenden, um die Symptome zu bekämpfen. Wir müssen gemeinsam an die Wurzel des Übels.

    • @Georg:

      Es gehen mindestens genauso viele Leute gegen Pegida auf die Straße wie dafür. Wer von denen ist das Volk? Warum sind Sie das Volk und die anderen nicht?

      Im übrigen argumentieren Sie wie viele Pegida-Anhänger sehr geschickt: Sie stellen Befindlichkeiten in den Vordergrund, sagen aber nicht, was Sie eigentlich wollen. Denn das Verständnis auf die Wut von Bürgern, denen (angeblich oder tatsächlich, das sei mal dahingestellt) übel mitgespielt wird, ist bei vielen vorhanden. Aber das Verständnis würde bei vielen nachhaltig schwinden, wenn man ehrlich aussprechen würde, was man vorhat.

      Da ich in den letzten Tagen mit einigen Pegida-Anhängern im Internet gesprochen habe, und da das Attentat in Frankreich ihnen die gefühlte moralische Legitimation gab, mal ehrlich zu sein, stelle ich mal eine Auswahl an Optionen zusammen, die als „notwendige Politik“ dargestellt wurden:

      – Aufhebung des Asylrechts für Muslime
      – Verbot des Korans
      – Ausweisung aller Muslime, die nicht ihrem Glauben abschwören wollen (oder Verlust der Staatsbürgerrechte, falls sie einen deutschen Pass haben)
      – Zentrale Überwachung aller Immigranten
      – Ausweisung aller nicht-deutscher Arbeitslosen
      – Null-Toleranz-Politik: Ausweisung oder lange Gefängnisstrafe bei der ersten – auch kleinen – Straftat
      – Wiedereinführung der Todesstrafe

      Denn wir sind uns sicher einig, dass das Pegida-Positionspapier lauwarmes Geschwätz ist, das in weiten Teilen auch problemlos in Wahlprogrammen von Union oder SPD vorkommt. Schließlich bekennt sich keine Partei zu Asylmissbrauch, Schutz von Hasspredigern oder Förderung von politisch oder religiös motivierter Gewalt. Dieses Papier ist sicher nicht der „Sturm“, der über die Elite hinwegfegen wird.

      Will man sich ehrlich unterhalten, dann muss man auch ehrlich mit den Zielen sein und nicht verdruckst hinter dem Berg halten und sich in Tiraden über Generationen von unfähigen Politikern verlieren. Okay, Sie sind unzufrieden. Was KONKRET wollen Sie ändern? Stimmen Sie mit den Ideen anderer (angeblicher, ich kann das natürlich nicht nachprüfen) Pegida-Anhänger überein wie oben ausgeführt? Ist das zu harmlos? Zu übertrieben? Oder haben Sie ganz andere Forderungen?

      • Wo haben Sie diese Forderungen her?!
        Und was hat diese Diskussion mit der von Ihnen gebrachten unsinnigen Aufzählung zu tun? Erkenne den Zusammenhang nicht.

        Bitte Quelle und Zeitpunkt nennen zu jeder von IHNEN ZITIERTEN „Forderungen“:

        (als Gedankenstütze- hier Teile Ihres Beitrags:)

        „– Aufhebung des Asylrechts für Muslime
        – Verbot des Korans
        – Ausweisung aller … etc.“

      • „Will man sich ehrlich unterhalten, dann muss man auch ehrlich mit den Zielen sein und nicht verdruckst hinter dem Berg halten und sich in Tiraden über Generationen von unfähigen Politikern verlieren.“

        –> Das sind Ihre Vermutungen! Wie soll man sich mit Ihnen unterhalten, wenn Sie einem Lug und Blendung unterstellen. Sie hören ja nicht einmal zu.

        Okay, Sie sind unzufrieden.
        –> Pauschal nicht. Unzufrieden mit unseren Volksverrätern.

        „Was KONKRET wollen Sie ändern? “
        –> Klingt so, als gehen Sie mit allem konform und wollen nichts ändern.

        „Stimmen Sie mit den Ideen anderer (angeblicher, ich kann das natürlich nicht nachprüfen) Pegida-Anhänger überein wie oben ausgeführt?“

        –> PEGIDAs Forderungen sind von konservativen Werten geprägt und entsprechen meines Erachtens dem Wertekanon der breiten (europäischen) Masse.

        „Ist das zu harmlos? Zu übertrieben? Oder haben Sie ganz andere Forderungen?“
        –> Dann wären ganz andere Forderungen formuliert, oder die jetzigen Forderungen schärfer oder milder ausgedrückt

        Merken Sie was? Sie können sich ja nicht einmal mehr vorstellen, dass das was man sagt mit dem was man meint übereinstimmt. Sie sind so oft schon enttäuscht worden, dass es sich Ihrer Vorstellung entzieht, dass das Geäußerte auch der Intention dahinter entspricht.

  5. Eine der großen Selbsttäuschungen unserer Gesellschaft ist das Versprechen der Hegelschen Dialektik (kurz gesagt: Du hörst mir zu, ich höre Dir zu, und dann finden wir einen gemeinsamen Standpunkt). Wir glauben fast alle, dass so Entscheidungen getroffen werden, und andererseits ist das fast nie der Fall.

    Unsere Meinungen werden mittels Einschüchterung etabliert. Das gilt im Guten wie im Schlechten. Ein anschauliches Beispiel ist die Behandlung von Homosexuellen in der Öffentlichkeit. Vor 50 Jahren wurde man massiv von den Medien und der Gesellschaft angefeindet, wenn man Homosexualität als normales Lebenskonzept bezeichnete. Man konnte für homosexuelle Handlungen sogar eingesperrt werden (und viele Tausende wurden es auch). Heute wird man angefeindet, wenn man Homosexualität als abnorm bezeichnet – die Karriere kann dann schnell dahin sein.

    Um es klar zu stellen: Ich selbst halte Homosexualität für vollkommen in Ordnung. Sie schadet niemandem, aber ein Verbot oder eine Ächtung schadet den Betroffenen massiv. Aber in der Öffentlichkeit wird diese Argumentation nicht vollzogen, den Ablehnenden nicht geduldig erklärt, warum ihre Ansicht problematisch ist und warum man sie allgemein nicht teilt. Es wird stattdessen mit Einschüchterung gearbeitet.

    Genau dasselbe passiert auch rund um Pegida. Hier arbeitet die öffentliche Gesellschaft mit Einschüchterung und Ausgrenzung, statt mit Dialog. Deswegen ist der Befund, man würde eingeschüchtert und ausgegrenzt, bei den Pegida-Anhängern durchaus berechtigt. Allerdings besteht kaum ein Zweifel, dass diese Leute im umgekehrten Fall ganz genauso handeln würden: Jeder, der dann nicht den Islam mit Terrorismus, Frauenfeindlichkeit und antidemokratischem Verhalten gleichsetzt, ist schnell ein Volksverräter (das Wort ist im Pegida-Umfeld ja sehr beliebt). Deswegen ist das Anliegen auch scheinheilig, denn Pegida setzt sich nicht für mehr konstruktiven Dialog ein. Sie wollen nur, dass IHRE Meinung nun offizielle Mehrheitsmeinung wird und der Rest zu schweigen hat.

    Deswegen: Ja, es stimmt etwas nicht im Umgang mit gesellschaftlichen Debatten in unserem Land. Und ja, sich bei einem Kaffee zusammenzusetzen und die Dinge auszudiskutieren wäre zweifelsfrei die bessere Lösung, auch im Sinne der Aufklärung. Aber diejenigen, die sich darüber auf der Straße aufregen, regen sich nicht darüber auf, dass die Situation an sich so ist, sondern nur, dass sie nicht an den Hebeln sitzen, um andere mundtot zu machen. Die Idee eines aufgeklärten gesellschaftlichen Dialogs ist leider eine gut behütete Illusion.

      • Ich denke auch nicht, dass hier eine prinzipielle Unmöglichkeit vorliegt. Sondern eher, dass es eben unbequem und mühsam ist und deswegen meistens vermieden wird. Und dass es unangenehm wäre, sich das einzugestehen (denn eine Gesellschaft, die ihre Überzeugungen auf Einschüchterung statt auf logischen Argumenten aufbaut, könnte ja grob falsch liegen), und deshalb ignoriert wird.

        Vermutlich müssen wir uns trotzdem auf einen Diskurs mit denen einlassen, für die der Untergang des Abendlandes genauso real ist wie dass Angela Merkel Bundeskanzlerin ist. Ob das funktioniert? Es muss wohl. Auch wenn ich angesichts der Wut und Aggressivität, die einem von den Pegida-Anhängern entgegenschlägt, keine allzugroßen Hoffnungen auf einen vernünftigen Dialog habe. Mal sehen.

    • Auf den Punkt gebracht.
      1. Homosexualität ist KEIN normales (im Sinne der Mengenverteilung nach Gauss) Lebenskonzept.
      2. Es ist für eine Gesellschaft KEIN EMPFEHLENSWERTES Konzept.
      3. Das denken und wertungsfrei sagen zu dürfen sollte wieder NORMAL sein.
      4. Der Dialog beginnt erst, wenn man von der Politik auf Augenhöhe wahrgenommen wird – und die erreichen wir mit zunehmender Teilnehmerzahl.
      Dann redet das Volks und unsere Volksverräter dürfen zuhören.
      Und wem es nicht passt – der darf abdanken.
      Dieses gutmenschliche politisch korrekte Geschwafle ist was für die betreut Denkenden.
      Harte Fakten bedürfen harter Worte!

  6. Das Problem ist – die lassen gerade nicht so gut mit sich reden. Das isses ja eben, dass argumentativ kein Zugang zu finden ist.
    Aber noch mal prinzipiell: Man hat alle Zeit der Welt, um nachzudenken und zu einem Thema einen Text zu verfassen. Auch dann, wenn die Empörungswellen, die durchs Netz schwappen, abgeebbt sind. Die Phänomene bleiben ja bestehen und die darf man in Ruhe betrachten, reflektieren und analysieren.

    • Dass ich prinzipiell alle Zeit der Welt habe, weiß ich schon 😉 Trotzdem habe ich noch einige zu anderen Themen liegen, wie beispielsweise den Hebammen und deren künftiger Nichtversicherbarkeit, die ich bisher noch nicht veröffentlicht habe. Mal sehen, wann sich die Gelegenheit dazu ergibt.
      Ich glaube, dass irgendwann einige doch anfangen, nachzudenken. Allerdings ist es schwierig, solange sie mit „dumm“ und „gehtjaüberhauptnicht“ nur verdammt werden.

    • Ich lade alle ein heute wieder dran teilzunehmen!
      Wir brauchen keinen Roland Kaiser, um zu kommen.
      Wir kommen auch so – bei Wind und Regen.

      Es ist ein Trauerspiel, dass die Landesregierung zur Brot-und-Spiele-Keule greifen muss, um das Volk zur Kundgebung zu locken. Das gab’s schon mal. Danach kam der Zwang. Das wurde hierbei auch schon versucht – ging aber nach hinten los.

      PEGIDA hat es nicht nötig zu motivieren – die Leute, die da sind, sind intrinsisch motiviert.

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