Meine Ungeduld im März

Es ist nicht der November, der mich nervt. Der November überzieht die Welt mit einem leichten Nebelschleier, unter dem die Konturen ihre Schärfe verlieren. Alles wird weichgezeichnet und das Sofa zum Rückzugsort, mit Tee und Buch und Rotwein, während im Kamin das Feuer prasselt.

Der Dezember dagegen ist rot und grün und golden: Tannengrün und Weihnachtsstern, gepaart mit Kugel- und Lamettaglanz. Dann kommt unvermeidlich das Weihnachtsfest mit den wunderbaren Tagen der Ruhe im Kloster. Alles ist gut.

Im Januar wird der Himmel schon wieder weit und klar: Blau spannt er sich über eisiger Kälte, die rote Nase beim Spaziergang gibt es gratis. Bäume und Sträucher recken ihre Äste kahl und schwarz in die Frostluft und die Vögel sitzen dick geplustert und bewegen sich so wenig, wie möglich.

Im Februar treibt der Fasching die Hitze so hoch, dass das Schwitzwasser von den Fensterscheiben im Tanzsaal herunterrinnt.

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Dann kommt der März. Jetzt bleibt es abends schon ein wenig länger hell, aber es ist immer noch kalt und grau und trüb. Auch wenn gelegentlich ein Schneeglöckchen und ein Krokus schon im Gras spitzt, ist das noch zu wenig. In diesem Jahr lässt die Frühlingsstimmung lange auf sich warten. Zum meteorologischen Frühlingsbeginn schneit es – und die Kälte, die draußen herrscht, zieht durch. Selbst wenn die Sonne – was sie im Moment selten macht – einmal scheint, muss die Jacke bis zum letzten Knopf hoch geschlossen werden.

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Antoniuskapelle bei Sterpersdorf

Mir reichts. Im Fenster stehen jetzt die Aussaattöpfe, in die ich die Tomatensamen gesteckt habe. Noch ist von den Pflänzchen nichts zu sehen. Doch ich hoffe darauf, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die ersten Blättchen aus der Erde spitzen. Es reicht. Ich will endlich Frühling haben.

3 Gedanken zu „Meine Ungeduld im März

  1. Ein super Text, der mir aus der Seele geschrieben ist. Jedes Wort kann ich
    nach empfinden. Dazu die schönen Bilder, die so passend sind.
    Wunderschön. Weiter so. :-))
    Viele Grüsse
    Clive aus Rastede

  2. Mir geht es genauso. November ist fast mein Favorit geworden, der März ist oft einfach nur trostlos. Und auch wenn die ersten Krokusse kommen. Meist sind die Wiesen und Wälder noch so Wintergrau, dass es fast weh in den Augen tut. Aber eins ist toll: richtig viele meiner Freund/innen haben im März Geburtstag. Also ist es fast wie im Karnevals-Februar (mit viel Party). Und danach ist immerhin schon April….

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