Runter vom Sofa und ab zum Sport #1

Es ist schon über ein Jahr her, seit mein innerer Schweinehund auf den Namen Max hört. Inzwischen hat er einiges gelernt: Das Portemonnaie liegt jetzt (fast) immer auf dem Regal im Flur, ebenso die Uhr. Auf dem Schreibtisch wische ich gelegentlich richtig Staub, dann sieht nicht nur die Glasplatte für einen Moment schön sauber aus, auch das Papier, das sich immer darauf stapelt, ist sortiert und wandert – wann immer es geht – in die hübsche runde Ablage P unter dem Tisch.

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Die Katze darf auf dem Sessel liegen bleiben. Ich dagegen muss: Runter vom Sofa.

Was allerdings die tägliche Bewegung angeht, lebt Max immer noch nach dem Lustprinzip. Eigentlich würde er ja gerne jeden Tag unterwegs an der frischen Luft sein, aber irgendwie kommt oft genug etwas fürchterlich Wichtiges dazwischen.

 

Da kam mir der Aufruf vom Fränkischen Tag geradezu gelegen: Runter vom Sofa, heißt es. Dabei liege ich nur relativ selten auf dem selbigen, meistens sitze ich auf meinem Stuhl vor dem Monitor – und schreibe, gucke, lese, was auch immer. Ein persönlicher Trainer soll helfen und mich motivieren.

Ab jetzt ist also Kerstin an meiner Seite. Noch sitze ich im Auto auf dem Parkplatz der Sportinsel, bin etwas zu früh und warte. Die Sonne scheint, es ist relativ warm und eine ganze Menge Leute führen ihre Hunde spazieren. Die haben schließlich mit dem Hund immer einen Grund und eine Ausrede, damit sie aus dem Haus gehen. Ich dagegen habe meine Sportsachen herausgekramt, die ich vor langen Zeiten in der Hoffnung gekauft hatte, dass sie mich zu mehr Bewegung motivieren würden. Doch auf meinen Wanderungen brauchte ich sie nicht, also lagen sie im Schrank, ohne zu murren.

Kerstin kommt. Es geht aber noch nicht gleich los. Erst muss ich unterschreiben, dass ich wirklich auf eigene Verantwortung handele.

Dann geht es los. Wir gehen ziemlich schnell in der Sonne über die Forchheimer Sportinsel, auf den ganz normalen Wegen. Dabei soll ich meine Füße richtig von der Ferse bis zur Spitze abrollen, anschließend erst mit den Fersen, dann mit den Fußspitzen zuerst auftreten. Beides fühlt sich ungewohnt an. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal überhaupt bewusst auf das Gehen geachtet? Das habe ich schließlich gelernt, als ich jung und frisch war. Jetzt achte ich nur noch darauf, wenn der Untergrund, sprich: Der Weg, entsprechend schwierig ist. Hier ist jedoch alles eben. Kerstin führt es vor, ich mache es nach, auch wenn die Beschreibung einfacher scheint, als die tatsächliche läuferische Umsetzung. Wer jetzt grinst, soll das erst einmal selber probieren.

Wir gehen ein Weilchen, dann gibt es eine Pause. Kerstin macht eine Schrittfolge vor, bei der ich gleichzeitig die Arme nach oben und den Oberkörper drehen soll. Ups. Koordination ist gefragt: Immer hübsch gegengleich zum Fuß drehen, der gerade vorne steht, anschließend noch die Arme mit einer leichten Kniebeuge nach unten und hinten bewegen. Kapiert? Macht nichts. Ich hab auch ein kleines Weilchen gebraucht.

An der Treppe wird es leichter: Stufe hoch, Stufe runter. Drei Stufen hoch, drei Stufen runter. Und mit dem Vorderfuß auf die Stufen stellen, bis es hinten in den Waden zieht.

Weiter geht es. An einer Wegkreuzung auf der Sportinsel kommt uns Harry entgegen, der andere persönliche Trainer, er hat gleich zwei Leser des Fränkischen Tags, ein Pärchen, im Schlepp.

Mit Thera-Band zwischen den Händen ziehe ich die Arme von oben zu den Schultern, das Band hinter dem Kopf: Hier stört das Haargummi, aber nur ein bisschen. Dreimal zehn Wiederholungen, dann geht es zur nächsten freien Bank. Hier soll ich mich setzen. Nicht wie gewohnt, sondern ich soll erst den Hintern nach hinten schieben, bevor ich die Knie beuge. Das erste Mal plumpse ich einfach auf die Bank. Zuschauer gibt es zwar keine, doch Kerstin macht neben mir mit, damit ich mir nicht so blöd vorkomme. Gute Idee.

Überhaupt: Der Schulsport. Fangen kleine Kinder an zu laufen und zu krabbeln, bewegen sie sich in der Regel gerne. Sie laufen, sie hüpfen, sie rollen, sie purzeln, sie machen alles, außer still sitzen. Kommen die Kinder dann in die Schule, müssen sie auf einmal lange still sitzen, und haben als Ausgleich dafür Sportunterricht: Hier wird leider oft Ernst aus Spiel und Spaß. Allein die Noten sorgen dafür, dass viele Kinder keine Freude mehr an Sport haben. Kerstin erzählt, wie sie mit den Kindern in einer Grundschule Seilspringen übte. Ein Mädchen hielt sich abseits und beteiligte sich nicht. Kerstin musste sich erst eine ganze Weile liebevoll mit dem Kind beschäftigen, ehe sie den Grund dafür erfuhr: Im Jahr zuvor gab es für die Schülerin fürs Seilhüpfen eine Vier. Jetzt mithüpfen? Fehlanzeige. Erst war ausreichend Motivation nötig.

Dieses Verhalten kenne ich selbst nur zu gut: Lieber habe ich im Schulsport ein „Ungenügend“ kassiert, als mich beim Geräteturnen dem Gelächter der Mitschüler auszusetzen. Zum Glück für mich konnte ich das mit Laufen und Ballspielen ausgleichen, so dass die Endnote keine völlige Katastrophe wurde.

Noch ein bisschen Laufen, Dehnen, Armkreisen. Dann ist die erste Stunde bereits vorbei. Es war ganz vergnüglich und eigentlich hatte ich gedacht, ich müsse mich dabei viel mehr anstrengen. Wir verabreden uns für die kommende Woche. Damit mir die Zeit bis dahin nicht so lang wird, kriege ich Hausaufgaben auf: Zweimal Walken/ Spazieren/ Gehen, in jeweils unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Kniebeugen und einmal etwas Krafttraining. Das geht ja.

12 Gedanken zu „Runter vom Sofa und ab zum Sport #1

  1. Oha – Respekt. Das hört sich alles sehr gut an. Ich drille meinen Schweinehund – der Arme ist jedoch bis jetzt noch namenlos – auch. Also ich bin bemüht. Und oft fällt es mir nicht leicht – ich war nie eine Sportskanone. Trotzdem merke ich immer wieder hinterher, wie gut mir die Bewegung tut. Wegen meines doofen Armes musste ich ja jetzt ein Weilchen aussetzen, aber ich bin festen Willens, am Montag wieder in Rücken-Fit zu gehen. Das tut mir und auch meiner Wirbelsäule gut.
    Ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Motivation!

    Viele liebe Grüße zum Wochenende,
    Kerstin

    • Es hat wenig etwas mit „Sportskanone“ sein zu tun, eher mit der Lust an der Bewegung. Da besonders Mädchen dafür gelobt werden, wenn sie brav und ruhig sind, bewegen sie sich irgendwann zu wenig. 🙂 Und haben auch keinen Spaß mehr daran. Mädchen möchte ja den anderen gefallen. Und so muss ich das jetzt irgendwie lernen… Oder so.
      viele liebe Grüße auch zu Dir
      Sylvia

  2. Aber wenn du einmal deine Motivation zum Sport findest kannst du einfach nicht mehr aufhören. Es ist dann wie eine Sucht. Also lieber ruhig angehen oder du endest wie ich. 😀

    Sechs mal in der Woche beim Sport

      • Ich arbeite ja auch Vollzeit, man findet, wenn man den Willen hat, schon die Zeit. Leider konzentriert man sich, dann allerdings mehr auf den Sport, als auf den Rest der Welt.

        Aber trotzdem viel Erfolg bei deinem Versuch den Schweinehund zu besiegen. :p

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