Runter vom Sofa und ab zum Sport #5

Es gibt – wie überall im Leben – auch zwischen mir und Kerstin Missverständnisse. Sie dachte, wir hätten uns am Donnerstag verabredet, während ich auf Freitag gebucht war.Also wartete Kerstin am Donnerstag vergeblich auf mich und schickte mir am Abend eine Mail: Ob mir etwas passiert sei?

Nein, ich saß quietschvergnügt zu Hause und freute mich auf das Training am Freitag.

Damit nun mein Training für diese Woche aufgrund des Missverständnisses nicht ganz ins Wasser fiel, schlug Kerstin vor, ich solle mich doch am Freitag den beiden Frauen anschließen, die mit ihr im Kellerwald Forchheim trainierten. Nun, warum nicht. Ich mache schließlich auch ganz gerne mal ein Schwätzchen.

Also fuhr ich am Freitag zum Kellerwald, parkte mein Auto und wartete auf Kerstin und die anderen beiden Frauen. Als Überraschung kam auch Sabrina Friedrich mit, die eine der Frauen begleitet und darüber im Fränkischen Tag berichten will. Das ist lustig: Während wir uns zu viert warmlaufen, flitzt Sabrina nach vorne und wieder zurück, hin und her, damit sie ein passendes Fotos schießen kann. Immerhin sind wir ja in Bewegung und dehnen uns mit den inzwischen einigermaßen gut bekannten Übungen. Äh. Zwar kenne ich die Übungen, bin aber trotzdem durch das Fotografieren abgelenkt: Wer steif und ungelenk ist, macht auch auf Fotos keinen entspannten Eindruck. Also passe ich auf, dass ich nicht in die „Foto-Schusslinie“ von Sabrina gerate, merke aber auch, dass ich mich dann nicht mehr gut auf die Übung konzentrieren kann.

Da die beiden anderen Frauen lieber walken, habe ich die Wahl und gehe entweder selbst mit schnellen Schritten oder jogge zwischendrin ein wenig. Die Geschwindigkeit ist bei beiden Fortbewegungsarten im Prinzip gleich. Weil wir zwar schnell genug unterwegs sind, dass wir ordentlich ins Schwitzen, aber nicht außer Puste kommen, können wir ein bisschen schwätzen. Sabrina zieht gelegentlich ihren kleinen Block aus der Tasche und notiert sich irgendetwas. Das würde ich wahrscheinlich ähnlich machen, wenn ich den Auftrag hätte, für die Zeitung zu berichten. So ist das lustig: Sie beobachtet eine der Frauen, ich beobachte sie bei ihrer Arbeit.

Die Strecke im Kellerwald ist neu für mich. Es geht – im Gegensatz zur Sportinsel – nicht immer nur gerade und eben, sondern hin und wieder bergauf und bergab. Das macht das Joggen nicht einfacher, ich habe gerade bergauf ganz schön zu kämpfen. Da bin ich froh, wenn ich hinter den anderen hinterherzockeln kann. Für das Krafttraining unterwegs stehen wieder genügend natürliche Sportgeräte im Wald: Wir nutzen ein Geländer über einem Bächlein für Liegestütze, den Baumstamm für Drehungen und die Bank für eine Übung, bei der wir unsere Hände auf der Sitzfläche aufstützen, mit dem Rücken zur Bank und dann auf diese Weise mit dem Po fast auf die Erde dippen und uns wieder hochdrücken. Für die Kniebeugen und die Standwaage brauchen wir gar nichts weiter. Das geht einfach so.

Sport mit anderen gemeinsam zu machen, kann durchaus sehr vergnüglich sein, stelle ich erstaunt fest. Wir kichern, schwätzen – und ich merke, dass ich dabei die Übungen etwas vernachlässige: Ganz wie früher im Sportunterricht. Kerstin achtet allerdings auf uns, korrigiert, ermahnt, aber sie benimmt sich glücklicherweise nicht so, wie ich meine Sportlehrer aus der Schule noch in immer noch unguter Erinnerung habe. Diese verwechselten anscheinend den Sportplatz mit dem Kasernenhof, jedenfalls glaubten sie wohl, dass sie unsere Motivation als Schüler mit ihrer Brüllerei anfeuern würden.

Selbst die Forscher wissen längst, dass sich durch eine Motivation von außen wie einen brüllenden Sportlehrer oder demotivierende Sportlehrerin – nur Dinge gemacht werden, zu denen kein Schüler Lust hat. In der Schule macht Sport eben keinen Spaß: Dort gibt es Noten, dort geht es nicht um Spaß, sondern um den Vergleich mit anderen und mit den Vorgaben, aus denen sich die Noten ergeben. Wer da nicht spitzenmäßig drauf ist, kann da auch keinen Spaß entwickeln. Während sich kleine Kinder noch mit einer Lust an Bewegung auspowern, wird ihnen spätestens mit dem Beginn der Schulzeit diese Freude genommen. Deswegen komme ich mir eben auch blöd vor, wenn ich eine Standwaage mache, weil ich weiß: Das kann gar nicht elegant aussehen. Aber Kerstin macht mich eben nicht zur Schnecke, sondern weist nur kurz darauf hin, worauf ich achten soll. So fängt Sport überhaupt an, Spaß zu machen. Auch wenn ich immer noch hübsch darauf achte, dass mich keiner sieht, wenn ich meine Übungen alleine mache.

2 Gedanken zu „Runter vom Sofa und ab zum Sport #5

  1. Liebe Sylvia,

    ich finde es beeindruckend, mit welchem Ehrgeiz Du zum Sport gehst, toll! Ich selber muss mich leider immer zu meinem Kurs ins Fitnessstudio treten. Allerdings freue ich mich hinterher über mich selber, dass ich was geleistet habe. 😉

    Liebe Grüße zu Dir von Kerstin

    • Liebe Kerstin,
      in diesem Fall habe ich ja zwei Motivatoren: Zum einen den Termin mit der persönlichen Trainerin – und zum anderen, weil dieser Text ja auch im Fränkischen Tag erscheint 😉
      Das reicht durchaus, um den Schweinehund Max zu überlisten. Ich hab ja einen Termin, und Termine nimmt er ernst.
      viele liebe Grüße auch zu Dir
      Sylvia

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