Vom Himmel hoch auf den harten Boden der Realität

Tja. Repräsentative Möbel sind nicht immer solide Möbel. Manchmal sehen sie auch nur so aus, sind schöne Hüllen ohne viel Substanz. In diesem Fall war es das Bett des Mitreisenden, das sich ohne länger Vorankündigung einfach zu einer Änderung seines Daseins entschloss, und den Lattenrost samt Matratze und Mitreisenden schnöde auf den Boden des Zimmers fallen ließ.

Cordoba

Cordoba. Das Bett.

Zur Ehrenrettung des Bettes ist zu sagen: Es war wirklich tapfer. Aber vier zentimeterdünne Bretter, die den Rahmen bildeten, trugen sowohl Lattenrost, als auch Matratze auf vier kleinen Holzklötzchen, eines in jeder Ecke, die jeweils mit drei kleinen Nägelchen im Brett befestigt waren. Dass die Nägelchen irgendwann einfach aus dem Holz rutschten, das erforderte noch nicht einmal viel Gewicht, sondern war eher der immer wieder erneuten Belastung geschuldet, so im Laufe der Zeit.

Jetzt war die Beichte fällig. Der Mitreisende nahm das Klötzchen in die Hand und wagte tapfer den Gang in das Wohnzimmer, vor den Sessel der Vermieterin. Diese kam denn zur Inspektion, nun stand sie, die Arme über der Brust verschränkt, immer noch im gleichen gelben Kittel, in dem sie uns begrüßt hatte, sagte immer wieder den gleichen spanischen Satz, den weder ich noch der Mitreisende verstanden, schaute mit einem Gesichtsausdruck, den ich zwischen vorwurfsvoll und verzweifelt verorten würde. Aber schlussendlich weiß ich nichts über sie und ihre Situation, doch so ein kaputtes Bett ist nun mal eher unerfreulich. Zum Glück für den Mitreisenden stand noch ein weiteres Bett im Zimmer für die letzte Nacht in Cordoba.

Am nächsten Morgen fuhr dann der Bus und wir gingen, während die Wirtin noch fest schlief und schnarchte, frühstückten im Straßencafe, fanden den Busbahnhof trotz einer falsch eingeschlagenen Richtung, schließlich war ja genügend Zeit, vorsichtshalber. Auf den letzten Pfiff gehe ich nur dann los, wenn ich den Weg besser kenne, als meine linke Hosentasche.

Malaga.

Busfahrt von Cordoba nach Malaga.

Die drei Stunden Busfahrt von Cordoba nach Granada saß ich vorne auf meinem Lieblingsplatz, von dem ich nicht nur Blick nach rechts durchs Fenster, sondern auch noch Blick nach vorne hatte.

Malaga.

Busfahrt von Cordoba nach Malaga.

Der Bus fuhr immer wieder von der Autobahn ab, und irgendwelche Orte an, es stiegen weitere Mitfahrer zu und ich konnte einfach kilometerweite Olivenplantagen und die Berge begucken, auch wenn der Mitfahrer immer mal versucht hat, mit mir zu reden. Es ging über den Guadalmedina, dessen Flussbett unter der Straße mäanderte, immer wieder von Schildern angekündigt – aber da war kein Wasser, da waren nur trockene Steine zu sehen.

Malaga.

Busfahrt von Cordoba nach Malaga.

Die Unterkunft in Granada war nicht weit vom Bahnhof entfernt, wir kamen ein wenig zu früh. Das Zimmer: Ein Traum für, ja für wen? Wände in hellem Lila, Vorhänge in Schwarz und ein dunkler Marmorboden. Der Deckenventilator reicht fast bis an die Wände und ist in Natograu, der Spiegelschrank sorgt dafür, dass das Zimmer wenigstens optisch ein wenig größer ist. Der Mitreisende hat netterweise die Bettseite übernommen, für die er an der Wand und unter den Regalbrettern entlangschleichen muss. Mal sehen, auf wie viele Blessuren er in dieser Woche kommt. Das Schönste ist aber, das wir auch in dieser Wohnung nicht alleine sind. Das wollten wir ja auch so, reisen und Kontakt zu Einheimischen bekommen. Hier wohnt also ein sehr dicker junger Spanier in einem Zimmer, voll mit Pappschachteln und einem großen Computer, der entweder spielt oder auf Russisch skypt. In den zwei Stunden, die ich mich hier erholt habe, war er schon fünf Mal in der Küche. Das wird spannend. Ich werde weiter berichten…

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.