Wenn Bücher wie Blätter an Bäumen hängen

Gut, nicht immer hängen sie an Bäumen. Manchmal liegen sie auch auf Parkbänken herum, klemmen in Astgabeln oder warten auf einem Mäuerchen: Bücher, mit einem kleinen Aufkleber versehen, auf dem ein kleines laufendes Buch zu sehen ist. Das heißt: Diese Bücher fristen ihr Bücherleben nicht mehr in einer vollgestopften Regalwand, sondern gehen auf Reisen.
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Kurz bevor ich nach Franken zog, überlegte ich, was zum Kuckuck, soll ich mit den vielen Büchern machen, die ich habe? Denn von einigen wusste ich genau: Die lese ich kein zweites Mal. Doch wegwerfen? Das ging irgendwie gar nicht. Nur: Wie finde ich jemanden, der sie gerne haben möchte? So habe ich einige Bücher einfach an Bekannte und Freunde verschenkt, also an Menschen, von denen ich wusste, was sie gerne lesen und wählte die Bücher entsprechend aus. Doch diese Art der Buchreduzierung dauerte mir zu lange. Außerdem wusste ich nicht genau, ob diejenigen, die meine vollen Büchertaschen bekamen, wirklich so erfreut darüber waren.
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Was auch immer. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, alles auf einen Haufen zu werfen und ihn anzuzünden. Aber da sei das Gespenst der Bücherverbrennung vor. Aber wo eine Not ist, ist oft Rettung nicht weit. In diesem Fall hieß die Rettung: Bookcrossing. Das ist ein – quasi virtueller – Buchtauschclub: Ich habe mich registriert, ganz kostenlos, und  die Bücher, die ich loswerden wollte, auch. Ein weiterer Vorteil war, dass ich auf diese Weise gleich richtige Menschen kennen lernte, die dort wohnten, wo ich erst hinziehen wollte.
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Inzwischen treffen wir uns, mal regelmäßig, mal ab und zu. Kürzlich war ein solches Treffen in Hof, eine gute Gelegenheit also, Hof anzugucken, auch wenn es dort nicht viel gibt. Wer jemals irgendwo, in einer Kneipe, einem Cafe oder einem anderen öffentlichen Ort, an dem es normalerweise etwas zu Essen und zu trinken gibt, viele Menschen um einen Tisch herum sitzen sieht, die vor lauter Bücherstapeln nicht wissen, wo sie ihre Teller hinstellen sollen, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass hier Bookcrosser sitzen.
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Ich finde das toll: Ich kriege immer wieder neuen Lesestoff, aber der muss nicht bei mir bleiben. Er wandert weiter. Und ich brauche somit nicht immer mehr Regale, sondern eher weniger. Außerdem erfahre ich, wo das Buch jetzt ist, wer es liest, wohin es weiter reist. Schön ist das. Ich teile meine Bücher, ich schicke sie auf Reisen, ich kann meine Nase in viele Bücher stecken, in die ich sonst vielleicht nicht gucken würde. Das gemeinsame Interesse ist: Lesen. Was auch immer.
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Und überhaupt: So lassen sich die Dinge vereinfachen. Und reduzieren. Auf das Wesentliche. Guckt es euch einfach mal an: Bookcrossing.

2 Gedanken zu „Wenn Bücher wie Blätter an Bäumen hängen

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