Wieder zu Hause

Rindvieh

Rindvieh: Sagt mal, habt Ihr noch nie einen Fußgänger gesehen?

Ich habe mein Auto aus der Werkstatt geholt. Das hieß: Mit dem Bus von einer Kreisstadt in die nächste Kreisstadt fahren, warten, in den Bus steigen, der dem Zielort am nächsten kommt, dort aussteigen. Die letzten drei Kilometer lief ich einfach zu Fuß, da hier nur zweimal am Tag ein Schulbus fährt und dieser für heute bereits durch war. Macht ja nichts. Als ich bereits eine Weile unterwegs war, fiel mir ein, dass es ja so hundert Meter weiter links einen Wanderweg ganz ohne Verkehr gegeben hätte, aber ich hatte keine Lust, wieder zurück zu laufen. Erst ging ich ganz vorschriftswidrig auf dem rechten Rand der Fahrbahn, weil hier einfach mehr Platz war, einen Kilometer später wechselte ich doch lieber die Seite. Die Kühe auf der Weide standen extra auf, als ich an ihnen vorbei lief, damit sie besser gucken konnten. Die hatten wahrscheinlich noch nie einen Fußgänger gesehen.

Die Autofahrer machten einen Bogen um mich, obwohl ich ziemlich weit auf dem Seitenstreifen der Landstraße unterwegs bin, nur der 7,5-Tonner einer Spedition donnerte dicht an mir vorbei und verließ seine Fahrspur keinen einzigen Millimeter. Da blieb ich lieber stehen und wartete, bis er vorbei war, bevor ich weiter ging.

Am Ortseingang kam mir ein Mann mit Rucksack entgegen, fragte nach dem Elisabethweg. Da schon ein paar Jahre vergangen sind, seit ich ihn gelaufen bin, musste ich etwas überlegen, ob der jetzt wirklich hier lang führt, oder ob sich der Pilger irgendwo ein wenig verirrt hat. Aber so lange wollte er nicht warten und flitzte weiter. An der Werkstatt hing ein Zettel: „Bin gleich wieder da“. Also habe ich mich auf die Bank an der Bushaltestelle gesetzt, dort war es sonnig, und habe ein Buch aus der Tasche gekramt. Da kam der Pilger wieder des Wegs und wollte wissen, wann der Bus fährt. Aber meine Antwort, dass heute keiner mehr in seine gewünschte Richtung fährt, wartete er nicht ab, entgegnete, ach, das wissen Sie auch nicht, und trollte sich wieder. Ich dachte ja immer, beim Pilgern hätte man ein wenig Zeit. Da habe ich wohl wieder etwas falsch verstanden. Nun denn.

Mit dem Auto darf ich jetzt wieder zwei Jahre unbesorgt fahren. Das ist schön.

Ich fuhr zurück zum Haus der Eltern, kaufte unterwegs noch Lammbratwürstchen, die ich in Franken nicht kriege, dann packten wir alles ins Auto und wollten nach Hause. Bis Gotha ging es gut, dann schickte uns eine Umleitung quer durch die Pampa. Mag ja sein, dass die Gegend nett ist, aber nicht, wenn ich langsam müde werde, Durst habe und einfach nach Hause will. Gegen den Durst war im Auto ein Bier, das hab ich dann beim Fahren Schluck für Schluck getrunken, der Mitreisende bekam vor lauter Lachen einen Schluckauf und bot an, die restliche Strecke zu fahren. Nix da.

2 Gedanken zu „Wieder zu Hause

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