Alles für die Katz #65

Ein großes Kätzchen.

Im Sommer unternahmen wir mit den Eltern einen Ausflug zu einem kleinen Tiergarten. Selbstverständlich war das Gelände, in dem dieses Kätzchen lag, gut umzäunt. Wirklich entspannt sah der Gepard jedoch nicht aus, ob es an den in weiter Ferne vorbeiflanierenden Besuchern lag, oder an der möglicherweise herannahenden Futterzeit, das weiß ich nicht.

alles_fuer_die_katz_logo_120x120Wer sich gerne am Projekt “Alles für die Katz” beteiligen möchte, kann das an jedem 1. und 15. des Monats machen.

Einfach den eigenen Beitrag im Kommentar verlinken: Und schon freuen sich alle Katzenfans über schöne Bilder. Das von Kerstin gestaltete Logo darf sich auch jeder mitnehmen und verwenden, der bei “Alles für die Katz” dabei ist. Klickt euch durch die Galerie der Katzen, streichelt ihnen über den Kopf, lasst euch auch einmal anfauchen – und sagt einfach denen, die sie fotografiert haben, wie schön ihre Katzen sind.

12 Bilder vom 12. September

Heute ist ein Tag der Gerüche: In der Küche duften die Pflaumen im Backofen, während sie langsam zu Pflaumenmus einkochen. Ich setze einen Topf mit Brokkoli auf und denke erst wieder an ihn, als es schon verbrannt riecht. In der Speisekammer finde ich eine matschige Kartoffel, die mich etwas an faulen Fisch erinnert. Das lässt sich alles nicht so wirklich bebildern.

Dafür twittere ich seit Anfang September jeden Tag ein Bild unter dem Hashtag #SepteMeer und beteilige mich an der #Bingecreating-Challenge von Kiki Thaerigen.

Zwar habe ich es noch nicht geschafft, selbst Stift, Pinsel und Papier zu bemalen, doch noch sind einige Septembertage übrig. Ich zeige dafür die zwölf Bilder, die ich bis heute zusammengekramt habe:

 

Alle anderen Bilder gibt es wie immer bei „Draußen nur Kännchen“ zu sehen.

Wir betonieren unser Land. Nicht.

Torfrock plante vor Jahren:

Wir unterkellern Schleswig-Holstein

Ob die geahnt haben, wie es kommen wird?

Inzwischen werden allein in Bayern jeden Tag 18 Fußballfelder zubetoniert, gepflastert, geteert oder überbaut. Jährlich sind das 44,7 Quadratkilometer, das ist ein kleines bisschen größer als das Stadtgebiet von Forchheim.

Im Sekundentakt wurden große Pappen ausgelegt.

Deswegen gab es am Samstag in der dortigen Fußgängerzone eine kleine gemeinsame Aktion der Grünen und dem BUND Naturschutz: Während ein Helfer laut auf einem Gong den Takt schlug, legten andere Helfer große Pappen in der Fußgängerzone aus.

Hier lagen alle Pappen

Auf den ersten Blick sieht ja die von den Pappen bedeckte Fläche gar nicht so groß aus. Aber das ist nur die Fläche, die in einer einzigen Minute von Beton, Pflaster oder Gebäuden bedeckt wird und anschließend für immer darunter vergraben ist. Die Hälfte des versiegelten Bodens wird für neue Straßen und Parkplätze gebraucht, die andere Hälfte für Einkaufszentren, Verteilzentren, Gewerbegebiete und Wohngebiete für Einfamilienhäuser.

Was es für eine Region und eine Stadt bedeuten kann, wenn der Boden versiegelt ist und kein Wasser mehr aufnehmen kann, das hat Houston in den vergangenen Tagen erfahren.

Der kleine Spot: „Lass uns mal über den Boden reden, zeigt recht deutlich, wie wertvoll unser Boden ist.

Claudia Roth in Forchheim

Es ist Wahlkampf: Überall hängen die Plakate der Parteien an den Laternenpfosten, es gibt Wahlkampf an Haustüren, Podiumsdiskussionen und viele andere Veranstaltungen, auf denen nicht nur die Kandidaten auftreten, die sich im jeweiligen Wahlkreis um ein Mandat im Bundestag bewerben, sondern selbst Spitzenkandidaten und Politiker zu sehen sind, die sonst nur über die Mattscheibe des Fernsehens ins heimische Wohnzimmer flimmern.

Am Donnerstag Abend kam Claudia Roth in die kleine Stadt. Bevor die Veranstaltung auf dem Marktplatz begann, stellten die Helfer viele Bänke rund um den Stehtisch, der vor dem Rathaus aufgebaut war: Hier sollte die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages die Fragen der Bürger beantworten, gemeinsam mit Lisa Badum, Direktkandidatin des Landkreises. Und die Gäste sollten direkt drumherum sitzen, ganz nah, so dass sie auch wirklich ihre Fragen stellen konnten.

Doch zuvor galt es, die Menschen zu informieren: Da keiner ganz sicher war, ob die Veranstaltung auch wirklich in den Zeitungen angekündigt war, stellte Lisa mit ihren Helfern ein Plakat in der Fußgängerzone auf

Claudia Roth ist hier, sagt das Plakat.

und malte viele Pfeile auf das Kopfsteinpflaster, die alle zum Rathausplatz zeigten.

Lisa malt Pfeile aufs Straßenpflaster.

Doch die Befürchtung, dass keine Zuschauer kämen, erfüllte sich nicht. Es kamen rund 150 Menschen zum Rathausplatz, setzten sich oder standen und hörten gut anderthalb Stunden zu, welche Antworten Claudia Roth auf die Fragen hiesigen Bevölkerung hatte.

Lisa und Claudia vor dem Rathaus.

Die Stimmung war recht vergnügt, nur einmal kam jemand vorbei und rief „Buh!“, wurde jedoch gleich aufgefordert, sich doch bitte an der Diskussion zu beteiligen, statt nur aus der Ferne buh zu rufen.

Altersarmut, Alleinerziehende, Überdüngung, Kindertagesstätten, bedingungsloses Grundeinkommen, menschenwürdige Pflege, Glyphosat, Elektromobilität: Die Menschen hatten viele Fragen zu vielen Themen. Claudia Roth antwortete – und nutzte keine Floskeln dabei. Sie erklärte, warum sie bestimmte Ansichten zu den einzelnen Themen vertritt und wirkte dabei sehr sicher.

Als ein Erstwähler fragte, warum er denn die Grünen wählen sollte, antwortete sie: „Weil die erste Liebe die Wichtigste ist!“: In welchem Land sie leben wollen, sollten sich die Menschen vor der Wahl gut überlegen.

Mag sein, dass die Zahl von rund 150 Menschen nicht groß erscheint. Dafür war Claudia Roth aber dicht an den Menschen. Und, mal ehrlich: Mit wie vielen Menschen lässt sich wohl gleichzeitig ein Gespräch führen? Sicher nicht, wenn es Tausende sind.

Tagebuchbloggen am 5. September

Es ist ruhig im Haus, ich könnte noch schlafen. Das dauert der kleinen Katze zu lang, sie hilft nach und fordert lautstark ihr Futter ein. Da es das erst gibt, wenn auch die aushäusige Mieze anwesend ist, muss Kleinkatz warten. Madame ist nämlich ein kleines Fressmaschinchen. Futter übrig lassen gilt nicht.

Kaffee ist schnell gemacht und damit ich mich nicht an der Zeitung festlesen kann, hat sich die Kleinkatz auf ihr ausgebreitet. Damit ich in Ruhe Kaffee trinken und mich der Zeitung widmen kann, ziehe ich die Jalousie der Balkontür hoch, lasse die zweite Katze ins Haus, fülle die Näpfe mit Futter und stelle sie vor die beiden Tiere, die sich so gierig darauf stürzen, als wären sie andernfalls verhungert.

Mein Vater ruft an, will so früh am Morgen wissen, ob sich denn Kleinkatz und Großkatz bereits aneinander gewöhnt hätten, freut sich, weil er hört, dass sie miteinander kuscheln und sich gegenseitig putzen. Alles ist gut.

Ich flitze ins Bad. Dort steht das Katzenklo. Zwei Katzen heißt auch: Es wird oft benutzt, gerade nach dem Fressen. Logisch: Oben rein – unten wieder raus. Damit die beiden recht zimperlichen Damen ihr Klo akzeptieren, muss ich es wie einen japanischen Zen-Garten pflegen, die Klumpen herausräumen und alles hübsch glatt harken. Andernfalls wird die Schüssel unter der Spüle als Katzenklo missbraucht, doch das ist mir noch lieber als ein Kissen oder die frisch gewaschene Wäsche im Korb.

Beide Katzen auf einem Stuhl.

Ja, das eine oder andere Wort schreibe ich.

Der Mitbewohner kümmert sich in der Zwischenzeit um das Mittagessen: Es gibt gebratene Stallhasenkeulen. Diese werden erst in der Pfanne angebraten, dann im Backofen geschmort. Die Pfanne bleibt auf dem Herd stehen und wird von der Katze entdeckt. Die Katz versucht mit ihrer Reibeisenzunge, etwas von der angebrannten Kruste abzuraspeln, gibt irgendwann auf, weil sich die Ausbeute nicht lohnt.

Heute sind beide Katzen außerordentlich kuschelbedürftig: Kaum setze ich mich, kommt erst eine, kurz danach die zweite an. Beide lassen sich auf mir nieder. Allerdings hat Kleinkatz noch nicht die Ruhe der großen Katz, trappelt, zappelt, fällt nach unten und rappelt sich wieder auf. Sie liebt es, Stifte aus dem Becher zu mopsen und diese mit Pfötchen und Schnäuzchen durch die Wohnung zu bugsieren. Selbst der Nähkorb ist nicht sicher vor den kleinen Pfötchen, die Garnrollen sind einfach zu attraktiv.

Wird es der großen Katz zu viel, tatzt sie nach der Kleinen und putzt ihr auf solch ruppige Weise die Öhrchen, dass jedem klar ist: Jetzt reichts. Nun benimm dich!

Nach dem Mittagessen ruht sich der Mitbewohner aus, ich schreibe noch ein bisschen unter erschwerten Bedingungen: Jetzt liegt die große Katze zwischen Monitor und Tastatur, wenn sie sich räkelt, tippt sie mit. Tja. Das führt zu seltsamen Buchstabenkombinationen im Text. Glücklicherweise kann ichs ja löschen.

Einen Tee, fünf Katzenstreicheleinheiten und drei aufgesammelte und wieder angebappte Kühlschrankmagnete später bin ich fertig. Selbstverständlich habe ich in der Zwischenzeit bestimmt sieben Mal den Katzenklo-Zengarten wieder glattgeharkt, selbstredend nicht ohne vorherige Ausgrabungen. Jetzt ist noch Zeit, den Mitbewohner im Keller zu besuchen, sämtliche geleistete Arbeiten in Augenschein zu nehmen. Wir besprechen, was noch erledigt werden muss, bevor, ja, nein, das wird noch nicht verraten.

Ich sammel noch alles vom Fußboden auf, was die kleine Katze dorthin verfrachtet hat, bügele noch eine Runde, dann muss ich zur Gemeinderatssitzung.

Wenn ich heute wiederkomme, gibt es Federweißer. Das hab ich mir dann auch verdient.

Ergänzt, weil vergessen: Hier, bei Frau Brüllen gibt es sämtliche anderen Tagebucheinträge.

Der alte Laden

Während früher ein Laden klein sein konnte, es dort Mehl und Zucker, Butter, Milch, Eier, Sauerkraut und Kartoffeln gab, sind moderne Läden so groß, dass in ihnen Fußballfelder Platz hätten. Dafür muss ich manchmal lange suchen, bis ich das finde, was ich brauche. Hefe, Streichhölzer und Leinsamen sind zwischen den vielen anderen Dingen gut versteckt. Wer braucht das ganze Zeug eigentlich? Wird das jemals gegessen?

Der kleine Konsum in Schwarz-Weiß.

Den alten Konsum sah ich in Görlitz: Hier ging es sicher zur einen Tür hinein – und zur anderen wieder hinaus. Einbahnstraßenkonsum. Heute sind die Fenster verbrettert, innen dürften Mäuse huschen und Spinnen ihre Netze weben. Die guten Tage sind vorbei und wer weiß, was diesem kleinen Laden noch so blühen mag?

Ein alter Konsum. Hier ging das Einkaufen fix.

 

Ein Supermarkt ist mir dagegen immer zu viel, es gibt dort einfach zu viel. Ich stehe vor den vollen Regalen und frage mich: Wer kommt auf die Idee, nicht einfach Müsli, sondern meterweise Müsli, nicht einfach Milch, sondern meterweise Milch immer weiter zu differenzieren und anzubieten, in so vielen Variationen, dass die einfache Milch in der Flasche, die ohne irgendeine Extra-Behandlung abgefüllt wurde, fast nicht mehr sichtbar ist.

Verbunden mit: Cubus Regio, der marode Schönheiten sucht, mit Kirsi, die vergangene Dinge schätzt.

Verbunden mit: Czoczo, der einmal im Monat ein schwarz-weißes Bild sehen möchte.

Und wer noch mehr von Görlitz sehen möchte, hier entlang bitte.

Rostige Angeln zur #Rostparade

Heute hatte die Lieblingshausziege ihren letzten Ferientag, da sie morgen, zum 1. September, in Nürnberg ihre Ausbildung beginnt. Wir haben den Tag genutzt und eine Freundin von ihr besucht, die gerade in der Falknerei von Schloss Schillingsfürst ein Praktikum macht. Zwar fiel die Flugshow leider aus, die Vögel waren schon ganz nass, trotzdem war es interessant. Wir haben zugeguckt, wie die Vögel gefüttert wurden, ich war bei einer kurzen Schlossführung dabei, anschließend haben wir noch eine Kleinigkeit gegessen und sind wieder nach Hause gefahren. Selbstverständlich saß die Lieblingshausziege am Steuer – und ich wies als aufmerksame Beifahrerin den Weg.

Auf dem Rückweg grinste uns in Ipsheim ein Schild an, auf dem „Federweißer“ stand, klar, dass wir dort hielten, probierten und einen kleinen Kanister kauften. Jetzt ist immerhin fast Wochenende.

Selbstverständlich habe ich auch etwas Rost gefunden. Schließlich ist das zwar ein Schloss, doch es steht ja schon einige Jahre.

 

 

 

 

Verbunden mit: Frau Tonaris Rostparade. 

 

Das aktuelle Podium: Hass

Poetenfest in Erlangen

Im vergnügt-verspielt-barocken Schlosstheater warteten fünf schwarze Stühle auf einem fünffüßigen Metallgestell auf der Bühne, neben jedem von ihnen ein grauer Quader mit weißem, gefaltetem, aufgestellten Namensschild.

Florian Felix Weyh moderierte die Diskussion, an der sich Seyran Ateş, Florian Goldberg, Susanne Koelbl und Falk Richter beteiligten. Wir sitzen hoch oben im zweiten Rang und haben einen guten Überblick auf das überwiegend grau- und weißhaarige Publikum, das gut gekleidet auf den Beginn der Veranstaltung wartet und erwartungsvoll murmelt.

Eine Diskussion über Hass. Wo wir doch alle immer so friedlich sind, so friedfertig, immer gut, zu uns, zu den Nachbarn, zu den Nächsten, jedenfalls dann, wenn sie nicht stören, wenn sie nichts fordern, wenn sie nichts wollen, was wir nicht freiwillig geben würden.

Auf der Bühne sitzen Menschen, die in unterschiedlicher Weise selbst Hass erlebt haben, Hass gegen sich. Es sitzt keiner dort, der seine Aggression und seinen Hass auslebt, vermutlich, weil sich solche Menschen vermutlich nicht auf eine Bühne setzen und darüber reflektiert reden würden. In den kleinen Separees rechts und links von der Bühne mustern zwei sehr aufmerksame Herren das Publikum, schauen über graubeschopfte Köpfe, weisen Fotografen auch mal zwei Meter zurück, wenn sie der Bühne zu nahe kommen. Hinten in den Kulissen sitzen ebenfalls Menschen: Ja, Seyran Ateş steht unter Personenschutz. So stark ist der Ärger der Männer über die türkische Anwältin und Gründerin einer Moschee, die einfach nur als Frau gleichberechtigt leben möchte, dass sie von ihnen bedroht wird.

Die vier berichten über den Hass, den sie aus unterschiedlichsten Gründen erlebt hatten: Seyran Ateş, weil sie sich für die Gleichberechtigung von Frauen einsetzt, Falk Richter, weil er ein Theaterstück inszeniert hat, Florian Goldberg, weil er eine Kolumne geschrieben und darin nachgedacht hatte, was die männliche eruptive Gewalt eigentlich mit den Männern an sich zu tun hat, Susanne Koelbl, weil sie immer wieder in Ländern unterwegs war, in denen Attentäter heranwachsen, ja, gezüchtet werden und darüber schreibt. Keiner ist selbst gewalttätig, aber immer wieder Zielscheibe von Hass.

Die Anlage zum Hass ist in uns allen, er ist ein Teil von uns als Menschen. Werden Menschen nicht gesehen, nicht gehört und nicht wahrgenommen, kann der Zorn aufbrechen. Wer allerdings die nötige Zuwendung leisten kann, damit Menschen nicht gewissermaßen aus dem Orbit fallen, das ist nicht so klar. Sozialarbeiter mit ihrer funktionalen Hinwendung können das nicht leisten. Das geht uns irgendwie alle an. Auch für die Integration der Flüchtlinge reicht es nicht aus, sie lediglich mit Essen und Kleidung zu versorgen.

Erinnert sich jemand noch an die Experimente, die einst im 13. Jahrhundert auf Geheiß Kaiser Friedrich II. durchgeführt wurden? Er wollte herausfinden, welche Sprache Kinder ursprünglich sprechen, wenn nicht mit ihnen gesprochen wird. Doch die Säuglinge starben, obwohl sie satt und sauber waren. Ohne Lächeln und Worte konnten sie nicht leben.

Und wir? Kommunizieren miteinander. Mit Hilfe elektronischer Medien. Ja, sicher, sie sind unglaublich gut und praktisch. Trotzdem sollten wir gelegentlich miteinander reden. So ganz altmodisch gegenüber sitzend und schauen, wohin die Gedanken mäandern.