Was übrig bleibt

Archäologische Funde in einem Museum

Die Überreste der Nekropole von Salamis

Der heilige Barnabas.

Eine Kirche aus der Zeit der Venezianer in Famagusta

Römische Ruinen von Salamis

Was wohl einst von uns bleiben mag, so nach fünfhundert oder noch mehr Jahren? Nicht viel.

Skurriles in Zypern

Der heilige Andreas war hier. Er kam auf einem Schiff nach Nordzypern, ließ anlegen, klopfte mit dem Stock auf einen Fels und – siehe da: Es sprudelte heilkräftiges Wasser heraus. Er wusch damit dem einäugigen Steuermann des Schiffes die Augen aus (er war auf einem Auge blind) und – noch einmal siehe da: Er konnte wieder auf beiden Augen sehen. Und so flitzten alle Reisenden nach unten zur tröpfelnden Quelle, wuschen Gesicht und Knie, füllten gar das heilkräftige Wasser in ein Fläschchen ab.

Das soll heilkräftiges Wasser sein. War es jedenfalls, der Sage nach, so vor rund 2000 Jahren.

Auf Nordzypern laufen wilde Esel herum und ärgern die Landwirte. Also wurden die Esel in ein Naturschutzgebiet gesperrt und werden – sie haben ja immer noch Hunger – von den Touristen gefüttert. Das hat gleich dreierlei Vorteile: Die Esel sind so satt, dass sie nicht mehr an den Feldfrüchten der Bauern naschen, die Bauern können die Möhren zu einem wahrhaft güldenen Preis an die Touristen verkaufen und die Touris kurbeln die örtliche Wirtschaft an. Man hat ja sonst nichts.

Nordzypriotischer Wildesel. Er streckt nicht etwa die Zunge heraus, sondern knabbert an einer Möhre

So ein Bett ist schon eine haltbare Angelegenheit, wenn es denn aus Metall geschmiedet und mit Brettern belegt ist. Eines sahen wir im Geäst eines Baumes. Das habe der Hirt dort oben befestigt, damit er seine Herde bequemer im bl

 

Nikosia: die geteilte Stadt

Eine Friedenstaube kurz vor dem Grenzübergang von der griechischen auf die türkische Seite Nikosias

Heute waren wir in Nikosia unterwegs, erst auf der türkischen, dann auf der griechischen Seite.

Nicht parken. Schon klar. Ich nehme mal an, es ist der Besitzer des Plätzchens. Oder?

Jihad an then she hadn’t. Auch hier: alles klar 🙂

Blick von der griechischen auf die türkische Seite Nikosias. Das Land dazwischen: Wüstes Niemandsland.

Es gibt so Dinge, die lassen sich nur mit dem richtigen Kraut ertragen.

 

Nicht jeder Schirm ist ein Rettungsschirm: Über einer Gasse im türkischen Teil der Stadt.

Türkische Nikosianer über ihre Handys gebeugt.

 

 

#Mein Tag ohne mich

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade „Ein Tag ohne mich“ von #femnetz. Hashtag ist #MeinTagohnemich

Würde ich am Internationalen Frauentag, also heute, meine Arbeit verweigern und im Bett liegen bleiben, würde nichts passieren. Ich arbeite freiberuflich, muss aber für heute keinen Text fertig schreiben. Da das jüngste Kind schon groß ist, kann es sich selbst versorgen, auch die Wäsche mault nicht, wenn sie länger liegen bleibt.

Überhaupt sehe ich die Hausarbeit nicht als das an, was sich grundsätzlich nur von Frauen erledigen ließe. Ich kann Dinge gut liegen lassen und bestehe auch nicht darauf, dass es nur die eine Art gibt – nämlich meine – wie Dinge erledigt werden müssen. Das musste ich allerdings auch erst lernen. Der Mensch ist ja grundsätzlich nicht nur ein Gewohnheitstierchen, sondern auch eines, das viel durch Nachahmung lernt. Bekommt also ein Mädchen vorgelebt, dass die Mutter für alles sorgt, ja, was wird sie wohl lernen?

Wer hat eigentlich den Frauen beigebracht, dass sie für diese dämliche Hausarbeit allein zuständig sein sollen? Das kam doch nicht so von allein, so qua göttliche oder wie auch immer Eingebung? Nein, kam es nicht. Es war eine großangelegte Werbekampagne, die den Frauen erzählte, welche Aufgaben sie denn als Hausfrauen hätten, wie sie für Wäsche, Kinder und den aushäusig arbeitenden Ehemann zu sorgen hätten. Das alles geschah zu einer Zeit, an die wir uns nicht mehr erinnern können, weil keiner mehr lebt: So lange ist das her – und so sicher sitzt das. Dabei betraf das nur eine geringe Schicht an Frauen. Wer zu dieser Zeit einen Ehemann hatte, der in der Fabrik oder in einer Grube schuften musste, der hat mitgearbeitet, die Kinder ebenfalls in vielen Fällen. In der Autobiografie „Meine Jugend“ von Hans Marchwitza sind Skizzen aus dem Leben von Arbeiterfamilien zu lesen, bei denen schon die Kinder sehr jung mit unter Tage arbeiten mussten.

Was Frauen gelernt haben, das können sie aber auch wieder verlernen. Dafür müssen sie nur aufhören, dass sie selbst diejenigen sind, die wissen, wie alles geht. Kann schon sein, dass dann Wäsche anders gewaschen und vielleicht ungebügelt getragen wird. Na und? Aber dann müssen sie auch ertragen, dass der Mann vielleicht das Waschbecken ungeputzt lässt. Vielleicht lassen sie zum Ausgleich dafür die dreckigen Kaffeetassen stehen.

Aber was mir noch einfällt: Eigentlich sind ja die Männer zu bedauern. Die Männer, die in ihrem ganzen Leben nie geschafft haben, sich von der Mama zu lösen. Setzen sie sich, längst über 50 Jahre alt, auf die Eckbank in der elterlichen Küche, dann warten sie nur darauf, dass das Abendbrot aufgetischt wird – statt selbst zuzupacken. Die Männer, deren Mutter immer noch einmal im Monat vorbeikommt, ihnen das Bett frisch bezieht und den Boden putzt – statt selbst für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen.

Sicher, entlassen Mütter ihre Kinder in die Selbstständigkeit, haben sie keine Kontrolle mehr über diese. Dann wird womöglich die Schule geschwänzt, werden die Hausaufgaben vergessen und statt dessen lieber endlos gespielt. Ja und? Solange die Mütter die Verantwortung für ihre – irgendwann auch erwachsenen Kinder – übernehmen, können sich diese zurücklehnen. Und da der Mensch ein bequemes Tierchen ist, bleibt das auch so. Es sei denn, wir verweigern die Arbeit. Dann aber für immer.

Der Flur #Frapalywo

Ein Hausflur in einem alten Bauernhaus.

Der Flur:

Nicht mehr außen,

noch nicht innen

ist der Flur ein Lager

für sechs Jacken,

zwölf Paar Schuhe,

eine Rennmaus,

das Katzenklo,

drei Regenschirme,

den Korb mit leeren Flaschen.

Suche ich nach dem zweiten Handschuh,

finde ich die vertrockneten Träume aus dem Vorjahr.

Verbunden mit: Frau Paulchen – der Flur.

Tagebuchbloggen am 5. März

Ich bin einfach aufgestanden, habe meinen Kaffee getrunken, die Katze gefüttert, was ich eben jeden Morgen so mache, wenn ich munter bin. Seit es morgens nicht mehr so dunkel ist, fällt mir das auch deutlich leichter. Dann habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt, schließlich ist heute der Monatsfünfte und in diesem Fall Abgabetermin für den Fränkischen Krimipreis. Als ich neulich mit dem Zug von Wolfenbüttel zurück nach Forchheim fuhr, hatte ich genügend Zeit und Muße, eine kurze Geschichte mit Stift auf Papier zu notieren, habe es sogar geschafft, diese abzutippen, mit einigen von den Wortwerkern durchzusprechen, noch einmal zu ändern und so weiter. Jetzt ist sie abgeschickt, und, was soll ich sagen, es hat einfach Spaß gemacht, völlig egal, ob die Geschichte nun Anklang bei der Jury findet oder nicht. (Und ich habe gleich mal nach dem nächsten Wettbewerb geguckt, vielleicht fällt mir ja noch einmal irgendwelcher Unfug ein.)

Hasen auf dem Markt.

Während ich also schrieb und änderte, bis alles passte, war der Mitbewohner in der Küche völlig unbeaufsichtigt und ließ sogar irgendetwas anbrennen. Jedenfalls roch es gewaltig nach Kohlkohle. Wie auch immer. Wir aßen, anschließend habe ich noch ein paar Blaubeermuffins gebacken, die es dann zum Kaffee gab. Weil das Wetter schließlich besser als die Vorhersage war, wollten wir raus und gucken, ob wir irgendwo dem Frühling begegnen würden. In Forchheim angekommen, guckten wir verwundert, ob der Menschenmengen, die sich durch die Straßen schoben, aber als wir sahen, dass die Geschäfte offen hatten und überall Marktstände waren, wunderte uns nichts mehr. Fast alle waren in frisches Frühlingsschwarz gekleidet und wirkten tatsächlich so trist und traurig, als hätte der Winter erklärt, er würde von nun an bis in alle Ewigkeit bleiben.

Bunte Frühlingsblumen vor dem Blumenhändler.

Ich nutzte die Gelegenheit und nahm beim Buchhändler noch die zwei Bücher mit, auf die ich schon länger gespitzt hatte, dann fuhren wir wieder nach Hause. Im Flur kündete ein im Weg stehendes Schuhpaar davon, dass die Lieblingshausziege zurück sein könnte, doch sie ließ nur den Koffer im Zimmer und einen Zettel in der Küche, dass etwas im Kühlschrank sei. Nun denn.

Das waren noch die freundlichsten Gesichter auf dem Markt.

Draußen zwitschern die Vögel, innen jammert die Katze, sie möchte wieder raus. Das darf sie auch, für den Donnerstag habe ich nun auch einen Termin beim Tierarzt gemacht, eine Katze reicht schließlich völlig aus.

Heute passiert jedenfalls nicht mehr viel. Ich werde mir jetzt das erste Buch schnappen, mich auf das Sofa legen und lesen, was sonst. Was die anderen Tagebuchbloggerinnen gemacht haben, von denen Frau Brüllen jeden fünften im Monat so wissen möchte, was sie den ganzen Tag so machen, das gibt es bei ihr auch zu lesen.

Verbunden mit: Frau Brüllen.

Verbunden mit: Frühlingserwachen bei Always Sunny. 

Die Gartenlaube #Frapalywo

Ein Hüttchen, irgendwo.

Hinterm Rosenbogen duckt sich

die Laube zwischen den Apfelbäumen.

Ist trockene Heimat

für Spaten und Hacke, Pflanzholz und Schnur.

Vor staubblindem Fenster

weben Spinnen feinste Gardinen.

Am Nagel vier Schlüssel

zu verlorenen Türen.

Wer sie träumt, findet das,

was ihm fehlt.

Verbunden mit: Frau Paulchens Frapalywo, heute: Die Gartenlaube. 

 

Aussicht von Kaiser Wilhelms Gnaden #Rostparade

Blick vom Kaiser Wilhelm Gedächtnisfelsen auf Wunsiedel und Bad Alexandersbad

Im Herbst strolchten wir einen ganzen Tag lang durch das Felsenlabyrinth in der Nähe von Wunsiedel. Ursprünglich lagen ja die Felsen unzugänglich in der Landschaft herum, doch um 1790 fingen die Wunsiedeler an und gestalteten das Gelände als Park. Sie erschlossen Aussichtsfelsen, versahen diese zur Sicherheit mit einem Geländer und legten Wege an. Auch wenn der Tag etwas trüb und die Fernsicht nicht so klar war, als wir über Felsen kletterten und uns durch Spalten zwängten, lässt sich doch erahnen, wie weit das umliegende Land uns hier gewissermaßen zu Füßen lag. Diese Aussicht stammt vom Kaiser Wilhelm Gedächtnisfelsen, der sich zwar nicht mehr im eigentlichen Felsenlabyrinth befindet, sondern auf dem Weg zur Kösseine liegt, dem höchsten Berg im Fichtelgebirge.

Kaiser Wilhelm I. war Gründer des 2. deutschen Kaiserreiches und wurde von den Franken als Schutzherr gegen Bayern betrachtet. Es gab eine fränkische Linie der Hohenzollern – und Karl Alexander, Markgraf von Bayern, trat mit Bayreuth und Ansbach zwei Fürstentümer an Preußen ab. Da er kinderlos war, wären die Fürstentümer nach seinem Tod ohnehin preußisch geworden, so bekam er dafür sogar 300.000 Gulden jährlich. Die fränkischen Hohenzollern waren auch Burggrafen von Nürnberg, als jedoch Franken 1806 an Bayern fiel, fanden das die Franken irgendwie weniger lustig. 1897, zum 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. (der damals aber schon längst tot war), wurde der Felsen mit Stufen und Geländer versehen. Bezahlt wurde alles von einer Hamburgerin, die aus Wunsiedel stammte und ihrer Heimat noch sehr verbunden war.

Geländer am Kaiser-Wilhelm-Felsen.

Das Geländer ist inzwischen über 100 Jahre alt – und hält, auch wenn unter der doch recht dicken Farbschicht schon erste Rostspuren zu sehen sind.

Verbunden mit: Frau Tonaris Rostparade. 

Die gute Stube #Frapalywo

Eine gute Stube.

Leiste klirrt Kristall in der Vitrine,

knarren die Dielen unter den Schritten

wenn Großmutter aus der sorgsam gehüteten Keksdose

einzwei Deckelplätzchen abzählt.

 

Das magische Auge wacht über dem Knistern aus Hilversum,

Panzersperren aus Likörgläschenbatterien.

Unter der Fransentischdecke

wärmt die Heizsonne morsche Knochen.

 

Still tanzen Staubkörnchen im einzigen Sonnenstrahl

der durch dichtgewebte Gardinen dringt.

Hier wird nichts unter den Teppich gekehrt,

der jeden Samstag aufgerollt in der Ecke wartet, bis der Feudel feucht gewischt hat.

 

Verbunden mit: Frau Paulchen und die Gute Stube