Fragen an Frau Jaellekatz: Das Gewissen

„Warum bin ich so oft das personifizierte schlechte Gewissen?“

Irgendein Gesicht muss ja das Gewissen haben, ich meine, wie sieht das denn aus, wenn das Gewissen sein ganzes liebes Leben lang durch die Gegend ziehen müsste, und hätte kein Gesicht und keine Person, wäre quasi wabernd und nebulös. Nein, so eine Person und damit ein Gesicht zu haben, ist da schon recht praktisch, das findet selbst der Tod, der mit seinen Knochenhänden die allegorische Sense umklammert.

eggolsheim 070

Auch wenn die Lampe jetzt kaputt ist: Das ist doch kein Grund, den Kopf hängen zu lassen.

Nur für Dich, die Person, die eben so als Träger das Gewissen beherbergt und die von ihm regelrecht, also richtig nach allen Regeln der Kunst geplagt wird, für die ist das Gewissen, welches sie huckepack durch das Leben schleppt, etwas, nun ja, schwierig.

Vielleicht kannst Du ja einen Deal machen, einen Pakt mit dem Gewissen schließen. Wenn Du es eine Zeitlang beherbergt hast und Dich wirklich tadellos betragen hast: keine Kirschkerne in der Gegend herumgespuckt, beim Essen nicht geschmatzt und nie und nimmer war ein Finger in der Nase, ja, wenn Du also für eine gewisse Zeitlang, sagen wir mal, damit auch künftig ohne Gewissen alles richtig klappt, für vielleicht fünf oder sechs Jahre das Gewissen trägst, ihm Dein Gesicht, Deine Person leihst, Dich perfekt benimmst, dass Du dem Gewissen mit Fug und Recht sagen kannst, es solle sich scheren, auf einen Buckel, der es nötiger habe, als Du.
Wenn ich so überlege, wie viele Menschen herumlaufen, die scheinbar gar kein Gewissen haben, könnte das doch für Dein Dir aufgehucktes Gewissen ein ziemlich guter Deal sein.
Dann brauchst Du es nicht mehr zu tragen – und nicht mehr die Person für das Gewissen zu sein.

Vielleicht wirst Du es ja bei Ebay los. Für einen Euro.

Dieser Text ist für Dominik, der auf seiner Seite Neon/Wilderness ganz viele Texte zum Gewissen versammelt 🙂

5 Gedanken zu „Fragen an Frau Jaellekatz: Das Gewissen

  1. Liebe Frau Jaellekatz, ich habe den Text zweimal gelesen und finde ihn gut. Zu oft im Leben habe ich mich gewundert über Menschen, die offenbar gar kein Gewissen haben, ihr Gewissen, falls sie überhaupt jemals eines hatten, mundtot gemacht haben, weil die Gier, etwas Bestimmtes zu erreichen, ihnen wichtiger war als ein gutes Gewissen. Und ich habe mich manchmal gefragt, wie man damit leben kann. Aber wie es scheint, können es viele und lachen sich dabei eins ins Fäustchen… Liebe Grüße Edith

    • Gier, Sie sagen es, die Gier ist es, die den Menschen vergessen lässt, dass er einen Mitmenschen hat. Sie wird nicht ohne Grund zu den Todsünden gezählt, zu denen also, die der Seele ernsthaften Schaden zufügen. Aber wie es scheint, passen diese Menschen dafür hervorragend in unsere Zeit. An so was seltsames wie Seele glaubt ja niemand ernsthaft mehr. Und auch nicht daran, dass man sich benehmen müsse, den anderen Menschen gegenüber. Während des Augusts in Spanien fiel mir auf, wie zufrieden und einander zugewandt die Menschen dort wirkten. Sie sprachen miteinander und waren am anderen interessiert.
      Liebe Grüße
      Jaelle Katz

        • Gut, daß ich noch einmal zurück gekommen bin… Es stimmt tatsächlich, daß der Link zu meinem Blog nicht funktioniert. Das ist mir ganz neu, habe auch keine Erklärung dafür. Über ‚Staudenflüstern.blogspot.com‘
          bin ich doch hoffentlich nach wie vor zu erreichen. Wie man dort sieht, hat mich das Thema Gewissen heute fast den ganzen Vormittag gekostet. Wie wahr übrigens die obige Antwort auf meinen Kommentar.! Liebe Sonntagsgrüße Edith

          • Ich noch einmal, habe inzwischen folgendes überprüft: Klickt man auf meinen Namen, wo ich in anderen Blogs einen Kommentar abgegeben habe, gelangt man zu meiner ‚Edith Wenning – Google‘-Seite. Klickt man dort auf meinen letzten Post, ist man schon bei ‚Staudenflüstern‘. Nun weiß ich auch nicht weiter…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.