Mit Antonius in den Biergarten oder: Die endlose Zähmung von Max

Wo ist mein Schlüssel?“ Die Frage stelle ich vermutlich schon automatisch innen vor der Haustür, bevor ich gehen will, auch dann, wenn ich ihn bereits in der Hand halte. Die Lieblingshausziege ist auf diesen Satz bereits so geeicht, dass sie meinen Schlüssel sucht, bevor ich ihn überhaupt vermisse, besonders dann, wenn wir zusammen aus dem Haus wollen, damit wir nicht zu spät sind.

Damit Max in der Hundeschule lernt, wie er nicht mehr so schusselig ist, besuchen wir einfach Antonius in seiner Kapelle:

Antoniuskapelle 010Für verlorene Gegenstände ist in Bayern und überall dort, wo es katholisch zugeht, der heilige Antonius zuständig. Und zwar deswegen, berichtet die Legende, weil ein junger Mönch den Psalter, das ist ein Buch mit Psalmen drin, des Antonius ohne dessen Erlaubnis mitgenommen hatte, Gewissensbisse und ähnliches bekam und es daraufhin schleunigst zurückbrachte. Antonius lebte vor 800 Jahren, da war ein solches Buch eine wahre Kostbarkeit, besonders für einen Franziskanermönch, der doch in Armut leben wollte sollte. Damals wurden Bücher noch mit der Hand geschrieben, während heutzutage überlegt wird, den Schülern die Schreibschrift völlig zu ersparen. Den Buchdruck erfand Gutenberg jedenfalls erst rund 250 Jahre später, die Seiten bestanden aus Pergament oder handgeschöpftem Papier.

Antoniuskapelle 018Damit mir Antonius bei der Suche hilft, wenn die Lieblingshausziege mal unterwegs ist, war ich bei der seiner Kapelle auf dem Lauberberg in der Nähe von Höchstadt/ Aisch. Die war allerdings mit einem Gitter versperrt, das heißt, die Holztür ließ sich öffnen, aber das Gitter davor blieb fest verschlossen. Schade. Die Kapelle ist ziemlich alt und wurde dort gebaut, weil die Seherin Sybille Weis, eine adlige Dame aus dem nahegelegenen Dorf Ailsbach, gerne auf diesen Berg pilgerte. Sagt das Frankenwiki. Diese Seherin lebte ungefähr zur gleichen Zeit, wie der heilige Antonius und sie soll vorausgesagt haben, dass irgendwann die Frauen in Hosen gehen, Eisenungeheuer durch das Land brausen und Wagen ohne Zugtiere fahren können.

Antoniuskapelle 011Ob Antonius mir jetzt hilft? So quasi als Dank und Gegenleistung für meinen Besuch? Keine Ahnung. Es hilft aber mit Sicherheit, wenn ich meinen Schlüssel gleich an den Haken mit den Katzenschwänzen hänge. Und das Portemonnaie, das immer in der Jackentasche steckt, die an der Garderobe hängen bleibt? Das stecke ich vielleicht doch besser in die Tasche, die ich immer bei mir habe und in der ich meine Kamera mit mir trage.

Antoniuskapelle 024Hinter einem Wäldchen glitzern Karpfenweiher in der Sonne und Frösche hupfen mit einem Platsch ins Wasser, als sie die Schritte hören. Also heißt es leise sein, reglos sitzen und warten. Nochmal warten. Die Sonne scheint immer noch, es ist wirklich warm, schon fast wie im Mai.

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Langsam stecken die Frösche ihre Köpfe wieder aus dem Wasser, so lange halten sie es ja ohne Luft auch nicht aus. Sie haben einen grünen Rallyestreifen auf dem Rücken, der sie als Seefrösche ausweist. Ein Trecker zertuckert die Stille am Weiher, fährt halb drumherum, bleibt gegenüber stehen, der Bauer steigt ab und füttert die Fische. Der Trecker tuckert die ganze Zeit. Eine gefühlte getuckerte Ewigkeit später tuckert der Trecker weiter, bis er fast einmal um den Weiher herum ist, und hält. Störe ich etwa? Nein, keineswegs. Jetzt stellt der Bauer seinen Trecker wirklich aus und schwätzt: Über das schöne warme Wetter, über den fehlenden Regen, er habe schon Wasser in den Weiher pumpen müssen, weil ein Himmelsweiher normalerweise nur mit Regenwasser aufgefüllt wird. Zweihundert kleine Karpfen kämen in einen solchen Teich, und die Kormorane lauerten schon und freuten sich aufs Futter. Die Vögel bräuchten nur ein paar Stunden, dann sei ein Weiher leer gefischt, erklärte der Bauer. Und benamste noch die drei Dörfer, deren Häuser weiter hinten aus dem Grün spitzten. Dann sprachen wir noch von Biergärten im Allgemeinen, Kreuzbergkeller, Laufer Keller, und andere und dem Biergarten in Voggendorf im Besonderen, Vesperplatte mit Wurst aus Hausschlachtung und selbst gebrautem Bier, versteht sich. Dass er dort selbst hingeht, ist gewissermaßen die hohe Auszeichnung eines Einheimischen für seinen Biergarten.

Antoniuskapelle 033Also: Ab marsch zum Auto, das stand näher, als gedacht. Fahren. Der Bierkeller war leicht zu finden, lag auf einem kleinen Hügel und hatte den Charme eines Sportlerheims. Unter alten Bäumen die Bänke, mit Blick weit ins Land. Es ist ruhig, es ist sonnig und etwas windig, es kommen nur wenige Menschen heute, das ist schön. Ein Paar kommt von einer Beerdigung, erzählt die Frau und ist froh darüber, dass sie ihre Jacke für den Biergarten immer im Auto hat. Die Bratwürste am Nachbartisch duften würzig, doch die Kellerplatte schmeckt ausgezeichnet.

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