#Muttertag. Der Tag danach.

Mit dem Muttertag hab ich es ja nicht so. Wir hatten ja nichts. Dafür gab es bei uns den Internationalen Frauentag und den Kindertag. Mit Muttertagsgeschenken wurde ich allerdings selbst beglückt, als die Lieblingshausziege noch in den Kindergarten und die Grundschule ging: In den meisten Fällen gab es von den Erzieherinnen gebastelten Kram, den ich nach einer Anstandsfrist auch wieder entsorgt habe. Irgendwann habe ich mich mit einer der Erzieherinnen auch darüber unterhalten und sie gefragt, warum sie die Kinder nicht selbst etwas gestalten lassen. Die Mütter wollen was Schönes, antwortete diese. Die Mütter wollen nicht so sehr das Gekritzel der Kinder, das sie ja jeden Tag haben, oder einen von sandigen Kinderhänden gebackenen Matschkuchen. Nein, die Mütter erwarteten etwas, was sie wirklich dekorativ in ihre Wohnung stellen können. Gut, das waren nicht meine Erwartungen, insofern war das Entsorgen derartiger Gaben kein Problem.

Statt dessen gab es frischen Wind im Haus, unten die Haustür knallte zu und die darin befindliche Scheibe sprang entzwei. Die Scherben wurden entfernt, in die Mülltonne entsorgt und eine Pappe hindert jetzt den Wind zuverlässig am Durchpfeifen.

Der Mitbewohner wollte die Anhängerkupplung ans Auto basteln, das ging aber nicht so einfach wie gedacht. Ein Mittagessen (Ratatouille, superlecker) und ein Video später ging alles glatt und so waren denn bald die Räder hinten am Auto montiert.

Ab in den Aischgrund. Wir wollten dieses Mal einen Wanderweg mit Rädern fahren, 18 Kilometer schien uns etwas viel. Doch so einfach war es nicht: Wir mussten immer wieder gucken, wo der Weg weitergehen sollte, das hieß: Runter vom Rad, gucken, wieder aufs Rad. Als wir über den Waldweg hoppelten, stellte ich fest, dass ich mit meinem Damenrad zwar Rückengerade und ohne Schmerzen sitze, mich dafür aber auf den Wegen unsicher fühle, vor allen Dingen dann, wenn sie sandig und uneben sind.

Nach kurzer Auseinandersetzung Überlegung beschlossenen wir eine Änderung des Programms, fuhren einfach so kreuz und quer auf den dafür geeignet scheinenden Wegen, versuchten Straßen zu meiden und wollten nirgends mehr ankommen.

muttertag im aischgrund 007Wir sahen einen Storch, der sich putzte, fuhren einfach und landeten schlussendlich sogar dort, wo wir eigentlich hinwollten: In einem Weihergebiet, das Naturschutzgebiet ist. Wir stellten die Räder ab, warteten, bis die Frösche wieder auftauchten, saßen im Gras und ließen die Wolken ziehen. Mit ihrem Geschrei erinnerten mich die Möwen an die See, immer wieder lagen Fischskelette im Gras zwischen den Weihern. War den Reihern die Beute zu schwer geworden oder fraßen sie gleich dort, wo sie die Karpfen erbeutet hatten? Etliche Weiher waren trocken, andere relativ klar. Hier können keine Karpfen wohnen,  meinte der Mitbewohner.

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Räder im Gras.

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Frosch im Weiher.

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Storch fliegt ab.

Ob das der gleiche Storch wie im ersten Bild – oder einer der beiden war, weiß ich nicht. Wir fuhren noch ein Stück, landeten in einer Wirtschaft, an die sich der Mitbewohner erinnerte. Hier war er vor 35 Jahren das letzte Mal, sagt er. An einem Tisch nebenan saß ein Pärchen mit drei Kindern, alle in Fahrradklamotten und mit Rädern unterwegs. Während der Mann seelenruhig und völlig unbeeindruckt vom Geplärr der Gören in seinen Routenplaner starrte, versuchte die Frau zu schlichten und jedem Kind gerecht zu werden. Irgendeines jammerte immer. Was dem Mitbewohner auffiel: Der Mann fuhr ein superteures Bike, während Frau und Kinder auf Billigrädern unterwegs waren. Vielleicht ist er ja einer der Kampfradler, der auf der Bundesstraße tief gebeugt dem Nachmittagsverkehr trotzen muss, obwohl nebenan ein Fahrradweg bequemes und gefahrloses Radeln böte. Er stand bereits fertig da, hielt sein Rad und sich gut fünf Meter von den anderen entfernt, während sich die Frau darum kümmerte, dass jedes Kind seinen Helm ordentlich befestigte, jedes noch eine Waffel in die Hand bekam, diese aß und dann ging es weiter.

Ich fragte die Wirtin, ob die Weiher noch bewirtschaftet würden, so von wegen Naturschutz. Aber freilich, sagte sie, die Karpfenbauern hätten ja sonst nichts. Es gäbe eben nur mehr Auflagen dafür. Sie gab uns noch die Adresse eines Schmetterlingkenners, der war einst bei der Post, bevor er rausgemobbt wurde. Schließlich hatte er als Beamter noch eine richtige Banklehre abgeschlossen, erzählte sie, nicht so einen vierwöchigen Lehrgang, wie die heutigen Beschäftigten. Immer zählten nur die Zahlen und der Umsatz, die Menschen interessierten niemanden mehr.

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Keller.

Wir fuhren zum Auto zurück, kamen an einem Keller vorbei – unbewirtschaftet und mit unbequemen Bänken. Aber am Geländer hing tatsächlich ein Flaschenöffner.

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Im Keller.

Der Mitbewohner wagte einen Blick in den Keller, dort war aber nichts weiter. Auf dem Rückweg sahen wir die Familie aus der Wirtschaft noch einmal, sie hatten das Auto in einer Kurve geparkt. Jetzt stand die Frau daneben, während der Mann die Räder aufs Autodach und in den Kofferraum räumte. Die Kinder allerdings waren nirgends zu sehen.

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