Ostereiermalen in der Fränkischen Schweiz

Still ist es im Gruppenraum in Morschreuth, wenn 14 Frauen weiße Eierschalen mit bunter Farbe bemalen. Schimpft eine der Frauen leise vor sich hin, hat sie bestimmt gerade mit den Fingern in die noch feuchte Farbe getupft. Die Leiterin des Malkurses geht von Tisch zu Tisch, von Frau zu Frau, schaut hier über die Schulter, kommentiert dort das Muster und gibt viele Tipps, wie sich die Farbe gut mit einem kleinen Pinsel auf die Eierschale malen lässt.

Den Anfängern zeigt sie, wie sich mit dem Pinselrücken oder dem Zahnstocher die Farbe auf die Schale stempeln lässt. Die Formen, die dabei entstehen, haben oft besondere Bedeutungen: Punkte symbolisieren die Tränen der Jungfrau Maria, Wellen stehen für das weiche Wesen der Frauen und Zacken für das harte Wesen der Männer.

we 097Es gibt Frauen im Kurs, die kommen schon seit 30 Jahren in die Fränkische Schweiz, um jedes Jahr aufs Neue Eier zu bemalen. Eine von ihnen zieht extra einen weißen Handschuh über, damit sie die großen Eier besser in der Hand halten und die filigranen Blüten darauf malen kann: Das ist noch der Hochzeitshandschuh von ihrem Mann, erzählt sie. Eine andere Frau grundiert alle Eier mit Ocker und malt schwarze Muster darauf. Den Anfängerinnen empfiehlt die Kursleiterin, zunächst mehrere Eier in der gleichen Farbe zu grundieren und so eine kleine Serie zu gestalten.

we 109Die jüngste Teilnehmerin ist elf, die älteste über 75 Jahre alt. Während die Jüngste kleine Häschen auf ihre Eier malt, verziert eine andere Frau ihre Eier mit Katzenbildern frei nach Rosina Wachtmeister. Ihrer Gartennachbarin hatte sie vor einiger Zeit ein solches Ei geschenkt, jetzt hat diese sich noch zwei weitere gewünscht. Die Eier werden zunächst blau marmoriert, anschließend werden die Umrisse der Katzen mit weißer Farbe aufgetragen. Nur so leuchten später die anderen Farben richtig, würden sie gleich auf den blauen Untergrund gemalt, wäre das nicht der Fall, erklärt die Malerin.

we 081Die drei Tage Ostermalkurs verfliegen wie im Nu, nicht zuletzt dank der Rundumbetreuung, wie sie hier in der Fränkischen üblich ist: Gemeinsame Brotzeiten sind dabei ebenso angesagt, wie Kaffeetrinken und Kuchen für alle. Einige der Teilnehmerinnen übernachten in den hiesigen Wirtschaften und haben noch lange Spaß miteinander. Über 25 Jahre schon engagiert sich die Leiterin für die jährlich stattfindenden Ostermalkurse und hat sich dabei ein umfangreiches Wissen über unterschiedliche Techniken und Motive angeeignet. Das alles hat sie selbst an Eiern ausprobiert, von denen sie inzwischen bestimmt schon mehr als 500 bemalt hat, wie sie schätzt. „Kommen Teilnehmerinnen jedes Jahr wieder nach Morschreuth, ist das für mich die beste Bestätigung“, sagt sie und freut sich, dass die Frauen ihr die Treue halten. Die Kurse selbst finden in Kooperation von der Volkshochschule in Forchheim und dem Fränkischen-Schweiz-Verein statt.

Tipps zur Eierbehandlung vor dem Färben

– Das Ei mit Essig säubern, damit sämtliche Fettreste abgewaschen werden.

– Das Ei mit einem Eierstecher anpieken und die Löcher vorsichtig aufbohren: So springt die Schale nicht.

– Das Ei ausblasen und abwaschen.

Hintergrund:

Der erste Osterbrunnen dürfte in Engelhardsberg entstanden sein, erzählt die Kursleiterin. Eine Wasserleitung gab es dort erst seit 1913. Bis dahin wurde das Regenwasser in Zisternen und Gruben für Haushalt und Vieh gesammelt. War das Wasser verbraucht, musste es in der Nähe der Riesenburg aus dem Tal geholt werden. Auf diesem Weg hatten die Frauen 100 Höhenmeter zu bewältigen und mussten sich auf dem Weg nach oben immer wieder ausruhen. Die Ruhsteine des Brunnweges zeugen bis heute von dieser schweren Last, die von den Frauen damals getragen werden musste.

Damit das Wasser der Quelle genutzt werden konnte, musste diese sauber gehalten werden. Jedes Jahr wurde sie von zwei „Fegern“ am Gründonnerstag gesäubert und anschließend mit einem Fichtenbäumchen versehen. Seit dem Bau der ersten Wasserleitung werden die Brunnen in Engelhardsberg geschmückt. Von dort aus breitete sich dieser schöne Brauch aus. In den 50er Jahren drohte er zu verschwinden – glücklicherweise setzten sich engagierte Menschen dafür ein, dass die Brunnen weiter herausgeputzt wurden. Inzwischen werden die Brunnen sogar bis in den Nürnberger Raum hinein geschmückt und überall gilt: Ohne Wasser gibt es kein Leben.

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