Tagebuchbloggen: 5. April

Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?, abgekürzt: wmdedgt, das will Frau Brüllen heute wieder wissen. Gerade vom Ausflug zurück, bin ich dabei.

Vier Uhr in der Früh wurde ich geweckt: Ostersonntag. Wir hatten schließlich geplant, in die Auferstehungsfeier zu gehen. Nach einem Kaffee bin ich sogar einigermaßen wach, wir fahren in die Klosterkirche nach Forchheim. Singen, Licht, Kerzen, Weihrauch, Predigt, Zeit dabei, darüber nachzudenken, was eigentlich im Leben wichtig ist und dass ich mir gerade vorkomme, wie in einer fast vergangenen Zeit. Zurück nach Hause, Frühstück.

Ein bisschen herumtrödeln, Zeitung lesen, die Lieblingshausziege putzte sich, schließlich ist sie heute eingeladen. Das Essen – längst vorbereitet – muss nur noch fertig gemacht werden: Es gibt Schafbein, mit Schafkäse und Rosmarin gefüllt, dazu grüne Böhnchen mit Speck, Champignons, Sauce und vom Lieblingsmann selbstgemachte Nudeln in weiß und grün. Ein kleines Gläschen fränkischer Rotwein – dann geht es los. Der Lieblingsmann hat ein Ziel: Wir wollen zur Festung Kronach fahren.

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Geburtshaus von Lucas Cranach. Steht jedenfalls dran.

Kronach: Stadt, aus der Lucas Cranach stammt, der mir mit seinen Bildern lang vertraut, auch weil ich einst in Weimar studierte, unweit der Jacobskirche wohnte, auf dessen Friedhof er begraben liegt. Die Stadt wird überragt von ihrer Festung, die so groß ist, dass sie wie ein Trumm über dem kleinen Ort hockt. Gebaut von den Bamberger Erzbischöfen, die hier – wenn es in Bamberg unruhig wurde – ihren Schatz insgesamt 27 mal im Bergfried verstauten. Behauptete der Führer.

Aber erst gab es Kaffee und Kuchen, dann ging es hoch zu Europas größter Festung, ein katholisches Bollwerk gegen alle und jeden. Immerhin wurde die Festung in ihrer gut tausendjährigen Geschichte nie erobert. Nach dem dreißigjährigen Krieg ließen die Bamberger Bischöfe einen dritten Festungsring bauen, der letztendlich nie gebraucht wurde. Im ehemaligen Kommandantenbau haben wir die Ausstellung besucht – und dann eine Führung durch die Kasematten mitgemacht. Außer Stein war allerdings im Prinzip nichts zu sehen: Dank Napoleon fiel die Festung an das Königreich Bayern, diese verkauften alles 1888 an die Stadt Kronach, räumten aber alles aus, jeden Löffel, jeden Teller, und brachten das gesamte Inventar in mehr als 700 Pferdefuhren nach Ingolstadt.

Jetzt gibt es noch ein paar Impressionen:

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Klotzen, nicht kleckern: Die Festung Kronach.

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Der Eingang zur Festung Kronach.

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Der Bergfried.

 

Die ganze Festung hockt wie eine riesige Schildkröte über der Stadt.

Das Tor war einst richtig verriegelt, es gab eine Zugbrücke, und ein Gitter.

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Festung Kronach

 

 

 

 

 

 

 

 

Unter dem Rasen, der hier zu sehen ist, sind noch die Kasematten des dritten Verteidigungsringes. Wie gesagt: Klotzen.

Nach der Festung gab es noch ein Weizenbier in Kronach – und dann ging es ab nach Hause. Da bin ich jetzt glücklich wieder und lese noch ein bisschen, bevor ich ins Bett gehe. Immerhin war der Tag heute lang.

6 Gedanken zu „Tagebuchbloggen: 5. April

  1. Der Herr ist auferstanden!

    Auch mein Tag begann – wenn auch in einer evangelischen Kirche – ähnlich. Nur noch früher. Wir haben mit anderen Jugendlichen eine Osterwache veranstaltet, die nach dem Mitternachtsgottesdienst begann. Das gemeinsame Wachen und Wandern (Frühgottesdienst war in der Nachbargemeinde 5km weiter) habe ich echt genossen.

    Schöne Eindrücke hast du da mitgebracht!

    Liebe Grüße
    Jakob

    • Frohe Ostern, Jakob!
      Die Nachtwachen kenne ich auch noch 😉 ich war schließlich auch mal jünger.
      Kronach war schon beeindruckend. Ich werde auf meiner anderen Seite (Schreibreise) dazu noch einen Beitrag schreiben. Es gibt hier übrigens noch mehr solcher Festungen: Coburg, Würzburg, na ja und Forchheim als Bastion.
      viele liebe Grüße
      Sylvia

      • Dir ist die Tradition des Ostergrußes nicht bekannt? Mein erster Satz ist Teil eines altchristlichen Ostergrußes, der – angefangen bei den orthodoxen – immer stärker wieder in allen Konfessionen auflebt:

        „Der Herr ist auferstanden“
        „Er ist wahrhaftig auferstanden“
        „Halleluja!“

        Und Würzburg hab ich von außen auch mal gesehn. Bei meiner nächsten Fahrt in die Richtung…

        Liebe Grüße
        Jakob

        • Nein, den kenne ich so nicht 🙂 Jedenfalls nicht auf Anhieb. Heute morgen ging es ganz klassisch los, mit „Lumen Christi“ – „Deo Gratias“, die Redemptoristen, die die Auferstehungsfeier hielten, halten sich da ganz an die Traditionen. Auch bei den Grüßen. Auf der Jugendburg Feuerstein könnte es allerdings sein, dass sie sich mit diesen Ostergruß grüßen. Das hängt im katholischen Bayern immer seeehr davon ab, wie traditionell oder wie aufgeschlossen und fortschrittlich die Pfarrer bzw. Patres sind. Die Mönche sind allerdings manchmal moderner, beispielsweise in Münsterschwarzach. Aber wenn Ostern, dann Tradition. Das ist seit den Zeiten des hl. Benedikt festgelegt. 😉
          Liebe Grüße
          Sylvia

          • Wenn auch auf deutsch, so begann unsere Osternacht auf die gleiche Weise. Wir zogen gemeinsam ein in die dunkle, leere Kirche mit dem Ruf „Christ unser Licht“ – „Gott sei ewig Dank“. Der Gruß ist eher in die Zeit nach der Osternacht einzuordnen, eine Begrüßungsformel für die ganze Osterzeit.

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