Tagebuchbloggen am 5. Juli

Was machst du eigentlich den ganzen Tag?, fragt Frau Brüllen an jedem 5. des Monats.

Eigentlich wollte ich vor Tagesanbruch die Kühle nutzen, doch Max, mein lieber Schweinehund ließ mich erst erwachen, als die Sonnenstrahlen bereits auf meiner Nase tanzten. Dann eben nicht.

Zeitung

Zeitung

Den Kaffee gibt es mit Zeitung: Ich lese den Artikel von Slavoj Žižek in der Zeit: „Was ist jetzt noch links“, während vor dem Fenster die Elstern lärmen. Gestern habe ich noch eine Schüssel mit Wasser für die Vögel auf den Balkon gestellt, heute ist sie leer. Und das, obwohl der Nachbar gestern mit seiner Beregnungsanlage ein richtiges Regenfest für die Spatzen veranstaltet hat.

Als der Lieblingsmann die Brötchen holt, jammert die Bäckersfrau über die Hitze und darüber, dass sie am liebsten im Laden geschlafen hätte, weil dort der einzige klimatisierte Raum im Haus sei.

Serenade

Serenade

Ich schreibe noch schnell über die Serenade vom Freitagabend. Die Füße stecken dabei in einer Schüssel mit kühlem Wasser, die unter dem Schreibtisch steht. An diesem Abend spielte ein kleiner Junge selbstvergessen in dem Teich, aus dessen Mitte sonst eine Fontäne sprudelt und wurde – das vermute ich jetzt einfach mal – von den meisten Zuschauern rund um den Teich beneidet.

Zum Mittag Salat. Viel zu viel Salat. Aber sehr gut: Grüner Salat, Gurke und Paprika in Stückchen, geschnittene Pfirsiche und Erdbeeren, geschmorte Möhren- und Champignonscheiben, Schafskäse und Salatsauce.

Flohmarkt

Flohmarkt

Eine kurze Fahrt, zwei Dörfer weiter: Dort sitzen Menschen in ihren Gärten und Garagen, haben Tand und Tinnef auf Tapetentischen versammelt und warten auf Käufer. Das alte Geschirr, das sie zur Konfirmation geschenkt bekam, möchte eine ältere Frau jetzt endlich loswerden. Wenn es keiner haben will, kommt es in die Tonne, kündigt sie an – doch ich nehme nichts mit.

Auf der Rückfahrt bläst der Fahrtwind glutheiß durch das Autofenster. Das erinnert mich an die Erzählung: „Die Regentrude“ von Theodor Storm. „Die Luft ist lauter Feuer“, lässt Storm die Heldin unter der Hitze stöhnen. Er schrieb das Märchen einst in der Stadt, in der ich – Jahre später, versteht sich – die Oberschule besuchte.

Als Bilder und Text in der Redaktion sind, gibt es zur Belohnung Kaffee und Ruhe. Ich lese ein wenig herum und überlege, wie sich Amazon das so vorstellt: Die Autoren werden ab jetzt nach gelesener Seite bezahlt. Ich nehme aber an, dass der Käufer – auch wenn er das E-Book nicht lesen sollte, trotzdem den ganzen Preis bezahlen muss. Oder? Was passiert eigentlich dann mit dem Überschuss, dem Rest, dem, was beim Kauf bezahlt wird, aber nicht beim Autor ankommt?

Wenn ich mir ein Auto kaufe, bezahle ich dem Autohändler ja auch den geforderten Preis. Bezahlt der dann – je nach gefahrenen Kilometern – den Hersteller? Für ein Auto, das nur in der Garage steht und nicht gefahren wird, kriegt der Hersteller dann nichts?

Vielleicht sollte ich mir das mal von jemandem erklären lassen, der von Wirtschaft mehr versteht, als ich.

Ich fahre lieber mit dem Lieblingsmann auf den Keller. Dort ist auch eine Wirtschaft.

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Wandertafel am Parkplatz

Ergänzung: Wir fahren auf den Kreuzberg, und gehen dort auf den Lieberth-Keller. Das ist der kleine Keller in der Mitte, der uns ohnehin am sympathischsten ist. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Keller sehe ich, dass die Schuhe, die neulich schon an der Wegtafel standen, immer noch stehen: „Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest Uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.“

 

 

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Schuhe zu Füßen der Wandertafel

Ein Stieglitz hüpft unter den Bierbänken und sucht nach Futter. Fliegt auf, als ein Pärchen kommt: Sie in weiß-blond, mit Doppelkinn und Dreifachbauch im kleinen Schwarzen. Eng, selbstverständlich – und mit Pailletten am Ausschnitt. Er in brauner Tarnfleckhose, knielang, mit Aufschrift „Dragon Star“.

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Bier auf dem Keller.

Am Nebentisch mahnt die Frau ihren Mann, der vor einem Teller mit Pommes und Schaschlik sitzt: „Brauchst dich nicht so zu beeilen, isst dir keiner was weg!“

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