Von der Wiesent bis zur Kuchenmühle

Unterwegs. Dabei waren wir doch gar nicht unterwegs, unter dem Weg, unter den Wegen, sondern wir liefen auf ihnen. Wir liefen auf Wegen, auf Pfaden, von denen manche neu – und andere uralt sind.

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Die Wisent.

Unten an der Wiesent rinnt Wasser aus einem Rohr. Soll das die Quelle sein, von der die Frauen aus Engelhardsberg ihr Wasser geholt haben, immer dann, wenn es nicht genug Regenwasser gab? Das erste Pumphäuschen, das gebaut wurde, steht jedenfalls noch. Und funktioniert, laut Schild.

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Ein Ruhestein für die Wasserträgerinnen.

Der Pfad berauf war steil, schmal und rutschig. Dabei hatte ich es gut, ich musste kein Fässchen auf dem Rücken transportieren, gefüllt mit Wasser. Immer wieder große Steine, Ruhsteine, an denen die Frauen sich anlehnen konnten, ohne die Rückentrage abzunehmen. Wer eine dieser Frauen von damals geärgert hat, musste sich wahrscheinlich vorsehen, dass er keinen Tritt in den Hintern bekam. Wer täglich hundert Meter nach oben steigt, hat Kraft in den Beinen.

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Blick von oben auf die Wiesent.

Wir nahmen dann nicht den direkten Weg nach Engelhardsberg, den vermutlich die Wasserträgerinnen gingen, sondern gingen zum Aussichtsfelsen. Mit Last auf dem Rücken macht niemand mehr einen Umweg, nur um die Sicht ins Tal zu bewundern. So ein Aufstieg ist schließlich mühsam.

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Wegplanung. Warum ist die Karte ohne Maßstab?

Die Wirtschaft in Engelhardsberg hat für immer geschlossen, auf einem Schild verewigte der Wirt seinen Dank. Gegenüber auf dem Hof stand eine Meute Leute. Da gibts Schlachtschüssel, meinte der Mitbewohner. Und schaute auf der Karte, wo wir was essen könnten. Die neue Karte am Bushäuschen war gut lesbar – aber leider ohne Maßstab. Sechs Kilometer bis Oberfellendorf, schätzte der Mitbewohner, der sich als echter Franke hier auskennt. Mehr oder weniger wenigstens.

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Osterbrunnen in Voigendorf. Die Wirtschaft gegenüber hatte geschlossen.

Über Abertshof und Voigendorf – hier war die Wirtschaft auch zu, aber nicht für immer – nach Oberfellendorf. Warum, zum Kuckuck, müssen eigentlich Feldwege geteert werden? Auf ihnen fiel mir das Laufen deutlich schwerer, als auf Feld-, Wald- und Wiesenwegen. Glücklicherweise war die Wirtschaft geöffnet und das Essen ausgezeichnet. Dann der Rückweg.

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Auf zu Kaffee und Kuchen.

Als mich das Schild „Kuchenmühle“ in Albertshof angrinst, trennten wir uns. Der Mitbewohner flitzte über Engelhardsberg hinunter zur Wiesent, dorthin, wo das Auto stand. Ich nahm den kürzeren Weg, freute mich über Märzenbecher am Hang, wildromantische Felsen und harrte bei Kaffee und Kuchen aus, bis ich eine gefühlte Ewigkeit später abgeholt werde. Immerhin war der letzte Schluck Kaffee längst kalt und der Mohnkuchen gegessen.

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Kurz vor der Kuchenmühle.

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