Gesehen: Das Salz der Erde

Ich weiß nicht, wie lange es her ist, dass ich eine Fotografie von Sebastião Salgado das erste Mal bewusst wahrgenommen habe, aber ich weiß noch, welches Foto das war: Eines derjenigen, die das wimmelnde Treiben in einer brasilianischen Goldmine zeigen, wo abertausende Arbeiter ameisengleich Leitern klettern, Erde in Säcken buckeln, versuchen, reich zu werden.

img056In der ZEIT grinste mich die Ankündigung für den Film „Das Salz der Erde“ an, für den Samstagabend war noch nichts geplant, also ging’s ins Metropolis-Kino nach Nürnberg. In dem Kino lief der Film, ein Film über Sebastião Salgado, gedreht von Wim Wenders.

Was soll ich sagen? Beeindruckend. Ruhig. Da der größte Teil der gezeigten Bilder Fotografien waren, und sich diese nun einmal nicht bewegen, blieb genug Zeit, in den großformatigen Bildern von Salgado auf einer großen Kinoleinwand mit den Augen herumzuspazieren.

 

 

Wer sich ein paar der Bilder selbst angucken möchte, kann das

hier

und hier mal einfach machen. 

Für mich war der Film eine beeindruckende Reise durch unsere Welt, die heute schon so klein geworden ist, dass ich alles innerhalb von Stunden erreichen könnte. Und doch ist diese Welt viel größer, als wir sie uns jemals vorstellen können: Was bewegt Menschen, die in der Sahelzone am Verhungern sind? Wieso können andere Menschen diesen die Nahrungsmittel einfach vorenthalten? Warum bringen Menschen andere Menschen einfach um, wie es in Ruanda oder auch im ehemaligen Jugoslawien vor gar nicht langer Zeit geschehen ist?

Das sind Dinge, von denen ich einfach nur sagen kann: Ich verstehe sie nicht. Ich kann nur von mir ausgehen, von dem was ich kenne, was ich wahrnehme, was mir andere spiegeln. Aber was weiß ich schon vom anderen? Weiß ich denn, wenn er „grün“ sagt, ob er das gleiche „grün“ meint, wie ich? Gut, bei „grün“ könnten wir uns auf eine Wellenlänge einigen, die zwischen 490 und 575 Nanometer liegt. Doch das ist eine so abstrakte Angabe, dass von der grünen Farbe, ihren Nuancen und Zwischentönen, nichts übrig bleibt.

Beeindruckend fand ich auch Salgados Interesse an den Menschen, seine Aufmerksamkeit und Zugewandtheit, besonders zu denen, die oft am Rand übersehen werden. Manchmal zeigt Wenders sein Gesicht in den Fotos, während er von diesen erzählt, wo er die Aufnahme gemacht hat, und noch einiges mehr.

Ja, die Bilder sind sehr schön, sehr ästhetisch, auch und gerade dann, wenn sie ein Elend zeigen, wie es für mich kaum vorstellbar ist. Susan Sontag hat einmal die Bilder von Salgado kritisiert, er mache mit dieser Schönheit das Elend konsumierbar, überhaupt erst erträglich. Darf das Elend so schön gezeigt werden? Das wurde im Film nicht diskutiert. Als Co-Regisseur war Salgados Sohn dabei, der den Vater schon mehrfach auf seinen Reisen begleitet hat. Jetzt ist er groß, jetzt darf er mit: Wie fühlte er sich aber, als er klein war und der Vater wochen-, monate-, oder gar jahrelang unterwegs war? Vieles wird im Film nicht angesprochen. Das fand ich so im Nachhinein, beim Darübernachdenken ein wenig schade. Wenders hat Salgado ein schönes Denkmal gesetzt. Mehr leider nicht.

 

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