Stomp! In Nürnberg…

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Staatstheater Nürnberg.

Das Ticket für die Aufführung war auch für den Zug gültig und so waren wir mutig genug und fuhren trotz der Bauarbeiten auf der Bahnstrecke mit der Bahn. Glücklicherweise hatten wir genug Reserve eingeplant, die Zeit war nötig, da der Zug immer wieder halten musste, weil er einen anderen vorbeilassen musste.

In Erlangen stieg ein Mann in den Zug, setzte sich zwei Abteile weiter und informierte alle, die es wissen oder nicht wissen wollten, dass er gerade seine Schwester im Krankenhaus besucht hatte, wo diese gerade operiert worden war – inklusive aller möglichen medizinischen Details. Ob der Schwester das so recht war?

Zwei Mädels im Abteil gegenüber nutzten die Zugfahrt und frischten ihre Kriegsbemalung auf. Doch so viel, wie sie so im Lauf der Zugfahrt aus den Tiefen ihrer Schülertaschen kramten, finde ich noch nicht einmal, wenn ich das ganze Bad ausräume.

Der Zug fährt – trotz aller Verspätungen – gut eine Viertelstunde vor Beginn der Vorstellung im Nürnberger Hauptbahnhof ein. Ab Fürth hätten wir auch in die U-Bahn umsteigen können, doch ab hier fuhr der Zug wieder in normaler Geschwindigkeit und ohne zusätzlichen Halt. Draußen regnete es, wir flitzten die kurze Strecke vom Bahnhof bis zum Schauspielhaus und suchten gleich unsere Plätze.

Es waren – im Vergleich zu klassischen Vorstellungen – viele Jugendliche und Kinder da, also war es auch etwas lebhafter. Der Blick auf die Bühne war frei, kein Vorhang hinderte die Sicht auf die Gitterwand mit all den Töpfen, Blechen, Deckeln, Schildern, Tonnen und was sonst noch so daran befestigt war. Irgendwie fühlt sich das seltsam an: Die Ghettoatmosphäre des Bühnenbildes im barock verzierten Theatersaal, dazu rasante Rhythmen – warum soll ich da eigentlich still auf meinem Polstersitz hocken? Ich würde doch viel lieber mitmachen.

Der erste Krachmacher kam mit dem Besen auf die Bühne und fegte den Beat – die nächsten folgten und ab dann stürmte ein ganzes Klangwerk an Rhythmen in den Saal, in die Ohren, in die Finger und Hände. Es war echt unglaublich. Immerhin muss ja jeder der Künstler seinen eigenen Rhythmus halten, der dann im Zusammenklang mit den anderen die Melodie ergibt. Wie exakt sie das draufhaben, zeigten sie mit ihren Feuerzeugen, die wirklich völlig synchron aufflammten. Wow. Und wie schnell sich selbst etwas schwierigere Rhythmen lernen lassen, bewies das Publikum, das bereitwilligst alles nachklatschte, was vorne vorgeklatscht wurde. Zum Schluss gab es dann noch ordentlich was auf die Ohren, die Blechdeckel schepperten, was das Metall hergab.

Die Jugendlichen um mich herum freute es, ein etwas kleinerer Junge kicherte die ganze Zeit über den Schabernack, der auf der Bühne getrieben wurde. Und ich kichere immer noch, wenn ich nur daran denke, wie viele von diesen jetzt mit Muttis Töpfen in der Küche oder im Keller üben…

Die Rückfahrt ging dann zügiger im Zug, es waren wohl weniger Bahnen auf der Strecke unterwegs.

2 Gedanken zu „Stomp! In Nürnberg…

  1. Hallo Jaelle,
    schön, dass Du uns zu dieser außergewöhnlichen Aufführung mitgenommen hast. Dein Bericht lässt viel Freude, Spaß und frohes Miteinander vermuten.
    Liebe Grüße
    moni

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