Kleider machen Leute: Die Uniform

Uniform, die: eine (besonders beim Militär und bei der Polizei) im Dienst getragene, in Material, Form und Farbe einheitlich gestaltete Kleidung.

Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich Dein Bild in Uniform das erste Mal bewusst wahrgenommen habe. Zwar trägst Du auch auf dem Hochzeitbild eine Uniform, doch das Bild war viel zu klein, um sämtliche Details zu sehen.

Hättest Du doch nur etwas erzählt, wenigstens ein kleines bisschen. Dann hätte ich gewusst, dass der Totenkopf, der an Deinem Kragenspiegel zu sehen ist, keinesfalls auf eine Mitgliedschaft bei der SS deutete. Ich war übrigens nicht die einzige, die diesen Gedanken hatte, dass Du Mitglied der SS gewesen warst. Meine Mutter hat kürzlich in einem Gespräch erzählt, dass auch sie das glaubte. Bis jetzt.

Dabei wäre es so einfach gewesen.

Die schwarze Jacke zeigt: Du gehörst zu den Panzertruppen. Die Kleidung war so geschnitten, dass sie im engen Panzer genügend Bewegungsfreiheit bot, jedoch nirgendwo hängenbleiben konnte. Der Totenkopf auf dem Kragenspiegel ist ein altes Abzeichen: Bereits im 16. Jahrhundert trugen die Husaren einen Totenkopf auf ihren Pelzmützen. Erst die Ungarn und die Polen, später trugen ihn auch die preußischen Reitertruppen.

Die zwei ineinandergeschobenen Winkel zeigen: Du warst ein Obergefreiter.

Das Blitzsymbol: Du hast zum Nachrichtenpersonal gehört.

Das Band im Knopfloch dürfte ein EK II. Klasse sein.

So einfach wäre das gewesen. Wenn Du mit uns geredet hättest.

Stattdessen habe ich den Totenkopf am Kragenspiegel gesehen – und falsch geschlussfolgert. Wir wussten ja nichts. Für mich – wie für viele andere auch, nehme ich mal an, war der Totenkopf untrennbar mit der SS verknüpft. Wer diesen trug, gehörte zu den ganz Bösen. Ich habe mich gefragt: Wie konntest Du damit Lehrer werden? Was würde passieren, wenn das jemand herausfindet?

Übrigens: Die überlebenden Mitglieder Deiner Division haben sich noch lange in Kassel getroffen. Wenn es keine Grenze zwischen Euch gegeben hätte, wärst Du dort auch hingefahren? Bestimmt. Nehme ich mal an.

verbunden mit: Daily prompt. 

14 Gedanken zu „Kleider machen Leute: Die Uniform

  1. Ein Beitrag der mich gerade sehr berührt.
    Von meinem Großvater gibt es ein Bild, auf dem er – wie ich von der Omimi erfuhr – seine Fliegerjacke trägt. Der Rest ist nicht zu sehen. Sieht einfach nur aus wie warme Kleidung. Alle anderen Bilder wurden vermutlich in den ersten Maitagen 1945 vernichtet. Er war im frühen Frühjahr desertiert.

    • Hat er es überlebt? Oder wurde er erwischt? Da gab es ja bis zum Schluss im Mai noch irgendwelche Irren, welche die drohende Katastrophe nicht sehen wollten. Oder konnten. Was weiß ich denn. (In Jochen Mißfeldt: Steilküste ist so etwas bedrückend beschrieben)

  2. Ich finde, wir sollten viel mehr solcher Geschichten erzählen. Aus meiner Familie gibt es solche Uniform-Bilder nicht, weil sie am anderen Ende der damaligen Gesellschaft standen, oder besser wanderten. „Europäischer Migrationshintergrund“, eben. Flüchtlinge würde man heute sagen. Und damals waren meine Großeltern und Eltern genauso wenig geliebt bei den neuen Nachbarn wie die Flüchtlinge unserer Tage. Aber ich schweife ab.

    Vielen herzlichen Dank für diese schöne Geschichte zum Kleiderprojekt.

    • Wenn ich bedenke, wie jung die Soldaten damals zum Teil waren… In dem Alter werden sie ja heutzutage kaum alleine aus dem Haus gelassen 😉
      Ja, die Geschichten gibt es immer zu wenige. Es gibt übrigens eine Seite für Kriegsenkel, da die Folgen dieser zwölf Jahre immer noch in den Seelen zu spüren sind.

      • Liebe Jaelle Katz,
        den Text über Ihren Großvater habe ich mit Interesse gelesen. Und ja: Sie und Kollege Wortmischer haben freilich recht, solcherlei Geschichten sollten mehr erzählt werden – vielleicht wird ja ein weiteres Schreibprojekt daraus (? ; )
        (Mein Vater sprach übrigens auch nie über den Krieg. Vielleicht war das Schweigen vieler Kriegsheimkehrer über die erlebten Schrecknisse der Versuch, sich selber nimmer daran erinnern zu müssen?)

        • Lieber Nömix,
          ich schreibe bereits seit einiger Zeit Assoziationen und Gedanken dazu auf. Meine Mutter gab mir vor einiger Zeit einen ziemlich großen Karton, alles voll mit Briefen, die Großvater an die Großmutter geschrieben hat, die meisten aus Russland. Eigentlich steht weder Anstößiges noch anderes drin, doch meine Tanten haben hyperventiliert, als ich die Briefe hier im Blog einen nach dem anderen eingestellt habe (eigentlich, damit sie diese auch lesen konnten). Nunja. Jetzt übertrage ich sie und schreibe meine Gedanken und Erinnerungen dazu. Ich müsste diese vielleicht in einer eigenen Kategorie versammeln…

          • So. Geschafft. (Sooo viele waren es ja nun noch nicht). Unter: Großvatergeschichten sind jetzt die bisherigen Erinnerungen versammelt. Es werden nicht die letzten bleiben.

    • Dem Wortmischer kann ich nur voll und ganz beipflichten. Auch ich würde mich freuen, wenn mehr solcher Geschichten erzählt würden. Ich habe kürzlich selber einen Post geschrieben, der auch zum Buchstaben U gepaßt hätte. Es gab viele Leser, aber zunächst nicht einen Kommentar, bis sich eine Leserin traute. Zum Thema ‚Deutsche als Flüchtlinge in Deutschland‘ hätte ich auch noch einiges zu erzählen. LG Edith

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