Knotenpunkte #1

Befehle sind zu befolgen, waren einst zu befolgen. Wer sie nicht beachtete, sich ihnen widersetzte oder gar mißachtete, wurde bestraft, oft mit dem Tod. Ganz ohne ein: das-hab-ich-nicht-gewollt, oder ein das-hab-ich-nicht-gewusst, auch ein das-hab-ich-nicht-so-gemeint. Gesagt war gesagt, getan war getan, wer vorher nicht überlegte, dem blieb anschließend nur selten Gelegenheit dazu.

Der Ring, der einst Gehorsam hieß, war bindender als jedes andere Versprechen. Den jungen Menschen, die als Soldaten ziehen mussten, blieben nur die Sehnsucht nach dem Weihnachtsbaum, die Erinnerung an warmen Kerzenschein, an den Kartoffelsalat und die Bratäpfel, die wenigen Geschenke, wie warme Socken und selbstgestrickte Handschuhe. „Ich denke an dich“ stand millionenfach in Feldpostbriefen, sie wünschten sich nichts lieber, als Weihnachten daheim zu sein.

Doch es lagen mehr als 1000 Kilometer zwischen ihnen, den Soldaten und denen, die zu Haus geblieben, es gab kein Entrinnen. Weder aus der russischen Kälte – es sei denn in die Wärme einer Bauernkate und um den Preis, dort gemeinsam mit Schweinen und anderen Tieren unter einem Dach zu hausen. Die Alternative war der Tod, allgegenwärtig und hinter jeder Ecke, jeder Schneewehe lauernd.

Keiner wusste, was kommen würde, sie wurden getrieben von den Befehlen, von dem, was anscheinend getan werden musste, und berauscht von allem, was bisher geschah.

Die Schweine, die mit in der Stube hausten, landeten bald im Kochtopf, für diese war das kurze Leben vorbei. Die Menschen, die hier ihre Heimat hatten und überlebten, wurden nur drei Jahre später verurteilt. Kollaboration mit dem Feind lautete der Vorwurf, Deportation war die Folge.

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