Interpol, Trabantenstadt, Honigpumpe #abc.etüden

„Das kann nicht sein“, flüsterte Siggi fast tonlos. Nach dem Tod des Vaters hatte der Anwalt das Testament eröffnet und der Familie mitgeteilt, dass der Besitz unter den Brüdern verteilt worden war. Der Tochter blieb nur das alte Auto – und ein kleines Appartement in der Trabantenstadt, in guter Hörweite der Autobahn.

„Tja, Schwesterherz, die Honigpumpe wird jetzt abgestellt“, teilte der älteste Bruder grinsend mit und empfahl, ihren Krempel zusammenzupacken. „Ich schick dir nächste Woche einen kleinen Transporter, was da nicht drauf passt, kriegst du ohnehin nicht in die Butze rein.“

„Aber warum?“, Siggi war fassungslos.

„Ganz einfach, Schätzchen“, drehte sich ihr älterer Bruder noch einmal um: „Du hast jahrelang behauptet, dass du so arm wie eine Kirchenmaus bist. Da haben wir dafür gesorgt, dass es ab jetzt die Wahrheit ist.“

„Geh arbeiten“, empfahl der zweite Bruder: „Hast dich lange genug auf unsere Kosten ausgeruht. Und lass uns in Ruhe. Nach dir würde niemand suchen, auch Interpol nicht.“ 

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12 Gedanken zu „Interpol, Trabantenstadt, Honigpumpe #abc.etüden

  1. Fein (und realistisch vom Dialog her). Feines Auto, wenn sie das hat, kriegt sie dafür gut Geld, kann wegziehen und die Schuhschachtel in der Trabantenstadt an Studenten vermieten.

  2. Liebe Jaelle,
    was für ein toller Schnappschuss. Da geht wirklich die Fantasie gleich auf Reisen.
    Gerade in Schwarz-Weiß sieht es besonders realistisch aus.
    Hab einen an genehmen Donnerstag,
    lieben Gruß
    moni

  3. Liebe Jaelle,
    ein tolles Bild, auch wenn ich auf die Gesellschaft nicht so viel Wert legen würde, die sehen wirklich aus wie aus Mario Puzo’s Büchern – tolle Idee und ein interessanter Dialog
    Schönes Wochenende
    Kirsi

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