Licht bis nach unten

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ein Hutewald.

Unsere Welt, in der wir leben, wurde von Menschen einst so gemacht, auch wenn uns vieles heute so natürlich scheint, als sei es schon immer so gewesen. Die Eichen stehen relativ einzeln am Waldrand, doch innen sind noch mehr von ihnen: Da sie viel Licht durch ihr Laub lassen, wächst unten Gras für Schafe und Kühe, oben auf ihnen die Eicheln im Herbst für die Schweine. Dabei treibt kein Bauer mehr die Schweine in den Wald, während hin und wieder Kühe auf Weiden stehen. Doch auf diesen bieten keine Eichen mehr Schutz vor Sonne und Regen.

Unter diesem Eichen war es so schön, die warmen Sonnenstrahlen reichten aufs Gras, Insekten summten und Zweige flüsterten. Ich wäre so gerne noch eine Weile geblieben, doch der Mitbewohner war hungrig. So zogen wir weiter zur Wirtschaft.

Für ein Kriegsschiff wurden 700 Eichenstämme verbaut, die möglichst lang und gerade gewachsen sein sollten. Nicht nur für Fachwerkhäuser und Dachstühle, Möbel und Heizung wurde Holz gebraucht, sondern auch für Fundamente: Selbst das Deutsche Nationaltheater in Weimar steht auf mehr als 1800 hölzernen Stützpfeilern. Ebenso wurde Holz für die deckenspannende Weite der Kathedralen gebraucht, als Schalung, auf denen Stein für Stein gemauert wurde, bis mit dem Einsetzen des Schlusssteins alles hielt. Wer Kupferstiche oder Gemälde aus dieser Zeit genau betrachtet, wird sehen: Viel Wald gab es nicht mehr. Die meisten Kuppen und Hügel, die heute dicht bewaldet sind, waren damals ziemlich kahl. Es wurde viel mehr Holz verbrannt, als nachwachsen konnte.

Das ist mein Beitrag für Black&White von Czoczo. Und weils so schön ist, auch für den Schwarz-Weiß-Blick bei Frauke.

Damit der Vergleich möglich ist: Noch die Variation in Farbe. Die Eichen schieben erst ganz langsam ihr Laub aus den Knospen.

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Der Hutewald.

11 Gedanken zu „Licht bis nach unten

  1. aber habe ich irgendwo gehört …so ganz Tragisch ist nicht mehr . Inzwischen die Wälder wachsen ( wen die dürfen ) leider in Unsere Zeit Wird nicht mehr Wald gebraucht sonder fläche um Raps zu zu Pflanzen . Wenn man so durch die gegend fährt überall sind die Felder Gelb von Raps …und die Menscheit Hungert in Afrika . Traurig aber war
    Tolle beitrag !

  2. Es stimmt mich ein wenig traurig zu wissen, dass die Menschen vor so langer Zeit einen solchen Raubbau mit diesen herrlichen Bäumen getrieben haben.
    Dein Post gefällt mir sehr, macht mich nachdenklich.
    Danke für deine Verlinkung!
    Hab ein schönes Wochenende … Frauke

    • Ob sie deren Schönheit sehen konnten? Ich weiß es nicht: Ohne Holz wäre es weder warm in der Stube geworden, noch hätte es eine Stube gegeben. Vielleicht waren sie eher pragmatisch.

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